24. Mai 1982 - Kaderarbeit im Realsozialismus
eklige Kreuzschmerzen,
die Vorbeugeuntersuchung ergibt Blutdruck 145/90. Ich kriege Reizstrom.
[…]
Gestern sogar im Fernsehen, in der „Aktuellen“, großer Bericht von der Eröffnung der Ausstellung Womacka!!
# Meine Abneigung gegen die platte Kunst Womackas war von jeher enorm. Womacka, zugleich Mitglied des ZK der SED, malte starkfarbige, einfach zu rezipierende Bilder, voller süßer sozialistischer Harmonie und bestellter Parteilichkeit. Sein „Paar am Strand“ oder „Peter im Tierpark“ schmückte jeden Kindergarten. Bekannt noch heute ist die „Bauchbinde“ am Haus des Lehrers am Alex in Berlin, auch der Springbrunnen auf dem Alex, „Nuttenbrosche“ genannt. L., die in Weißensee studiert hatte, während Womacka dort Rektor war, teilte die Heftigkeit meiner Abneigung nicht. Künstlerisch konnte sie natürlich nichts anfangen mit ihm, schätzte aber seine persönliche Einfachheit und Natürlichkeit. Während des Faschings ließ sie es sich nicht nehmen, einen Kuß auf seine Glatze zu drücken. #
Im „BE“ das Lenin-Stück: Die Szene des „Abtretens der Komsomolzen“ hat mich erschüttert. War so Lenin? Sicher eine mögliche Lesart… (der lernende und fast schon hilflos werdende Lenin). Das große Kunstwerk über Lenin, das totale Kunstwerk über ihn haben wir nicht, ja überhaupt haben wir erstaunlich wenig Tieferes über ihn.
Jugendschönheit!
Ein Körper, der auch schon für sich genommen zu ahnen ist, doch noch die Einheit von Körper und Mensch (Person).
# Zum Folgenden vergleiche auch hier. #
Der „politische Kampf“, bescheidener: Die politische Arbeit der Genossen im MSAB; bestimmter Genossen. Ich denke an die Auseinandersetzung Horst L./Gerhard Kleeblatt, ich denke an Golis Erzählen über seine Arbeit.
Hier habe ich tatsächlich das Gefühl, daß politische Ideale im Spiel sind. Diese politischen Ideale bestimmen die Handlungen mit, obwohl es zweifellos kein Handeln allein aus moralischen Werten heraus ist; es ist ein Handeln, das sich voll ins Übliche eintaktet aber doch noch eine andere Quelle hat.
Mit Goli wäre mir Zusammenarbeit möglich, wie sie zwischen Sch./G. nie denkbar ist. Zusammenarbeit des Prozesses, nicht des Prestiges wegen. Laßt die Jungen Verantwortung tragen!
Beschlüsse durchsetzen, indem Verletzer zur Verantwortung gezogen werden. Aber wie? Was passiert, wenn dazu die Kraft nicht reicht? Wenn der Minister Kaderdirektoren oder Generaldirektoren wegen Kaderfragen nicht zur Verantwortung zieht oder wenn diese sich nichts daraus machen, weil sie es sich aussuchen können, für die Nichterfüllung welcher Beschlüsse sie sich prügeln lassen?
Die Leiter, der Leitungsapparat - der goldene Fonds, der gehegt werden muß (gerade , weil er auch unerhört belastet werden muß).


