Archive for the ‘F., Söhne’ Category

11. März 1990 – frisch gezapfter Birkensaft

Sonntag, Januar 22nd, 2012

Mit F. und C. in Schmachte. Dort ist der Zaun umgefallen. Ich pflanze zwei Haselnüsse + Wermut + Forsythie. Schönes Wetter, schöne Erholung. Weinreben aus dem Winterschlaf geholt. F. kredenzt Birkensaft.

Abends wollte ich SAT1 „Talk im Turm“ sehen. Sie bringen stattdessen 2 Std. Tennis. Sehe „Talk“ dann doch noch – Revolverfernsehjournalismus.

900311.jpg

10. März 1990 – Kinderbesuch

Donnerstag, Januar 12th, 2012

F. bei mir.

Wir malen und schenken uns gegenseitig Bilder. Ich mache Kalbsbraten.

900310.jpg

 

12. Februar 1990 – Zeichen der Ernüchterung?

Montag, Januar 2nd, 2012

900212-1.jpg

Einkäufe am Freitagabend und Sonnabendfrüh in sehr geleerten Kaufhallen. Unter dem BRD-Druck flüchten die Leute so gut es geht in Sachwerte.

# Zwei oder drei Jahre später lernte ich zufällig eine Frau kennen, die ihre ganze Garage mit Lebensmittelkonserven angefüllt hatte und sich immer noch (notgedrungen, denn zum Wegwerfen waren sie ihr zu schade) weitgehend von diesen Vorräten ernährte! #

Am Samstag - C. arbeitet bei der Berlinale – mit F. zum Flughafen Tegel, danach zum Wachsfigurenkabinett am Kudamm und Zauberwurm Fipo. Am Sonntag mit F. in „Und rückwärts laufen kann ich auch“, guter DEFA-Film.

Bei L. und Johannes sorgenvolles (ernüchtertes) Gespräch über Zukunft der DDR.

Zu Hause Arbeit am Zukunftspapier für die Weiterbildungseinrichtungen des MMB

# („Ministerium für Maschinenbau“, das an Stelle der fünf  Industrieministerien gebildet worden war und in das ich später übernommen wurde.) #

In der heutigen BZ die Antworten der neuen Minister deuten auch auf eine gewisse DDR-Besinnung hin.

„Atame“, „Fessle mich“, mein erster Berlinale-Film. Nichts! Das sollte unterhaltend sein. Es war „frauenfeindlich“.

900212-2.jpg

 

 

30. Januar 1990 - Briefe

Mittwoch, Dezember 14th, 2011

Die Befragung Dr. Exners gibt keine Orientierung. Er hat Magenschmerzen und bemüht sich, aus dem Apparat auszuscheiden. Endstation.

Renate schreibt für mich mein PDS-Papier.

Traf im HdM Peter Röske, # Haus der Ministerien, nachmaliger Sitz der Treuhand, Peter Röske Mitarbeiter im Ministerium für chemische Industrie, Vergl meinen Eintrag hier.  http://tageundjahre.de/archives/192 # der im Mai seine Galerie eröffnen will.

Muß mir langsam ernsthafte Gedanken für meine zukünftige Arbeit machen.

Die Montagsdemos scheinen immer deutlicher von Wiedervereinigungsparolen geprägt. Wenn jetzt der Wahlbetrug Schritt für Schritt aufgedeckt wird, wird sich auch zeigen – wie peinlich - dass ca. 80% dieses „Volks von Revolutionären“ das Honecker-System gewählt haben, noch am 7.5.89!

# Aus einem Brief an meine von mir getrennt lebenden Söhne: #  „… Ein ereignisreicher Monat ist seit unserem Treffen vergangen. Die Großwetterlage ist ja nicht gerade schön. Ich habe mich an meinem Arbeitsplatz engagiert, um Bildungsveranstaltungen für die Mitarbeiter des Ministeriums vorzubereiten. Danach besteht ein großer Bedarf. Aber gegenwärtig scheint es, als würde das mit einem Federstrich hinweggewischt. (In diesem Zusammenhang hatte ich eine interessante Begegnung im DGB-Landesvorstand in Westberlin. Ich: „Würden Sie uns einen Vortrag halten, darüber, wie bei Ihnen die Interessenvertretung der Arbeitnehmer funktioniert, die Mitbestimmung?“ Er: „Mitbestimmung haben wir nicht. Das ist erstmal unser Ziel. Sie haben dafür die besseren gesetzlichen Voraussetzungen.“) Es wurde ein interessantes Gespräch, und er ist bereit, bei uns zu sprechen. Aber wie gesagt, die bei uns nach wie vor herrschenden Leute im Apparat (eine einmalige Legierung von Stalinist, Opportunist und Bürokrat, die zudem noch kopflos sind) werden es höchstwahrscheinlich kaputt machen.

Was ich dann arbeiten werde ist mir sehr unklar. Die augenblickliche Situation beunruhigt mich, macht mich gleichzeitig aber auch neugierig. Nur gut, daß ich keine besonderen Ansprüche an Sozialprestige und Konsum habe. Das beiliegende Papier, das ich ausgearbeitet habe, Vergl #  zeigt Euch, wofür ich mich in der gegenwärtigen Situation einsetze. Zwar bedrückt mich der gegenwärtige Zustand der Partei aber anscheinend ist meine Parteibindung nicht primär davon abhängig, daß ich zu den Siegern gehöre….“

# Aus einem Brief an Freund Kurt: # „Wie ich Dir schon erzählt hatte, habe ich mich besonders für die Wahlversammlung meiner WPO engagiert und das beiliegende Papier ausgearbeitet. Auf die Diskussion bin ich gespannt.

Mir scheint es, daß viele Genossen es sich nicht vorstellen können, nicht mehr bei den Regierenden zu sein. Nachdem mein Chef hier zum 15.2. die Segel streichen will, ist die Zukunft der Zentralstelle unklarer denn je. Die meiner Überzeugung nach notwendigen Weiterbildungsmaßnahmen für Mitarbeiter des Ministeriums werden wohl vom Tisch gefegt werden. Wie sich dann meine weitere Arbeit gestalten soll, läßt sich schwer sagen. Vielleicht fällt mir irgendetwas Ungewöhnliches, Ausgefallenes sein, damit, wenn schon der normale Lebensweg abbricht, wenigstens Neugierde oder der Wunsch nach Ungebundenheit befriedigt werden…. „

22. Januar 1990 – Die große Niederlage. Wie ist ein Neuanfang möglich?

Montag, Dezember 5th, 2011

# Nachstehender Artikel von Prof. Werner Gilde, Direktor des ZIS “Zentralinstitut für Schweißtechnik”, Halle. Prof Gilde war eine ingeniertechnische und darüber hinaus intellektuelle Autorität in der DDR. Sogar Wikipedia kennt ihn heute! #

900122-1.jpg

Gestern mit F. und C. in dem schönen Film „Die unendliche Geschichte“

Heute 5 Stunden „Runder Tisch“ während der Arbeit gehört.

Ich entwerfe ein Flugblatt für meine WPO, für die PDS, gegen die SED.

Mit C. im Dokfilm „Unsere Kinder“. Vorher im „Alten Schönhauser“ Tischgespräch mitgehört von einem, der am Montagssturm auf das Stasigebäude dabei war. Er habe dort nur Ruhe und Ordnung gesehen, keine Ausschreitungen, „vielleicht ist da mal ein Schränkchen aus dem Fenster geflogen“. Mit C. hinterher Streit darüber. Ich sage: „Wenn erst einer aufgehängt wird, dann werden auch tausende im Land bezeugen, dass dort, wo sie waren, völlige Ruhe herrschte.“ Dazu erbitterte Polemik zwischen uns. Ablehnung dieser Denkweise durch C.

 Ernst bewegt hat mich an diesem Tag nebenstehende Kohl-Erklärung: 900122-2.jpg

Das heißt Einverleibung der DDR in ein NATO-Bundesdeutschland! So der Klartext, der nicht ins öffentliche Bewusstsein - wenn es so etwas überhaupt gibt - dringt. Der deutschnationale Alleingang wird für ernstzunehmende BRD-Kräfte eine reale Möglichkeit! Die Perestroika hat eine ganze Zeitetappe innerer tiefgreifender Spannungen und Umbrüche vor sich. Die Sowjetunion wird so geschwächt werden, dass ihre Rolle als Weltmacht in Frage steht. Das kalkuliert das deutsche Großkapital kühl ein. 

# in Wirklichkeit war die Perestroika bereits tot bzw. sie war selbst der Untergangsprozeß der SU. Wie ich doch Grundzusammenhänge nicht gesehen habe! #

 

900122-3.jpg

Berghofers Austritt ist ein ernster und niederträchtiger Schlag gegen die SED. Der PDS mangelnde Erneuerung vorzuwerfen und zugleich dagegen „sozialdemokratische Programmatik“ zu unterstützen, ist ein Widerspruch in sich. Die Programmatik der PDS ist ja gerade ihre Stärke. Von ihr braucht man sich nicht abzugrenzen. Für ihre Realisierung hätten diese Exgenossen ja verantwortlich in der Zentrale wirken sollen, statt sich nach Dresden zu verkriechen.

Am Wochenende Statut und Programm der SPD aufmerksam gelesen. Jedem wird alles versprochen! Keine Präzision! Besonders wird jede Klarheit in der Frage des Eigentums vermieden. Man sei für „gemeinwirtschaftliches Eigentum“ – kein Mensch kann damit eine klare Vorstellung verbinden - behaupte ich. Ebenso zur Souveränität der DDR. Und völlig ernüchternd im Statut: die Unabhängigkeit der oberen Parteiorgane von der Parteibasis! Da lassen die alten erfahrenen Parteistrategen der SPD „keine Luft“ ran.

SPD - eine Partei, die die Reform dogmatisiert.

Kommunisten – eine Partei, die die Revolution dogmatisiert.

Gebraucht wird eine Partei, die immer das Nötige machen kann, - einmal die Reform, dann die Revolution, dann wieder die Reform… Eine solche, wirklich sozialistische Partei gibt es nicht.

So war das Wochenende von schweren Gedanken erfüllt. Und es scheint, dass wir zwar einen Ministerpräsidenten haben, der sich bravourös schlägt, aber keinen Parteiführer, der der Härte dieses politischen Kampfes gewachsen ist.

Ich entschließe mich, ein PDS-Flugblatt für unsere WPO zu entwerfen (angeregt durch ein Flugblatt in der Mensa).

900122-7.jpg

 Ich denke: Man kann sich nicht aus einer Partei verabschieden, ohne für sie wirklich gekämpft zu haben. (Viel gehen jetzt noch schnell klammheimlich, Nasdala z. B. wittert nach allen Seiten, wann denn nun sein günstigster Absprungtermin ist.) 900122-4.jpg

Und einige haben die Illusion, nun flugs eine neue KPD zu gründen. Solche Narren! Als ob man dadurch die Vergangenheit loswerden kann. Keiner nimmt uns ab, all unsere Irrwege wirklich bis zum tiefsten Grund aufzuarbeiten. Das haben wir noch nicht geleistet. Danach wird – so bin ich überzeugt – ein Neuanfang möglich.

 # Der Übergang zu sozialdemokratische Positionen ist der Versuch derer, die dazu nicht fähig sind, gründlich  zu sein. #

 900122-5.jpg

 900122-6.jpg

18. Januar 1990 - Trauer, “Ich kenne des Menschen nicht.”

Donnerstag, Dezember 1st, 2011

900118-1w.jpg

Bei F.s Geburtstag viele Diskussionen. Eva Vent, im „kindlichen Wahn“ würdigt sie „den Kapitalismus“ und spricht davon, wie tyrannisiert sie war, 40 Jahre.

900118-3w.jpg 

Die Grenze, jenseits der man streikt wird immer niedriger, das Gleiche passiert mit der Grenze zur Gewaltanwendung.

# Wahnhafte Züge des Handelns der Menschen? Ist dieser Wahn nicht immer latent vorhanden? (Vergl. Art des Gedenkens an den 17. Juni heute im Juni 2003) #

Ich verspüre viel Trauer ob des übermächtigen Rasens der Unvernunft. Der subjektive Zustand unterscheidet sich nicht sehr von dem vor einem halben Jahr. Es ist ein übermächtiger Gesellschaftsprozeß, der seinen Weg nimmt. Vor der jetzigen Zeit hatte ich den Glauben, mit der Grundrichtung dieses Prozesses doch übereinzustimmen. Mit der erwarteten Richtung (Kapitalisierung) des gegenwärtigen Prozesses stimme ich nicht überein. Die Illusion der Heimat wird gegen die klare Heimatlosigkeit getauscht. Sozialismus, der schon greifbar schien, wird wieder zur Utopie entrücken. 

Nasdala klärt mich gerade auf, daß er beabsichtigt, um seine Abberufung zu bitten. Er will wieder im ASMW anfangen. Mich will er vorschlagen zu berufen/hier als Leiter zu arbeiten. Ich würde das – so denke ich  - machen. Ich denke, wenn sie mich diesmal nicht für würdig erachten, diese Funktion auszuüben, dann gehe ich von hier weg.  

Heute Abend WBA. Ich möchte meine neuen Konzeptgedanken vorlegen. Telefonat mit Holger Wetuschat.

# H. W.  war einer meiner Mit-WBA-Vorsitzenden. Bei ihm war es der WBA 10, der die Häuser im Grenzbereich umfasste. Wir hatten  kein enges aber, so dachte ich, ein ganz gutes Verhältnis. Zwei, drei Jahre später trafen wir uns wieder. Er war in irgendeiner offiziösen Funktion, hatte, glaub ich, mit der Konversion von Militärflächen zu tun. Jedenfalls mußte ich verwundert feststellen, daß er mich nicht mehr kannte. Wie manche Menschen von einem Tag zum anderen ihre Orientierungen änderten - das war eine der frappierendsten Erfahrungen dieser Zeit. # 

# Zu der letzten Erläuterung ausnahmsweise auch mal im opablog. 

04. Januar 1990 - Parteiaustritte, Wohnparteiorganisation formiert sich

Sonntag, November 27th, 2011

Gestern WPO-Versammlung der alten WPO.

Mein alter Bekannter Kannewurf, WPO-Sekretär, ist aus der Partei ausgetreten – wegen “seiner Enttäuschung durch die Honecker-Clique”. Den WPO-Sekretär hatte er unter der Bedingung übernommen, eine Wohnung zu bekommen und mit einem neuen Wartburg beliefert zu werden. Die Wohnung, so weiß ich, hat er nicht bekommen. Übrigens war er früher Armeeoffizier.

Die WPO ist – mit beträchtlichem Zeitaufwand für Verständigungsdiskussionen untereinander – auf dem Formierungswege.

Über A. – Döring – Frau Zimmermann erfährt man, Gerhard Zimmermann habe in einem Abschiedsbrief gewünscht, nicht in derselben Erde wie „diese Verbrecher“ (der damaligen Partei- und Staatsführung) bestattet zu werden.

 # Plötzlich erfuhr man so etwas. Gerhard Zimmermann, früher Minister für Schwermaschinen- und Anlagenbau, mir persönlich gut bekannt. #

Weltbühne 1790:

900104-1w.jpg 

 900104-2w.jpg900104-3w.jpg

 Mit F. in der Modellbahnausstellung und im Tierpark. Das große Elefantenhaus (und die badenden Elefanten )! kino mit ihm: “Die Olsenbande fliegt über die Planke”

900104-4w.jpg

20. Dezember 1989 - Kohl in Dresden

Dienstag, November 22nd, 2011

Frenetische „Deutschland! Deutschland!“ –Rufe in Dresden gestern und „Rote raus“ Rote raus“. (Die Gegendemonstration in Berlin existiert für die Tagesthemen nicht, auch nicht für die heutige CDU-„Neue Zeit“.)

Kohl begrüßt gestern die Dresdner an der Frauenkirche und zollt der „friedlichen Revolution“ in der DDR Bewunderung!!

 891220-1w.jpg891220-2w.jpg

891220-3w.jpg

Am Zionskirchplatz gestern erblickte ich das erste Flugblatt der SED-PDS von der Basis. Es findet sich die GO # SED-Grundorganisation # des Wohngebiets.

Streit mit C. über Rechtmäßigkeit der Modrow-Regierung.

Gestern Bescherung bei F. und L. (Stabilbaukasten für F.)

891220-4w.jpg

 # Der folgende Zeitungsbericht schildert den Arbeitseinsatz im Schlachthof Berlin, an dem auch ich beteiligt war, wie hier mehrfach berichtet. #

 891220-5w.jpg

 

03. Dezember 1989 - zwei Flugblätter der SDP

Sonntag, Dezember 6th, 2009

891203-2.jpg

891203-12.jpg

Der Rundfunk (West) meldete Kulturminister Keller habe Rücktritt des Politbüros gefordert, Hungerstreik in Bautzen I,

C., die sich zu ihrer Frauenveranstaltung (Volksbühne) 10.00 Uhr fertig machte, überraschte mich soeben mit der Frage, ob ich gerne einen Kakaokuchen, d.h.einen sog. “kalten Hund” möchte. Auf diese indirekte Art erfahre ich, daß sie erst nachmittags zurückzukommen gedenkt. (Ich denke sie will sich an der “Menschenkette durch die DDR” beteiligen, eventuell auch mit Gilbert treffen dabei.) Daran ist nichts Schlimmes, nur daran, daß sie zu mir nicht offen ist, wie eh und je. Nun also wieder Unfreundlichkeit, Verstimmung - hols der Teufel!

F. bei mir.

02. Dezember 1989 - Die “Linken” in der SED rühren sich

Mittwoch, Dezember 2nd, 2009

891202-1.jpg

Tag des Saubermachens!

Über Rundfunk erfahre ich: Heute Abend 18.00 Uhr zum ZK.

F. bei uns.

Kundgebung vor dem Haus des ZK. Wir „Linken“ fordern den Rücktritt von Krenz mit dem Politbüro.

Biermann (u.a.) - Konzert im Fernsehen. Beeindruckend: Bettina Wegner.

891202-2.jpg