28. April 1989 - Einwohnerversammlung des WBA 12 zur Kommunalwahl
Eindrücke, Momente der gestrigen Wahlversammlung:
- die bis 5 Minuten vor 19 Uhr minimale Teilnehmerzahl; dann aber waren es fast vierzig
- Ängstlichkeit Ingrid Zanders. Das ist gewissermaßen eine politisch-konzeptuelle Ängstlichkeit, die von jeder spontanen Äußerung irritiert ist.
- lebhafte, konstruktive Diskussion aller Beteiligten
- erfreulich die Aktivität einer Neuen, Frau Kubisch, die Aktivität Frau Gebhardts
- Ich mache in meinen einleitenden Worten einen Schlenker zur sowjetischen Wahl (Die Aktivität wie dort hätten wir nicht, aber ihre Schlußfolgerung, daß sie mehr politische Kultur brauchen, gilt auch für uns. Ich erklärte, was ich unter politischer Kultur verstehe.)
- In meinem Diskussionsbeitrag äußere ich die Idee: Die WBA sollten selbst ein bis zwei Kandidaten aufstellen für die Wahl. “Die Liste wird damit ein wenig länger. Gewählt sollten die sein, die die meisten Stimmen haben.”
Marion neben mir # Marion G., die Wahlkreis 3 zugeordnete Stadträtin des Bezirksamts # sagt halblaut: “Na, damit rüttelst Du ja an den Grundfesten”, und Ingrid Zander läßt sich hinterher nochmal meinen Vorschlag erklären, weil sie ihn vorgeblich oder wirklich nicht verstanden hat.
Sie fragt übrigens beiläufig nach der Versammlung:” Warum bist du immer so ketzerisch?”
Klaus W. # Sekretär der WPO (”SED-Wohnparteiorganisation”) des Wahlkreises # geht nach der Versammlung auf Ingrid zu und meint, daß es doch einen gute Sache gewesen sei; allgemeines Beipflichten.
Pfarrer Petzoldt war auch anwesend, sagte nichts, ging nach etwa einer Stunde.
C. auch anwesend, spricht auch. Hinterher gibt sie positive Wertung meines Auftretens und ist zur Mitarbeit Schiedskommission/WBA bereit.
# Einwohnerversammlungen zur Vorbereitung der Kommunalwahlen gehörten, zumindest in den Altbauwohngebieten, zu den zwar “von oben” sehr gewünschten aber trotzdem selten durchgeführten Veranstaltungen. Zu groß war das Risiko der Blamage, daß kaum ein Bürger erschien und die Verantwortlichen unter sich blieben. Das Desinteresse der Büger an dieser Art Demokratie war unleugbar. Ich war stolz darauf, überhaupt eine solche öffentliche Versammlung zustande gebracht zu haben. Ein aktuelles Posting zu Wahlen damals und heute findet sich in meinem opablog. #