12. Juni 1982 – Stoph, Vogeler, Faßbinder



[…]

 

Im Garten alle Obstbäume mit „Piaphoskan rot“ gedüngt (Pflaumen dabei zu kurz gekommen), Blaubeeren mit „Aziplex” und Schwefel. Erste Erdbeeren. […]

Wiedermal ‘ne Sendung im Westen über „Stadtstreicher^“: Personen, die ständig am Bahnhof Zoo „aufenthaltlich“ sind, „Nichtseßhafte“, „Unterprivilegierte“.

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F. vergnügt sich auf der Spielwiese am Weißen See. Das Planschbecken ist gefüllt. Viele Kinder spielen, wie sich die Erwachsenen dazu verhalten! Das muß ich mal genauer beobachten (Man könnte es auch fotografieren. Aber wenn man es aufschreibt, ist es leichter, eine eigene Wertung mit hineinzubringen.) F. spielt nicht drauflos. Er guckt immer wieder viel und erobert sich Schritt für schritt, besser Kreis für Kreis die Rutschbahn, den Planschsee. All das macht viel Spaß. Motive auch für Maler.

Im Fernsehen Bericht vom Lehrertag. Man zeigt ein „Gespräch“ Stophs und M. Honeckers mit zwei Lehrern, die gerade aus Beirut zurück kamen. Stoph wirkt dümmlich erstaunt als der Lehrer vom Bombardement berichtet. 500 m entfernt seien die Bomben eingeschlagen, wird auf eine entsprechende Frage Stophs geantwortet. Stoph sagt irgendsoetwas, wie „Na, so was“, hätte auch sagen können „ganz schön schon“ oder „nit mööglich“. Schmerzhaft, diese Unfähigkeit zu einer normalen menschlichen Reaktion. Von der eigentlich notwendigen Reaktion eines „Volkstribunen“ (Lenin: „Was tun“) ganz zu schweigen.

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H. Vogeler ist mir sehr unbekannt. Das Wenige, was ich kenne (im „Alten Museum“, Berlin), spricht mich nicht an. Aber wichtig sind allein schon die enormen Wandlungen dieses Lebens.

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[…] Im Westfernsehen Faßbinders Film: „Ich will doch nur, daß ihr mich liebt.“ Nach der ersten Dreiviertelstunde breche ich den Fernsehgenuß ab. Er stellt die Menschen so dar, als sein ihnen ihr sozialer Sinn völlig amputiert, ihr soziales Bewusstsein. Das ist geradezu seine Manie, das soziale Unterbewusstsein darzustellen. Das ist sein BRD-Realismus. (Dabei ist er genau und wahr.) Das macht ihn für die Mächtigen so brauchbar. Vielleicht provoziert seine Genauigkeit dabei einstmals ein schlagartiges Erwachen (Daß sich die Leute an den Kopf schlagen:“Wie konnten wir nur so beschränkt sein.“) Faßbinder – der Widerspiegler des Denkens der Unbewußten, der BRD-Gehirnamputierten.

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