Archive for the ‘Aktfotografie’ Category

08. September 1989 – Lehrgangsbeginn

Freitag, Oktober 16th, 2009

Polaschewski erzählt vertraulich von der doch recht schweren Erkrankung Honeckers.

Gestern die einführende Beratung zu den ML-Seminaren. Interessante, recht scharfe Meinungsäußerungen von Einigen: „Das Abheben oberer Leitungsebenen“, der „Wahlknacks“.

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30. August 1989 – Lehren aus den Weltkriegen?

Freitag, Oktober 16th, 2009

Im heutigen ND wieder ein großmächtiger Artikel zur „Diskussion“ vor dem XII. Parteitag (Ich möchte wissen, wer da diskutiert.) von Kurt Tiedtke, der wieder sämtliche Theoreme und Dogmen der Vergangenheit allen Widrigkeiten der Gegenwart zum Trotz verteidigt. Alle Fragen unserer Gegenwart werden auf den Klassenantagonismus reduziert, und in dieser Hinsicht hatten ja die Kommunisten schon immer absolut recht. In SuF 3/89 gestern las ich noch einen Artikel zu Ossietzky – „ungebundene Menschlichkeit“, der ganz vorsichtig zur Rolle des Humanismus versus kommunistischem Dogmatismus sich äußert – Vorsicht! Vorsicht!

Heute fühlbar: das Fehlen einer modernen, tiefgründigen Darstellung der Ursachen des II. Weltkriegs. Ich glaube diese Frage kann nicht beantwortet werden, ohne vorurteilslose Sicht auf die Politik der UdSSR und der Kommunisten überhaupt. (Ich spreche nicht von einer Mitschuld.) Diese vorurteilslose Sicht wiederum (nicht zu verwechseln mit leichtfertigen Schuldzuweisungen an die Kommunisten), erfordert ebenfalls eine tiefggründige Sicht auf die Ursachen des I. Weltkrieges.

Es steht in allem Ernst die Frage der Selbstausrottung der Menschheit.

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Die Erfahrungen des I. und II. Weltkrieges und die bisher dazu in der Vergangenheit gezogenen Schlußfolgerungen legen nahe, daß diese Gefahr Wirklichkeit wird. Welches neue Denken erforderlich ist, ist nach Gorbatschow in Ansätzen klar (in ersten Ansätzen). Ob das neue Denken Chancen hat zum herrschenden Denken werden zu können; wie es aussehen muß, um zum herrschenden Denken werden zu können (wie es sich mit Inhalt erfüllen und modifizieren muß) und vor allem – was kann ich selber tun, um nach meinen eigenen Kräften größtmöglich beizutragen? – all das sind offene Fragen. Und besonders quälend ist die fehlende Antwort auf die letzte Frage: Was tun? Für neuen Diskussionsstoff unter den Leuten ist gesorgt.

# Offensichtlich als Diskussionsstoff bis heute nicht erschöpft. #

Wortwechsel mit D. # Kaderchef des Ministeriums # Entzündet hatte er sich am Ausreiserproblem. Weiter zur notwendigen Konsequenz bei der Durchsetzung des Leistungsprinzips. Ich sage, daß dies nur mit politischen Konsequenzen zu realisieren sei. Er fragt nach Beispielen für notwendige politische Konsequenzen. Ich sage (nicht mit exakt diesen Worten): Die Manipulierung der Wahl. Er will mir das Gegenteil beweisen, kann es nicht, sagt: “Wenn Du das drüben bei Dir (im Lehrgang) sagst, bist Du fällig!“. Das ist das Diktat der Gedanken!

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25. August 1989 – Wir Komunisten und die Macht

Freitag, Oktober 16th, 2009

Tatsachen, wie die Regierungsbildung in Polen oder die Zusammenarbeit der ungarischen und der BRD-Behörden bei der Räumung der BRD-Botschaft in Ungarn von DDR- Bürgern – die spielen in meinem Protokoll kaum eine Rolle.

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Noch vor 1, 2 Jahren hätten solche Meldungen Heiligtümer verletzt. Heute begreife ich, daß die Kommunisten eben von ihrer führenden Rolle verdrängt werden, wenn sie es nicht fertigbringen, wirklich zu führen.

Wenn sie Führung mittels Gewalt und Druck behaupten müssen (nicht gegen irgendeinen Klassenfeind, sondern gegen ihr eigenes Volk), wird das Volk Wege finden, sich ihrer zu entledigen und bemüht sein, bessere Vertreter an ihre Stelle zu setzen. Das beweisen – und dafür sind sie hochwichtige Tatsachen – besonders die Bergarbeiterstreiks im Juli in der SU.

Die Revolution geht weiter“ – ein zutiefst wahres aber offensichtlich viel größeres Wort als noch vor zwei Jahren zu ahnen war. Es sind wahrhaft titanische Anstrengungen notwendig, um den administrativen Kommandoapparat durch ein flexibles, dialektisches, demokratisches Macht- und Leitungssystem zu ersetzen. Anstrengungen dieser Art kann nur die Arbeiterklasse aufbringen. Den alten Stil mit dem Kommunisten weiter an Einfluß verlieren, weil sie nicht zur Wahrheit vordringen, sondern sich auf Zweckpropaganda beschränken, beweist die SED z. B. mit nebenstehendem Kommentar.

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Man muß (wir müssen) den Weg zum „Neuen Denken“ finden und beschreiten, gerade auch unter der Bedingung, daß der imperialistische Hauptgegner unser Bemühen nicht honoriert, sondern zäh am alten Denken festhält. Er will kein neues Denken und muß durch die Macht der Verhältnisse und Tatsachen dazu gezwungen werden! (Das beweist eindeutig die USA-Politik gegenüber Afghanistan, Angola, Panama, SDI und andere qualitative Rüstung usw.)

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Mich kritisch betrachtend vermute ich, daß meine (spezifische) Schädigung durch dieses System darin besteht, Ansprüche reduziert zu haben. Und zwar in solchem Maße, daß ich, würde mir plötzlich die Möglichkeit zur Befriedigung dieser Ansprüche geschenkt, kaum Lust hätte, diese zu befriedigen (die damit verbundenen Mühen auf mich zu nehmen). Das Sichbescheiden, die Orientierung nach Innen (auf Null), ist mir zur Natur geworden.

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Übrigens nochmal nachgelesen Materialien KPdSU vom 18.7. – Äußerungen Ligatschow. Im Grunde formuliert er ein Junktim zwischen allgemeiner Abrüstung und Perestroika. Das ist gefährlich. Das könnte auf eine „Begründung“ für die Unmöglichkeit der Perestroika hinauslaufen.

Die Mauer“ - die Mauer hat zwei Seiten: Sie sperrt die Anderen aus und uns ein.

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12. Juli 1989 – vergnügt im Haus der DSF

Sonntag, Juli 12th, 2009

# Haus der DSF - “Haus der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft” in Berlin am Festungsgraben. Solche Häuser gab es wohl in jedem Bezirk der DDR. Öffentliche Häuser mit einem reichhaltigem Angebot von Kunst-, Kultur-, Wissenschaftsveranstaltungen, sowie mit einer recht guten (Zumindest in Berlin war es so.) Gaststätte. #

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Bei Popper das Bild der Wege: Alle kommen von woher, alle führen wohin. (Mehr kannst Du als Individuum eigentlich nicht wissen.)

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11. Juli 1989 - Tagebuchband 34

Samstag, Juli 11th, 2009

# Abschrift Band 34, Zeitraum 11.7.1989-19.11.1989, beginnt. #

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18. Mai 1989 – “führendste Genossen”

Samstag, Juni 13th, 2009

Gestern: Morgendliche Standpauke für den Lehrgang. Heute nach der Auseinandersetzung besseres Verhältnis zum Lehrgang. Interessantes Mißverständnis: Zu meiner Verwunderung erschien gestern, gleich nach meinem Anpfiff, Harald bei mir. Er stammelte irgend etwas Unqualifiziertes. Ich schmiß ihn bald (gelinde gesagt) ‘raus.  Heute sagten sie mir, daß ich Hartmut Dressel anblickend (und meinend) gsagt hatte: “Harald, Du kommst dann gleich mal zu mir.”…

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Vortrag Volkmar Krinks gut; offene Worte. Später beim Kaffee sagte er, daß es führendsten Genossen - G. Mittag, Honecker - um ihre eigene Unfehlbarkeit gehe. Letztlich seien es einfachste menschliche Triebkräfte: Privilegien und Machtgenuß. Er sei jederzeit bereit, als Kraftfahrer ö.ä. zu arbeiten… Ich wies ihn hin auf die Rezension von Popow zu A. Bek: “Die Ernennung” und borgte sie ihm.

# Volkmar war ein guter alter Bekannter, vor Jahren Absolvent eines unserer Lehrgänge. Inzwischen war er im Ministerium zum Stellvertreter des Ministers für Wissenschaft und Technik aufgestiegen. #

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# Die Steigerungsform “führendst” habe ich übrigens am “Zentralinstitut für Sozialistische Wirtschaftsführung beim ZK der SED” zur Bezeichnung der Politbüromitglieder gehört. Da kam eine seltsame Mischung von Zustimmung, Unterwürfigkeit und Ironie zum Ausdruck. #

11. Mai 1989 – in der Kassenschlange

Samstag, Juni 13th, 2009

Vorgestern noch lange APO-Leitungssitzung. Danach Aussprache mit D., zunächst angespannt; klärend.

Hans S. erzählte mir, daß im WB 11 etwa 50 Ggenstimmen waren.

Lesen: Christa Wolf,”Sommerstück”

Einkauf in der Ackerhalle. Vor mir in der Kassenschlange eine junge Frau mit prächtig gewölbtem Hintern. Als sie mein Interesse bemerkt, posiert sie ein wenig. Es erregt mich tatsächlich; schnell und schwach (verglichen mit früheren Erlebnissen dieser Art). Ich glaube, sie hätte sich ansprechen lassen. Sie wirkte wie eine, die -noch jung - ihre ersten großen Enttäuschungen hinter sich hat und den Schutz des reifen Mannes zu schätzen weiß.

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03. Mai 1989 - Alltag

Freitag, Juni 12th, 2009


Nachher Dienstfahrt nach Mylau

Anleitung der APO-Sekretäre - Halbinformation zur Ausreiseproblematik

Gestern Ch. Hein “Horns Ende”

1. Mai-Krawalle in Westberlin - unsere Zeitungen bringen davon keinerlei Meldung

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30. April 1989 - Ausflug nach Münchehofe

Donnerstag, Juni 11th, 2009

Gestern und heute Zweitagesausflug mit C. und F. # der damals 9 Jahre alt ist # nach Münchehofe.890430ap1010001.jpg

Nach und nach kriegten wir bestes Wetter. Wir tippeln (nach ausgezeichnetem Essen in Buckow) fleißig am Stobber entlang über Pritzhagener Mühle

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nach Münchehofe. Wunderbare Natureindrücke. Nach Quartier noch (zu) anstrengender Rundgang um den Klobichsee, Tagessumme 20 km. gute Unterkunft, ausgezeichneter Schlaf.

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Heute: Einige Fotos, vormittags Spaziergang Germersdorf, unentwegt schön. Rückweg nach Buckow über Frühstückseiche, langer Grund - Eisdiele.Wieder 20 km.

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# Damit kein Irrtum aufkommt: Die Waldelfen haben wir nicht getroffen, und das letzte Foto ist nicht von mir. #

23. Januar 1989 - halböffentliche Diskussionen

Montag, Februar 16th, 2009

Hölderlin-Collage in der Volksbühne. Es war enttäuschend….

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Übrigens gestern 80,- Mark von Osmenda für die Treppenreinigung (für 2x7 Monate)….

Jetzt gleich zur Gratulation wegen des 60. Geburtstages von E. # E. - die Arbeitskollegin, die das kleine Internat meiner Arbeitsstelle besorgte.# G. # mein nun ehemaliger Chef # auch bei der Gratulation. Als er gegangen ist, Gespräche über Westreisen zwischen R. und E….

Ich erinnere mich an den Diskussionsbeitrag von ???? (Geschonneck?) beim Kongreß der Film- und Fernsehschaffenden. Dort war u.a. als ein nicht zu ignorierendes Thema genannt worden: Was bedeutet die Existenz zweier Währungen in der DDR? In diesem Protokoll sowieso eine Vielzahl aufgeweckter Äußerungen. C. hatte den Band 2 des Protokolls mitgebracht (die eingereichten aber aus Zeitmangel nicht gehaltenen Beiträge). Den Band 1 hatte sie auf Arbeit schon gelesen und - so denke ich - erstmal L. ausgeborgt….

# Ein Beispiel dafür, daß in der DDR durchaus gesellschaftliche Probleme artikuliert wurden. Die “führendsten Genossen” (ein bezeichnender Ausdruck), hätten durchaus die Möglichkeit gehabt des Volkes Stimme (bzw. die Stimme anerkannter Intellektueller) zu vernehmen. Sie zogen es vor, ihre Ohren zu verschließen. Die Macht aber, weiterzugehen, über das Bitten und Vorschlagen hinaus, diese Macht hatte das Volk nicht. Die Macht “der Führendsten” war nicht relativierbar. Sie mußte sich nicht bestätigen - der sozialistische Krebsschaden. #

Der Übermut läßt mich Barbara K. und Lilo M-R. anrufen # die eine Freundin, die andere flüchtige Sexpartnerin vergangener Tage #. Bei der einen nimmt keiner ab, bei der anderen meldet sich ein Ausländer, keine Verständigung.

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