21. Mai 1982 - sexsüchtig



[…] Gestern, beim Versuch, die „grandiose Schwarze“ wieder zu finden, stehe ich eine Weile am Bahnhof Baumschulenweg. Es wird eine richtige Schau üppiger Busen, meist reifer Frauen, nur mein Traum ist nicht dabei.

b820521-1.jpg

Abends, im Berliner Ensemble, habe ich (leider durch die Arbeitskollegen gehemmt) nachhaltigen Blickkontakt mit einer schwarzen Schönheit in der Seitenloge, reife Frau, die ein wenig an Quevedo erinnert, aber ohne deren Herbheit und Adel.

Nach dem Theater sitzen wir im „Adria“. Das ist z. B. solch ein Schuppen, wo Kontaktweiber herumlaufen.

Auf dem Heimweg gable ich eine angetrunkene, mindestens 55-Jährige auf (extrem kurzer Rock, fester Busen), aber schließlich weist sie mich doch ab.

Es ist der Zustand der Haltlosigkeit erreicht.

[…]

Die Analyse meines Tagebuchs wird mir zum Bedürfnis. In der nächsten Woche werde ich das tun. Das Übergewicht des Sexuellen, das sich hier wiederspiegelt, zeigt, wie sehr ich gefangen, unfrei bin. Es wird Zeit, daß ich zur Tat komme. Das Onanieren hatte gestern und vorgestern wieder stärker zwanghaften Charakter.

L. ging heute gegen 21 Uhr weg, „schwofen“. Nun ja, das Unglück wird wachsen. (Wichtig ist aber auch, zu Schlafen, wieder zu Kraft zu kommen. Ich zerstöre mich selbst.) In Ermanglung von Taten, ist der Umgang mit Aktphotos zur Manie geworden.

Und was das ganze Leben ausmacht, beginne ich zu vergessen.

Das Leben ohne Liebe entmenscht mich. Ich glaubte, daß ich nicht lieben solle, daß ich es nicht will. Doch fürchte ich, daß ich es gegenwärtig gar nicht kann. - Vom Schicksal verurteilt!

[…]

Der Theaterbesuch hat mich empfinden lassen, wie entfernt von der Welt des Geistes und der menschlichen Ideale (Werte) ich inzwischen bin.

[…]

b820521-2.jpg

 

 

# Das Bild aus der Zeitschrift „Fotografie“ habe ich ohne Unterschrift herausgeschnitten. Ich glaube, es zeigt, wie in Frankreich nach der Befreiung vom Faschismus eine „Deutschenhure“ geschmäht wird. #

b820521-3.jpg

 

Leave a Reply