18. März 1982 - Willibald Mayerl

Bus nach Hohndorf in Sachsen, wo früher Willibald Mayerl wohnte. Ich treffe seine Schwiegertochter, die mir viele seiner Bilder zeigt. 

[…]

Mayerl war Bergmann, Steiger und naiver, sehr produktiver Maler. Durch einen Artikel in der Zeitschrift „Magazin“ war ich auf ihn aufmerksam geworden. Wikipedia verfügt zwar über seine Lebensdaten (1896-1977), jedoch über keinen Artikel. Einige Abbildungen seiner Bilder gibt es hier:

http://kunstliebhaber.blogspot.com/

Eine dieser Abbildungen übernehme ich hiermit:

willibaldmayerl.jpg

Wahrscheinlich werde ich bald auf Opablog ein Posting zu Willibald Mayerl veröffentlichen.

Die Mayerl-Bilder beeindrucken mich stark. Selbstverständlicher Ausdruckswille! Fülle von Bildern. Es ist bedeutende Kunst, ohne daß der Autodidakt verleugnet wird. Für Ästheten ist es nichts. Bin mir nicht ganz sicher, ob ich ein, zwei Bilder haben möchte. Vielleicht fahre ich am 3.4. nochmal hin, wenn der Sohn da ist. Die Schwiegertochter war sehr freundlich und hat mir noch etliche Kataloge mitgegeben. Dieser Mann hatte etwas zu sagen, im Unterschied zu vielen Malern.

„Galerie oben“ (bekannte Galerie in Karl-Marx-Stadt) zeigt Münzner, der mich nicht fesseln kann.

Die von Mayerl selbst gebaute Gitarre!! 

Im übrigen war es in diesen Tagen viel zu wenig Schlaf und zu viel Alkohol. Ich habe nicht die geringste Lust, zu Hegrü zu fahren und entscheide mich in diesem Moment, es folglich nicht zu tun; werde sie vom Bahnhof aus anrufen und dann nichts wie nach Hause. […]

Hegrü am Telefon war betrübt. Ich kann es nicht ändern. Ohne die Absicht, mit ihr zu schlafen, kann ich mich dort nicht aufhalten. Soll sie mich abweisen, wenn ihr das zu wenig ist. 

Zu Hause: […] Christine zeichnet L. Sie hatten eigentlich Cordula, die Krankenschwester aus Buch, zum Zeichnen eingeladen. 19.30 Uhr hatte sie abgesagt, weil ihr geschiedener Mann, mit dem sie wieder lebt, es verboten hatte. („Dann komme ich auch mit.“) Welch ein Durcheinander sich die Leute schaffen! (Um wie viel besser ist das eigenen Durcheinander?) […]

Von Mayerl beeindruckt, frage ich mich, was erlebt L. eigentlich? Kind, alltägliche Besuche, gesellschaftliche Atmosphäre, doch sehr gefiltert. Mittleres! Große Kunst kann nur dort entstehen, wo die materiellen Grundprozesse der Gesellschaft selbst zum Schönen drängen (Renaissance).

 

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