Archive for the ‘Bewußtheit’ Category

04. Januar 1990 - Parteiaustritte, Wohnparteiorganisation formiert sich

Sonntag, November 27th, 2011

Gestern WPO-Versammlung der alten WPO.

Mein alter Bekannter Kannewurf, WPO-Sekretär, ist aus der Partei ausgetreten – wegen “seiner Enttäuschung durch die Honecker-Clique”. Den WPO-Sekretär hatte er unter der Bedingung übernommen, eine Wohnung zu bekommen und mit einem neuen Wartburg beliefert zu werden. Die Wohnung, so weiß ich, hat er nicht bekommen. Übrigens war er früher Armeeoffizier.

Die WPO ist – mit beträchtlichem Zeitaufwand für Verständigungsdiskussionen untereinander – auf dem Formierungswege.

Über A. – Döring – Frau Zimmermann erfährt man, Gerhard Zimmermann habe in einem Abschiedsbrief gewünscht, nicht in derselben Erde wie „diese Verbrecher“ (der damaligen Partei- und Staatsführung) bestattet zu werden.

 # Plötzlich erfuhr man so etwas. Gerhard Zimmermann, früher Minister für Schwermaschinen- und Anlagenbau, mir persönlich gut bekannt. #

Weltbühne 1790:

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 Mit F. in der Modellbahnausstellung und im Tierpark. Das große Elefantenhaus (und die badenden Elefanten )! kino mit ihm: “Die Olsenbande fliegt über die Planke”

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03. Januar 1990 - SPD wünscht Selbstauflösung der SED-PDS

Sonntag, November 27th, 2011

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Gestern Manuela Kunzmann bei mir, zwecks Parteiarbeit im Wohngebiet.

Platonow „Baugrube“.

Polemik mit C. wegen der Äußerungen des Steffen Reiche und der Stellung des „ND“ dazu.

# Siehe Zeitungsausschnitte 31.12. und 2.1. #

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# Das würde jetzt auch bei uns normal werden. # 

28. Dezember 1989 - “Glücklich ist, wer vergißt”

Sonntag, November 27th, 2011

Lektüre „Die Zeit“, vom 15.12.89, ein Beitrag Karl Markus Michel. “Glücklich ist, wer vergißt”

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Im Rundfunk Monika Maron zum Thema Deutschland und Sozialismus.

In der heutigen „Morgenpost“ Berichte über das Luxusleben der Ceauchescus.

Im Fernsehen Diskussion der Oppositionsparteien (u.a. Steffen Reiche).

Parteien = Machtinteresse

26. Dezember 1989 - Programmerklärung “Neues Forum”

Freitag, November 25th, 2011

Entwurf Programmerklärung und Statut des NF # „Neues Forum“ # , von Gilbert; mit C., Gilbert und Klaus Freymuth besprochen; eine linke, der SED-PDS nahe stehende Organisation.

# Gilbert Furian, vergl. mein Posting vom 14. Oktober 1989.  Er ist heute eine “Person der Zeitgeschichte” und “Zeitzeuge” im Umfeld der Stasi-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen. Klaus Freymuth, ebenfalls ein Aktivist des NF. Er war Videokünstler und -unternehmer in der DDR, im Konflikt mit der Staatsmacht. Man kann Näheres dazu im Internet finden, jedoch ist mir selbst Näheres nicht bekannt. Er starb wenige Monate später durch einen Fahrradunfall. Meine hier zum Ausdruck kommende Meinung zum NF hatte keinen Bestand. Wo bin ich später ausführlich auf die “Bürgerbewegten” zurück gekommen?  #

Ich sollte eigentlich meine tägliche wichtigste Lektüre notieren, z. B. in den letzten Tagen:

„Neue Zeit“ Nr. 50 und 51/89,

Biermann, (taz“ 12.3.88 zu Vogel und dem DDR-Häftlingsverkauf),

Tschechow, „Krankenzimmer Nr.6“,

C. Fr. v. Weizsäcker, „Wege in der Gefahr“,

Programmerklärung NF,

A. Patonow, „Die Baugrube“,

Medienpapier des NF.

Ich denke, dass Zeitungen finanziert werden sollten – in angemessenen  Anteilen (vielleicht 50:25:25) – durch die Käufer: den Staat : die Werbung.

 

22. Dezember 1989 - Menschenänderung

Donnerstag, November 24th, 2011

# Artikel v.  A. Brie gegen die Wiedervereinigung. Wie sich Menschen verändern können, darüber, muß ich aus diesem Anlaß mal im opablog nachdenken. #

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Unsere, meine Schuld besteht darin, auf die Kontrolle der Macht verzichtet zu haben. Diese Pflicht haben wir missachtet und uns freiwillig mit diesem Zustand abgefunden. Das bisherige Machtsystem war demokratiefeindlich. 

Der Verbrecher Ceauchescu wurde gestürzt.

Am Brandenburger Tor, das heute geöffnet wird, deutsche Nationalfarben. Auf dem Rückweg treffe ich R.s Mann und habe zur Weiterbildung (ZF) gleich einen Wortwechsel mit ihm. 

# Der Mann meiner langjährigen Kollegin R. Wir waren durchaus einander freundlich gesinnte Bekannte gewesen. Man half sich gelegentlich. Man war auch mal  in derselben Zeit in demselben Urlaubsheim. Jetzt überraschte er mich mit einer triumphierenden Bemerkung, daß es nun mit unserer Art der Weiterbildung an der ZF (meiner Arbeitsstelle), der marxistisch-leninistischen zu Ende sei. Ein kleines Beispiel dafür, wie in dieser Zeit Normalitäten, Gewißheiten (ob berechtigte oder nicht) von einer Minute zur anderen zusammenbrachen. #  

 

Dies halte ich hier fest als die letzte Zuckung des Pfaffenschlager-Sekretariats (das aber eine appetitliche Sekretärin hatte).

 # Es geht um das Kreissekretariat der NF („Nationalen Front“), auch das ein trauriges Kapitel des endlosen Themas „formale, inhaltsleere sozialistische, zudem noch piefige Demokratie“. #

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21. Dezember 1989 - Privilegien der Führung

Donnerstag, November 24th, 2011

ND von heute:

Die 14 Autos des Erich Honecker.

10 Farbfernseher/Jahr kaufte die Sippe Mittag (NSW-Erzeugnisse 1:1 + 50% Handelsspanne).

Von Sept. bis Nov. kaufte die Familie Sindermann 4 westl. Farbfernseher.

Hamsterkäufe einiger Familien, nachdem angekündigt worden war, dass das NSW-Sortiment zum letzten Mal verkauft wird.

Welch eine moralische Degradation!

Meine hier mehrfach geäußerte Entrüstung über die moralische Degradation unserer Führer verlangt nach Erläuterung:

Die Privilegien der Machthaber im Sozialismus waren immer ein wunder Punkt. Erzogen wurden wir mit Bildern von der spartanischen Lebensweise Lenins. Offiziell war das damit gesetzte Leitbild nie zurück genommen worden. Freilich hatten wir die Gleichmacherei, die Missachtung des Leistungsprinzips der frühen Jahre nach der Oktoberrevolution in unserem ideologischen Selbstverständnis seit langem „überwunden“ und damit war grundsätzlich klar, dass hochrangigen Leuten hochrangige Einkünfte zustanden. Kein Diskussionsgegenstand waren auch Vergünstigungen, die Widerstandskämpfern gegen den Faschismus gewährt wurden.

Leider wurden aber all diese Verhältnisse nie offen gelegt, Durchsichtigkeit war nie gegeben. Aber immer wieder wußte jemand von Beispielen offensichtlich ungerechtfertigter, keineswegs durch das Leistungsprinzip gedeckter Begünstigungen, die für unerfreuliche Diskussionen sorgten. Jedem waren solche Beispiele bekannt und als „guter Genosse“ musste man es eben schlucken, in einer ärgerlichen Defensive zu sein und die ganze Problematik mit mehr oder weniger schlechtem Gewissen verdrängen.

Zu meiner eigenen Orientierung (oder Beruhigung) hatte ich mir in diesem zwiespältigen Bereich zwei, drei Kriterien festgehalten: Für unberechtigt und kritikwürdig hielt ich die quasi private Nutzung des ganzen Ferienhaus-, Gästehaus-, Tagungshauswesens. Deren ganzes Ausmaß war mir bis zum Ende der DDR nicht bekannt. Und für verwerflich hielt ich die Beziehungs- und Beschaffungsmentalität, die sich in der Versorgung ganzer Familien- und Freundesclans ausdrückte. Schließlich war ein dritter Aspekt schwer erträglich: Die Konsumwünsche unserer Oberen und ihres Familienanhangs richteten sich fast ausschließlich auf Westwaren und zwar, wie ich erst gegen Ende der DDR erfuhr, nicht nur auf westliche Gebrauchsgüter, sondern auch auf Perlen der westlichen Ideologieproduktion, Pornofilme eingeschlossen.

Die jetzt gemachten Enthüllungen und gleichermaßen die miesen Vertuschungsversuche bewiesen, dass die moralische Integrität der Führungsschicht zerstört war. An dieser Stelle mischte sich in meine Empörung Selbsthass – weil ich mich solange gescheut hatte, der Wahrheit ins Auge zu sehen. Freilich, die Korruptheit der politischen Elite der DDR in den gegenwärtigen realkapitalistischen Rahmen gestellt, sieht mickrig aus. Selbst einer der intelligentesten Korrupten – Schalck-Golodkowski – hat kaum mehr zusammengerafft als heute ein zweitklassiges Fußballidol. Doch solche Relativierung setzt den Maßstab der bürgerlichen Gesellschaft voraus. Wir aber mühten uns um den Aufbau des Sozialismus. Noch in der Missachtung und Zerstörung sozialistischer Werte durch Kommunisten, wie sie 1989/90 ans Licht kam, leuchtete auf, dass sie zeitweilig gesellschaftliche Geltung erlangt hatten.

Ein Bedenken zum Schluss: Sollte ich mit dem ganzen schwer fassbaren Thema der Moralität nicht viel vorsichtiger umgehen? Verlange ich gar, dass Politiker, Menschen wie du und ich, Edelmenschen sein sollen? In der Tat geht es mir nicht um Moral in ihren vielen Aspekten, sondern um einen ganz bestimmten Zusammenhang, jenen Bereich, den jeder sozialistische Politiker verantworten muss – das Verhältnis des Einzelnen zur privaten (und das heißt wörtlich räuberischen) Aneignung von gesellschaftlichen Gütern und Leistungen. In dieser Frage bleibt jeder Sozialist, auch und gerade ein verdienter Politiker, voll und ganz verantwortlich. Die Erfahrung bestätigt, dass jede soziale Bewegung, die sich nicht von ihren Privatisierern frei macht und frei hält, verloren ist. #

# Auch im opablog Dezember 2011 beschäftigt mich das Thema. #

# Ein Zeitungsausriß  aus der “BZ” zum Kohl-Auftritt in Dresden # 

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20. Dezember 1989 - Kohl in Dresden

Dienstag, November 22nd, 2011

Frenetische „Deutschland! Deutschland!“ –Rufe in Dresden gestern und „Rote raus“ Rote raus“. (Die Gegendemonstration in Berlin existiert für die Tagesthemen nicht, auch nicht für die heutige CDU-„Neue Zeit“.)

Kohl begrüßt gestern die Dresdner an der Frauenkirche und zollt der „friedlichen Revolution“ in der DDR Bewunderung!!

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Am Zionskirchplatz gestern erblickte ich das erste Flugblatt der SED-PDS von der Basis. Es findet sich die GO # SED-Grundorganisation # des Wohngebiets.

Streit mit C. über Rechtmäßigkeit der Modrow-Regierung.

Gestern Bescherung bei F. und L. (Stabilbaukasten für F.)

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 # Der folgende Zeitungsbericht schildert den Arbeitseinsatz im Schlachthof Berlin, an dem auch ich beteiligt war, wie hier mehrfach berichtet. #

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16.-18. Dezember 1989 - Besuch der Verwandten in Coburg

Dienstag, November 22nd, 2011

# Die Seite des Tagebuchs mit der Coburg-Touristenwerbung # 

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Im Bayernkurier ist man sehr deutlich zu strategischen Fragen, ganz besonders der Eigentumsfrage

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# Unsere Tante ist aktive ÖTV-Gewerkschafterin und klärt uns über bundesrepublikanische Einkommensverhältnisse auf. #

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# Zu Hause ein geschichtlich-politischer Artikel von Kurt Finker, wahrscheinlich im “ND” #

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 # Es muß verwundern, daß ich über den Verwandtenbesuch selbst faktisch nichts geschrieben habe. Tatsache ist, daß die Beziehung zu den Coburger Verwandten völlig abgerissen war (und es auch geblieben ist). # 

13. Dezember 1989 - Privilegien

Montag, November 21st, 2011

Am Montag ist Großvater H. gestorben.

Am Montagabend bei D. zum Geburtstag. Absprachen zu unserer Fahrt am kommenden Wochenende nach Coburg.

Zugespitzte politische Situation.

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Vorbereitung der morgigen WBA-Sitzung. Übrigens reist Familie Pötter aus.

# Herr Pötter war einer meiner aktivsten HGL-er (HGL-Hausgemeinschaftsleitung). Er redete nicht viel aber er hatte „goldene Hände“ und tat in Haus und Hof etwas damit. #

# Die folgenden beiden Blätter liegen nur als Kopie ohne Herkunftsangaben in meinem Tagebuch. Hoffentlich ist die kleine Schrift lesbar. Sie bringen sehr konkrete Informationen von den Auseinandersetzungen im FDGB-Bundesvorstand. Brandheiß war das Thema: Privilegien/Verwendung der Gelder der Gewerkschaft. #

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07. Dezember 1989 - schwere Arbeit - Zeitungsschau

Dienstag, Dezember 8th, 2009

Schwere Arbeit! (9 1/2 Stunden), 20 Kunden mit Geflügel beliefert (Trinkgeld 17,-M:2, zwei Mahlzeiten).

# Vielleicht erscheint es als Zumutung nachfolgend einen Zeitungsausschnitt nach dem andern einzustellen. Mein Tagebuch sieht wohl deshalb so aus, weil ich von der Arbeit wirklich erschöpft war und keine Kraft zu langen Einträgen hatte. Andererseits waren die Zeitungen voller bisher ungehörter Stimmen, und ich verfolgte sie intensiv. Es herrschte das Gefühl eines unerhörten Tempos. Das Leben schien sich täglich zun beschleunigen. Ohne mein Zutun. #

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# Gibt es eine gründliche, wissenschaftliche Darstellung und Analyse der Arbeit des Ausschusses zur Untersuchung der Ereignisse vom 7. und 8. 10.1989? Ich weiß es nicht. Wie hier schon früher dargestellt, haben auch mich diese Ereignisse stark beeindruckt und beeinflußt. Den Untersuchungsprozeß habe ich nur am Rande verfolgt, bin aber sicher, daß er prinzipielle Einsichten in die Denk- und Verhaltensweisen von Mächtigen in der Endphase der DDR ermöglicht. #

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# Solche Bedenken waren neuartig. Beobachtungen einer Telnehmerin an den Leipziger Montagsdemonstrationen. Ein Bild von Differenzierung, wie es heute nach 20 Jahren längst unter die Räder der offiziellen “historisch-heroischen Erinnerung” gekommen ist. #

 # Es folgt ein repräsentatives Meinungsbild der DDR-Bevölkerung von Ende November 1989.#

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# Und zwei interessante, sensible Stimmen, die im “Sonntag” (Vorläufer des “Freitag”) zu finden waren. #