Archive for the ‘Garten’ Category

28. Mai 1989 – Wochenenderholung in krisenhaften Zeiten

Dienstag, Juni 16th, 2009

Schönes Wochenende mit C. in Schmachte. Dach der Laube geteert, Pflanzenpflege. Mit den Nachbarn Autogeburtstag gefeiert. 2x zum Tonsee geradelt. Die Kinder dort sagen:”Die Russen haben Stickstoff reingeleitet.” Prompt wäscht sich, auf das Gerücht hin, C. gleich nach dem Baden.

Rückfahrt über den Heinersdorfer Garten, bei F. und L. vorbei.

Im Garten L.s Freundin Steinhöfel erzählte, daß der Freund ihres Sohnes Peter diesmal zusammen mit seinem Bruder erstmals wählen wollte (mit Rücksicht auf Freundin und Kariere). Dabei erfuhren sie (mit ihrer Wahlbenachrichtigungskarte in der Hand), daß sie schon im Sonderwahllokal gewählt hatten!

Abends in der Badewanne erbitterter politischer Streit mit C. um den Fragenkomplex Mehrparteien- oder Einparteiensystem im Sozialismus. C. meint, es müsse unbedingt mehrere gegensätzliche Parteien im Rahmen einer sozialistischen Verfassung geben. Ich meine, daß mir nicht genügend zwingende Kriterien gegeben sind, um diese Frage zu entscheiden.

22. Mai 1989 – Gartenwochenende

Montag, Juni 15th, 2009


herrliches Wetter, fleißig gesenst, Dach ausgebessert, Waschtisch gebaut, Baumpflege.

Lampenkauf in der Prenzlauer Allee: Die vollbusige Verkäuferin, tiefausgeschnitten, aufreizend, geile Phantasien. Beim Bezahlen schaut sie mir fest in die Augen und - gibt falsch heraus.

11. März 1989 - im Garten

Sonntag, März 29th, 2009


In Sch. Die beiden bedrohlich in die Telegrafenleitung hineinwachsenden Pappeln gefällt. Komposthaufen wieder mal verlegt. Haselnuß ausgelichtet, Pfähle für Zaunausbesserung vorbereitet.

 

In der S-Bahn auf der Rückfahrt bedauernswerter Invalide.

Übrigens gestern abend erstmals wieder Dauerlauf nach langer Zeit, 10 Runden im Cantian - 30 min + Hin- und Rücklauf sind das etwa 7km.

27. Februar 1989 - “Anders oder vom Aufenthalt in der Fremde” Brigitte Burmeisters Roman

Mittwoch, März 11th, 2009

Der 43. Lehrgang ist inzwischen abgeschlossen. Übermorgen beginnt der 44. Die Zeit seit dem Wasunger Kurzurlub war angefüllt mit dem Kampf gegen die Grippe (Cs und meine eigene), dem Kampf mit dem von mir nicht gut genug geführten Lehrgang, der Hilfe für Cs. neue Arbeitsaufgabe (den Kontenplan machen), vielen Sorgen und Auseinandersetzungen, Belastungen zur Politik. Große, uneingeschränkte Harmonie zwischen C. und mir in dieser Zeit.

Wir lesen viel Politisches (”NZ” 7/89, voriger Woche ist nicht ausgeliefert worden) und “Anders oder vom Aufenthalt in der Fremde” - ein hervorragendes Buch.

# Bis heute ist für mich Brigitte Burmeisters 1987 im Verlag der Nation, Berlin, erschienener “kleiner Roman” das beste Buch über “die Stasi”. Heute habe ich mir vorgenommen, ihn unbedingt noch einmal zu lesen. Im Zusammenhang mit diesem Posting, habe ich Brigitte Burmeisters schöne Website entdeckt. Auf ihr macht sie den Roman “Anders oder vom Aufenthalt in der Fremde” online verfügbar! #

Cs. Schwellung am Hals hat uns sehr beunruhigt. - Ein durch die gewesene Grippe geschwollener Lymphknoten oder? Sie war deshalb am Freitag bei Dr. Jakob. Beobachten, Warten, Hoffen.

Vorgestern in Schmachte. # mein außerhalb Berlins gelegenes Gartengrundstück. Heute lebe ich hier. # Alle Obstbäume und -sträucher geschnitten. Schön war’s dort.

C. (und S., # ihre Mutter #) waren den ganzen Tag mit Westberliner Verwandten zusammen.

 

25. September 1982 – „Klim Samgin“

Donnerstag, Mai 1st, 2008


[…]
7 Zimmerkumpel
Behandlungen:Lakenbad, Wickel
[…]
Lesen: „Neues Leben“ (Jugendmagazin), Gorki „Klim Samgin“ (127-131, begeisternd), Hebbel Tagebuch (Einleitung)
Hören: (Kopfhörer): Schostakowitsch, Sinf. Nr. 5 Op.47, (schönes Scherzo), Oratorium „Savonarola“ eines modernen Ungarn.
Im Garten: Weinstock, Apfel „Auralia“, Schattenmorelle, „Ostheimer Weichsel“, alle geschnitten.

Hebbel:
„Die Masse macht keine Fortschritte“ (S.162)

„Die meisten Menschen haben gar nicht das Bedürfnis, klar über ihre Zustände zu werden; sie wollen nur hindurch, wie etwa durch eine Krankheit. Diese gewinnen im Leben keine Resultate, sie machen nicht einmal Erfahrungen; ihr ganzes Leben ist vielmehr eine immer währende Flucht durch Gefängnisse, und sie täten wahrlich wohl, sich an das erste beste zu gewöhnen, weil sie dann doch einen Standpunkt hätten, von dem aus sie die Welt, gut oder schlecht, betrachten könnten.“ (!48f)
Hebbels Gedanken über den Massenmenschen sind für mich immer etwas wert, Nachholeerkenntnisse, auch wenn sie das geschichtliche Schöpfertum der Massen nicht abbilden. Heute wollen die o.g. Menschen ebenso unbewußt wie früher durch ihre Zustände hindurch, aber weniger wie durch Krankheiten als vielmehr wie auf einer Lustreise, weniger Flucht als Wettlauf. Doch letztlich ist das kaum ein Unterschied.

„Oft ist es, als ob im Menschen ein hohes geistiges Bedürfnis erwachte, in dem er ein körperliches befriedigt. Gewiß ist die Sinnlichkeit die Klaviatur des Geistes.“ (S.150)

Fastertypen:
Peter Ripke, der Bahnpostbeamte, Trinker, 4 Kinder, er kam mit ins Orgelkonzert, ein krankhafter Angeber, Wichtigtuer, nicht besonders intelligent dabei.
Männe (Manfred Krüger), er ist im Käfig seiner Roheit gefangen (Neger = „Preßkohle“, magerer Mensch = „Buchenwaldprothese“), die sich unversehens mit Sensibilität beißt.
Dr. Ingo Heda, der feige Schwadroneur, Frauentyp, Zuhältertyp, ob er zu Hause was zu melden hat?

[…]

# Aus einem Brief an die Eltern. #

„… Nachdem ich nun 12 Wochen Krankenlager hinter mir habe, ist wohl doch ein Ende abzusehen. Seit einer Woche gehe ich täglich etwa zwei Stunden spazieren, fahre Hometrainer und tue einiges mehr, um wieder ganz ins Lot zu kommen. Eine Ursache für diese ganze Entwicklung scheint darin zu liegen, daß mein rechtes Bein 1-2 cm kürzer ist als das linke. Das hat, zusammen mit Abnutzungs- und Belastungserscheinungen zu der seitlichen Verkrümmung der Wirbelsäule geführt. Diese ist nun schon weit zurück gegangen aber halt immer noch nicht ganz verschwunden. Krankenhausmühlen mahlen langsam (zumindest bei mir wohl zu Recht) und so muß ich immer noch nach Wochen und kann noch nicht nach Tagen rechnen. Das Spazierengehen, In-den-Garten-Fahren, sogar mal nach Hause oder in die Stadt zu fahren, genieße ich aber sehr…“
[…]

# Aus einem Brief an einen Freund. #

„… Was die Klinik hier angeht, so bin ich, ohne zu idealisieren, des Lobes voll. Es wird intensiv gearbeitet in einer ruhigen, ja fröhlichen Atmosphäre. Viel könnte man dazu im Einzelnen sagen aber wichtig ist das Summa Summarum, ein - ich nehme ein sehr großes Wort – gelebter Humanismus, ein alltäglich spürbarer. Beeindruckt hat mich das Ethos einiger Mitarbeiter hier (Schwestern, Physiotherapeuten, Küchenkräfte, Ärzte). Daß für relativ wenig Geld so hart so gerne gearbeitet wird!…“
[…]
Beim Kranksein ist mehr als nur geduldiges Ertragen möglich. Man kann sich Mühe geben, Anderen Freude zu machen, gut zu sein, kann sich für die anderen zusammennehmen. Wenn ich’s recht bedenke ist das für mich ein starker Antrieb und ein möglicher Sinn des Krankseins. (Dies ist kein eingebildeter Sinn! Einstmals Marita und vor kurzem Schwester Grit erzählten mir, wie besonders sympathische Kranke, die dann starben, sie beeindruckt haben. So kann man (als Kranker) dann doch über seinen Tod hinaus leben.) Also auch hier: Aus dem Käfig heraus!

„Klim Samgin“ I, S. 127-130
Auf drei Seiten hintereinander kann ich nur sagen: Genial! Wunderbar! Ein Empfinden hab ich, wie bei den allergrößten Kunstwerken (aber wohl noch nie bei einem Roman): Atemberaubend; die Schönheit, Bewußtheit, Menschlichkeit, die ich hier spüre, ahne und nicht erklären kann, verschlägt mir einfach den Atem.

Die Eisenringe ums Herz:
Als ich L. kennen- und lieben lernte, spürte ich diese Ringe springen, die sich während der Ehe um’s Herz gelegt hatten; Ringe der Traurigkeit, des Deprimiertseins. Nach L. trage ich keinen neuen Ringe. Ich halte das Herz ohne sie im Gleichgewicht, ertrage das zitternde, bloße Herz. (Stimmt, was ich schreibe?)
In meiner Ehe gab es eine lange, lange Agonie.
Mit L. gab es eine solche Agonie nicht. Es war ein bewußter herbeigeführtes Ende.

18. September 1982 – in unseren Betrieben: Der Mensch zählt nichts

Donnerstag, März 27th, 2008

[…]  die täglichen Behandlungen, Lakenbad, Wickel, Schuheinlage basteln, Wechsel von Schmerzen und gutem Gefühl im Bein. Abends: Das Schmerzkarussell dreht sich wieder.

[…] Lesen: Dante, “Göttliche Komödie” „Das Paradies – 5. Gesang,

[…] 7 Zimmerkumpel anwesend, abends mit vier Kumpelinen aus dem Nebenzimmer;

[…] Hören: (Kopfhörer): „Rusalka“ von Dvorak, weiterer Dvorak, Debussy

 Schwester Karin, 25. J. Im Dienst, davon 10 Jahre Poliklinik, hat sich „mit dem Beruf ausgesöhnt“. Kann sich nun keinen anderen Beruf vorstellen.

[…] Mein gestriger Besuch im Garten, wo Vieles verwahrlost wirkt. Empfinde das schon, wie ein Fremder. Meine eigenen Bäume sind mir fremd geworden. Die Himbeerhecke ist hin. Bohemiens sind keine Gärtner. Es geschieht, daß das Bohemeleben auch Poesie produziert, doch es selbst ist noch lange nicht, nicht aus sich selbst, Poesie.

Die plastischen Entwürfe Fränzes (Kinder-Reliefs). Es ist etwas - „Pornografisches“ dabei und zugleich eine Wahrheit. (Es ist wohl Pornografie überhaupt eine Art von Wahrheit.) Wieviel höher die Bilder L.s von F.

 

Die schier „göttliche“ Poesie eines Dante, Homer, Goethe, Hölderlin, Gorki! Daran gemessen ist unsere tägliche Kunst auch allen Mängeln der Zeit unterworfen, gerade auch und je mehr sie sich anders gebärdet. (Wenn sie’s offen zugäbe, wäre ja nichts weiter dabei.)

Anneliese und Renate erzählten, daß Kaderleiter Schulze abgelöst wurde. Vielleicht erblindet er. Die Entscheidung wurde solange aufgeschoben, bis der Mensch kaputt war. Schrieb Kurt in seinem Brief, daß in den Betrieben nur noch technisch-ökonomische Probleme zählen, Fragen der Kultur überhaupt nicht, so kann man noch krasser sagen, daß allzu oft der Mensch gar nichts zählt. Die Arbeitsagonie des Heinz Schulz vor unser aller Augen (nur ich hab mal gewarnt), ist ein beredtes Beispiel. Eine spezielle (politisch-parteiliche) Verantwortung dafür trägt G.

Labilität des Erlebens der Kranken, ihrer Stimmungslage. […]  Die Leidenschaften der Faster nach 14 Tagen Fasten. Fastenkoller! Manche wollen alles haben, ohne viel zu tun. Sie wollen alles fressen, ohne dick zu werden, und schließlich soll sie der Arzt noch dünn machen ohne eigenes Zutun. Das geht mir zeitweilig auf die Nerven. Mancher – und Mancher ohne es zu wollen – lebt zu sehr auf Kosten anderer.

22. Juli 1982 - Lebensmitte

Samstag, Februar 2nd, 2008


[…]
Jetzt werde ich 42 Jahre alt: Das heißt, ich gehe in die zweite Hälfte des von mir anvisierten Alters (84).
Doch man kann es auch anders sehen: Bald gehe ich auf die 50, und lass es nicht zur 84 kommen, sondern nur zu, sagen wir, 75. Dann heißt das, ich bin schon weit in der zweiten Hälfte, gar schon beim letzten Drittel.
Als ich L. kennenlernte, war ich 35. Das waren noch die letzten Ausläufer des Jung-Mann-Alters. Sind es auch diese Dimensionen, die diese sechs Jahre so bedeutsam und ihren Verlust so schwerwiegend machen?
Mir scheint, dass jetzt jedenfalls eine neue Arbeit einen wichtigen Aufschwung bringen könnte.
[…]
Bisky stellt fest, dass heute viele Informationen des Rundfunks, auch zum Teil des Fernsehens beiläufig aufgenommen werden, als Nebenaktivität. Andersherum kann man sagen, viele Sendungen sind so flach, dass man sie überhaupt nur nebenher konsumieren kann.
Unsere Zeit der ewig hämmernden Beat-Schläge.

Dax # Freundin von L. # fragt (in L.s Gegenwart) was im Garten mir gehört. Ich sage:” Mir gehört hier gar nichts. Ist alles nur geborgt.”

# In den Garten, der L. gehörte, hatte ich viel Zeit aber auch einiges Geld eingebracht. #

 

19. Juni 1982 – Aktmodelle

Montag, Januar 14th, 2008


[…] mit Dieter Stiegemann nach Schmachtenhagen, […]

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Der Tag war lang und schön. Kabelgraben geschafft, mit den Nachbarn gesprochen. Bei Rolf Geburtstag gefeiert. Fühle mich auch körperlich wieder besser. Spätabends ein frivol-kriminalistischer Film, der auch ganz nette Szenen hat.

Am Bahnhof Prenzlauer Allee sehe ich ein junges Ding (keine 18) in Begleitung, mit frechem, bereits schön durchgeformten Körper, hübschem Gesicht, die vor meinen Augen sofort als Aktmodell posiert - ein junges Weibsstück, das mit Bewusstsein und Freude ihre geschlechtlichen Vorzüge aufreizend zur Schau stellt. (Das ist jetzt nicht bloß ohnmächtige Fantasie, sondern ich weiß jetzt, dass es das gibt!) […]

Interessant, dass ich mich durch die Aktfotos und die Beschäftigung mit ihnen weniger subjektiv gefesselt fühle als durch meine früheren, nur in meinem Kopf kreisenden sexuellen Fantasien.

Heute Brief von Gerlinde Wirschal.

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13. Juni 1982 – Libanonkrieg

Montag, Januar 7th, 2008

[…]

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Ein frischer, kühler Morgen. Nachts hat es geregnet. Der Kleingärtner denkt an seinen Dünger, an die heutige Schädlingsbekämpfungsaktion.

Gestern, vorm Schlafen gehen, sehe ich in Nr 22, Hofseite, zum ersten Mal ein nacktes Paar (nicht beim Geschlechtsverkehr). Es ist ein Wandeln in der Wohnung, vorm Schlafen, schön.

Habe 2 Kirschen, die Reneklode und die Aprikose mit Bi 58 EC behandelt. Melonen in Plastetüten gepackt, Spargel geerntet, Pflegearbeiten, Buschbohnen gelegt. Zu Mittag Milchreis mit Erdbeeren. F. Ist begeistert.

# Ich war zwar immer ein neugieriger, experimentierfreudiger Gartenfreund, damals war ich aber noch sehr traditionell eingestellt und habe rücksichtslos die „chemische Keule“ eingesetzt. #

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[…] So etwa werde ich an die „Fotografie“ schreiben: Werter Redakteur!

In einer der letzten Nummern ihrer Zeitschrift ist mir die Serie „Graugußputzer“ von Dikran Stambolian aufgefallen. Ich bin wissenschaftlicher Mitarbeiter in einer Weiterbildungseinrichtung für Leitungskader des Industriebereichs Schwermaschinen- und Anlagenbau, zu dem auch Gießereien gehören und möchte in den Räumen unserer Einrichtung mit Hilfe des Bildautors eine Ausstellung dieser Serie organisieren und auch einige Fotografien erwerben. Würden Sie mir bitte mitteilen, wie ich mit Herrn Stambolian in Verbindung treten kann?

Gleichermaßen bin ich an der Adresse von Herrn Günter Rössler interessiert, dessen Aktstudien ich ganz besonders schätze, so daß ich – als Anfänger auf diesem Gebiet – in Briefkontakt mit ihm treten möchte. Können Sie mir helfen?

Mit freundlichem Gruß

(Am 14.6. eingesteckt.)

Begin verkündet, nun werde es bald Ruhe im Libanon geben, nachdem die Wurzeln der PLO herausgerissen seien. Die Welt schaut zu, wie ein Volk vernichtet wird. Wieder beweist sich: Nicht die Größe der Leiden, der Greuel rührt zu Taten der Verhinderung. Nur das Bewußtsein ihrer Ursachen und die organisierte und materielle Kraft dagegen (die richtig geführt wird), kann etwas ausrichten. Die Schwäche dieser nationalen Revolution resultiert aus der Schwäche ihres proletarischen Kerns (im ganzen arabischen Raum). Wie schnell aber kann es durch ein Feuer in diesem Raum, durch eine „horizontale Integration“ (so der „Fachausdruck“) zu einem Flächenbrand um den ganzen Erdball kommen.

Junge Künstler der DDR haben ja palästinensische Lager bereist und irgend etwas abgeliefert (Bechtle, der „abstrakte“ Neubrandenburger, F. Behrend, andere) aber wie verquast, oberflächlich, nichtssagend, formal, routinehaft sind die Ergebnisse.

Andere (so auch L.?) fahren gar nicht erst hin. Und größere Ergebnisse würden das Publikum kalt lassen. (?) Wie kommt das?

Doch denke ich an manches von Heynowski & Scheumann und die Resonanz bei uns.

# Die Dokumentarfilmer Heynowski & Scheumann waren eine DDR-Institution. Sie haben, angefangen mit „Kongo-Müller“ („Der lachende Mann“), eine Reihe beeindruckender Filme geschaffen, die eine breite Resonanz erzielten und viele Menschen für die Befreiungskämpfe in fernen Ländern sensibilisierten. #

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Hebbel: Kleists Arbeiten starren von Leben.

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Ein Bildchen, das zeigt, daß nicht nur Aktfotos sexy sein können; ein Motiv, das hinsichtlich seines sexuellen Reizes vielfältig abgewandelt und gesteigert werden könnte.


12. Juni 1982 – Stoph, Vogeler, Faßbinder

Montag, Januar 7th, 2008



[…]

 

Im Garten alle Obstbäume mit „Piaphoskan rot“ gedüngt (Pflaumen dabei zu kurz gekommen), Blaubeeren mit „Aziplex” und Schwefel. Erste Erdbeeren. […]

Wiedermal ‘ne Sendung im Westen über „Stadtstreicher^“: Personen, die ständig am Bahnhof Zoo „aufenthaltlich“ sind, „Nichtseßhafte“, „Unterprivilegierte“.

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F. vergnügt sich auf der Spielwiese am Weißen See. Das Planschbecken ist gefüllt. Viele Kinder spielen, wie sich die Erwachsenen dazu verhalten! Das muß ich mal genauer beobachten (Man könnte es auch fotografieren. Aber wenn man es aufschreibt, ist es leichter, eine eigene Wertung mit hineinzubringen.) F. spielt nicht drauflos. Er guckt immer wieder viel und erobert sich Schritt für schritt, besser Kreis für Kreis die Rutschbahn, den Planschsee. All das macht viel Spaß. Motive auch für Maler.

Im Fernsehen Bericht vom Lehrertag. Man zeigt ein „Gespräch“ Stophs und M. Honeckers mit zwei Lehrern, die gerade aus Beirut zurück kamen. Stoph wirkt dümmlich erstaunt als der Lehrer vom Bombardement berichtet. 500 m entfernt seien die Bomben eingeschlagen, wird auf eine entsprechende Frage Stophs geantwortet. Stoph sagt irgendsoetwas, wie „Na, so was“, hätte auch sagen können „ganz schön schon“ oder „nit mööglich“. Schmerzhaft, diese Unfähigkeit zu einer normalen menschlichen Reaktion. Von der eigentlich notwendigen Reaktion eines „Volkstribunen“ (Lenin: „Was tun“) ganz zu schweigen.

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H. Vogeler ist mir sehr unbekannt. Das Wenige, was ich kenne (im „Alten Museum“, Berlin), spricht mich nicht an. Aber wichtig sind allein schon die enormen Wandlungen dieses Lebens.

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[…] Im Westfernsehen Faßbinders Film: „Ich will doch nur, daß ihr mich liebt.“ Nach der ersten Dreiviertelstunde breche ich den Fernsehgenuß ab. Er stellt die Menschen so dar, als sein ihnen ihr sozialer Sinn völlig amputiert, ihr soziales Bewusstsein. Das ist geradezu seine Manie, das soziale Unterbewusstsein darzustellen. Das ist sein BRD-Realismus. (Dabei ist er genau und wahr.) Das macht ihn für die Mächtigen so brauchbar. Vielleicht provoziert seine Genauigkeit dabei einstmals ein schlagartiges Erwachen (Daß sich die Leute an den Kopf schlagen:“Wie konnten wir nur so beschränkt sein.“) Faßbinder – der Widerspiegler des Denkens der Unbewußten, der BRD-Gehirnamputierten.