30. August 1989 – Lehren aus den Weltkriegen?

Im heutigen ND wieder ein großmächtiger Artikel zur „Diskussion“ vor dem XII. Parteitag (Ich möchte wissen, wer da diskutiert.) von Kurt Tiedtke, der wieder sämtliche Theoreme und Dogmen der Vergangenheit allen Widrigkeiten der Gegenwart zum Trotz verteidigt. Alle Fragen unserer Gegenwart werden auf den Klassenantagonismus reduziert, und in dieser Hinsicht hatten ja die Kommunisten schon immer absolut recht. In SuF 3/89 gestern las ich noch einen Artikel zu Ossietzky – „ungebundene Menschlichkeit“, der ganz vorsichtig zur Rolle des Humanismus versus kommunistischem Dogmatismus sich äußert – Vorsicht! Vorsicht!

Heute fühlbar: das Fehlen einer modernen, tiefgründigen Darstellung der Ursachen des II. Weltkriegs. Ich glaube diese Frage kann nicht beantwortet werden, ohne vorurteilslose Sicht auf die Politik der UdSSR und der Kommunisten überhaupt. (Ich spreche nicht von einer Mitschuld.) Diese vorurteilslose Sicht wiederum (nicht zu verwechseln mit leichtfertigen Schuldzuweisungen an die Kommunisten), erfordert ebenfalls eine tiefggründige Sicht auf die Ursachen des I. Weltkrieges.

Es steht in allem Ernst die Frage der Selbstausrottung der Menschheit.

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Die Erfahrungen des I. und II. Weltkrieges und die bisher dazu in der Vergangenheit gezogenen Schlußfolgerungen legen nahe, daß diese Gefahr Wirklichkeit wird. Welches neue Denken erforderlich ist, ist nach Gorbatschow in Ansätzen klar (in ersten Ansätzen). Ob das neue Denken Chancen hat zum herrschenden Denken werden zu können; wie es aussehen muß, um zum herrschenden Denken werden zu können (wie es sich mit Inhalt erfüllen und modifizieren muß) und vor allem – was kann ich selber tun, um nach meinen eigenen Kräften größtmöglich beizutragen? – all das sind offene Fragen. Und besonders quälend ist die fehlende Antwort auf die letzte Frage: Was tun? Für neuen Diskussionsstoff unter den Leuten ist gesorgt.

# Offensichtlich als Diskussionsstoff bis heute nicht erschöpft. #

Wortwechsel mit D. # Kaderchef des Ministeriums # Entzündet hatte er sich am Ausreiserproblem. Weiter zur notwendigen Konsequenz bei der Durchsetzung des Leistungsprinzips. Ich sage, daß dies nur mit politischen Konsequenzen zu realisieren sei. Er fragt nach Beispielen für notwendige politische Konsequenzen. Ich sage (nicht mit exakt diesen Worten): Die Manipulierung der Wahl. Er will mir das Gegenteil beweisen, kann es nicht, sagt: “Wenn Du das drüben bei Dir (im Lehrgang) sagst, bist Du fällig!“. Das ist das Diktat der Gedanken!

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