25. März 1982


Rückenchmerzen, Schnupfen […]

Exkursionsabsprache mit Detlef Röder. Sie steigern ihren NSW-Export von 70 TM auf 500-700 TM mit Ziel bis 1985 auf 17 Mio M. Das wird dann nicht mehr mit viel „Kleinvieh“ gehen - neue strategische Fragestellung.

Ich war immer auf der Suche nach Betrieben aus unserem Industriebereich, dem Schwermaschinen- und Anlagenbau, in denen die gestellten Planaufgaben beispielhaft erfüllt wurden. Dabei nutzte ich natürlich meine Verbindungen zu früheren Teilnehmern unserer Lehrgänge, hier Detlef Röder, der, so weit ich mich erinnere, im Magdeburger Armaturenwerk arbeitete.

Ich hole im Centrum-Warenhaus meinen gestern gekauften Anzug ab. Ich gebe der Verkäuferin 4,-M Kaffeegeld. Warum? Tendenz, in bestimmten Situationen das Geld zu verschleudern, oder will ich Freundlichkeit kaufen? […]

Heut morgen kreuzt eine appetitliche junge Frau meinen Weg, eine Puppe im Arm, deren Haar sie glättet. Ich schiele hin, etwas länger. In dem Moment sagt die Frau lachend:“Nee, nee, ich spiel nicht mehr mit Puppen.“ Ich: „Schöne Puppe mit schöner Puppe!“ Sie: „Danke!“ Lockerer wäre gewesen: „Welches ist denn nun die schönere Puppe?“ Noch besser aber dann hätte ich blitzartig reagieren müssen, wäre gewesen:“ Aber ich… ich weiß nur noch nicht, welche die schönere Puppe ist.“ Das fiel mir 20 sec später ein. […]

Mit Anne kann ich gut schwatzen bzw. sie mit mir. Wir redeten über Mode. Sie weist auf die Zwänge der Frauen hin. „Wenn die Menschen doch ein bißchen mehr Farbe trügen.“ Verschiedene Bücher und Maler. Von Canetti ist sie nicht berauscht. Ich erzähle von Aitmatow, Quevedo, Mayerl. Sie schreibt an einem Buch über ihre Hausbewohner, ich erwähne mein Tagebuch. Sie erzählt: Wichertstraße abends, ein Mann tritt auf sie zu, bitte um Feuer, „greift mir an Brust und Möse“.

Peter Röske zufällig getroffen. Er ist auch interessiert an W. Mayerl und daran, daß ich mit ihnen korrespondiere. Er würde eventuell auch ein Bild kaufen (und dazu könnten wir im Sommer mal mit dem Auto runterfahren).

Peter Röske liebte Malerei und Grafik. 1990 eröffnete er seine eigene Galerie. Er ist früh gestorben.

Ertappe mich dabei, daß ich bei solch unverhofften Begegnungen registriere:“Au, fein, weiterer Kommunikationspartner, der im Buch festgehalten wird und meinen Reichtum an menschlichen Beziehungen demonstriert.“ Es bleibt dabei: Ich kann mich verändern, entwickeln, so viel ich will, ich bleibe doch immer mit mir selbst identisch (das Krämerhafte, Geizkragenhafte, Pedantische - das mit bewußt wird).

Aus einer Art Übermut, raschen Laune zur Physiotherapeutin gegangen. Sie (bedauernd):“Wir haben aber jetzt keine Sprechzeit.“ Ich :“Ich wollte eigentlich auch gar nichts von Ihnen - oder doch von Ihnen - wollte sie eigentlich nur mal wieder anschauen.“ Einige Sätze hin und her. Sie ist verlegen und nicht unerfreut. Morgen hat sie Sauna-Dienst. Ein netter, warmherziger Mensch (einfach, gefühlvoll und bald langweilig?) Warum streb ich so was Sinnloses an? Wieso sinnlos? Ich bin einfach neugierig und ein bißchen mutwillig.

 

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