06. Januar 1989 - “Dann ist die Liebe eben nicht so groß”


C. erzählte von ihrem Arztbesuch bei Dr. Jakob. Ab 16.1. ist sie für 6 Wochen 4-Stunden arbeitsfähig geschrieben.  Ich hatte ihr ein Blumensträußchen geschenkt. Unser Gespräch war kühl, vorsichtig, um Freundlichkeit bemüht.

Sie hat mir wieder eine Begegnung mit R. L. verheimlicht. Also wieder ein Zusammenstoß.

Ich ärgerte mich selbst über mich,… daß ich diese Problematik, die ich doch, wie mir scheint, begriffen habe, nicht besser “wegstecken” kann. Ich entschuldigte mich wenige Minuten später, und sie las mir noch interessante Artikel aus dem “Sonntag” vor.

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# “Sonntag”, Wochenzeitung  des Kulturbundes; intellektuell, oftmals langatmig, wenig brisant. Hin und wieder aber war doch eine Perle versteckt. Über etliche Metamorphosen geht der heutige “Freitag” auf den “Sonntag” zurück. #

Wir schliefen dann harmonisiert ein. Vorm Einschlafen reflektierten wir noch ein wenig:

Sie stellte fest, daß durch ihr Vorlesen alles wieder geglättet worden sei. Ich erklärte sofort, daß sie meine Entschuldigung ganz vergessen habe. Ich qualifizierte diese Denkweise als Weiterbestehen des Schützengrabendenkens zwischen uns. Wir stellten fest, daß wir jeder sich selbst am meisten lieben.

Sie: “Dann ist die Liebe eben nicht so groß”.

Ich sagte, daß wir uns auf unsere Fähigkeiten mit Einsamkeit fertig zu werden viel einbilden. Ich: “Vielleicht hab’ ich noch gar nicht erfaßt, daß ich ohne dich nicht leben kann. - Ich glaube es ist so.” Daran, wie sie da meine Hand drückte, merkte ich, daß das vielleicht das wichtigste Wort war.

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