Archive for the ‘Garten’ Category

18.November 1989 - Gewaltfreiheit!

Mittwoch, November 18th, 2009

Gestern noch bei F. - Modelleisenbahnbau

Regierungserklärung Modrow teile ich voll und ganz.

Westfernsehen überträgt Leipziger Kundgebung des “Neuen Forum”.

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Heute heißt es allenthalben, daß man weiter auf die Straße gehen muß. Das ist aber nur die halbe, eigentlich nur ein Drittel der Wahrheit: In Wirklichkeit geht es darum, sehr genau zu wisen, was man fordert und will, damit die Revolution weitergeht (”Neue Zeit”, 45/89, S. 22, V. Ganjuschkin), damit der Sozialismus demokratisiert wird. Und dafür muß man dann überall, auch auf der Straße, einstehen.

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“Das Volk” will nichts mehr von der SED wissen und schätzt Gorbi. Welche konkrete Politik Gorbi aber macht, und was man konkret von dort lernen könnte - Da gibt es wenig.

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 Daß uns eines Tages die Notwendigkeit, den Stalinismus aus- und auszumerzen so grausam packen wüde - das hätte ich nicht gedacht. Und wieder mußt Du als Genosse dabei vorangehen und darfst nicht auf Dank hoffen. Und die Massen sind zwiespältig in ihrem Aufschwung. Beflügelt wollen sie auch gleich noch den Dreck an den eigenen Füßen überfliegen. Wie schön ist es, wenn man nun für ALLES eine Schuldigen hat!

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 Die Leipziger Kundgebung des “Neuen Forum”, die ich heute lange gesehen habe, bietet eine wunderliche Mischung von ehrlicher Empörung/Unkenntnis/Demagogie und Rationalität/Realismus. Die eigentümliche Legierung von Mündigkeit und Unmündigkeit, die wir erleben!

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Ich freue mich darauf, morgen meine Garten in Schmachte zu erleben.

Mit elementarer Gewalt treibt es mich auf einen ideologischen Punkt zu: Wie kommen wir aus Hitler und Stalin? (Die Überempfindlichkeit Honeckers auf diese Sputnik-Frage. Das nachdrückliche Fragen der Lea Rosh nach eventuellen Wurzeln der DDR zwischen 1933-45. Wassili Grossmans Roman, über den ich gerade in “Kunst und Literatur” 6/89 lese.)

Ich wiederhole es: Vielleicht ist die Gewaltfreiheit in diesem Aufschwung in der DDR, der hoffentlich eine Revolution ist, eine welthistorisch neue Tat. Kann einst die Gewalt die Demut gebären?

Wie erlebe ich die Abwesenheit C.s? Gleichgültig.

In den Brüchen dieser Tage und den Mühes des Bewältigens gibt mir C. nichts.

Ausfall der halben E-Anlage in meiner Wohnung.

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30. Oktober 1989 - Flut demokratischer Aktivität

Dienstag, November 3rd, 2009

Am Freitagabend Abuladses Film “Das Gebet” - tief beeindruckt !

Weiterhin Tempo in der Politik.

In Schmachte Samstag und Sonntag, bei freundlichem Wetter Herbstarbeiten, Auslichten, Ernte von Petersilie, Dill. C. findet großartige Parasols. Ewiglanger guter Schlaf.

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Am Sonntagabend Konzert - schöne Musik.

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Heute zur Zahnärztin. Alles politisiert. C. am 4.11. zur Demo - ich nicht. Es wird unglaublich viel geredet - gut. Taten sind notwendig.

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22. Oktober 1989 - schönes Wochenende

Samstag, Oktober 24th, 2009

‘raus nach Schmachte, herrliche Herbstfärbung allüberall, gesenst, nachts nicht kälter als 14 °C.

In der Sowjetliteratur Artikel über den Afghanistankrieg. Bei uns wird der “Sputnik” wieder zugelassen und anderes.

Ausflug zur Tongrube - und Bad!

Herrliches Pilzgericht, C. hatte Anischampignons gefunden.

11. September 1989 – “alte Leute”

Freitag, Oktober 16th, 2009

Schönes sommerliches Wochenende in Schmachte. Weinstöcke „Blauer Portugieser“ und „Siegerrebe“ gesetzt. Pflanzung weißer Johannisbeere und zweier Loganbeeren. Badefahrt zum Tonsee.

Wichtige Artikel in der BR („Budapester Rundschau“) 36/89 und NZ 34/89 zum Hitler/Stalin-Pakt und seinem Umfeld.

F. erzählte im Gespräch von älteren Leuten…? - von 40- bis 45-Jährigen. So stehe ich auf einmal im Reich des Alters! Er erzählt, daß er Mückenlarven für eine Fische fängt:”Sie sind etwa 8x so lang wie eine Blattlaus.”

19. August 1989 – Urlaub Teil II

Donnerstag, Oktober 15th, 2009

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in Carwitz mit C. vom 14.8. bis 19.8.

Von Schmachte nach Oranienburg, Tretlagerdefekt an C.s Fahrrad. Triebwagen Oranienburg Templin.

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Rundgang in Templin, über Lychen nach Carwitz, mein Hinterrad läßt Luft. Am Ende sind wir ziemlich geschafft. Vor Tante Ellis Tür ein Berg Kohlen. Beim Reinschleppen geholfen. Westdeutscher Besuch.

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Das morgenliche Bad im Schmalen Luzin hinterm Haus. Strauß Wiesenblumen zum Geburtstag.

Große 6-Stundenwanderung mit C. Bohnenwerder, Hullerbusch, Feldberg, am Luzin zurück (Streit in Feldberg). Heißester Tag, abends fertig.

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Wanderungen, Bootstouren, beiläufig übrigens in diesen Tagen Studium der “Prese der Sowjetunion” – Beratung im ZK der KPdSU vom 18.7.1989.

Heute Abfahrt 8 Uhr 30 aus Carwitz, nachdem wir noch einmal das herrliche morgenliche Bad im Luzin genossen haben. Eine kurze, sehr schöne Urlaubsreise geht zu Ende.

Nun wieder in Schmachte, wo es auch schön ist. C.s Rad sehr defekt (Freilauf).

 

 

14. August 1989 – Urlaub

Donnerstag, Oktober 15th, 2009


Tage mit F. und C. in Schmachte vom 4.8. bis 14.8.: Laubenbemalung, Spaziergänge, reichlich Pilze, täglicher morgenlicher Dauerlauf, abends Federball, Äppelklau, Baum gefällt (gefährlich nah in Richtung von Nachbars Laube), Baum zerlegt, Fahrradausflug zum Briesetal (am Sperrgebiet entlang).

C. mit Neigung zur Bissigkeit gegenüber F. (Sie meint, daß sie durch seine Gegenwart nicht genügend Zuwendung bzw. Zärtlichkeit von mir bekommt.) Nachts Feier-Radau, jetzt tags Baumenschen-Radau.

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Badefahrt zur Tongrube, abends Petroleumleuchte. Spazierfahrt zum Grabowsee, völlig verschmutzter Badestrand.

F.mit seiner Mutter nach Berlin zurück. Wehmütige Gedanken an F. beim Einschlafen. Trennungsgedanken. Lieber Urlub mit F. und mit C. getrennt machen.

Mit C. morgen zur 2. Etappe Urlaub nach Carwitz.

17. Juli 1989 – “Mirabeau”, Garten

Donnerstag, Oktober 15th, 2009


Freitagabend nun also “Mirabeau”. Wir sind nach der Pause gegangen. Keine Steigerung gegenüber “Judith”, viele Zitate und Selbstzitate, Routine!

# “Mirabeau” ist eine Oper von Siegfried Matthus…. Als ich das schrieb, hatte ich keine Ahnung, daß mein nächster Staatsopernbesuch erst 20 Jahre später folgen würde! #

Wir lesen an den Abenden im Nibelungenlied in der Nacherzählung von Franz Fühmann. Das ist fesselnd. Frühs am Samstag nach Schmachte. Es ist windig und kühl aber fast immer trocken. In Schmachte große Sensaktion. Kieslage für Badebecken, Weinpflege, Bau des ersten Anfangs vom Spalier. C. erntet von unseren jungen Beerensträuchern schöne wenige Beeren. Dill und auch Petersilie sind gut gekommen. Absprache mit Nachbar W. zwecks Fällung dreier Bäume. Einigkeit mit C. über Anpflanzung zweier Haselnüsse, einer Reneklode, weiterer Himbeeren und zweier Beerensträucher.

08. Juli 1989 - vom Abwürgen der Subventionsdiskussion

Mittwoch, Juli 8th, 2009

Spätabends gestern nach Skaby raus, Bad im fauligen Störitzsee. Heute fleißige Sensaktion bei drückender Hitze.

Angespannte, dabei gute Beziehung zu C. Angespannt wegen der Bedeutung der in mir gefallenen Entscheidung: Z. B. könnte ich einen Brief an das ZK schreiben, in dem ich meine Besorgnis über die Ersetzung von Überzeugung durch Diktat durch unsere Partei ausdrücke. Beispiele:

Sputnikverbot, Zurückziehen der sowjetischen Filme

Abwürgen der Subventionsdiskussion

Undurchsichtigkeit des Wahlergebnisses.

# “Subventionsdiskussionen” - ein schon groteskes Beispiel dafür, wie die DDR-Herrschenden sich selbst blockierten: Um jeden Preis wurde an den hohen Subventionen = niedrigen Preisen für bestimmte Waren und Leistungen des Grundbedarfs festgehalten (z. B. Brot, Mieten), weil so die Überlegenheit unseres Systems bewiesen werden sollte. Eine Diskussion über eine sinnvolle Anpassung der Preise an die Kosten wurde buchstäblich verteufelt, obwohl es bei vielen anderen Waren Preiserhöhungen gab und obwohl man ja soziale Härten durch Lohnerhöhungen oder Ausgleichszahlungen hätte vermeiden können. Die Unfähigkeit zum rationalen Umgang mit solchen, eigentlich ganz normalen Entwicklungsproblemen einer Gesellschaft, zeigte, welchen Grad der Dogmatisierung bis zur völligen Erstarrung des gesellschaftlichen Lebens der absolute Machtanspruch kleiner und kleinster Gruppen politischer Führer dem Leben aufzwingen wollte.

Meine Erwägung, einen Brief an das ZK zu richten, zeigt einerseits, daß mein Protest im Rahmen des Systems verblieb und andererseits, daß ich bereit war, den Fehdehandschuh hinzuwerfen, selbst wenn mir Ausschluß drohte. Das System bot keine wirkungsvolle Möglichkeit seiner eigenen Reformierung und zügigen Vervollkommnung.#

Jeder dieser Punkte reicht aus - hartnäckig vertreten -um aus der Partei ausgeschlossen zu werden. Darüber besteht Klarheit.

 

01. Juli 1989 – Garten

Samstag, Juli 4th, 2009

F. erhielt gestern sein Zeugnis, gut; aber mit drei in Mathematik (jedoch 2 in Mitarbeit). Dann zusammen mit C. nach Schmachte. Sensaktion in Sch., Freude am Garten, Vorlesen:”Die Regulatoren in Arkansasas”, Wasserspiele, Laubenbemalung von F., C. macht mit. Bewässerung - zugleich Entwässerung des Planschbeckens mittels Schläuchen. F. beschäftigt sich gern damit. Anfang der Beerenernte, gutes Wachstum der Pflanzen, auch der Weinreben.Vorstellungen der weiteren Gartengestaltung.

27. Juni 1989 – Garten und mehr

Freitag, Juni 26th, 2009

APO-Versammlung (Lethargie),

Film von A.. German “Straßenkontrolle” - wir gehen nach 1 Stunde - kein sehr bedeutendet Film. C. las gestern einen guten Text des Schriftstellers Saalmann, über den Moralzustand der DDR bzw. in der DDR.

Telefonat mir F., dem die Damperfahrt sehr gut gefallen hat. Er zählt eine Menge Daten des Dampfers auf (18kn).

Das Wochenende in Schmachte mit enorm viel Lesen der “Neuen Zeit”.

Weitere abschließende Arbeiten am Haus, Gartenpflege. Es leben erfreulich viele Farne. Der Wildwuchs der Gräser. Die junge einsame Heckenrose will sogar blühen. Der Garten ist grüner als zu erwarten war. Brennesseln vertilgt. Die Beerenbüche machen Freude. Der kleine (doppelt) geschädigte Weinstock scheint sich zu erholen. Glück gehabt: 35m 3/4-Zoll Gartenschlauch gekriegt. Die eigene Joghurtproduktion ist angelaufen.

# Zum Thema Versorgung: Meine Joghurtproduktion klingt nach Freude an “do it yourself”, war es aber nur zum Teil. Es ging auch darum, sich wirklich zuverlässig mit Joghurt zu versorgen. Selbst in dem bevorzugt belieferten Berlin konnte ich in letzter Zeit oft, wenn ich nach der Arbeit zur Kaufhalle ging, keinen Joghurt mehr bekommen. In hochsommerlichen Hitzeperioden war es normal, daß im Berliner Umland in den Lebensmittelverkaufsstellen nur einmal pro Woche Bier angeliefert wurde. Man kaufte dann gleich einen ganzen Kasten, hatte also zu Hause dennoch Bier vorrätig aber die Verkaufsstellen waren leer.#

Dieter Papsch sagte gestern, daß den SAB # Schwermaschinen- und Anlagenbau # seit vorigem Jahr 4100 Arbeitskräfte verlassen hätten. Das Getriebewerk Penig hat seit Ende 88 einen Abgang von 120 Arbeitskräften, überwiegend Produktionsgrundarbeiter, davon 20 Ausreiser.