03. Mai 1982 - Parteilehrjahr
[…] Eine neue Arbeitswoche beginnt. Schon der Montag hat es in sich.
# Wegen der andauernden Erkrankung meines Chefs bin ich weiterhin verantwortlich für alles: Arbeitsberatung, Kadergespräche, (mit heutiger Bezeichnung „Personalgespräche“), Vorbereitung der nächsten Lehrveranstaltung, eines einwöchigen Krerativitätstrainings, Vorbereitung der Propagandistenanleitung. (Als studierter Philosoph hatte ich die Aufgabe, die Propagandisten (ehrenamtlichen Lehrkräfte) des in den SED-Parteigruppen stattfindenden Parteilehrjahrs anzuleiten.) Jeder Genosse war verpflichtet, an diesem einmal im Monat stattfindenden zweistündigen Seminar teilzunehmen. Dieses Schulungssystem war straff organisiert. Die Themen waren vorgegeben, Es gab gedruckte Anleitungsmaterialien sowie eine monatliche mündliche Anleitung. Über die Durchführung war an die Parteileitung zu berichten. Trotzdem gab es für die Durchführung dieser Seminare einen Spielraum, der von langweilig-schematisch bis problemorientiert-streitbar reichte und von den Propagandisten unterschiedlich ausgeschöpft wurde. Insgesamt möchte ich aber einschätzen, daß das Parteilehrjahr vordergründig der ideologischen Ausrichtung aller SED-Genossen diente. Viel zu kurz kam die schöpferische theoretische Diskussion von Entwicklungsproblemen des Sozialismus in der DDR oder übernational. #
Mit Helga gestern war wieder ein erstaunlicher Höhepunkt, Wenn ich komme, wir berühren uns kaum, sind wir sofort begierig aufeinander und kosen sofort ungehemmt (was nicht heißt, das der Akt abrupt erfolgt). So oft wir bisher zusammen waren (kanpp 10x), glich kein Beisammensein bisher dem anderen. Es gab keinerlei Routine, immer war es eine neue Form und immer sofort absolutes Zusammenpassen, enormer Höhepunkt.
Eine Ruhestellung danach habe ich mir gemerkt. Das möchte ich eventuell bei der „jg. Frau,22“ # Vergl Eintrag vom 30.4.82 # fotografieren.x Den Brief schickte ich gestern mit leichter Bangigkeit ab. Die Woche steht im Zeichen des Abenteuers Reri.
Damit aber genug. Der Arbeit zugewandt!
xBeim Blättern finde ich eine gewisse Ähnlichkeit mit der Stellung des Aktes vom 9.4.82, doch schwebt mir der Körper liegend vor und etwas gestreckter (jedoch auch das eine Bein aufgerichtet) und der Blick etwas mehr von vorn unten (doch wird das letzten Endes von der Ästhetik des tatsächlich gegebenen Körpers bestimmt).
