01. Oktober 1982 – mißglücktes Gedicht „Schwestern“
[…] 7 Zimmerkumpel, 2 Neue.
Walter Sickfeld - 36 J., Chemie-Ing., Ökonom, Außenhandelsbetrieb Chemieanlagenimport, bereiste die ganze Welt, orientiert sich jetzt, eine Kneipe zu übernehmen, früher Turniertänzer;
Arno Spielberg - arbeitet in Abdeckerei, ramscht dabei viel noch unverdorbenes Fleisch.
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Lesen: Wochenpost
Hören: (Kopfhörer): Beethoven, Streichquartett a-moll, op. 132
Behandlungen: Sauna, Wickel, Periost-Massage, Gymnastik, Perl
Nachlese vom Europapokal-Mittwoch. Alle DDR-Mannschaften schieden aus. Erschreckend, wieweit schon die Disziplinierung und Entmündigung geht: Besonders im ND. Das Debakel wird beschönigt, ist kein Anlass zu ernsthafter Kritik. Schmale Spalte Kritik in der BZ (von W. Hartwig) aber sachlich und klar.
Wenn über solche Scheiße wie Fußball schon kein offenes Wort mehr gesprochen wird! Was ist dann faul an unseren Medien, an unserem Staat?
Gestern Blick in die Zeitung der LDPD. Da wird deutlich, was „gleichgeschaltet“ heißt.
Trotz großer Bemühungen und guter Absicht bewältige ich das Gedicht „Schwestern“ nicht. Ich kenne meinen Gegenstand ungenügend, habe nur einzelne, zufällige Eindrücke, kann seine Spezifik kaum benennen und daher schon gar nicht bildkräftig darstellen. Die Unterscheidung der Schwestern gegenüber anderen (Ärzten, Physiotherapeuten), die auch helfen, gelingt daher nicht. Der Gegenstand selbst ist allgemein, höchst komplex, vielfältig, widersprüchlich, also an sich schwer zu fassen. Der Antrieb zum Dichten war mehr als ich es mir eingestehe der freundlich-erotische Reiz einiger Schwestern. Das unterschlage ich im Gedicht. Ein Nebenmotiv ist der Wunsch, glänzen zu wollen. Das unterschlage ich auch. Das angestrebte Preisgedicht verführt zusätzlich zu Abstraktionen, zum „Ein-Fußhoch-Schweben“ über dem Erdboden, er erhebt sich ja bewußt über einzelne Seiten des Gegenstandes und will ihm ganz gerecht werden.
Soviel Punkte, soviel Mißlingen. Ein Pluspunkt: Dies selbst erkannt zu haben. Vielleicht kann etwas Scherzhaftes, Ironisches, erklärt Anspruchsloses gelingen.[…]
Und ich glaube es gelingt sofort etwas – mein kleines Testament.