08. Mai 1989 - Kommunalwahl

Klaus W. sagte gestern,

# Er war, wie schonmal erwähnt, der Parteisekretär unserer WPO (Wohnparteiorganisation). Die Partei SED war wesentlich in den Betrieben organisiert. Für Rentner, Hausfrauen und Andere  gab es aber auch die Organisation in territorialer Gliederung. #

daß per 31.12.1988 im WB12 nach polizeilichen Unterlagen 1062 Bürger, davon 888 im wahlberechtigten Alter, wohnten.

Mein WBA erhielt Wahlbenachrichtigungskarten Anfang April für 823 Bürger. Unsere Wählerliste am Wahltag gestern enthielt 842 Bürger, von denen 14 gestrichen waren = 828 (zur Wahl 1986 waren es 847). 6 Bürger standen nicht auf der Wählerliste und wählten auf Wahlschein (1986: 26). Die Gesamtzahl unserer Wahlberechtigten betrug also 834 Wähler (bzw. war so ausgewiesen). Davon waren 340 = 40,8% als Vorwähler (Sonderwahllokal) in der Wählerliste ausgewiesen. Bleiben am Wahltag Wahlberechtigte: 494.

Aus der Wahlurne wurden 390 Stimmzettel gezählt. Wahlbeteiligung am Wahltag also 78,9%, insgesamt # unter Hinzuzählung der uns gemeldeten Wähler aus dem Sonderwahllokal # also 87,5%. Es gab demnach 104 Nichtwähler, 1986 waren es 39.

Es gab 20 Gegenstimmen am Wahltag, das sind 4,05% am Wahltag (1986: 2 Gegenstimmen). Gegenstimmen aus dem Sonderwahllokal sind nicht bekannt. Die 20 Gegenstimmen auf alle 834 Wahlberechtigte bezogen, ergibt 2,39%.

Ungültige Stimmen gab es nicht. Auf 5 Wahlzetteln waren mehr oder weniger viele Kandidaten gestrichen. Diese Zettel wurden als Gesamt -Ja- Stimmen gewertet.  Gegenstimmen (und ebenso Nichtwähler) fast nur jüngere und mittlere Jahrgänge.

In den anderen WB lag die Wahlbeteiligung (nach nicht absolut präzisen Angaben von Klaus W.)

beim WBA 10 bei etwa 86%

beim WBA 11 bei etwa 77%

beim WBA 13 bei etwa 72%

beim WBA 9 bei etwa 72%.

Nach Schätzung meines Wahlvorstands sind ca. 40 Leute in die Kabine gegangen. Aus der Wahlliste gstrichen waren einige bekannte oder angekündigte Nichtwähler.

# also Bürger, die bei früheren Wahlen nicht gewählt hatten oder die in den Wahlwerbegesprächen vor der Wahl offen angekündigt hatten, daß sie nicht wählen würden.#

Andere angekündigte Nichtwähler waren nicht gestrichen.  Danach zu urteilen, daß wir von der Zentrale am Wahltag völlig unbeachtet blieben, lagen die negativen Schwerpunkte woanders. 

# das meint:nicht zu irgendwelchen Feuerwehraktionen verdonnert wurden, etwa um die Wahlbeteiligung zu erhöhen #

Hans S. # Er war der Saatliche Beauftragte unseres Wahlkreises 3 # hatte die folgenden Daten:

Der gesamte Wahlkreis hatte Anfang April 4937 Wahlbenachrichtigungskarten bekommen. In der Folgezeit der Wahlwerbung verweigerten 80 Bürger die Annahme der Karten. 438 Karten gingen wegen Unkorrektheiten an den Stadtbezirk zurück. 80 Karten kamen nach Korrektur vom Rat an den Wahlkreis zurück. Es gab also ziemlich genau 4,5 T Wahlberechtigte.

1000 bis 1200 sollen im Sonderwahllokal gewählt haben.  Insgesamt sollen im Stadtbezirk Mitte 14 T Stimmen im Sonderwahllokal abgegeben worden sein. # bei insgesamt 60654 Wahlberechtigten # Wenn das stimmt, können bedeutende Manipulierungen bereits der Wählerliste vermutet werden.

# Ich meine hier: Auf Ebene des Stadtbezirks sollen 23% im Sonderwahllokal gewählt haben. Auf Ebene des Wahlkreises 24%, auf Ebene meines WB aber 41%. Der große Anteil von Wählern im Sonderwahllokal erschien mir nicht plausibel, und ich war auch mißtrauisch, weil ich keinerlei Informationen über das Wahlverhalten im Sonderwahllokal bekommen konnte. Fazit all meiner analysierenden Bemühungen zum Wahlergebnis war,

- daß alle mir zugänglichen Daten bezüglich Wahlbeteiligung und Gegenstimmen deutlich negativer waren als die veröffentlichten Durchschnittszahlen.

- daß es keinen Grund gab, uns als große negative Abweichung zu betrachten und

- daß meine empirische Daten zwar die Unwahrscheinlichkeit der veröffentlichten offiziellen Gesamtzahlen bewiesen, aber daß meine empirische Basis zu schmal war, um mathematisch die Unmöglichkeit der Gesamtzahlen zu beweisen. #

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