Archive for the ‘Humor’ Category

23. Mai 1982 - Gartenträume

Dienstag, November 20th, 2007



[…] gestern in Schmaha,

# L. und ich hatten zunächst über keinen Garten verfügt. Seit langen hatten wir einen Antrag auf ein Gartengrundstück in der Gemeinde Schmachtenhagen bei Oranienburg laufen. Durch einen Riesenzufall erwarb L. ein großes Gartengrundstück in Pankow, unweit ihrer Wohnung. Der Antrag in Schmachtenhagen schien mehr oder weniger aussichtslos, wir ließen ihn weiterlaufen. Genau zu dem Zeitpunkt unserer Trennung wurde uns plötzlich ein verwildertes Grundstück in Schm. angeboten, ein Glücksfall, den wir natürlich ergriffen. So ergab sich für mich zwar die allmähliche Trennung von dem Garten in Pankow, zugleich aber die Übernahme des Grundstücks in Schm. #

in Schm. alle Nachbarn am Werkeln, Heimfahrt bei Regen, will zwischendurch nach Hohen Neuendorf, D. und Frauke Gerhard besuchen. Der Regen und der Mißmut zwingen mich zur Umkehr. Ich bin widerwärtig depressiv in dieser Zeit, und die Schm.-Erinnerungen haben das nicht verbessert.

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[…] im Garten fleißig, Kürbissamen gelegt, Melone und Broccoli gepflanzt, Kartoffeln nachgelegt bzw. gepflanzt, Tomaten gepflegt, (drei Mistfuhren), Wein angebunden, etwas gemäht. […]

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Es ist wunderbar zu beobachten, wie glücklich F. lebt, wie aktiv und intensiv er „Seins“ macht. Wenn er über Mittag im Garten bleibt (dort schläft), dann ist er abends ganz erschöpft aber zufrieden, dann ist er lieb und läßt sich leicht lenken. Wahrscheinlich ist er (psychisch) befriedigt von den vielen Eindrücken und zugleich ermüdet (physisch) von den vielen Anstrengungen. Das ist offensichtlich ein guter Zustand.

Schön, seine Begeisterung, als er - zusammen mit Lies - auf Entdeckung (Mistholen beim Nachbarn) mitkommen durfte. Schön, wie er oft mitdenkt und mitarbeitet (z. B., wie er seinen Topf auf dem Kompost entleert); das Vorbild der Eltern führt ihn zur Achtung vor der Arbeit.

Der Garten ist ein Segen, für alle, aber dreimal für Kinder.

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Dagegen das Bemühen vieler Leute, in Schmaha wieder sichtbar, die Natur sofort zurechtzustutzen, gefühllos in Schemata einzuordnen, zu verkrüppeln.

Ich werde es anders machen. Ja, ich habe Lust gekriegt, mir dort ein bescheidenes Refugium zu schaffen, keinen Garten, sondern einen Stützpunkt, für

- das Ausschweifen in die Natur (auch mit Boot)

- das Sichzurückziehen

- vielleicht auch mal ein Liebesnest

- sich ein Ziel zu setzen. (Das habe ich wohl zur Zeit besonders nötig.)

So würde es geldlich aussehen: Eine winzige Laube (10m2): 2000,-M; Wasser (Brunnen): 1000,-M; Strom: 1000,-M. Wenn ich will, habe ich das sehr bald zusammen. Die Laube bietet Platz für 2+1 Personen, (Doppelstockbett + Campingliege, ein Zelt dazu erlaubt auch einer ganzen Familie, dort zu leben), Glasdach nach Süden mit Wein (Pergola), die die Wohnfläche etwa verdoppelt. Auf dem Grundstück: geschickt (und wenig) korrigierter Wildwuchs (Laube vom Weg nicht sichtbar, nach hinten freier Blick), Fischtümpel.

Heute hab ich nun (von 11/2 Std. Mittagsruhe abgesehen) den ganzen Tag gerackert und war froh dabei. Wie ich mich doch dazu zwingen muß, am Motorrad etwas zu machen, obwohl das doch auch nur wenige Handgriffe sind. Es ist keineswegs Bequemlichkeit, Faulheit - nein, die Interessenlage.

 

Mein Rücken schmerzt mir so, daß ich es manchmal kaum aushalten kann. In dieser Woche (morgen schon?) geht’s bestimmt zum Arzt.

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L. erzählte mir, F. habe, als sie ihn heute früh zu mir herunter brachte auf jeder Treppenstufe skandiert: „Lieber Papa, lieber Papa“.

Heute Abend natürlich wieder seine Frage: „Ein Liedchen….?“ Ich singe. (Wie immer kommt eine Art Resümee des Tages dabei heraus; wenn ich den ganzen Tag mit ihm zusammen war, fällt mir das natürlich leichter.) So wird das Liedchen heute lang und auch interessanter, da jede Strophe aus einer Frage- und einer Antwortzeile besteht. Er bedankt sich mit den Worten: „Ein großes Liedchen.“ […]

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Wie einen doch „das Schicksal“ beutelt! Wahrscheinlich verstehe ich meine Situation halbwegs klar. Doch es kann keine Rede sein, sie schnell zu ändern. Den Kelch muß ich leeren, „die Straße muß ich gehen“, # Winterreise # ohne zu wissen, was meiner harrt; ja, selbst, wenn ich es wüßte, ich müßte es trotzdem tun.

 

Im Fernsehen „Ein langes Wochenende“ von J. A. Bardem. Trotz Fernsehformat bin ich beeindruckt. Im Rahmen seiner etwas simplen Struktur starke Szenen: Juan in Badehose sieht der Beerdigung zu, Juan und der angstvolle Stierkämpfer, Juan im Kreis der „Blumenkinder“, Juan der „Don Quichote“, Juan und der „Erfinder“ im Rhönrad.

„Mensch, hab doch endlich mit Dir selbst Erbarmen.“

 

Warum fühlt sich der Mensch so einsam, wo doch landauf, landab (wie solche Kunstwerke zeigen) dieselben Sorgen leben? (Das Problem liegt in der Schwierigkeit, eine Konstellation zu finden, wo sich dieselben Sorgen aufheben.)

Frauen, die L. im Ernst übertreffen, kann ich kaum finden. Morgen früh versuche ich die „Morgenpuppe“ anzureden!

Gute Nacht!

 

18. Mai 1982 - selbst

Samstag, November 17th, 2007



[…]

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Besuch bei Reri. Sie empfing mich mit weitem Kleid, BH umgetan, „freundschaftlich“. Und es wurde ein langes, kameradschaftliches Gespräch, in dem sie viel von sich erzählte und ich einiges von mir. Immer sind „Mann und Frau“ in solchen Gesprächen das Thema. […] Mit wahrer Besessenheit werden solche Probleme erörtert, als ob es nichts anderes gebe. Doch es kommt auch ‘ne Menge Interessantes zur Sprache.

In der Diskussion mit Hugo P. und Helmut Sch. im MSAB # Ministerium für Schwermaschinen- und Anlagenbau # bekomme ich einen Eindruck davon, wie viel Wind da auch gemacht wird, statt präziser Arbeit (wie sie z. B. Werner F. und Martin L. vormachen).

Kral redet ohne einmal Luft zu holen 4 Stunden auf mich ein. Sein Blick ist wahrhaftig flehend, als er mich bittet, wiederzukommen. (Ich bin einige Male am Rande meiner Beherrschung. Frisch war ich ja auch nicht gerade, als ich dort ankam.)

Nachdem ich gehe, empfinde ich eine seltsame Tatbereitschaft, eine Bereitschaft, ohne Zögern Kontakt zu irgendjemand aufzunehmen. Aus dem Grüblerleben herausgerissen, von den Leuten skrupellos belegt (Hugo P, Kral), fühle ich mich angeregt, andere ebenso ungehemmt zu belegen.

Auf der Heimfahrt spreche ich eine Frau an, die sich irgendwie anbietend verhält, es ist eine Russin, sympathisch und hoffnungslos. Zum Schluß blicke ich ziemlich haltlos jeder weiblichen Figur hinterher (Es ist schon 23 Uhr.), ein Rest von Vernunft geleitet mich schließlich recht und schlecht nach Hause, unbefriedigt, ruhelos, dann fressend.

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Obwohl doch von äußeren Bindungen weitgehend ungehemmt, sind meine Beziehungen zu Frauen nach wie vor völlig unbefriedigend für mich, ja kaum vorhanden. Die vulgäre sexuelle Befriedigung, die ich wohl brauche, bzw. die skrupellose gelingt mir nicht (von Hegrü abgesehen). Es wird immer gleich eine menschliche Beziehung draus (Reri, Hepa) bzw. etwas ganz Verqueres, wie bei Marita. […]

 

14. Mai 1982 - Massenkundgebungen in Polen

Dienstag, November 13th, 2007



[…]
Kreativitätstraining im Lehrgang, b820514-11.jpg
Kadergespräch mit Gen. L, Ministerium für Materialwirtschaft. Er gibt mir einen Personalfragebogen, relativiert aber gleichzeitig. da ein zweiter Kandidat im Spiel sei. […]
Im Garten, herrliches, wildes Spiel mit F. in der erstmals gefüllten Badewanne. Vorbereiten weiterer Tomatenpflanzen […]
Im Westfernsehen Bilder von Massenkundgebungen der Konterrevolution in Polen. So etwas muß einfach (über die aktuelle Sorge, Empörung und Enttäuschung hinaus) das Gewissen eines Genossen wach machen. Wie kann eine Kommunistischer Partei nur so abwirtschaften?

Wenn Gogol sagte, die Jugend sei schon deshalb glücklich, weil sie eine Zukunft hat, so möchte ich entgegenhalten: Jeder kann eine Zukunft haben. Der Jugend freilich wird sie geschenkt.

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08. Mai 1982 - Individualität - Moralität - Asozialität (?)

Samstag, November 10th, 2007



[…]
Im Individuum liegt letztlich keine Wahrheit. Was liegt in ihm? - Rohmaterial, Rohstoff. Was sagen Philosophie, Ökonomie zur Bedeutung des Rohstoffs (Arbeitsgegenstand)?
Ich höre im Rundfunk “Rock für den Frieden”, bin ergriffen, möchte vereint sein in dieser Schar.
Wohin führt es mich, wenn ich rücksichtslos meiner Individualität nachgehe (und das habe ich vor, im sexuellen Bereich)? Es führt mich zu etwas, was landläufig mit Pornografie zu bezeichnen wäre. (?) Aktstudien, die meinen Wünschen entsprächen, würden Geilheit ausdrücken und steigern. Die Praxis mußte es zeigen. Mit der entsprechenden Partnerin würde ich in einen Furor der Schamlosigkeit verfallen. Schamlosigkeit, Geilheit als Selbstzweck - nicht als Moment glühender Leidenschaft.
(Doch vielleicht könnte mich solche Partnerin restlos fesseln.

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Was brauche ich von der Frau? Erst heute, mit 41 Jahren, tappe ich mich langsam an die Antwort heran. (Habe Frauen bisher immer nach der Illusion erwählt, die ich von mir hatte.) Brauche wahrscheinlich eine Frau, die (u. a.) eine große natürliche Vulgarität hat. Daher die süße Schärfe bei Hegrü, weil wir uns in unserer Vulgarität treffen. (Als sie vor dem Rundfunk hockte und ich von hinten an sie herantrat, ihre Brüste packte und mein hartes Glied an ihre Schultern und ihren Nacken preßte, sie gleichsam besteigend, während sie ihren Kopf in den Nacken legte…, alles bekleidet!)
Auch K. O. hätte ich, wäre ich schon damals mir meines innersten Wunsches bewusst gewesen, sofort, schon in der ersten Minute vorgenommen. Nicht erst nach einem Imbiß. (Sie war darauf eingestellt.)
Was wird mir die Befriedigung dieser Wünsche geben? Ist es die Befriedigung meiner Asozialität? Ich will Verantwortung in der Gesellschaft tragen (und zwar aus aktuellen Gründen mehr als bisher), doch wie ist das mit obiger Befriedigung zu vereinbaren?

Ich werde zum Kader-Direktor “ja” sagen.
L.:”Na, dann Gute Nacht. Das ist doch ein Kackposten, wo Du Dich totläufst und nichts zuwege bringst.”
Der Hauptgrund ist: Ich traue es mir zu, wenn ich mich voll fordere, und das will ich. Der zweite Hauptgrund ist politisch-moralisch: Ich will meine ganze Kraft der Republik in dieser Zeit geben (meine doch nun wirklich gebildete und angereicherte Individualität ganz in diese Waagschale werfen), gerade, weil so viele “kostbare Individualitäten” sich in Freiräume zurückzuziehen versuchen. Im Grunde ist das eine Prinzipentscheidung gegen L.s Lebensweise, ein Fehdehandschuh.[…]
Ich will Lehrgeld zahlen aber ich bin überzeugt, daß ich es schaffen werde.

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[…]
Strittmatter (Erwin): “Der Sinn meines Lebens besteht darin, hinter den Sinn meines Lebens zu kommen.”

Frauen wollen Männer besitzen - K. O., Hepa, Marita - ein Greuel!
Das Zwangsverhalten vieler Menschen! Zwanghaftes im eigenen Verhalten. Das wird mir jetzt krass bewusst, da ich vom Goethe-Abend von “Karls Enkel” komme.

# Ich bin verwundert, daß ich im Web (nach zugegeben oberflächlicher Recherche) über dieses wunderbare Liedertheater fast nichts finde. Auch Wikipedia kennt es nicht. Da müßte jemand sich wirklich mal die Zeit nehmen, festzuhalten, was nicht vergessen werden darf. Ich sage nur: Letztes aus der Da Da eR. Hier aber ist doch ein lesenswerter Beitrag von Lutz Kirchenwitz #

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“Dahin! Dahin!” ist sein Titel. (Daß das auch hinweisend “Da hin!” verstanden werden kann, hab ich in meiner Phantasielosigkeit nicht gespürt, erst im Programmverlauf mitgekriegt) Goethe, der immer, so alt er auch wurde, fähig war, für Schönheit und Liebe zu entflammen.
Das ist es, was ich Gefahr laufe zu verlieren - das Edle in mir soweit zurücknehmen, daß es nicht mehr zu Tage treten kann. Oder muß ich meinen Rohstoff ganz nackt zu Tage fördern, um überhaupt erst das Mögliche aus ihm machen zu können? (Derartige Fragen sind nicht bloß rhetorisch, dennoch sind sie nicht frei gestellt. Trotz dieser Fragen muß ich mich - nach meiner individuellen Logik - jetzt so verhalten.)

Ein Geist ist auch so schön, wie er fähig ist, sich bezaubern zu lassen. Daher war Goethe “Olympier”, daher ist L. schön. Ich bin mehr ein “Wagner”, ich überzeuge mich erst davon, daß der Zauber sich meiner bemächtigen darf. (Doch bin ich nicht, Gott sei Dank, ganz und gar “Wagner”. Ich habe einen Funken, der mich auch das Andere ahnen läßt (und bin zugleich immer dem Dumpfen verbunden). (Ich fühle mich wohl in feuchter, dumpfer Wärme, im Russisch-Römischen Bad.)
[…]

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05. Mai 1982 - Individualismus

Donnerstag, November 8th, 2007



[…] b820505-1.jpgReri, die Zahnschmerzen hat, ist eher abweisend in der Stimme, erneuert ihre Einladung nicht. Ich dränge mich nicht auf. Entweder haben wir beide Lust, einander zu ficken oder nicht. Große Bittgänge kann sie nicht erwarten.

In „Sinn und Form“ 2/82 Gedichtetes von J. Rennert, aus einer Station des Griesinger- Krankenhauses. - Im Grunde hatte Karin Ohde bei mir „verschissen“ als sie sagte, daß sie aus dem Griesinger-Krankenhaus, wo sie Soziologin war, als Verkäuferin zum Kunsthandel wollte.

(Hegrü: „Als Leiterin muß ich mich ganz anders geben, als ich bin.“ - Sachlichkeit, Stärke dieser heutigen Frauen, worunter sie leiden.)

Ohde, Merker, Waalkes, Max, Tannert, Manne, Libuda, L. (aber nicht Konrad Wolf) - mehr oder weniger suchen sie alle die Freiräume in den Poren dieser Gesellschaft, das Glashaus für ihre ihnen so liebe Individualität. Nein und nein, das ist nicht mein Weg. - Letztlich aus dieser Überzeugung entscheide ich mich für den Kaderdirektor!

(Deshalb entscheide ich mich auch für Goethe, zu dessen Würdigung Germs in „Sinn und Form“ Wichtiges sagt. Goethescher Sensualismus - Klarheit darüber kann vielleicht mein Drängen vor vulgären Abirrungen bewahren?)

Wenn meine Neu- und Lebensgier sich selbst genügt, heißt das, daß sie auch frei von Güte und Weisheit ist.

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03. Mai 1982 - Parteilehrjahr

Donnerstag, November 8th, 2007



[…] Eine neue Arbeitswoche beginnt. Schon der Montag hat es in sich.

# Wegen der andauernden Erkrankung meines Chefs bin ich weiterhin verantwortlich für alles: Arbeitsberatung, Kadergespräche, (mit heutiger Bezeichnung „Personalgespräche“), Vorbereitung der nächsten Lehrveranstaltung, eines einwöchigen Krerativitätstrainings, Vorbereitung der Propagandistenanleitung. (Als studierter Philosoph hatte ich die Aufgabe, die Propagandisten (ehrenamtlichen Lehrkräfte) des in den SED-Parteigruppen stattfindenden Parteilehrjahrs anzuleiten.) Jeder Genosse war verpflichtet, an diesem einmal im Monat stattfindenden zweistündigen Seminar teilzunehmen. Dieses Schulungssystem war straff organisiert. Die Themen waren vorgegeben, Es gab gedruckte Anleitungsmaterialien sowie eine monatliche mündliche Anleitung. Über die Durchführung war an die Parteileitung zu berichten. Trotzdem gab es für die Durchführung dieser Seminare einen Spielraum, der von langweilig-schematisch bis problemorientiert-streitbar reichte und von den Propagandisten unterschiedlich ausgeschöpft wurde. Insgesamt möchte ich aber einschätzen, daß das Parteilehrjahr vordergründig der ideologischen Ausrichtung aller SED-Genossen diente. Viel zu kurz kam die schöpferische theoretische Diskussion von Entwicklungsproblemen des Sozialismus in der DDR oder übernational. #

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Mit Helga gestern war wieder ein erstaunlicher Höhepunkt, Wenn ich komme, wir berühren uns kaum, sind wir sofort begierig aufeinander und kosen sofort ungehemmt (was nicht heißt, das der Akt abrupt erfolgt). So oft wir bisher zusammen waren (kanpp 10x), glich kein Beisammensein bisher dem anderen. Es gab keinerlei Routine, immer war es eine neue Form und immer sofort absolutes Zusammenpassen, enormer Höhepunkt.

Eine Ruhestellung danach habe ich mir gemerkt. Das möchte ich eventuell bei der „jg. Frau,22“ # Vergl Eintrag vom 30.4.82 # fotografieren.x Den Brief schickte ich gestern mit leichter Bangigkeit ab. Die Woche steht im Zeichen des Abenteuers Reri.

Damit aber genug. Der Arbeit zugewandt!

xBeim Blättern finde ich eine gewisse Ähnlichkeit mit der Stellung des Aktes vom 9.4.82, doch schwebt mir der Körper liegend vor und etwas gestreckter (jedoch auch das eine Bein aufgerichtet) und der Blick etwas mehr von vorn unten (doch wird das letzten Endes von der Ästhetik des tatsächlich gegebenen Körpers bestimmt).

 

24. April 1982 - englischer Humor

Montag, Oktober 29th, 2007



[…]

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Der englische Karikaturist Pont in der von Herbert Sandberg im „Magazin“ betreuten Reihe „Der freche Zeichenstift“.

 

 

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Viel Besuch zu L.s Geburtstag, u.a. Vent, Bondzio, Schwarzbach, Fränze, Tannert, Bernd und Veronika Wagner, Fretwurst, Colberg. […] Tannert und Schwarzbach wollen philosophieren, z. B. über den Tod. Tannert ist von „Stalker“ beeindruckt, will mir Buch über Piaget geben und lädt mich zu entsprechender Diskussion ein.

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21. April 1982

Montag, Oktober 22nd, 2007



[…] Rückenschmerzen seit Wochen, hinderlich, aber solange G. (mein Chef, den ich vertrete) krank ist, traue ich mich nicht recht zum Arzt. […]

 

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Ein schwerer Tag mit sieben Stunden Lehrveranstaltung, die aber schließlich doch ganz ordentlich lief. […]

Das Seminar „Reproduktionstheorie“ gibt eine interessante Anregung: So wie zunehmend das ganze materielle Potential der Gesellschaft (das in Jahrzehnten angehäufte) effektiv eingesetzt werden muß, so kann man vom älter werdenden Menschen sagen, daß er immer mehr aus dem machen muß, was in ihm steckt (was er sich aneignete), daß er in geringerem Umfang (bzw. nur auf ausgewählten Strecken) neu aufnehmen muß und viel mit dem in ihm Gewordenen machen muß. (Seve spricht hier von wachsender organischer Zusammensetzung.) Konsequenz daraus: Verschiedene Lebensabschnitte haben ganz verschiedene Informationsbedürfnisse.

Versenke dich in dich selbst - Marc Aurel wird nicht müde, das zu fordern. Zwar lugt bei ihm auch viel ideologischer Vorsatz zwischen den Weisheiten hervor. Aber mit Gewinn zu lesen ist er allemal.

[…]

Evelyn sagte: Frauen wollen belogen werden. Marita sagte das faktisch auch. L. verhält sich auch so. Als wirklich durchgängige „Strategie“ vermag ich das nicht anzuwenden. (Deshalb werde ich immer wieder bei der Einsamkeit landen. So leben kann ich nur, wenn ich bereit, diese Einsamkeit anzunehmen.) […]

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19. April 1982 - neue Arbeitsstelle?

Sonntag, Oktober 21st, 2007


[…] Brief an Clemens

(Er antwortet mir am 30.4).

[…]

Gespräch bei den Kaderleuten des Ministeriums für Materialwirtschaft. Sie schlagen mir vor, im Kombinat „Sekundärrohstoffe“ den Direktor für Kader und Bildung zu machen. Obwohl das ein Wahnsinnssprung wäre, reizt mich doch diese Aufgabe und Funktion. (Von Franz Fischer höre ich freilich, daß er dieses Angebot ablehnte, das Gehalt sei 1800,-M (brutto) - d.i. natürlich undiskutabel.)

Zum Kombinat Sekunddärrohstoffe, kurz SERO, gibts einige Informationen bei Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/SERO

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17. April 1982 - R.R.

Samstag, Oktober 20th, 2007



[…]

R.R. weckt den Jäger in mir. Was sich Mann und Frau antun und Gutes tun!

Mit ihr erwarte ich ein rundum gelungenes Abenteuer. Zunächst der Zufall, überhaupt ihre Wohnung zu finden. Sie ist kein bißchen verwundert oder gehemmt. Empfängt mich in ihrer warmen „wuschelweichen“ Wohnung bekleidet mit einem einfachen roten Pullover (mein erster Blick fällt gleich auf sich abzeichnende Brustspitzchen) und dunkelblauen Hosen. Sie bewegt sich frei, locker, mit weiten Bewegungen ihres Körpers. Macht uns gleich einen Tee. Hockt bequem und ungehemmt in ihrem Sessel, die Schenkel extrem gespreizt, wie bei einer Gymnastik. Elastizität in ihren Gliedern. (Wie würde sie mit einem kurzen Rock sitzen?) Doch ich bin nicht etwa sexuell aktiviert, und sie reizt das auch nicht aus. Es ist eher eine ästhetische Beziehung mit dem Hintersinn des Erotischen (mit dem wir beide spielen). Sie hat wirklich - als Oma! - eine hinreißende Figur. Gesicht (Stirn, Mund), Hals, Brüste, Leib, Taille, Hüften, Hintern, Schenkel, Schultern, Finger - nicht, was nicht von großer äußerlicher Schönheit wäre.

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Sie sucht etwas - bei dämmrigen Licht - im Stadtplan. Ich hocke mich neben sie, ohne sie zu berühren. Wir finden die Straße, deren Verlauf sie bestritten hatte, bald. Ich setze mich wieder auf meinen Platz. Sie wirft sich herum, hockt sich neben meinem Sitz (auf den Knien) auf den Fußboden, wo eine Leuchte steht und betrachtet verwundert den Plan. Ich hocke mich neben sie. (Zwischen Pullover und Hose wird ein Streifen Haut sichtbar.) Ich betone scherzend meine überlegene Stadtplankenntnis, fasse sie kurz um die Schulter, greife ihr in den Nacken und schüttele sie scherzhaft. Ich hätte Lust weiter zu gehen, und sie ist weich und ohne jeden Widerstand. Doch warum mit der Tür ins Haus fallen?

(„Dummkopf“! - Randnotiz im Januar 1984)

Bald kommt ihre Tochter mit Familie zu Besuch. (Auch sie ist groß, hübsch, mit kräftigen langen Schenkeln und schönen Brüsten, die ich im Gegenlicht unter dünner Bluse gut sehen kann.) Ich verabschiede mich dann bald (will ja zu Achim Merker). Sie sagt, ich solle doch mal anrufen, und dann treffen wir uns zum gemütlichen (ungestörten) Qatschen. So wird es sein. Was wird sie anhaben? Nichts extremes, aber etwas, das ihr erlaubt deutliche und sich verstärkende erotische Reize zu senden. (Aber welche Kleidung erlaubt das nicht?) Ich freue mich auf dieses Reden mit der hintersinnigen Spannung. Das werden wir genießen. Noch bevor ich sexuell erregt bin, werde ich ihren schönen Körper preisen (und das ganz ehrlich) und möchte sie nackt sehen. Ja, das möchte ich erleben - und mit R. ist das möglich - eine ganze Phase der Unterhaltung, in der sie nackt ist und ich bekleidet bin und wir diese Situation („Frühstück im Freien“) ganz ungezwungen ästhetisch genießen (um dann (wie?) auf den Liebesgenuß zuzutreiben).

Wie verschieden ich mich doch bei verschiedenen Frauen verhalte!

Franz Fühmann über das Brustband der Aphrodite („Hera und Zeus“): „Die Dichter nennen es buntgestickt aus den sieben Zaubern, die darin wirken: Schmachten, Schmeicheln, Tändeln, Kosen, Bitten, Sehnen und weinendes Flehen, doch wir wissen es anders, es war ein Streifen farbloses Leinen, und so wie die sieben Himmelsfarben sich im Weiß des Lichts verschmelzen, sammelten sich all diese Zauber in dem einen der Erkenntnisgewißheit, als das Wesen, das man ist, unwiderstehlich zu sein.“

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