Archive for the ‘F’ Category

23. Februar 1990 – Streit um Weiterbildung. Wer ist der beste Kapitalist?

Dienstag, Januar 10th, 2012

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Nun, 16 Uhr, nach der Beratung bei Dr. W., ist wohl entschieden, daß meines Bleibens hier nicht länger ist.

# Im Tagebuch steht nur dieser Satz. Dahinter verbirgt sich aber eine Erfahrung von Gewicht. Dr. W., vormals Kaderchef des Ministeriums für Elektroindustrie, war nun Kader- und Bildungschef des neuen Wirtschaftsministeriums. Er war ein äußerst flexibler Mensch und konzentrierte sich zu diesem Zeitpunkt bereits (wie ich später erfuhr) voll und ganz auf die Bildungszusammenarbeit mit der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein in Kiel. (Später sollte aus dieser Zusammenarbeit seine eigene private Weiterbildungsakademie hervorgehen; doch ich greife vor.) In irgendeiner Form die Zusammenarbeit mit Dozenten aus der DDR fortzusetzen, diesen allesamt belasteten Kadern, kam ihm nicht in den Sinn. Folgerichtig hatten wir in dieser Beratung sofort einen Frontalzusammenstoß. Ich war sofort und komplett abgemeldet.

Zwei Tage später wurde das von mir vorgeschlagene Sofortprogramm der Weiterbildung von Dr. W. voll und ganz akzeptiert und in Kraft gesetzt. Was war geschehen? Eine Gewerkschaftsberatung hatte stattgefunden und Dr. W. war auf das Heftigste kritisiert worden, daß er nichts für die Weiterbildung der Mitarbeiter tue. Da holte er mein Konzept aus der Tasche, es war genau das Richtige. Er war gerettet. Ich war gerettet. Und die Mitarbeiter hatten ihren Rettungsstrohhalm Bildung. #

 Auf der Suche nach Schreibpapier für den folgenden Brief habe ich diese Zeitungsauschnitte gefunden („Sonntag“ Nr. 45 von 1982).

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# Im Tagebuch folgt hier ein Brief an meinen Freund Kurt. Ausnahmsweise habe ich dessen vollen Wortlaut nicht hier, sondern ins opablog eingestellt. #

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08. Februar 1990 – Blick in die Zukunft

Donnerstag, Dezember 29th, 2011

Die Wochen rasen. 

Brief von Kurt gestern. Er ist sehr deprimiert, müde. Es trifft ihn nun vielleicht auch noch, daß ihn die LPG aus dem Wochenendhaus rausschmeißt.

Das spektakuläre Angebot der BRD-Regierung zu Verhandlungen für eine Währungsunion (nachdem noch gestern der Bundesbankpräsident dies abgelehnt hatte, stimmt er heute zu!) beweist einmal mehr den klaren, geraden Kurs dieser Regierung auf die Zerstörung der DDR. Es gibt keine politische Kraft, dies aufzuhalten. Modrow kann nur (und jede Folgeregierung) unser Fell so teuer wie möglich verkaufen. Unser stellvertretender Bildungsminister Abend (?) (CDU-NF) kündigt auch auf diesem Gebiet die Restauration an. Berghofer in Davos präsentierte sich als Groß-Liquidator.

Schewardnadse warnte vor dem Revanchismus, der sich unter dem Deckmantel der deutschen Vereinigung kräftige. Carmen findet das nun doch übertrieben. Ich werfe ihr vor, dass sie Entwicklungen erst sehe, wenn sie eingetreten sind. Dabei erinnere ich sie, dass wir uns noch vor 14 Tagen erbittert über meine Worte stritten, dass es der BRD einzig und allein um den Anschluß der DDR gehe. Unter dem Eindruck des Ministers Abend (o.ä.), der sie auch deprimiert hatte, widerspricht sie diesmal meinen Vorwürfen nicht.  

Fernsehinterview mit Bärbel Bohley. Ich begreife deutlicher, dass diese Leute, diese wenigen Leute, die einzigen Helden unserer jüngsten Geschichte waren. Ich meine die Oppositionellen, die Verfolgung auf sich genommen haben, weil sie für die Demokratie kämpften. Sie waren vor ein, zwei Jahren eine verschwindende machtlose Minderheit und sie wir sind es auch jetzt und werden es auch in absehbarer Zukunft sein. Es geht – ich wiederhole es – heute nicht mehr um Demokratie in der DDR, sondern um die Zerstörung der DDR, d.h. die Vollendung dieses Prozesses und das Aufsaugen der Reste durch die BRD.

Was ich für die Zukunft erwarte:

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Die BRD (der BRD-Imperialismus) landet ohne einen einzigen Schuß abzugeben, ausschließlich mit ökonomischer und politischer Überlegenheit, einen absoluten Sieg über die DDR (Einverleibung). Die DDR wird entwaffnet bei Fortbestehen der Bundeswehr. (Ebenso ist der Warschauer Vertrag zerfallen, bei Fortbestehen der NATO, die sich nur modifiziert, auch militärisch gesehen)

Die „Verdauung“ der DDR bedeutet für die BRD eine große Anspannung, die sie aber – mit gelegentlichem Magendrücken – bewältigt (in 5-10 Jahren). Der BRD-Imperialismus (genauso der USA-Imperialismus) haben ein ungeheures Erfolgserlebnis. Die im Osten liegenden Ziele dieses Imperialismus (Polen, CSSR, Königsberg) werden zu Zielen realer Politik. Dabei beschränkt sich die BRD weiter auf den Einsatz ök. und pol. Macht (während sie die militärische Macht in Reserve hält, teilverringert, konserviert). Das Erringen einer gravierenden Herrschaft Dominanzposition im EG-Raum, d.h. in Europa überhaupt, wird weiter betrieben, läuft parallel zur offensiven Ostpolitik.

In Deutschland besteht immer und zunehmend eine nationalistische Komponente bzw. Alternative.

All dies ist wahrscheinlich, weil die UdSSR in den nächsten 15 Jahren ihre Rolle als Supermacht nicht voll wahrnehmen kann, vielleicht einige dieser Funktionen erfüllt aber in anderer Hinsicht (ich glaube einschließlich der Königsberger Frage) nur die Kräfte einer Regionalmacht aufbringen kann.

Welche neuen strategischen Ziele sich in dieser Situation der USA-Imperialismus setzt, ist mir unklar, aber sie werden auf jeden Fall offensiv sein, die SU in ihrer Handlungsfreiheit einschnüren und auf solider oder überragender (?) militärischer Stärke basieren.

Die Widersprüche zu den Armen der Welt werden in vieler Hinsicht unerträglich werden. Natürlich erstmal für diese. Es kann zu offenen Kämpfen kommen, die aber mit Niederlagen für die Zivilisation enden, egal, welche Seite siegt.

Die sozialen Konflikte in den triumphierenden Ländern der Kapitalherrschaft verschärfen sich. Es ist mir unübersehbar, welche Folgen die Beseitigung der realen stalinistischen Alternative haben kann. Ist es möglich, dass nach einer Etappe von vielleicht 20, 30 Jahren der Kapitalismus reale innere Reform- und Revolutionskräfte gebiert + in der SU ein demokratischer Sozialismus entstanden ist + die armen Länder (einschließlich China) Bedingungen und sogar Zwänge für eine grundsätzliche Reform des Kapitalismus schaffen? Das steht in den Sternen.

Heute, denke ich, geht es darum das Überleben bisheriger sozialistischer Ideen zu sichern und eine für die Zukunft mögliche sozialistische Idee zu entwickeln. Es wird – für wie lange? – keine Einheit der Linken geben. Sie werden also auch keine starke Vertretung im Bundestag haben (vielleicht gar keine). Freilich, nach der gegenwärtigen absoluten Niederlage der stalinistischen „Linken“, könnten einige zusätzliche Impulse für linke Positionen entstehen, so dass diese Kraft überlebt.

Für mich folgt: „Links“ (sozialistisch) wird wieder zu einer Frage von Zirkelpolitik (Machtlosigkeit). Handlungsmöglichkeiten bestehen auf demokratischer Ebene (Basisdemokratie).

Zukunft der Weiterbildung im Ministerium, meines Arbeitsgebietes… Sollte ich mich nicht davor bewahren, mich mit der ideologischen Formierung des neuen Systems zu beschmutzen. Das würde ich doch als Ideologe/Organisator machen. Sollte ich mich nicht lieber als Verkäufer meiner Ware Arbeitskraft ehrlich auf den Markt begeben. Mit den Marktgesetzen leben, spekulieren und ihr Opfer sein. Diese Linie des „Widerstand Leistens“ im System selbst, die bringt doch nichts, wie mir meine bisherige Praxis bestätigt (bringt nichts für die moralische Integrität und Gesundheit).

Hab‘ soeben unsere Flüge gebucht (im August nach Burgas und zurück). Ab morgen wären sie um mehr als 200,-M/Person teurer gewesen.

Soeben Termin gemacht mit Frau Beringer, der Kaderleiterin des Hauptpostamts 8.

Auf dem S-Bahnhof Alexanderplatz traf ich Eberhard Ackermann aus Moskau kommend hier zum Soziologenkongreß, seit Oktober 89 nicht mehr in der DDR gewesen. Er findet vieles einfach unbegreiflich. Wir reden kurz über die Vereinigungseuphorie. Auch er ist noch in der Partei.

Lesend in „Initial“ 1/90, Brie, Peche, Sozialismuskonzeption ergeben neue Anregungen, fast möchte man sagen, aus der Theorie hergeleitete Hoffnungen. Nach dem Motto: Was geistig nicht wirklich überwunden wurde, kann nicht sterben. Aber andererseits sind es dann immer wieder Fakten des Tages, die solche Hoffnungskeime niederschlagen.

Für die Konzeption „Zentralschulen“ habe ich noch nichts aufgeschrieben, mache mir Gedanken, muß aber morgen ‚was zu Papier bringen.

31. Januar 1990 – am Punkt 0

Mittwoch, Dezember 14th, 2011

Anruf von Kerstin Kluge, die wohl wegziehen wird.

Filter # unser vorläufiger WPO-Sekretär # stimmte gestern meinem Beschlußpapier zu.

Ich erlebte mit den Parteiaustritt des Oberstleutnant Jeromin – schäbige Typen.

Heute bei Döring, der energisch die Auflösung der ZF betreibt. Wir sind für weitermachen. Dem  Minister wir der Entscheidungsvorschlag zugeleitet. 

Kurzer Besuch bei Anneliese. # unsere langjährige Sekretärin an der ZF, die bereits eine andere Arbeit angenommen hatte # Dann im „Haus der Demokratie“ Programmpapiere eingesackt.

15x mein Beschlußpapier für die WPO abgezogen und noch einmal 15 x.

Döring meint, nach aufgelöster ZF soll ich im Bereich Weiterbildung des MMB anfangen. # MMB – neugebildetes Super-Ministerium für Maschinenbau #

Ich stehe am 0-Punkt.

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26. Januar 1990 – FÜR RADIKALE ERNEUERUNG DER PARTEI!

Freitag, Dezember 9th, 2011

Lange Bürgerversammlung gestern.

Und heut‘ früh gleich sagt mir der Scheiß-D. # Abteilungsleiter Kader und Bildung im Ministerium #, daß die Zentralstelle aufgelöst werden sollte. Ich habe jetzt einen Brief für Lauck # Minister # fertig gemacht – versuche, ihn noch mit Volkmar Krinks # früherer Kollege von mir, jetzt Stellvertreter des Ministers # abzustimmen.

 # Mir ging es nicht um die Erhaltung meines Arbeitsplatzes um jeden Preis (Das kann man heute glauben oder auch nicht.), sondern vor allem gegen die Dummheit, in diesen auch geistig anspruchsvollen Zeiten Bildungskapazitäten zu schleifen .#

 Jetzt umdenken und überlegen, was in meinen Beschlussentwurf für PDS hinein müsste:

Brauchen wir die PDS? Warum? Das Schicksal, die Zukunft unseres Volkes, ein nationales Interesse. Worin?

gesellschaftliches Eigentum, Sozialprinzip, europäische Friedensordnung, allgemeine Abrüstung/Weltwirtschaftsordnung, keine Machtverselbständigung, Ökoprinzip.

Für diese Ziele kann nur eine radikal erneuerte Partei glaubhaft wirken. Das ist bis jetzt nicht geschehen. Warum?

Es liegt nicht daran, daß die programmatischen Zielsetzungen der Partei falsch sind. Die Erneuerung wurde verschleppt. Und zwar wurden unverzichtbare Prinzipien einer wahrhaften Erneuerung verletzt (sie wurden kaum formuliert).

·         Offenheit und Garantien für jederzeitiges Erzwingen von Offenheit.

·         Verhindern jeder Verselbständigung von Macht. Basismacht!

·         prinzipienfeste und zugleich bewegliche kollektive Führung

Wir müssen unseren Kampf um die Erneuerung von solchen Prinzipien geleitet führen, sonst tappen wir nur von Fall zu Fall, von Problem zu Problem und kommen nicht aus dem Nachtrab hinaus. Diese Prinzipien müssen uns dazu verhelfen, daß wir selbst Schwachstellen und Rückstände unseres Erneuerungsprozesses aufdecken (als Erste!).

Geleitet von o.g. Prinzipien fordern wir die Verwirklichung der folgenden Forderungen durch die folgenden Verantwortlichen. Weiter S 91ff

# der folgende Schreibmaschinentext ist hier schon eingefügt. Er wurde  dann am 31.1. beschlossen. #

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25. Januar 1990 – Wir suchen Wege und Dregger wünscht sich Sieg unserer Revolution!

Freitag, Dezember 9th, 2011

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Soeben Material Dr. Exner gelesen, das mich überzeugt. An Kurt geschickt.

# Dr.  Exner war der (denkfähige) Abteilungsleiter Planung des Ministeriums für Schwermaschinen- und Anlagenbau, der, wie so viele Genossen in damaliger Zeit, ungefragt und aufgefordert Vorschläge zur Verbesserung der Planung und Leitung gemacht hatte. Dieses Material leitete ich an meinen Freund Kurt weiter, Planungsleiter in einer der großen DDR-Werften, um seine sachkundige Meinung zu erfahren. #

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Ich will dem Dr. Note gar nicht unterstellen, dass er bewusst die Partei zerschlagen will. Aber zu solchem schlimmen Kapitulantentum kommt es eben, wenn Führungslosigkeit herrscht. Dadurch werden die noch vorhandenen Kräfte zerschlissen.

Ich sah übrigens vor paar Tagen das Interview der Aktuellen Kamera mit Dregger. Zum Schluß wünscht dieser Herr sich den Erfolg unserer Revolution!

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Am Nachmittag Abschlußsitzung des Wahlkreisstabs (von Marion Grothe geleitet). Trübe Stimmung. Abends dann die Einwohnerversammlung zur Gründung eines Bürgerkomitees beim WBA 14 bei großer Beteiligung. Aber problematischer Verlauf. 

24.Januar 1990 – Besuch beim DGB Westberlin

Mittwoch, Dezember 7th, 2011

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Ab Mittag nach WB zum DGB-Landesverband. Dort lerne ich Herrn Rainer Heinrich kennen. Ich frage nach den Mitbestimmungsrechten der Gewerkschaften in der Marktwirtschaft, und er überrascht mich mit der Mitteilung, daß sie keine Mitbestimmung haben. Dafür hätten wir in unserem Arbeitsgesetzbuch viel bessere Voraussetzungen, die bloß nicht zum Tragen gekommen seien. Wir seien, statt eine sozialistische Marktwirtschaft aufzubauen, auf dem besten Weg, die kapitalistische Marktwirtschaft zu übernehmen. Wir seien konzeptionslos, die BRD habe schon seit 60er Jahren eine detaillierte Konzeption für diesen Weg (an der übrigens auch der DGB mitgearbeitet habe). Wir einigen uns schnell darauf, dass er bei uns im Lehrgang dazu spricht. Er beansprucht keinerlei Honorar.

Es ist eine Schande, dass wir auch solche Beziehungen in der Vergangenheit nicht gepflegt haben. Wir durften es nicht aber es ist mir auch gar nicht in den Sinn gekommen.

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Danach bummel ich noch längere Zeit in der Stadt herum. Da keine Schlange davor ist, momentan, „besteige“ ich auch erstmals den Beate Uhse Laden am Bahnhof Zoo und ergötze mich lange an den dort zugänglichen pornographischen Magazinen und Büchern. Besuch im Sexkino um die Ecke, wo ich mir eine Stunde lang wechselnde Geschlechtsakt anschaue, zeitweilig angeregt, später abschweifend ernüchtert.

 Zu Hause ist C. Wir besuchen abends noch „Hundeherz“ in der Volksbühne.

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Auf die heutige Versammlung zum Bürgerkomitee Arkonaplatz bezogen sagte sie, ich könne ihr ja erzählen, was dort war. Ich lehnen das brüsk ab. Wenn es sie interessiere, könne sie selber hingehen, sage ich. Informationsübermittler zu spielen, habe ich keine Lust. Sie erzählt noch paar Einzelheiten aus dem Gespräch mit Rolf L. – weinerliche Tatsachenbeschreibung, wie das Leben immer schlechter wird.  

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23. Januar 1990 – wahrhafte Demokratie

Mittwoch, Dezember 7th, 2011

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Gestern den ganzen Tag, 5 Std., Runder Tisch gesehen.

Ich brauche engeren Kontakt zur Plattform „3. Weg“. Muss mich beraten, wie die Erneuerung der Partei geführt werden soll und wohin. Gestern nach (und vor) dem guten Film über die DDR-Skins Überlegungen gemeinsam mit C., woran die Erneuerung der Partei zu messen wäre.

So könnte mein PDS-Flugblatt aussehen:

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Eine wahrhafte Demokratie (eine sozialistische), die noch nirgends verwirklicht ist, besteht darin, keinerlei Verselbständigung der Macht (jedweder) gegenüber der demokratischen Basis zuzulassen. Machtkonzentrationen muss es geben, Sie müssen aber jederzeit von der demokratischen Basis nicht nur kontrolliert werden, sondern aufgelöst werden können. Dies Prinzip bezieht sich auf alle Arten von sozialen Machtkonzentrationen in einer Gesellschaft ohne Ausnahme, also ausdrücklich auf die politischen ebenso wie die ökonomischen. 

Die einzige nicht durch demokratische Entscheidung auflösbare Machtballung kann die Ausstrahlung einer faszinierenden Persönlichkeit, eines anziehenden Menschen sein.

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22. Januar 1990 – Die große Niederlage. Wie ist ein Neuanfang möglich?

Montag, Dezember 5th, 2011

# Nachstehender Artikel von Prof. Werner Gilde, Direktor des ZIS “Zentralinstitut für Schweißtechnik”, Halle. Prof Gilde war eine ingeniertechnische und darüber hinaus intellektuelle Autorität in der DDR. Sogar Wikipedia kennt ihn heute! #

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Gestern mit F. und C. in dem schönen Film „Die unendliche Geschichte“

Heute 5 Stunden „Runder Tisch“ während der Arbeit gehört.

Ich entwerfe ein Flugblatt für meine WPO, für die PDS, gegen die SED.

Mit C. im Dokfilm „Unsere Kinder“. Vorher im „Alten Schönhauser“ Tischgespräch mitgehört von einem, der am Montagssturm auf das Stasigebäude dabei war. Er habe dort nur Ruhe und Ordnung gesehen, keine Ausschreitungen, „vielleicht ist da mal ein Schränkchen aus dem Fenster geflogen“. Mit C. hinterher Streit darüber. Ich sage: „Wenn erst einer aufgehängt wird, dann werden auch tausende im Land bezeugen, dass dort, wo sie waren, völlige Ruhe herrschte.“ Dazu erbitterte Polemik zwischen uns. Ablehnung dieser Denkweise durch C.

 Ernst bewegt hat mich an diesem Tag nebenstehende Kohl-Erklärung: 900122-2.jpg

Das heißt Einverleibung der DDR in ein NATO-Bundesdeutschland! So der Klartext, der nicht ins öffentliche Bewusstsein – wenn es so etwas überhaupt gibt – dringt. Der deutschnationale Alleingang wird für ernstzunehmende BRD-Kräfte eine reale Möglichkeit! Die Perestroika hat eine ganze Zeitetappe innerer tiefgreifender Spannungen und Umbrüche vor sich. Die Sowjetunion wird so geschwächt werden, dass ihre Rolle als Weltmacht in Frage steht. Das kalkuliert das deutsche Großkapital kühl ein. 

# in Wirklichkeit war die Perestroika bereits tot bzw. sie war selbst der Untergangsprozeß der SU. Wie ich doch Grundzusammenhänge nicht gesehen habe! #

 

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Berghofers Austritt ist ein ernster und niederträchtiger Schlag gegen die SED. Der PDS mangelnde Erneuerung vorzuwerfen und zugleich dagegen „sozialdemokratische Programmatik“ zu unterstützen, ist ein Widerspruch in sich. Die Programmatik der PDS ist ja gerade ihre Stärke. Von ihr braucht man sich nicht abzugrenzen. Für ihre Realisierung hätten diese Exgenossen ja verantwortlich in der Zentrale wirken sollen, statt sich nach Dresden zu verkriechen.

Am Wochenende Statut und Programm der SPD aufmerksam gelesen. Jedem wird alles versprochen! Keine Präzision! Besonders wird jede Klarheit in der Frage des Eigentums vermieden. Man sei für „gemeinwirtschaftliches Eigentum“ – kein Mensch kann damit eine klare Vorstellung verbinden – behaupte ich. Ebenso zur Souveränität der DDR. Und völlig ernüchternd im Statut: die Unabhängigkeit der oberen Parteiorgane von der Parteibasis! Da lassen die alten erfahrenen Parteistrategen der SPD „keine Luft“ ran.

SPD – eine Partei, die die Reform dogmatisiert.

Kommunisten – eine Partei, die die Revolution dogmatisiert.

Gebraucht wird eine Partei, die immer das Nötige machen kann, – einmal die Reform, dann die Revolution, dann wieder die Reform… Eine solche, wirklich sozialistische Partei gibt es nicht.

So war das Wochenende von schweren Gedanken erfüllt. Und es scheint, dass wir zwar einen Ministerpräsidenten haben, der sich bravourös schlägt, aber keinen Parteiführer, der der Härte dieses politischen Kampfes gewachsen ist.

Ich entschließe mich, ein PDS-Flugblatt für unsere WPO zu entwerfen (angeregt durch ein Flugblatt in der Mensa).

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 Ich denke: Man kann sich nicht aus einer Partei verabschieden, ohne für sie wirklich gekämpft zu haben. (Viel gehen jetzt noch schnell klammheimlich, Nasdala z. B. wittert nach allen Seiten, wann denn nun sein günstigster Absprungtermin ist.) 900122-4.jpg

Und einige haben die Illusion, nun flugs eine neue KPD zu gründen. Solche Narren! Als ob man dadurch die Vergangenheit loswerden kann. Keiner nimmt uns ab, all unsere Irrwege wirklich bis zum tiefsten Grund aufzuarbeiten. Das haben wir noch nicht geleistet. Danach wird – so bin ich überzeugt – ein Neuanfang möglich.

 # Der Übergang zu sozialdemokratische Positionen ist der Versuch derer, die dazu nicht fähig sind, gründlich  zu sein. #

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19. Januar 1990 – Aufbau neuer oder Import alter demokratischer Strukturen

Montag, Dezember 5th, 2011

Fortführung meiner Ministeriumsinterviews. Nachdenken und Konstruktivität bei Einigen aber Depression, Resignation, Hilflosigkeit bei Vielen.

Mit Karsten Rosenwald # ein Mitglied meines WBA, CDU-Mitglied # bei Frau Ternick und Herrn Wandrei (auch aus der Partei ausgetreten). Beide freuen sich sehr über die Medaille für Nachbarschaftshilfe. Karsten der Münzsammler.

 In “Sputnik” 1/90 S141ff S. Andrejew: Auch die Russen kommen an den Punkt, zu begreifen, dass die restlose Zerschlagung des alten Machtapparats unerläßlich für die Perestroika ist (Wahrscheinlich die Nagelprobe). Das erfordert den Aufbau neuer (zunächst konkurrierender?) demokratischer Strukturen. An ebendiesem Punkt stehen wir: Aufbau neuer oder Import aller demokratischer Strukturen.

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18. Januar 1990 – Trauer, “Ich kenne des Menschen nicht.”

Donnerstag, Dezember 1st, 2011

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Bei F.s Geburtstag viele Diskussionen. Eva Vent, im „kindlichen Wahn“ würdigt sie „den Kapitalismus“ und spricht davon, wie tyrannisiert sie war, 40 Jahre.

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Die Grenze, jenseits der man streikt wird immer niedriger, das Gleiche passiert mit der Grenze zur Gewaltanwendung.

# Wahnhafte Züge des Handelns der Menschen? Ist dieser Wahn nicht immer latent vorhanden? (Vergl. Art des Gedenkens an den 17. Juni heute im Juni 2003) #

Ich verspüre viel Trauer ob des übermächtigen Rasens der Unvernunft. Der subjektive Zustand unterscheidet sich nicht sehr von dem vor einem halben Jahr. Es ist ein übermächtiger Gesellschaftsprozeß, der seinen Weg nimmt. Vor der jetzigen Zeit hatte ich den Glauben, mit der Grundrichtung dieses Prozesses doch übereinzustimmen. Mit der erwarteten Richtung (Kapitalisierung) des gegenwärtigen Prozesses stimme ich nicht überein. Die Illusion der Heimat wird gegen die klare Heimatlosigkeit getauscht. Sozialismus, der schon greifbar schien, wird wieder zur Utopie entrücken. 

Nasdala klärt mich gerade auf, daß er beabsichtigt, um seine Abberufung zu bitten. Er will wieder im ASMW anfangen. Mich will er vorschlagen zu berufen/hier als Leiter zu arbeiten. Ich würde das – so denke ich  – machen. Ich denke, wenn sie mich diesmal nicht für würdig erachten, diese Funktion auszuüben, dann gehe ich von hier weg.  

Heute Abend WBA. Ich möchte meine neuen Konzeptgedanken vorlegen. Telefonat mit Holger Wetuschat.

# H. W.  war einer meiner Mit-WBA-Vorsitzenden. Bei ihm war es der WBA 10, der die Häuser im Grenzbereich umfasste. Wir hatten  kein enges aber, so dachte ich, ein ganz gutes Verhältnis. Zwei, drei Jahre später trafen wir uns wieder. Er war in irgendeiner offiziösen Funktion, hatte, glaub ich, mit der Konversion von Militärflächen zu tun. Jedenfalls mußte ich verwundert feststellen, daß er mich nicht mehr kannte. Wie manche Menschen von einem Tag zum anderen ihre Orientierungen änderten – das war eine der frappierendsten Erfahrungen dieser Zeit. # 

# Zu der letzten Erläuterung ausnahmsweise auch mal im opablog.