28. September 1989 – Wahlkreisaktivtagung
Abschluß Verhaltenstraining 45. Lehrgang, gut gelaufen.
Anneliese erzählte von einer gestrigen Auseinandersetzung Kunden/Verkäuferin im Minimarkt: “das Pflaumenmusrationierungsgesetz”.
Film im französischen Zentrum: “Milch und Schokolade” – Liebe zwischen einem Genraldirektor und seiner scharzen Putzfrau. Es sollte Spaß mit tieferer Bedeutung sein, war dazu aber nichr gut genug gemacht.
Wahlkreisaktivtagung. Sie war nicht zuletzt der Vorbereitung des 40. Jahrestages gewidmet.
Zur Ausreiserwelle: Das sind Veräter. Wir sollen Ursachen nicht nur im eigenen Lande suchen. Aber auch diese rhetorischen Wendungen: Unsere bisherigen Erfolge seien keine Garantieurkunde für fortwährende weitere Erfolge. Und: Wie können wir genauer erfassen, was uns gelingt, und was noch nicht?
Ich melde mich zu Wort und sage sehr offen und prinzipiell, daß es bei uns noch gar keine offene Diskussion über die Ursachen gibt und daß der Vertauensschwund weitergehen wird, wenn wir die bei uns liegenden Dinge nicht beim Namen nennen. Als Beispiele erwähne ich Sputnikverbot, Verbot sowjischer Filme, Nichtpublikation sowjetischer Filme und literarischer Meisterwerke.Ich wende mich dagegen, die Ausreiser pauschal als Verräter abzustempeln. Auf Zwischenruf sage ich u.a., daß es nicht 20 T, sondern 100 T. sind und in 40 Jahren DDR mehr als 2 Millionen waren.
Sofort danach polemisiert einer aus Richtung WBA 9 mit mir, wenig überzeugend. (Ich würde die Ausreiser schon zu Martyrern machen (weil ich sagte, daß manche von ihnen unter Schmerzen diesen – falschen – Weg gehen.))
Dann ergreift Ingrid Zander # 2.Sekretärin der SED-Kreisleitung Berlin-Mitte # das Wort. Ihr Grundtenor ist nicht der einer direkten scharfen Verurteilung meiner Position. Sie geht mehr indirekt vor, beschwört, daß hier auf Wahlkreisebene jeder seine konkrete Arbeit machen soll (an mich gewandt: daß wir sie gemeinsam machen sollen) und daß wir uns nicht um irgendwelche unfaßbaren “grauen Felder” den Kopf zerbrechen sollen.
Später heißt es in der Diskussion, mein Beitrag habe “den Nerv getroffen” (so sagt es Mitarbeiter Wohnungspolitk Schulze). Aber es steigt keiner auf diese Qualität der Diskussion mit ein.
Horn-Zimmermann # ein junger CDU-Abgeordneter unseres Wahlkreies # stellt danach (im Zwiegespräch) die Starrheit der Gegenreaktion fest. In den Schlußbemerkungen brachte Ingrid übrigens das Argument, daß “die Masse treu zu uns steht, aufopferungsvoll arbeitet und die Republik festigt.”
Fazit:
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Beeindruckend, was man – die nötige Zivilcourage vorausgesetzt – schon sagen kann, ohne vernichtet zu werden.
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Die unverhüllte Reduktion der Demokratie auf die Funktion des kleinen Rädchens. Es gehört nicht zu den demokratischen Anforderungen an den Einzelnen, von den Übergeordneten Rechenschaft zu erzwingen.
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Und dies wird drittens, wenn überhaupt, begründet mit solchem Argument, wie: Das sei allgemeines, Niemanden konkret betreffendes Reden.
Dies letzte Argument ist besonders infam, da die von den Oberen verursachte Undurchsichtigkit den Unteren angelastet wird. Nch dem Motto: Ihr habt dazu gar keine Informationen (Wir halten sie nämlich geheim.), also könnt ihr gar nicht mitreden. Ihr könnt gar keine Verantwortlichen mit Namen benennen, also könnt ihr von Niemandem Rechenschaft velangen.
C. erzählte von qualifizierten Artikeln von Bischof Demke und Anderen in der letzten Kirchenzeitung.
BZ vom letzten Wochenende mit interessanten Zahlen zur juristischen Verfolgung von Nazi- und Kriegsverbrechern:

