13. Oktober 1982 – statistische Persönlichkeitsanalyse – kaum erwähnte Seite meiner Aufzeichnungen

Nun schon etliche Seiten “Zarathustra” gelesen. Es stellt sich, nicht aus Voreingenommenheit, eine Menge Widerwillen ein. Natürlich gibt es treffende Einzelformulierungen. Interessant manchmal der Versuch, anders, schöpferisch, über-, zu sein. Welche Berührungspunkte meiner Tabula-rasa-Vorstellung vom Menschen mit seinem Übermenschen?

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# Überlegungen zur Interpretation meiner Tagebuchaufzeichnungen #

Bis hierher, also in 120 min, rein statistische Aufbereitung von 9 Tagen. Dabei fehlen noch die einfachsten statistischen Zusammenfassungen und Verallgemeinerungen, von inhaltlichen ganz zu schweigen. Die einzige inhaltlich wertende Gruppierung ist die nach dem besonderen Partner. Vielleicht sollte der besondere Lese- überhaupt Kunsteindruck dazukommen, auch das besondere Einzelerlebnis und schließlich vielleicht der besondere Gedanke, der geistige Ein- oder Ausdruck der Woche. Vielleicht ist über die Orientierung auf das extrem Eingeprägte (Ausgeprägte) ein wenig dem Inhaltlichen näher zukommen. Im Grunde aber fehlt weiter der Weg zur Theorie. Und das ganze Verfahren ist weiterhin zu zeitaufwendig. Vielleicht gewisse Einsparung dadurch, daß die “statistische Aufbereitung” an jedem Tag erfolgt.

# Zur Erläuterung: Wie schon früher erwähnt, beabsichtigte ich, der phänomenologischen und reflektierenden Lebensschilderung im Tagebuch eine detaillierte, statistisch aufbereitete Tätigkeits- und Bedürfnisanalyse an die Seite zu stellen. Ich unterschied fünf große Tätigkeitskategorien:

  1. Arbeitszeit und arbeitsgebundene Zeit

  2. Hauswirtschaft/Vorbereitung der individuellen Konsumtion

  3. Betreuung/Pflege von Personen

  4. Befriedigung physiologischer Bedürfnisse

  5. Freizeittätigkeiten

Diese Haupttätigkeiten wurden gemäß der auf den beiden folgenden Bildern sichtbaren Systematik in Unterkategorien unterteilt, wobei sich diese Unterteilung an Lippold 1971 anlehnte.

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Täglich hielt ich nun, (wie auf der Abbildung zum 14.10.82 (morgiges Posting) zu sehen ist), meine Tätigkeiten mit einer Genauigkeit von 20 min. fest. Die oben erwähnte “statistische Aufbereitung von 9 Tagen” bezog sich nur darauf, die Wochensummen, später die Monatssummen aller Tätigkeitsarten zu ziehen. Diese Werte sollten die Primärdaten darstellen, die ich später (schon damals dachte ich an meine Rentnerzeit) auf ihre Zusammenhänge und Tendenzen untersuchen wollte. #

Gedanken, Aussprüche Anderer, die sich, fern meiner bewussten Absicht festhaken. […]

Z.B. Evi fragte mich, ob ich “für eine andere Frau Verantwortung trage”. – Dieser schöne Ausdruck des “Verantwortung Tragens”. Aber auch die Fragwürdigkeit des Verantwortung Tragens für Andere.

Heidrun: ”Ich möchte, daß Du mich formst.” Das klang sehr nach Schmeicheln meiner Eitelkeit, nach Berechnung. Nicht aber auch wie ein Hilferuf, ein “Sich-ins-Vertrauen-ergeben”? Die damit gesetzte Ungleichartigkeit der Partner, die Unterwerfung; die Beseelung des Stoffs (?).

Ist das schon das Geheimnis von Heidrun, von dem ich schrieb? (Freue mich auf den Besitz dieses vollblütigen Weibes, auf unsere wechselseitige Lust und bedaure sie um den mehr bei ihr liegenden Schmerz, werde ihr nicht mutwillig wehtun.)

Es lohnt sich schon, dem Unterschied von schönen einerseits und aufreizenden Aktfotos andererseits auf die Spur zu gehen.

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Meine Lust zu Grübeln verleitet mich, notwendige Kommunikation zu sparen. Die Nichtbefriedigung dieser Kommunikation (vielleicht besonders stark erotisch-sinnlicher Kommunikation) wirft mich auf das Sexuelle oder gar Pornografische zurück. Insofern war die Krankenhauszeit lehrreich. Die Überfülle der Kommunikation […] ließ mich die Schalheit des Pornografischen empfinden. (Pornografie – bezweckter Genuß einer Erotik, Sexualität ohne menschliche Bindung.)

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Auch in der Nacht vom 10. zum 11. spürte ich diesen Scheideweg. Der erotische Drang hätte mich “normalerweise” zur Selbstbefriedigung getrieben, so aber schrieb ich einen Brief an Heidrun, kommunizierte also und kam aus dem sexuell Zwanghaften heraus, verwandelte es in Vorfreude auf ein (zweiseitiges) Liebeserlebnis.

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