14. Oktober 1982 – noch einmal Tätigkeitsanalyse. Und Hebbel
L. erzählt vom gestrigen Film “Spitzenklöpplerin”, der ganz und gar der Film ihrer ersten Liebe gewesen sei.
# Hier eine Beispielseite der täglichen Aktivitätenlisten aus dem Tagebuch. #
Ein Tag, der mich nach schwerer Nacht müde gemacht hat. Zwar allein aber ganz zufrieden. Der – unerwartet - gute Verlauf des Gesprächs mit Jeanette trägt mich heute. Diese Belastung war doch wohl größer in der Nacht als mir bewußt war.
# Erläuterung: Möglicherweise vermissen aufmerksame LeserInnen auf der abgebildeten Aktivitätenliste den expliziten Ausweis von Tätigkeiten für das MfS. In der Tat hielt ich mich auch bei diesen Aufzeichnungen an die Regeln der Geheimhaltung. In der hier abgebildeten Aktivitätenübersicht vom 14.10. sind solche MfS-Aktivitäten unter 5.15.2 = “Kommunikation, Gespräche, Geselligkeit mit mehreren Partnern” klassifiziert, und nur mir ist aus den mitgeteilten Namen der Partner, in diesem Falle Jeanette und Sean, die spezielle Art der Tätigkeit erkennbar. #
Nun freue ich mich auf den Sonntag mit Heidrun, die ich morgen vielleicht mal anrufe.
Im Kopf bildet sich schon der Brief der nächsten Woche an Evi.
Netter Schwatz mit A. und R; wenn diese Runde doch nun hoffentlich wirklich meine Ausstandsrunde gewesen ist!
Hebbel: “Ich bleibe dabei: die Sonne scheint dem Menschen nur einmal, in der Kindheit und der frühen Jugend…”
Tieck: “Nur wer Kind war, wird Mann.”
Hebbel ebd. über seinen Vater: Er war herzensgut “aber die Armut hatte die Stelle seiner Seele eingenommen. Ohne Glück keine Gesundheit, ohne Gesundheit kein Mensch!” (S. 177)
Hier ist Hebbel Materialist. (Vergl. S. 185, wo H. schreibt, daß ihm pekuniäre Rücksichten das zu häufige Briefeschreiben verbieten oder S. 186: Er habe “seit 21/2 Jahren, einen Sommer ausgenommen, nicht mehr warm gegessen…”
Diese ungeistigen Nebensächlichkeiten sind unerhört wichtig!
“der größte Fortschritt der neueren Zeit, daß der Mensch sich jetzt nicht bloß wohl befinden, sondern auch gelten will…” (178)
(Etappen der Persönlichkeitsentwicklung in der Geschichte! Und heute?)
“Die Menschheit läßt sich keinen Irrtum nehmen, der ihr nützt.” (181)
Auch das ist knurrig materialistisch.

