Archive for the ‘Gesundheit’ Category

23. November 1989 - meine Augen

Montag, November 30th, 2009

Vieles!

War heute erstmals Beifahrer.

Am Abend des Dienstag, während meiner Rückkehr vom WBA, traten plötzlich wiederholt Lichtreflexe (blitzartig) an meinem rechten Auge auf. Diese auch am Mittwoch früh, auf dem Weg zur Arbeit, einige Male. Seitdem immer irgendwelche Schatten oder Figurwahrnehmungen auf dem rechten Auge, keine Schmerzen. Heute Abend schien mir schwarzer Fleck an der „Nasenecke“ (beim Einwärtsblicken). Einbildung? Da ich von Karl-Heinz Schattes Leiden weiß?

Ich bin alarmiert. Überanstrengung wäre gut möglich. Deshalb gehe ich jetzt gleich schlafen.

# Hintergrund auch: Mein Vater litt an einer Netzhautablösung und erblindete fast völlig. #

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20. November 1989 – sozialistische Hilfe

Freitag, November 20th, 2009

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# Abschrift Protokoll Band 35 (20.11.1989 bis 29.3.1990, hier der Umschlag ) beginnt. #

Hab’ mir heut’ mein Visum geholt.

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 Mein erster Arbeitstag zeitweiliger Hilfe: Wir haben effektiv 2 1/2 Stunden gearbeitet, wurden 1/2 Stunden belehrt und haben die übrige Zeit gewartet. Mir scheint, dass wir dort nötig sind, weil die Arbeiter nicht ordentlich arbeiten.

Gleich gehe ich zur Belegschafts-/Parteiversammlung # des MSAB #.

# Einige Erläuterungen zur sozialistischen Hilfe, die ich seit heute leiste: Unsere (wir waren zu zweit) sozialistische Hilfe im November/Dezember 89 im VE (volkseigenen)-Fleischkombinat Berlin wurde damit begründet, die rechtzeitige Auslieferung der in den Kühlhäusern reichlich vorhandenen tief gefrorenen Hühner, Gänse und des Wildes an den Einzelhandel in der Vorweihnachtszeit zu sichern, einen drohenden Versorgungsengpass zu verhindern.

Mit sozialistischer Hilfe wurden in der DDR zeitlich begrenzte, mehr oder weniger freiwillige Arbeitseinsätze meist an „Brennpunkten der materiellen Produktion“ bezeichnet. Oft wurden in dieser Form saisonal bedingten Engpässen (z. B. bei Erntearbeiten), durch Wetterunbilden verursachten Unplanmäßigkeiten (Schneeberäumung, Aufarbeitung von Bruchholz nach schwerem Sturm) oder auch aus gesellschaftspolitischen Gründen eintretenden Verlusten (Republikflucht, Arbeitsverzögerung) und nicht zuletzt vom Planungssystem selbst verursachten Disproportionen entgegengewirkt.

Überwiegend wurden dabei Kräfte aus der Verwaltung aber auch aus der Produktionsvorbereitung, ja selbst aus der Forschung, Entwicklung und technischen Vorbereitung der Betriebe abgezogen und bei wenig qualifizierten Arbeiten eingesetzt.

Sozialistische Hilfe“ hatte verschiedenartige und gegensätzliche ideologische Bezüge. Nur zwei seien erwähnt:

- übertriebene Hochschätzung der körperlichen Arbeit in der materiellen Produktion und Geringschätzung der Arbeit der „Sesselfurzer“.

- solidarisches Verhalten von Menschen, die beitragen wollten, Alltagsschwierigkeiten des Lebens zu überwinden, die Mitverantwortung wahrnehmen wollten, um das sozialistische System zu stärken.

Ich habe mich auch deshalb mehrfach für solche Einsätze gewinnen lassen, weil ich damals wie heute körperliche Arbeit liebe und als befriedigend empfinde. Ich schätzte es auch, auf diesem Weg unmittelbaren Umgang mit Arbeitern zu haben.

Übrigens hatte ich im Verlauf meiner drei Wochen im Fleischkombinat einmall die Ehre, einen Lkw voller Wildbret zu entladen, die letzte „Strecke“, wie es hieß, von Erich Honecker.

Und eine andere Erinnerung: Während der Arbeit im Kühlhaus rutschte mir eine tiefgefrorenen Schweinehälfte zwischen den Armen hindurch und sauste, Rüssel voran, wie ein Speer, Richtung Fuß, landete doch mehr zwischen als auf meinen Zehen. Seitdem habe ich eine blasse Ahnung, wie sich ein Nagel durch den Fuß anfühlen könnte. (Der Kundige entnimmt dieser Schilderung, dass wir keine Arbeitsschutzschuhe mit steifer Kappe hatten.)

Und eine letzte Erinnerung: Als wir nach einigen Tagen mit den Arbeitern ins Gespräch kamen, wurden wir auch gefragt, was wir machen würden, „wenn es anders käme“. Ich sagte, dass ich vielleicht einen Zeitschriften- und Buchhandel aufmachen würde. Darauf sagte der Vorarbeiter der Gruppe: “Bei dir würde ich mal ein Buch kaufen.“ Damit waren wir „Bonzen“ akzeptiert, in einer Gruppe, in der auch ein ehemaliger Häftling (oft alkoholisiert, trotzdem zupackender Arbeiter) Stimmung machte und die halbe Mannschaft nach 14 Uhr in Westberlin zu finden war.

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14. August 1989 – Urlaub

Donnerstag, Oktober 15th, 2009


Tage mit F. und C. in Schmachte vom 4.8. bis 14.8.: Laubenbemalung, Spaziergänge, reichlich Pilze, täglicher morgenlicher Dauerlauf, abends Federball, Äppelklau, Baum gefällt (gefährlich nah in Richtung von Nachbars Laube), Baum zerlegt, Fahrradausflug zum Briesetal (am Sperrgebiet entlang).

C. mit Neigung zur Bissigkeit gegenüber F. (Sie meint, daß sie durch seine Gegenwart nicht genügend Zuwendung bzw. Zärtlichkeit von mir bekommt.) Nachts Feier-Radau, jetzt tags Baumenschen-Radau.

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Badefahrt zur Tongrube, abends Petroleumleuchte. Spazierfahrt zum Grabowsee, völlig verschmutzter Badestrand.

F.mit seiner Mutter nach Berlin zurück. Wehmütige Gedanken an F. beim Einschlafen. Trennungsgedanken. Lieber Urlub mit F. und mit C. getrennt machen.

Mit C. morgen zur 2. Etappe Urlaub nach Carwitz.

03. August 1989 – vor dem Urlaub

Donnerstag, Oktober 15th, 2009


Haushaltsplan 1990 mit R. fertig gemacht. Abschlußtag an der ZF vor dem Urlaub. (Morgen schwänze ich die Arbeit.) Von verschleppter Grippe geschwächt.

06. Juli 1989 - politische Krise und persönliche Krise bedingen sich

Montag, Juli 6th, 2009

Ruhiges Gespräch mit C. über das Deprimierende unserer Lebenssituation. (Ihre Kollegin, Frau Schmidt, war in grotesker Weise 1 1/2 Monate in den Kampf um eine Jugoslawien-Reise verwickelt, die ihr nun abgelehnt worden ist. Frau Müller erzählte von einigem Drumherum um den Hausbau für Katharina Witt und erzählte, daß es in Hohenschönhausen Häuser bzw. Wohnungen für Stasi-Angehörige gebe, deren jede mit Sauna ausgerüstet sei.)

C. klagte über Magenschmerzen, sie meinte, aus diesen Gründen. Mir geht es ja ganz ähnlich, wenn ich gegen Beton renne.

Der kürzliche VP-Geburtstag, die Agitatorenanleitung - das Fehlen jeglichen Selbstzweifels bei dieser Nomenklatura. Das Fehlen jeglicher Wahrhaftigkeit. Es läuft darauf hinaus auf das unverblümte Bekenntnis zur Macht. Jedes Mittel ist Recht und wird geheiligt, das die Macht stabilisiert. Absolute Verneinung jeder anderen Position. Massenhaftes offenkundiges Mittel: Das Totschweigen.

Das Trommeln an der Kirche gegenüber der Ackerhalle klingt mir (leider?) wie Musik (auch gestern wieder).

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Was tun? Wo doch fast jedes Tun unmöglich ist.

Möglich ist - Anpassung, Resignation x

- Märtyrer/Kampf xx

- Aussteigen xxx

x Das kann ich nicht wegen Gewissen und F.

xx Das kann ich nicht aus Schwäche und Realismus.

xxx ?

C. erzählte, wie sie eingesetzt werden sollte, um von dem Verbandssekretär Prof. Ulbrich (”PU”), der am Moskauer Filmfestival teilnimmt, früh um 6 Uhr ein Telefonat aus Moskau entgegenzunehmen, mit dem er das Freßpaket anmeldet, das ihm (natürlich auf Verbandskosten) nachgereicht werden soll.

R. will nach Westberlin zu einem Begräbnis fahren. Ich werde ihr Urlaub geben.

In der gestrigen Agitatorenanleitung wurde informiert, daß in diesem Jahr, verglichen mit dem Vorjahr, 50% weniger junge Leute den Weg zur Partei gefunden hätten. Deshalb Honeckers “großzügige Geste”. Es sei nicht gelungen, die Jugendlichen an die Wahlen heranzuführen. Wieder habe man den Fehler “großer Foren” gemacht. (So werden am Schluß die armen Schweine, die “vor Ort” organisieren, noch beschimpft.)

 

# Die Eintragungen dieser Tage geben mir zu denken. Mehr dazu im aktuellen Opablog. #

13. April 1989 - genervt

Sonntag, Juni 7th, 2009

Der gestrige Tag übrigens nervend mit ewiger, sinnloser Parteiarbeit.

Heute WBA-Sitzung.

Übrigens macht ich seit vergangenen Samstag wieder fleißig und mit Erfolg Rückengymnastik.

Lesen “Tangospieler” von Christof Hein.

21. Februar 1989 - angespannt

Mittwoch, März 11th, 2009


angespannte Tage (Gesundheit), Auseinandersetzungen um die Kollektivarbeit. Ich komme kaum dazu, die Statistik auf dem Laufenden zu halten, vom Protokoll ganz zu schweigen. Lehrgangsarbeit, WBA, APO. Grippe von C. und mir, Schwellung an ihrem Hals (operationsbedingt?). Bestes Verhältnis von uns beiden. Heute Abend WBA zum Wohngebietsfest.

03. Februar 1989 - “Winter ade”

Donnerstag, Februar 19th, 2009


Gestern im Bett, 7-, 8-mal ganz leichte, sozusagen “zarte” Herzstiche gespürt. Jetzt, 15.40 Uhr, wiederholte sich das. Ich weiß nicht so recht warum….

Herzbedrückung war geblieben. Aber dann bin ich mit dem Fahrrad gefahren, und das war, glaube ich, ein guter Ausgleich.

Gestern Abend “Winter ade” von Heike Misselwitz - sehr gut!


# Der Film wurde dieser Tage im Rahmen der Berlinale gespielt. #

06. Januar 1989 - “Dann ist die Liebe eben nicht so groß”

Freitag, Januar 16th, 2009


C. erzählte von ihrem Arztbesuch bei Dr. Jakob. Ab 16.1. ist sie für 6 Wochen 4-Stunden arbeitsfähig geschrieben.  Ich hatte ihr ein Blumensträußchen geschenkt. Unser Gespräch war kühl, vorsichtig, um Freundlichkeit bemüht.

Sie hat mir wieder eine Begegnung mit R. L. verheimlicht. Also wieder ein Zusammenstoß.

Ich ärgerte mich selbst über mich,… daß ich diese Problematik, die ich doch, wie mir scheint, begriffen habe, nicht besser “wegstecken” kann. Ich entschuldigte mich wenige Minuten später, und sie las mir noch interessante Artikel aus dem “Sonntag” vor.

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# “Sonntag”, Wochenzeitung  des Kulturbundes; intellektuell, oftmals langatmig, wenig brisant. Hin und wieder aber war doch eine Perle versteckt. Über etliche Metamorphosen geht der heutige “Freitag” auf den “Sonntag” zurück. #

Wir schliefen dann harmonisiert ein. Vorm Einschlafen reflektierten wir noch ein wenig:

Sie stellte fest, daß durch ihr Vorlesen alles wieder geglättet worden sei. Ich erklärte sofort, daß sie meine Entschuldigung ganz vergessen habe. Ich qualifizierte diese Denkweise als Weiterbestehen des Schützengrabendenkens zwischen uns. Wir stellten fest, daß wir jeder sich selbst am meisten lieben.

Sie: “Dann ist die Liebe eben nicht so groß”.

Ich sagte, daß wir uns auf unsere Fähigkeiten mit Einsamkeit fertig zu werden viel einbilden. Ich: “Vielleicht hab’ ich noch gar nicht erfaßt, daß ich ohne dich nicht leben kann. - Ich glaube es ist so.” Daran, wie sie da meine Hand drückte, merkte ich, daß das vielleicht das wichtigste Wort war.

26. Oktober 1982 – Frauen, Kälte, Aussteigen

Samstag, Januar 3rd, 2009

Lesen: Gedichte Czechowski, Katalog IX Kunstausstellung

Gartenarbeit. Nach der Gartenarbeit heute bin ich völlig kaputt. Die Gesundschreibung erfolgte zu schnell.

Als nun älter werdender Einspänner wird’ ich wohl öfter Frauen treffen, die sexuelle Probleme haben. (Das könnte ein Grund sein, Witwen zu bevorzugen.) Eigentlich sind solche so genannten kalten Frauen wie Marita oder Heidrun tragische Figuren. Wie sie sich fiebernd endlos unterhalb des Gipfels quälen! Letztendlich freudlos an die Kette der Lust gelegt! Innerlich (einschließlich des sexuellen Reizes) bin ich mit Heidrun fertig. Nur eine Frau, die mich überwältigt, wie einst L. und nur solange sie es kann, kann mich leidenschaftlich sehn. Ist das nicht der Fall, ergibt sich spontan, daß ich mit großer Sympathie ihre Lebensgeschichte aufnehme, daraus Zärtlichkeit schöpfe und sobald die Wiederholungen deutlich werden, erkalte. Mein Interesse zieht diese Frauen an. Ich bin mir frühzeitig klar, daß keine Liebe bei mir ist. Was ist mein Motiv? Ein Grundbegehren ist sexueller Art, doch wird es interessanterweise von der zärtlichen Anteilnahme überformt, die wie eine Quasi-Liebe wirkt und den gedankenlosen sexuellen Genuß be- oder verhindert. Ja, das Grundbegehren ist wohl das nach zärtlicher Anteilnahme, gütig zu sein. Doch scheint es, als erweisen sich diese Partnerinnen als dafür nicht aufnahmefähig genug. Die bloße physiologische Befriedigung des Mannes ist nur wenig von der Frigidität der Frau verschieden.

Verrückter Traum heut Nacht: Vor einem Betrieb ein billiger Marktstand . Darauf Bücher aus der ZF-Bibliothek, Teilnehmerlisten der Lehrgänge, einige Grafiken von L. Alles wahllos angeboten. Als ich später aus dem Betrieb komme hatte es geregnet, und alles ist durchweicht. Ich nehme zuerst Grafiken an mich, schiebe sie vorsichtig in meinen schon recht vollen Campingbeutel, stopfe Bücher und vertrauliche Dokumente hinterher.

Gestern: Den Dichter Czechowski empfinde ich besonders in seiner Kritik an unserem Sozialismus als geistesverwandt. Ich fühlte mich bestätigt in Vielem und konnte nicht einschlafen. Meine freie Meinung zur IX. Kunstausstellung werde ich aufschreiben und als Brief an Bekannte schicken.

  • Ich möchte weiter eine verantwortliche, normale Arbeit machen. Wirkliche oder innere Emigranten, Ausflipper gibt es genug. Um Kritik dieser Gesellschaft konstruktiv machen zu können, muss man Teil dieser Gesellschaft, möglichst wesentlicher Strukturen dieser Gesellschaft bleiben, sein.

  • * Wenn die Arbeit bei Sero nicht klappen sollte, möchte ich trotzdem von der ZF weggehen, oder nein, genauer gesagt, kann ich an der ZF nicht so weiterarbeiten, wie bisher, werde ich eine prinzipielle Kritik geben und prinzipielle Vorschläge machen.

  • * Dies mir vorstellend, kommt mir zum 1. Mal der Gedanke (ernsthafter Gedanke), wenn notwendig auszusteigen. Kohlenträger kann ich nicht mehr werden. Vielleicht Imker? Wann kann dieses Aussteigen notwendig werden? Dieses Aussteigen wäre ein anderes Einsteigen!