07. August 1982 – 13. August 1982 – erste Woche Krankenhaus

# Die Eintragungen dieser Woche fasse ich zusammen. #

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die täglichen Behandlungen, Lakenbad, Wickel; ferner, Blutanalysen, Blutegel, Reizstrom, Schlammpackungen – Geduld, Geduld, sanfte Ankündigung einer Operation;

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Lesen: Zeitungen und Zeitschriften – ND, BZ, Illustrierte, Weltbühne, horizont, bildende Kunst, NBI, für dich, Armeerundschau;

Aitmatow, „Der Tag zieht den Jahrhundertweg“, Jean Paul, „Flegeljahre“, Arkadi und Boris Strugazki, „Stalker“, Homer, „Odyssee“,

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8.8.: In der Nacht gibt es Momente, wo ich schier ersticke. – Die dumpfe Hitze. Wegen der Mücken alle Fenster zu, durchschwitztes Bettzeug, durchschwitzter Schädel, Bewegungsunfähigkeit, schnarchende Nachbarn. Du kannst nichts machen, nur ausharren. So ähnlich muß es einem verschütteten Bergmann zu Mute sein. Im Ganzen hier aber Milderung der Beschwerden.

Manchmal wird mit bedenklichem Gesicht mitgeteilt, daß sich diese oder jene Völkerschaft überdurchschnittlich schnell vermehre. (Ich rede hier nicht von der BRD, sondern von Bürgern der DDR, auch Kommunisten.) Im Grunde keimt hier bereits Nationalismus, Rassismus.

Aitmatows „Jahrhundertweg“ erschließt sich tatsächlich erst vom Ende her. Erstaunlich. Aitmatow beobachtete (S. 359) ‘den Neid auf die Persönlichkeit des anderen Individuums!’ Auch die Betonung der (Gott)-Gläubigkeit des Edige in Gegenüberstellung zu „modernen“ Maschinenmenschen hat einen tiefen Sínn. (Gott)-Glaube als Menschlichkeit!

(Die Leute von heute denken an ihre Hintern, damit sie es süß im Maul haben.)

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10.8.: Kein Trieb zum ausführlichen Protokoll. Nehme auf, mag nicht reflektieren bzw. Reflexionen aufschreiben.

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12.8.: Interessantes: Wie die Leute Radio hören; die Grafiken, die L. mir zum Geburtstag schenkte; das Erlebnis der sowjetischen Romane (Granin, Aitmatow, Trifonow), glauben die Russen noch an ihre Revolution? Dialektik im Kunstwerk; die Dichter „heften die Augen“ (Hölderlin); das Erlebnis „Odyssee“; das Vergnügen „Jean Paul“ (der Traum von der Freundschaft, „Flegeljahre“ (Reclam) S. 124)); Manipulation in den Westmedien; Zynismus bei uns: Der Beirut-Berichterstattung folgen Informationen über Schwimm-WM-Triumphe.

Artikel von Thea Kowar über Besuch in SU

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depressive Momente (keine Fortschritte, Angst vor dem, was mich erwartet, keiner, den es wirklich schmerzt, daß ich hier bin)

Sowohl Schlammpackung, als auch Reizstrom lassen mich wieder etwas hoffen.

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13.8.: Reizstrom war mir gestern so gut bekommen! Heute morgen tun die entsprechenden Stellen ziemlich weh, wie ein starker Muskelkater. Typisch für diese Krankheit, daß es Grund zu großer Hoffnung und ebenso schnell zu keiner Hoffnung gibt. Wenig Kontinuität, jedoch: Eine winzige Tendenz zur Besserung scheint übergreifend. Nur ist sie so winzig, daß sie in Wirklichkeit Stagnation ist?

Homer ist ein großes Erlebnis (Wenn ich ihn doch im Original lesen könnte!) Mir erscheint er als der Stammvater – Hölderlins. Dieser wie jener hat eine unvergleichliche poetische Genauigkeit. Damit meine ich, daß ein innerer (psychischer) oder äußerer (objektiver) Sachverhalt in einem einzigen Wort oder Bild vollkommen genau (ohne Rest) und atemberaubend schön ausgedrückt wird.

Dann die Objektivität, die sich mit einer skrupellosen rhetorischen Apologetik der Mächtigen mischt bzw. ihrer Einbettung in die Idylle. Der Sänger preist jeden, an dessen Tafel er willkommen ist oder es einmal sein könnte.

Die Verantwortung für alle wichtigen Entscheidungen wird mit naiver Konsequenz den Göttern zugeschoben. Das ist im Grunde heute auch noch so bei den vielen herzenskalten Christen (Elke, Christine, Hartmut). Gott als ein Zweckbegriff des Menschen, des Individuums. Anders bei Aitmatow (Vergl. Eintrag 8.8.), wo Gott die Aneignung der Menschheit und Menschlichkeit durch das Individuum bezeichnet.

Ich preise – wie früher schon mal geschrieben – das Individuum, das tabula rasa machte als Voraussetzung dafür, alles zu werden.!

Doch wie wird dieses tabula rasa-Individuum ein totales menschliches? Diese Möglichkeit wird keineswegs spontan zur Wirklichkeit!

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