08. Juli 1989 - vom Abwürgen der Subventionsdiskussion

Spätabends gestern nach Skaby raus, Bad im fauligen Störitzsee. Heute fleißige Sensaktion bei drückender Hitze.

Angespannte, dabei gute Beziehung zu C. Angespannt wegen der Bedeutung der in mir gefallenen Entscheidung: Z. B. könnte ich einen Brief an das ZK schreiben, in dem ich meine Besorgnis über die Ersetzung von Überzeugung durch Diktat durch unsere Partei ausdrücke. Beispiele:

Sputnikverbot, Zurückziehen der sowjetischen Filme

Abwürgen der Subventionsdiskussion

Undurchsichtigkeit des Wahlergebnisses.

# “Subventionsdiskussionen” - ein schon groteskes Beispiel dafür, wie die DDR-Herrschenden sich selbst blockierten: Um jeden Preis wurde an den hohen Subventionen = niedrigen Preisen für bestimmte Waren und Leistungen des Grundbedarfs festgehalten (z. B. Brot, Mieten), weil so die Überlegenheit unseres Systems bewiesen werden sollte. Eine Diskussion über eine sinnvolle Anpassung der Preise an die Kosten wurde buchstäblich verteufelt, obwohl es bei vielen anderen Waren Preiserhöhungen gab und obwohl man ja soziale Härten durch Lohnerhöhungen oder Ausgleichszahlungen hätte vermeiden können. Die Unfähigkeit zum rationalen Umgang mit solchen, eigentlich ganz normalen Entwicklungsproblemen einer Gesellschaft, zeigte, welchen Grad der Dogmatisierung bis zur völligen Erstarrung des gesellschaftlichen Lebens der absolute Machtanspruch kleiner und kleinster Gruppen politischer Führer dem Leben aufzwingen wollte.

Meine Erwägung, einen Brief an das ZK zu richten, zeigt einerseits, daß mein Protest im Rahmen des Systems verblieb und andererseits, daß ich bereit war, den Fehdehandschuh hinzuwerfen, selbst wenn mir Ausschluß drohte. Das System bot keine wirkungsvolle Möglichkeit seiner eigenen Reformierung und zügigen Vervollkommnung.#

Jeder dieser Punkte reicht aus - hartnäckig vertreten -um aus der Partei ausgeschlossen zu werden. Darüber besteht Klarheit.

 

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