Archive for the ‘Kunst’ Category

08. Dezember 1989 - Kultur in Westberlin

Dienstag, Dezember 8th, 2009

In meiner Aktivitätsstatistik neue Kategorie 5.60 einführen: “Besuch von West-Kulturveranstalungen”?

Letzter Arbeitstag im Broiler-Lager.

Nachmittags nach WB. Sehr schöner Egon Schiele-Kalender für C. Und Sexfilm „Emanuelle 5“ - hat mich kurzzeitig animiert aber dann gelangweilt.

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Abends lange Fernsehen vom außerordentlichen SED-Parteitag.

Spätes Schlafen.

02. Dezember 1989 - Die “Linken” in der SED rühren sich

Mittwoch, Dezember 2nd, 2009

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Tag des Saubermachens!

Über Rundfunk erfahre ich: Heute Abend 18.00 Uhr zum ZK.

F. bei uns.

Kundgebung vor dem Haus des ZK. Wir „Linken“ fordern den Rücktritt von Krenz mit dem Politbüro.

Biermann (u.a.) - Konzert im Fernsehen. Beeindruckend: Bettina Wegner.

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26. November 1989 - Konzeptarbeit

Montag, November 30th, 2009

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In diesen Tagen interessante Gespräche und Erfahrungen im Wild- und Geflügellager.

Reichlich Samstagarbeit - konzeptionelle Überlegungen für eine neue ZF. Weiterarbeit vom Samstag.

# Es waren die wenigen Tage, Wochen, in denen es Vielen schien, daß eine entschiedene Erneuerungsarbeit für DDR und Sozialismus nicht nur notwendig, sondern auch möglich wäre. #

Abends zu F. Dann “Serkalo” #”Spiegel” # von Tarkowski.

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21. November 1989 - tiefe Krise der Partei

Sonntag, November 22nd, 2009

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Die gestrige Belegschaftsversammlung brachte fast keine Information. Die GO-Versammlung # Grundorganisation der SED # brachte die Delegiertenwahl # zum Sonderparteitag # und eine recht unerquickliche Diskussion. Wir sind 235, 193 sind anwesend (83%). Allgemeine Verwirrung, Resignation und zu kurzes Fragen nach den Ursachen (Alle Schuld hat die Parteiführung). Die Partei ist in einer Krise. In welcher Krise ist die Partei? Die Krise der SED hat leider sehr tiefe Wurzeln. Da ist der Stalinismus. Das geht schon sehr tief. Noch tiefer liegt aber die Wurzel Utopismus bei Marx und Engels. Die Rolle der politisch-kulturellen Verhältnisse war nicht tief genug begriffen. Illusionen über die Arbeiterklasse und damit auch die Diktatur des Proletariats.

Der Arbeitstag heute war anstrengend, fast keine Pause. Interessant: Das Ausladen von Wild.

Danach machte ich einen ersten dreistündigen Bummel durch WB. Nach Geldumtausch besitze ich jetzt erstmals 115,-DM. Der Eindruck ist groß! (Ein einsamer geschlagener Kommunist geht über den Markt.) Die Mauer – sie ist aber nur der Kulminationspunkt – hat uns sehr geschadet.

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Als ich 19.00 Uhr zu Hause ankomme, geht gerade C. mit Auszugshelfer Wulf aus der Wohnung. Damit mein Scherbenhaufen vollständig ist.

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04.November 1989 - Berliner Großdemo

Mittwoch, November 4th, 2009

n Mylau ausgiebiges Gespräch mit Schlesinger.

Intensives Lesen auf der Rückfahrt, so z. B. Heinrichs und Krause zur Wirtschaftsreform.

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Zug hat 45′ Verspätung, auf der Hinfahrt 35′.

C. will, da ich nun heute auch zur Demo gehe, ihre Absprachen verändern, die sie mit W. und W. getroffen habe. # (Hintergrund: W., ehemaliger Leistungssportler, hatte den Wunsch, ein Fitnesscenter zu eröffnen, und C., die ihre Arbeitstelle wechseln wollte, äußerte die Absicht, dort anzufangen. Das ganze Vorhaben schmeckte mir gar nicht, nicht zuletzt aus Eifersucht.) # Ich sage aber, daß sie das nicht brauche: “Wir gehen sowieso aus verschiedenen Motiven zur Demo.” Als mein Hauptmotiv gebe ich Neugier an. So gehen wir also heute tasächlich getrennt zur Demo, was mir lieber ist. Morgen gehe ich zu den Gesprächen der offenen Tür. C. nicht.

Interesse an Sex.

Meine Thesen sind nun nach der gestrigen Erklärung von Krenz fast überholt, zumindest weitgehend eingeholt.

# Zu den folgenden Bildern: Ich habe damals nicht fotografiert, sah aber wenige Tage später bei einem Fotografen viele Bilder angeboten und habe im Bewußtsein des denkwürdigen Ereignisses eine ganze Anzahl gekauft. Hier eine Auswahl: #

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31. Oktober 1989 - zur Demo am 4.11.?

Mittwoch, November 4th, 2009


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Heute war mein Parteigespräch - hab’ mein Pamphlet übergeben.

Film “Die Vorleserin” bei den Franzosen - nette Unterhaltung, bissel Erotik.

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H. Tischs Nichtrücktritt läßt mich erwägen, am 4.11. doch zur Demo zu gehen.

C. wegen kollegialer Auseinandersetzungen geklatscht und wieder entschlossen, die Arbeitsstelle zu wechseln.

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30. Oktober 1989 - Flut demokratischer Aktivität

Dienstag, November 3rd, 2009

Am Freitagabend Abuladses Film “Das Gebet” - tief beeindruckt !

Weiterhin Tempo in der Politik.

In Schmachte Samstag und Sonntag, bei freundlichem Wetter Herbstarbeiten, Auslichten, Ernte von Petersilie, Dill. C. findet großartige Parasols. Ewiglanger guter Schlaf.

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Am Sonntagabend Konzert - schöne Musik.

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Heute zur Zahnärztin. Alles politisiert. C. am 4.11. zur Demo - ich nicht. Es wird unglaublich viel geredet - gut. Taten sind notwendig.

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26. Oktober 1989 - “Kinder am Elbufer”

Dienstag, November 3rd, 2009

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# Mehrfach von mir erwähnt, die Moskauer “Neue Zeit”, eine Vorreiterin der Perestroika. Hier ein aktuelles Titelblatt und eine Karikatur #

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Gestern R.s bei uns. Wir diskutieren über alles, auch meine 12 Thesen. Mich verwundert ein wenig, daß es kaum gravierende Hinweise gibt. Die Diskussionen erlauben mir aber, die Thesen zu präzisieren. (Eigentlich nur z. T. die Diskussionen, mehr ist es das eigene, davon nur z. T. abhängige Nachdenken.) Mich beeindrucken R.s Schilderungen von seinem Erleben von Racket in Leningrad.

Gestern noch A. Jakowlew über die französische Revolution gelesen. Dieser Mann beeindruckt mich stark.

“Fotografie” 9/89, Bilder von 1989 und 1945. # ich finde, daß sie sich in ihrer tristen Stimmung gleichen.#

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Abraham Pisarek (1901-1983), Kinder am Elbufer, Meißen 1945

In der gestrigen Diskussion schöner Versprecher von C. Sie redet bezogen auf führende Funktionäre von der “Kraft ihrer Sabbersuppe”.

Habe ganz schön geackert bei der Überarbeitung meiner 12 Thesen (Jetzt sind es 10.) Nun damit fertig!

 

24. Oktober 1989 - Krenz Staatsratsvorsitzender. Ernüchterung

Samstag, Oktober 24th, 2009

Parteifunktionäre, Gerechte wie Ungerechte, führen den Dialog auf “Teufel komm raus”. Diffenreziert sich schon, wer es ernst meint und wer nicht? Der Bericht von Hagers Auftreten bei den Unterhaltungskünstlern zeigt ihn als einen aalglatten Taktiker. Ein alter Fuchs!

A. erinnerte an die Januarberatung in Dresden auf Modrows Initiative!

Klaus-Peter Schlesinger rief an, und als ich abnahm, begrüßte er mich mit den Worten: “Na, bist Du noch im Amt?” Alltägliche Floskel? Oder Döringsche Quatscherei?

Heute nun war Krenzwahl zum Staatsratsvorsitzenden (mit etlichen Gegenstimmen, was gleich als demokratisches Selbstbewußtsein zählt). Seine Erklärung ist ernüchternd. Mir scheint, meine geringen Erwartungen werden noch unterboten.

Zu den Polizeiübergriffen nimmt der Staatsrat einen Bericht des Generalstaatsanwalts entgegen und informiert dann darüber. (Damit ist ein vernünftiger Vorschlag der Akademie der Künste und von Künstlerverbänden nicht aufgegriffen.) Das ist alter Stil. Zu den Wahlen (denen von 1991) werden die Verantwortlichen aufgefordert, alle Erfahrungen (auch Eingaben) gründlich auszuwerten und - “falls erforderlich” - auch im Wahlgesetz zu berücksichtigen. (D. h. möglichst alles beim alten lassen.) Zur Erklärung gibt es kein Wort Aussprache. (Waren die Gegenstimmen nicht fähig zum Dialog?) Es werden eine Reihe eher kümmerlicher organisatorischer Vorschläge gemacht.

Sehr schnell werden die Blütenträume auf’s reale Maß gestutzt.

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23. Oktober 1989 - Wie die politische Macht bewegen?

Samstag, Oktober 24th, 2009

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Las am Wochenende auch die Erklärung des Verbandes der Film- und Fernsehschaffenden. Alles erklärt und revolutioniert jetzt. L. erzählte von Fränze von Polizeiübergriffen (Herta Heidenreich und Butzmann betroffen).

Erschütterung der Betroffenen wird immer wieder geschildert - Das ist die Begegnung mit dem echten Totalitarismus.

Kriege die Parteiinformation 7/89 in die Hände, geschrieben nach dem 11.10.89 - ein unsägliches Dokument.891023-2.jpg

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Nie vergessen: Die gegenwärtige Wende ist nicht von Dialogpartnern herbeiargumentiert worden. Die materielle Macht der Straße und der Ausreiser hat sie erzwungen.

Wenn ich schon - im Interesse sozialer Effektivität - auf diese materiellen Kräfte verzichten möchte, so kann es keinen Zweifel geben, daß politische Kräfte nötig sind (politische Macht, Gewalt), um die herrschende politische Macht zu bewegen.

Die Frage reduziert sich darauf, ob die herrschende politische Macht im eigenen Schoße die Gegenmacht (lebendig) enthalten kann oder ob politische Gegenmächte außerhalb ihrer selbst latent oder potent vorhanden sein müssen? Oder beides?