04. Juli 1989 – Pekingtrommeln, mein Schweigen
C. las mir ein Interview mit dem Prawda-Korrespondenten in Peking vor (aus der “UZ”).
Gestern als WBA-Vorsitzender zum “Tag der VP” im neuen Revier Brunnenstraße gratuliert. Man unterhält sich über das gleichzeitig (15-18 Uhr) stattfindende Pekingtrommeln, das herüberschallt. Der VP-Revierleiter sagt, er könne nicht einschreiten, weil niemand wegen “ruhestörenden Lärms” eine Anzeige erstattet. Man sagt: “Bei uns wird es das (Tien an men) nicht geben.” Es heißt, daß die Kirche weiterhin die Wahl angreifen werde.
Ich sage dazu nichts,… hätte sagen müssen, daß auch in meinem Wahlkreis andere Ergebnisse als die offiziellen erreicht wurden. Ich “fresse es in mich hinein” - spüre es am Magen - und denke zum 1. Mal, daß ich bei der nächsten derartigen Situation (Wahl) demonstrativ den WBA-Vorsitz niederlegen sollte.
In Gewi 2/89 M. Mamardaschwili - zu Descartes, Kant, Kafka - Rolle der Individualität in der Zivilisation. Auch heute ein Lesetag - in sowjetischen, gesellschaftswissenschaftlichen Publikationen.
Ich bin ein politisch-ideologisch enorm aktivierter und zu weitgehender Untätigkeit gezwungener Mensch.
Doris erzählte, daß wir ab September 89 keine Hörer mehr an die Parteihochschule der KPdSU schicken. Sie erwähnte den Aufbau der Freidenkerbürokratie.