Archive for the ‘Allgemein’ Category

23. April 1982

Samstag, Oktober 27th, 2007



[…] gestern übrigens mit Marita zum Vortrag von Hilmar Frank in der Akademie der Künste; sehr interessant aber anstrengend, M. schläft ein.

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[…]

Eigentümlich, wie wir, Mar. und ich, uns nach anstrengendem Tag und langen, langen Gesprächen erschöpfen und dann nur zu einem freundlichen erotischen Spiel, nicht aber zu GV wirkliche Lust haben. Als ich ihr dies diesmal sagte - in Erwartung erneuten „Zorns“ - war ich nicht wenig erstaunt, sie sagen zu hören: „Da werde ich gleich froh.“ Sie genoß es, sich zärtlich an mich zu kuscheln, dies und das zu tun und zu sagen aber befreit von dem Druck, „beischlafen“ zu müssen. (Sie hätte es aber ertragen, um mich nicht zu enttäuschen.) So ist rührende Gehemmtheit mit sexueller Freiheit verquickt. Sie versteht etwas von der Welt der Zärtlichkeiten, wohl bis zur Raffinesse. Darauf bin ich wirklich gespannt - doch ohne es irgendwie eilig zu haben. Es stimmt, was ich schrieb: Wir kommen von weit her. Wir brauchen Zeit, wahrscheinlich mehrere Stunden für ein Spiel, das uns wirklich zu einem Glückserlebnis führt.

Viel Zwiespältiges in dieser Frau - doch viel, viel verborgene, versteckte Wärme und Wärmebedürftigkeit.

Der Streit mit ihrer Tochter, und wie sie ihn sogleich aus der Welt schaffte (ohne zu Zögern). („Wirklich ganz mein Herz gehängt, ganz hingegeben hab’ ich mich an meine Tochter.“)

Sie wollte wissen, ob ich sie „betrüge“ (!)

Während sie mit ihrer Tochter sprach, saß ich allein in der Küche und stellte mir F. vor, der aufjauchzt, wenn er mich sieht, und ich dachte an L. (Wir quälen uns beide aussichtslos, wenn wir glauben, diese Liebe wieder herbeizwingen zu können.)

 

03. April 1982 - Bad Elster

Mittwoch, Oktober 10th, 2007



6.00 Uhr Margot kommt [Sie mußte ab 22.00 Uhr in ihrem Kurhaus übernachten.]

Moritzbrunnen, Spaziergang, Badehaus, Kurhaus, Kirche, Russenviertel, im Bade-Cafe. zum Bahnhof, Zug nach Berlin um 1/2 Minute verpaßt. M. ist glücklich (schlecht verhohlen), entscheide mich für denn nächsten Tag zur Abfahrt aber denke gleich an Marita, schade. Gepäck am Bahnhof gelassen, langer Spaziergang, abends „Toscana“, von Margot bewerkstelligt, kommt das „ungleiche Paar“ an unseren Tisch, das sich erweist als Uwe Jens Heuer und Genn G., Mitarbeiterin der Abt. Kultur im ZK, wirklich interessantes Gespräch (Auslandsarbeit, Sprachen, unser Telefonat über Streikrecht, Margot erzählt interessant von ihrer Arbeit), 21.45 nach Hause, der Schließer kommt. 22.05 Uhr Margot zu mir, schöner Sex.

 

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02. April 1982 - Lehrgangsabschluß, Abstecher nach Bad Elster

Mittwoch, Oktober 10th, 2007


Auswertungsrunde zum Abschluß in Herlasgrün:

Zu mir sagen sie, daß ich sicher wirke und auch im Kollektiv Sicherheit ausstrahle (erstaunlich für mich und wirklich erfreulich), ich glaube etwas von aktiv und anregend wurde auch gesagt, der „verschmitzte Humor“ wurde erwähnt und vor allem eine kürzere, präzisere Ausdrucksweise verlangt. […]

Im Zug nach Bad Elster:

[In Bad Elster treffe ich meine Bekannte Margot aus dem Zittauer Winterurlaub, die dort gerade zur Kur weilt.]

Das junge Mädchen (vielleicht 17 Jahre) mir gegenüber. - Immer wieder, „naturwüchsig“, entsteht Schönheit. Schöne junge Menschen!

Schönheit Margots, die auch in ihrer Jugendlichkeit liegt, Schönheit als das Selbstverständliche; das Schöne, das so sein muß, wie es ist und dabei richtig ist, richtig im Sinne von wahr und maßvoll. Die tiefere, menschliche Schönheit Richards, Christas (im Verhaltenstraining); Schönheit in der Beziehung zu anderen Menschen (bei den beiden Letztgenannten) hat nicht das Pflanzenhafte, Jungfräuliche der erstgenannten Schönheit. Wie sie erscheint, danach wäre ernsthaft zu fragen. […]

Fr. Bacon, „Essays“, Dieterich, 1967:

„Im Glück offenbart sich am stärksten das Laster, aber im Unglück die Tugend.“ (20)

„Drei Stufen der Heuchelei: Verschwiegenheit, Verstellung in negativer Form (Ich bin gar nicht der, als der ich scheine.), Heuchelei in positiver Form (Ich gebe vor das zu sein, was ich nicht bin.)“

Das Beste ist „im Ruf und im Ansehen von Offenheit zu stehen, Verschwiegenheit zu üben aber mit Maßen sich verstellen und heucheln zu können, falls nichts anderes übrigbleibt.“ (25)

 

31. März 1982 - psychische Kapazität

Dienstag, Oktober 9th, 2007


Rückenschmerzen

[…] Training: Das strikte Befolgen einer Kommunikationsregel (Reflektieren, Orientieren) hat dazu geführt, daß ich mich klüger verhielt, als ich es im Kopfe war. Das „zielabgewandte“ Reflektieren, also der indirekte Weg, erwies sich als der kürzeste Weg zum Ziel.

Die psychische Kapazität: Sowohl Kapazität der Reizaufnahme (-auswahl), als auch der Reizverarbeitung, als auch Äußerung des psychischen Geschehens. Bei der Reizaufnahme: Auswahl des mehr Bedeutenden, Weiteres wird mit abnehmender Bewußtheit oder gar nicht mehr aufgenommen.[…] Wobei wahrscheinlich Inhalt und Dynamik des an 1. Stelle Aufgenommenen mitentscheiden über das an 2., 3. usw. Stelle Aufgenommene. Bei der Reizverarbeitung: Konzentration (bis zur völligen Absorption aller psychischen Kräfte) auf Wesentliches und Blockierung des Verarbeitung (und Aufnahme) anderer Reize. Allenfalls reicht es noch dazu, einige Merkpunkte festzuhalten für spätere Verarbeitung. Eng verbunden damit ist eine Unlust, ein Unmut gar, sich zu äußern. Massive Reizaufnahme oder -verarbeitung läßt oft erstmal verstummen, eine Unfähigkeit, sich klar oder schnell oder abstrakt/rational zu orientieren. Die Einsicht, daß vor aller Reaktion aber auch vor neuer massiver Reizaufnahme die Ruhe zur inneren Verarbeitung, ich meine die Ruhe zum Ablaufen unbewußter Vorgänge, gesichert werden muß. Diese Ruhe wird oft gestört. Das wirkt oft negativ. Doch sind auch positive Störungen, Induktion positiver Wechselwirkungen, denkbar?

Fr. Bacon, „Essays“, Dieterich, 1967:

„Es ist nämlich eine untrügliche Regel, daß Liebe stets vergolten wird, sei es nun durch Erwiderung, sei es durch eine heimliche Verachtung.“ (S.39)

„Eheliche Liebe pflanzt das menschliche Geschlecht fort, freundschaftliche Liebe veredelt es, aber wollüstige Liebe vergiftet und erniedrigt es.“ (40)

„Es gibt nämlich Menschen, die an Unklarheiten ihr Gefallen haben und es als lästig empfinden, wenn sie sich auf eine Begriffserklärung festlegen sollen. Im Denken wie im Handeln geben sie dem freien Willen den Vorzug. (3)

 

04. März 1982

Donnerstag, August 30th, 2007

Traum: Ich und eine mir zufällig bekannt gewordene Frau schwimmen, paddeln im Wasser bei einer Dampferanlegestelle Die Heckteile mehrerer Schiffe und Boote sind uns zugewandt, so daß wir von 3, 4 verschiedenen Schiffsschrauben umgeben sind. Das Schiff, mit dem wir fahren wollen, soll bald starten. Bekannte sind schon drauf, wir machen keine Anstalten aus dem Wasser zu gehen und auch einzusteigen. Ich sage: „Bald geht es los, wir sollten uns etwas von den Schrauben entfernen.“ Dann fährt unser Schiff rückwärts (im Bogen) von der Anlegestelle ins offene Wasser. Ich kriege den Bug zu fassen und werde in sausender Fahrt mitgezogen, meinerseits habe ich die Frau an der Hand gefaßt. Dann stoppt der Kahn, groß wie ein Dampfer der Weißen Flotte. Ich höre den Kapitän sagen:“ Na, 80 Std/km hatten wir erreicht.“ Dann beginnt die langsame Fahrt vorwärts, und ich glaube, wir steigen ein. […]

Ein Beispiel, wie es in einem „geistig arbeitet“, ohne daß man dies bewußt tut: Am 23.2. hatte ich mit E. Lassow telefoniert,

Prof Dr. E. Lassow ein Bekannter, früherer Arbeitskollege an philosophischen Institut der Humboldt Universität zu Berlin

Termin ausgemacht für 10.3. zwecks Information über Arbeitsmöglichkeit für mich an der HUB. Damals schien mir nichts besonders mitteilenswert von diesem Gespräch. Er sagte (sinngemäß):“Unser Gespräch muß aber ganz unverbindlich sein. Ich kann Dir keinerlei Zusagen machen, Du kannst Dich nicht darauf berufen, und daraus können sich keine weiteren Aktivitäten ergeben.“

Der letzte Nebensatz ist es, der für mich zunehmend meine ganze Erwartung, Einstellung auf dieses Gespräch bestimmt, dieser Nebensatz in seiner peinlich übervorsichtigen Ablehnung möglicher Verbindlichkeit. […]

Man schaue sich Angelika G. an, Petra K., Petra H., auch Bernd Wagners Freundin (?). Wie eh und je ist ihr Dasein nicht erfüllt, wenn sie nicht ein Kind hervorgebracht haben. Die Weiber sollen (und wollen) gebären.Neu ist vielleicht, daß sie den Mann nur als „Initialzünder“ brauchen, dann nicht mehr (bzw. glauben sie es, bzw. geht es nicht anders) und daß sie (vielleicht deswegen) nur ein Kind haben wollen.

Daß das alles geht - ist es nicht Ausdruck des neuen Humanismus, der Toleranz und Freundlichkeit in unserer Gesellschaft? Und wohin wird sich solche Tendenz verlängern?

Bewegung ist absolut, auch im menschlichen Leben. Doch jeder Mensch braucht auch relative Ruhemomente. Ganz bewußt die Relativität der Ruhe (in jeder Hinsicht) leben! Für Viele ist jedes kleine Moment relativer Ruhe ein konsequentes, (teilweises) pflichtbewußtes Gestorbensein. (Daher der starre oder verbiesterte Gesichtsausdruck vieler Menschen. - Sie haben stets ein Ziel, Motiv, dem sie nachstreben und müssen dabei ständig über ärgerliche Hindernisse steigen.) […]

Habe ich ein Recht so viel Zeit für dieses Buch zu verwenden? B. Wagner erzählte, daß er zeitweilig nichts anderes tat, als ein immer ausgefeilteres Tagebuch zu schreiben (freilich mehr ein Sudelbuch nach Art von G. Chr. Lichtenberg).[…]

Frauen, die du gehabt hast, haften an dir und wecken das Interesse neuer Frauen, vielleicht sogar noch mehr als Interesse: Eine Lust, sich zu messen (mit deiner Vergangenheit). Freilich mußt du gern und froh die Aura der von dir geliebten oder zumindest gern besessenen Frauen tragen, darfst es nicht verdrängen. Dein bisheriger „Erfolg“ (Glück) gebiert neuen „Erfolg“ (Glück). Dass habe ich heute deutlich im Bus gespürt. Das Erlebnis, A. zu besitzen hat mir Mut und Reiz gegeben, die Aufmerksamkeit einer wirklich schönen (Ähnlichkeit mit Angelika Domröse), beherrschten, und befriedigten modernen Frau zu erregen, obwohl sie ursprünglich wirklich uninteressiert war.