26. September 1981
Wie fühle ich mich nach einer Woche Einsiedlerdasein?
In einer Hinsicht steigert das Alleinsein die psychische Labilität. Dem Wechsel pessimistischer und optimistischer Stimmungen (der oft durch Kleinigkeiten veranlaßt ist) ist man unmittelbarer ausgesetzt. Hauptsächlich aber gibt dieses sich Zurückziehen eine innere Ruhe oder besser gesagt Besinnung. Ich fühle mich schon erholter. Es ist eine geistig-moralische Hygiene. Ich entdecke, wie lebensnotwendig es für mich ist, mich von einem Übermaß an Information und Kommunikation abzuschirmen. (Es geht um das Übermaß. Durch meine Arbeit bin ich ja auch in diesen Tagen stark in Information und Kommunikation einbezogen. Und es geht um die Art dieser Inf. und Kommm. Information des Wesens und Information der Existenz - keine ist besser oder schlechter, aber welche brauche ICH im gegebenen Zeitpunkt?)
Die Menschen geben sich diese bewußte Entscheidung weitgehend aus der Hand. Man setzt sich Informationen aus, „wie es gerade kommt“, man kommuniziert „wie es gerade kommt“.
Wie gut tut es mir, NICHT fernzusehen, die Geburtstage von E. und G. NICHT erlebt zu haben, wie belastend war es, im Kino zu dem idiotischen Belmondo-Film „Der Puppenspieler“ gegangen zu sein.
Dem willenlosen Aufnehmen von Inf. und Komm. entspricht die Unfähigkeit zum AKTIVEN Aufnehmen, zur bewußten Anstrengung des Aufnehmens.