10. Juni 1982 – Akt fotografieren
[…] interessante Annoncen!
Wieder so ein Pärchen?
Egal: Ich schreibe auf jede derartige Annonce. Jetzt will ich wissen, was sich tut.[…]
Interessante Meinungsäußerungen übrigens im Gästebuch der Purrmann-Ausstellung. Für viele, die da schreiben, ist es Selbstdarstellung, wie überhaupt solche Notizen immer wie Rufe in die Leere wirken. Viel Begeisterung (z. B. Inge Keller), Genörgel, daß man diese Landschaften erst als Rentner sehen wird, P. wird der Nichtskönner und Schmierfink Womacka gegenübergestellt (dabei haben sie einen Berührungspunkt: die Dekorativität). Bevor man Purrmann glorifiziert - gegenüber Cezanne ist er nichts. Hofer, der natürlich ganz anders ist (spezifische Vorzüge Purrmanns nicht hat), ist natürlich viel wichtiger.
Die Bemühungen derer, die über Aktfotografie schreiben, kontrastieren mit der Gier, mit der derartige Bücher (z. B. Burkhardt: “Aktfotografie”) gelesen und behandelt werden (viele Seiten rausgerissen) und sie demzufolge von den Bibliotheken weggeschlossen werden.
Burkhardt enttäuscht. Natürlich gibt es immer Bedenkenswertes, mein Zugang jedoch ist das erotische Interesse. (Übrigens bin ich immer mehr von den Akten Günter Rösslers angetan.) Mein Interesse ist erotisch, ja z. T. von sexueller Nichtbefriedigung geprägt. Aus diesen Wurzeln allein werd ich keine guten Aktfotos machen. Jedoch gibt es eine starke Komponente des Erkennenwollens des Menschen dabei, in seiner Intimität, in seinem Geheimnis (nicht aus Lust an der Zerstörung des Geheimnisses oder gar des Menschen), und das ist die tragfähige Seite. Ich hoffe, daß in der Praxis dann das Ungesunde ausgärt.
Erstaunlich, welche Kontraste die Menschen selbst darstellen und ausdrücken können.
Die Arbeit mit den Kandidaten des 31. Lehrgangs macht mir Spaß, auch die Zusammenarbeit mit Goli. Jetzt würde ich es bedauern, wenn es mit dem Kaderdirektor nicht klappte. Werde im Ergebnis unserer Gespräche einen Ministerbrief aufsetzen.
Ich schätze neu die einfache, nützliche (Leninsche) Arbeit und bin von erneutem, vertieftem Mißtrauen gegen die Selbstzwecklichkeit der Kunst erfüllt. (Das vertieft den Graben zu L.)
[…]
Widerliche Fernsehschauspiele des Westens in diesen Tagen. Reagan, Thatcher präsentieren sich, zugleich werden die Bilder von ihren Kriegen gesendet und Haß auf die Sowjetunion geschürt. Dieser Auswurf der Menschheit! Will es das Schicksal, daß die Welt noch einmal, ein letztes Mal, ihre Eiterbeulen auf den Rücken der Russkis gesundet?
Die Wachen sind wach. Die schlafen, schlafen tief.
Faßbinder gestorben, mit 36 Jahren, auch so ein Einschläferer, Boys und viel zu viele andere Clowns in der großen Bonner Friedensdemonstration.
[…] Burkhardt „Aktfotografie“ Halle 1958:
B. ist halt schon sehr alt. Jedoch:
S. 61: „Die pornographische Darstellung ist lebenszerstörend, lebensverneinend.x Die edle Aktdarstellung ist lebensfördernd, lebensbejahend.“
S. 57: Die künstlerische Erhöhung der Nacktheit zum Akt.
S. 64: Aktaufnahmen aus erotischen Interessen, aus erotischem Interesse Modellstehen für Aktaufnahmen.
S. 67: Der Fotograf als Psychologe gegenüber dem Modell, Einfühlung, der sinnliche Aktfotograf!
S. 69: Auch das „an sich nicht Schöne“ kann gut gestaltet werden
S. 70: Aktfilm
S. 70f: gute weite Auffassung davon, was alles Akt sein kann (eigentlich alles)
X Damit ist sie nicht nur ästhetisch, sondern sittlich verurteilt.







