21. März 1989 - ein ND-Leitartikel
Am Wochenende verheerender ND-Leitartikel (nebenstehend).
In derselben Nummer guter Artikel von Frank Adler zum Problem “Leistungsprinzip und soziale Sicherheit”.
# Diese Notizen könnten Bände über die Medienpolitik der DDR-Führung sprechen. Offensichtlich hielt ich es aber nicht für nötig (oder es widerte mich zu sehr an), meine Kritik auszuformulieren, begnügte mich damit, den Artikel aufzuheben, der als Modellfall für die beondere, DDR-schlimme-Art der Volksverarschung gelten kann:
- der ekelhafte Dünkel, unsere etwas bessere Konsumlage gegenüber Polen herauszustreichen
- der latente Nationalismus
- die Unverschämtheit, unsere, gegenüber dem Westmaßstab, miese Konsumlage zu preisen
- die Dreistigkeit, sich von einer polnischen Stimme, die sich eindeutig an Polen wendet, bauchpinseln zu lassen
- die Unverschämtheit, die eigenen Bürger in ihren eigenen Angelegenheiten für inkompetent zu erklären
- die “Großzügigkeit”, auch ein paar kleine kritische Bemerkungen zu akzeptieren
usw. usf.
Und das Auf-mehreren-Klavieren-Spielen, indem man in derselben Zeitung, paar Seiten weiter, einen qualifizierten Beitrag nachschiebt.
Vielleicht war der dazugeschmuggelt worden. Oder er war Ausdruck des “intellektuellen Niveaus”, daß man sich auch anders geben konnte.
Ich lese heute wieder diese Zeilen und ich empfinde wieder in voller Schärfe das damalige Gefühl ohnmächtiger Ablehnung und des immer entschiedeneren Aufbegehrens. Das sage ich, der immer ein Parteigänger der DDR war und ist. Ich kann nachvollziehen, daß diejenigen, die ihre Bindung zur DDR gekappt hatten, unversöhnlichen Hass entwickelten. Doch die DDR und der Realsozialismus überhaupt waren immer mehr als der Gestank usurpatorischer Führer. #

