Mir scheint, daß dieser Brief viel Wahlkampfdemagogie enthält. Vielleicht ist das aber die Form und der Ausgangspunkt des Weges, der damit beginnt, daß man irgendwie versucht wieder miteinander zu sprechen.
Mein gestriger ötv-Partner in WB jedenfalls lehnte eine Teilnahme an der Veranstaltung am 27.2., an einer PDS-Veranstaltung, ab. #Vergl unser Flugblatt# Man akzeptiere PDS nicht als Partner, kaum den FDGB, der ähnlich diskreditiert sei.
# Damals freute man sich noch über Bonmots dieser Art. Das war doch mal ein Parteiführer, der rhetorisch etwas drauf hatte. Erst später begriff ich, daß nun Bonmots und rhetorische Floskeln klare (und theoriegeleitete) Aussagen ersetzen würden. #
Der Linie des nebenstehenden Briefes entspricht übrigens der von Henrich vor einigen Tagen im ND, der das weiterbestehende Medienmonopol meiner Partei anprangerte. Diese Leute reden schon mit uns in unseren Zeitungen aber noch und vor allem, um uns anzuklagen und uns möglichst viel zu unterstellen. Ihr Verhalten ist noch zweispältig.
Übrigens gestern auch bei der AL in WB. Sie wollen nach Möglichkeit jemanden zu uns schicken.
Auf dem Rückweg treffe ich Peter ..? von der Betriebsschule M-L. # Marxismus-Leninismus # Für seine Arbeit „Berufsbildung“ sieht er auch künftig eine gute Perspektive. Auch für ihn löst die völlige Niederlage des Systems des realen Sozialismus die Frage aus, ob nicht das kapitalistische System für den Menschen das bessere sei. Den guten, den reformierten („sozial-ökologisch“) Kapitalismus wollen viele enttäuschte Fortschrittler (so auch Günther Just im Fernsehen). Sozialdemokratismus.
Erstaunlich, dass in dieser Zeit weitreichender Verwirrung, meine innere Stimme nicht im geringsten zweifelt an der Notwendigkeit, dass große Privateigentum an den Pm abzuschaffen. Und ich glaube auch nicht, dass das 1917 anders als gewaltsam möglich war. Diese Enteignung bleibt die größte Tat des realen Sozialismus (der damals übrigens noch kein stalinistischer war). Seine größte Untat war, dass ihr keine gesellschaftliche Aneignung folgte.
Parteigruppenversammlung abends. Wir sind wenige. Aber wir werden optimistischer. Wir beginnen zu handeln.







Ich finde das pfiffig dieses Tagebuch. “Schade,” denke ich. So einiges hätte ich ja damals vor zwanzig Jahren gerne auch aufgeschrieben. Nur, aus meiner antikommunistischer Sicht hab ich mir das damals halt nicht getraut. Meine vielen Seiten der Tagebücher beinhalteten darum berufliche Nichtigkeiten, unwesentliches. Ich saß lieber da und hab mir das angeschaut. DDR, das war für mich Realkino aus einem Logenplatz betrachtet.
Naja, die “Genossen” haben manchmal wenigstens ein wenig mit geschrieben. Was ich am Telefon gesagt habe, was ich getan und manchmal auch geschrieben hatte. Ich habe damals gemeint, der ganze Laden, die DDR bricht zusammen.
Am 20. Februar 1990 war ich aus “XXXXXX” zurück. Da war schon alles in Thüringen zusammengebrochen. Ich machte in meiner Heimatstadt mit, Kommunisten weg zu hobeln und wusste auch sehr schnell, da kommt was noch miesers auf uns zu. Zu Hause war ja bisher eine harmlose kommunistische Riege am Werk. Ein kleiner innovativer außerfamiliärer Gruppenclan.
Landolf Scherzer hat das mal beschrieben in: “Der Erste”.
Manchmal denke ich, eigentlich war es eine kleinbürgerliche Mafiastruktur zwischen Handwerkern, klitzekleinen noch vorhandenen Unternehmern und SED Nomenklaturkadern. Es ging am Ende der DDR in meinem Dunstkreis nur noch um Ficken, Hirschgeweihtrophäen, Spee aus Berlin besorgen und Exportbier. Zugriff auf Forumschecks und Reisekaderprivileg.
Nun ist das alles uralte Geschichte…………………….
Gern lese ich pfiffige Antikommunisten. Daß ich mich gern von ihnen weghobeln lassen würde, soweit geht die Liebe nicht.
“Es ging am Ende der DDR in meinem Dunstkreis nur noch um Ficken, Hirschgeweihtrophäen, Spee aus Berlin besorgen und Exportbier. Zugriff auf Forumschecks und Reisekaderprivileg.”
DER Dunstkreis war leider riesengroß in der kleinen DDR.