14. Juni 1982 - Honecker, Hebbel
[…] Kalt und feucht ist es heute. Hoffentlich bleibt es nicht so. Mit dem Juni, den ersten Ernten, ist der ganze Sommer (also auch sein Vergehen) schon wieder im Blick. […]
Goli erzählte wieder voller Verärgerung von der letzten Kollegiumsberatung, wo er wieder für irgend eine formale Kleinigkeit “Dresche gekriegt” hat. Er fühlt sich schikaniert und von der normalen Arbeit abgehalten. Ein großes Hemmnis sei das Hinauszögern von Entscheidungen durch Kersten. # Minister # Ich glaube ihm das meiste, habe jedoch kein eigenes Urteil. Unseren Ministerbrief haben wir (auf der Grundlage meines Entwurfs) fast ohne Diskussion fertig gemacht. […]
Im Radio redet Honecker kreischend geradezu, mit sich überschlagender Stimme, von unserem Humanismus anlässlich des Charite-Neubaus. Wie können nur Inhalt und Form derart auseinander fallen? Wie kann eine Form nur derart abstoßend sein?
# Am 12.6. hatte ich mich sehr negativ zu Stoph geäußert, jetzt zu Honecker. In meinem aktuellen Blog dazu einige Überlegungen aus heutiger Sicht. #
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Nachdem ich von Hebbel abgekommen war, blätterte ich wieder und bin wieder aufs Höchste beeindruckt von vielen seiner Beobachtungen:
Eigensinn ist das wohlfeilste Surrogat für Charakter (S. 145)
Überzeugung, dass es nichts Ursprüngliches gibt, “dass wir den Gedanken in dem Augenblick, wo wir uns seiner bewusst werden, schon zu etwas gemacht haben.” (S. 83)
“Es ist eine Wahrheit, von der sich jeder möglichst früh zu überzeugen suche, das sich im Leben nichts nachholen lässt.” (87)
“Der Philister hat oft in der Sache recht, nie in den Gründen.” (88)
“Die Religion der meisten Leute ist nichts, als ein “Sich schlafen legen…” (90f). Weitere Gedanken hier zum Ende der Religion, die Menschheit habe “das große Geheimnis” die “Einsicht in das Nichts” gewonnen. Also Ideenlosigkeit, das Leben sei ein Krampf, ein Rausch, woher eine Idee nehmen, Idee einer freien Menschheit? “Die Weltgeschichte sammelt, sie sammelt Strahlen für eine neue Sonne; ach eine Sonne wird nicht zusammengebettelt!” (91)
(Dies - natürlich anders weltanschaulich eingebunden - ist genau mein Gefühl.)
