11. Juni 1982 – Dummheit des Sports
3.30 Uhr, Rotlicht
4.00 Uhr, schlaflos
7.20 Uhr Reizstrom (Die blonde Physiotherapeutin), dann Sauna, dann Ärztin Dr. Rose. […] Der schlechte Schlaf dieser Nacht hat mich völlig schwunglos gemacht, quäle mich (in größter Mißstimmung) durch die Sauna. […] Ekelhaft, mein ganzer psychischer Zustand schreit danach, schnell verändert zu werden, und zugleich muß ich auf die geringste Aktivität verzichten. Mein Unterschenkel brennt wie Feuer. […]
Kürzlich Bilder vom Olympischen Tag gesehen, auch welche von der Olympia-Stafette aus Griechenland: Dummheit des Sports! Diese ausmodellierten großen Körper - wie Prachtwürste, die Geballtheit! Schlagfähigkeit! Dabei die Gesichter nicht unintelligent. Und dann diese immergleichen Bewegungen, immergleichen Spannungsmomente, seit Jahrzehnten gleichen Bilder: Die anlaufende Hochspringerin, der Hürden-Start, der Kugelstoßer, Einritt der “Giganten der Landstraße” auf die Aschenbahn und so weiter und so weiter. Gewiß gab es einige Sportler, die ihren Verrichtungen den Stempel ihrer Persönlichkeit aufdrückten: unerreicht: Täve Schur; heute aber wirken viele der Spitzen der Spitzen wie notwendige (und darum menschlich eher zufällige) Produkte ausgeklügelter Trainingssysteme. Es ist ungeheuer langweilig (auch weil die Leistungen das normale (eigene) menschliche Maß weit übersteigen). Massengenuss von Sport - das ist ein Gradmesser der Kulturlosigkeit der Masse.
Übrigens ist Jutta Langenau mit 48 Jahren gestorben.
# Jutta Langenau war nach meiner Erinnerung die erste Europameisterin der DDR im Schwimmen. Sie starb am 9.7.1982. Obigen Ergänzugssatz habe ich offensichtlich später ins Tagebuch eingefügt. #
14.20 Uhr: Eben, am hellichten Tag, kann ich vom Fenster aus eine Schlägerei „bewundern“. Ein feister, schon ziemlich glatzköpfiger Kerl von vielleicht 30 Jahren. Sein „Mazda“ steht am Straßenrand. Ein Zweiter bleibt darin sitzen. Der Andere ist ein Bengel von kaum 20 Jahren mit wildem Haarschopf. Er hat ein Fahrrad bei sich, das seine Kumpels halten (3, 4, auch Mädchen dabei, sehen eigentlich wie Schüler aus.) Sie boxen, treten, ringen (vor allem der Ältere) mit großer Aggressivität. Der Junge wird bleich wie die Wand, der Ältere wird rötlich. Es geht irgendwie Patt aus. Sie haben sich ineinander verkrallt und können nicht mehr weiter. Schließlich setzt sich der Froschköpfige in sein schickes Auto und fährt davon. !
(Vermutlich hatten die Jungen den Autofahrer irgendwie behindert.)
[…] 23.00 Uhr, ein wunderbarer Landregen fällt. Der Kleingärtner bedauert, daß die Obstbäume noch nicht gedüngt sind. Bestimmt werd’ ich morgen, wenn ich einmal im Garten bin (Garten und Regen!) auch noch anfangen, die Bäume zu spritzen und zu düngen.
# Damit ist Band 3 des Tagebuchs zu Ende. #


