12. Oktober 1982 – ein sinnvolles Leben führen; Brief an Mayerl

# Abschrift Protokoll Band 6 beginnt. #

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 Bus nach Buch, Blutabnahme, beim GD Sero, Anruf von Heidrun (die sich freut, daß ich mich freue).

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Versuch Anruf bei Gross, klappt nicht. Gymnastik – So wie es wieder in der Wade brennt… verdammt, ich könnte es mit der Angst kriegen. Anruf von Roderich. Brief an Mayerl.

In der Kunst wie im Leben: Sich wiederholen oder Realist sein!

[…]

Dieser Akt sagt nachdrücklich, wie schön Teilansichten, Detailaufnahmen sein können.

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Vor kurzem schrieb ich, daß ich ergründen möchte, wofür Evi, Angehörige dieser Generation der 20-Jährigen, leidenschaftlich sind. (Ich glaube die einzige wirkliche Leidenschaft ist die für die Schönheit des Lebens.) Genauso möchte ich das von Frau Rudolph wissen, die wieder ein anderes Jahrzehnt, das der 30-Jährigen repräsentiert. Frau Rudolph, die sich ziemlich mühsam durch Aitmatows „Weißen Dampfer“ quälte, die Spitzweg mag aber nicht „Schulmeisterlein Wuz“.

Ich ergrübelte mir, nicht wenig geleitet von Goethe, daß der Sinn des Lebens darin besteht, es schön zu finden. (Ein ähnlicher Scheinzirkel wie der von Strittmatter, wenn er sinngemäß sagt, sein Nachdenken führe dazu, daß der Sinn des Lebens darin besteht, darüber – genussvoll – nachzudenken.)

Andere (Evi; Grit) grübeln darüber nicht, sondern finden das Leben einfach tatsächlich schön, freuen sich ihres Lebens. Im Extremfall erfüllen sie den Sinn des Lebens, ohne je einen einzigen tieferen Gedanken daran zu verschwenden.

Solche Lebenshaltung und –praxis ist nur unter ganz bestimmten („gesunden“) Lebensverhältnissen möglich. Diese müssen möglichst bewußt geschaffen werden. Der Versuch, ausschließlich aus individueller Sicht, ohne tieferes (philosophisches) Nachdenken, ein „schönes“ Leben führen zu wollen, führt notwendig zu Kollisionen (mit den eigenen „Fernwirkungen“), gefährdet die Ziele und zwingt dann zum Nachdenken. Das Neue in diesem Prozess besteht zunehmend darin, daß dieser Prozess immer weniger spontan ablaufen soll, also auf einer hohen Stufe des sozusagen normalen „Vorausdenkens“.

# Zu Willibald Mayerl vergleiche hier. #

Werte Herr und Frau Mayerl!                                                 Berlin, 12.10.82

Mein Besuch bei Ihnen liegt schon solange zurück, daß ich am besten damit anfange, mich noch einmal vorzustellen. Ja, ich bin der Herr K. aus Berlin, der Sie Ende März des Jahres aus Interesse für die Bilder Ihres Vaters bzw. Schwiegervaters besuchte und der versprach, sich wieder zu melden. Sie waren damals so freundlich, Frau Mayerl, mir die Bilder zu zeigen und haben mich auch reichlich mit Katalogen versehen.

Warum ich mich nicht gleich im April wieder meldete weiß ich jetzt nicht mehr. Dafür war der Grund danach umso zwingender: Seit April/Mai hatte ich zunehmend unter Ischias/Bandscheibenvorfall zu leiden und war, wie man so sagt, 3 ½ Monate ans Bett gefesselt. Vorgestern wurde ich aus dem Krankenhaus entlassen.

Mein Interesse für die Bilder Ihres Vaters ist unvermindert groß, und wenn es möglich wäre würde ich gerne eins kaufen,natürlich keins der Riesenformate und auch keins aus der „naiven Zeit“, sondern aus der Bergmannszeit.

Ist es zu viel verlangt, wenn ich Sie bitte, mir brieflich mitzuteilen, ob Sie überhaupt verkaufen und wenn ja, in welcher Größenordnung sich der Preis bewegt? (Wie gesagt, für ein Format, das man sich in die Stube hängen kann.)

Übrigens ist ein Bekannter von mir an dieser Frage ebenso interessiert, wie ich. Er ist ein großer Liebhaber und ich darf wohl sagen auch Kenner besonders von Grafik. (Wir sind beide nicht reich, verlangen aber auch nichts geschenkt.)

Bitte geben Sie eine kurze Antwort (denn die Reise ist ohne Auto all zu umständlich) und seien Sie herzlich gegrüßt, von

P. K:

 

Welche tieferen Motive treiben weibliche Aktmodelle, alle ihre Reize zu offenbaren? Ist es vielleicht das Selbstbewusstsein (oder auch Machtbewusstsein) für einen Mann viel zu schön zu sein, der Wunsch, die ganze Welt zu Füßen zu haben und nicht nur zu Füßen, diese ganze Welt in sich aufzunehmen und zu befriedigen und so die Mutter und Hurenkönigin von allen zu sein?(Dasselbe Streben treibt den Mann in die letzte Falte des weiblichen Körpers.)

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