Archive for the ‘Lesen’ Category

24.Januar 1990 – Besuch beim DGB Westberlin

Mittwoch, Dezember 7th, 2011

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Ab Mittag nach WB zum DGB-Landesverband. Dort lerne ich Herrn Rainer Heinrich kennen. Ich frage nach den Mitbestimmungsrechten der Gewerkschaften in der Marktwirtschaft, und er überrascht mich mit der Mitteilung, daß sie keine Mitbestimmung haben. Dafür hätten wir in unserem Arbeitsgesetzbuch viel bessere Voraussetzungen, die bloß nicht zum Tragen gekommen seien. Wir seien, statt eine sozialistische Marktwirtschaft aufzubauen, auf dem besten Weg, die kapitalistische Marktwirtschaft zu übernehmen. Wir seien konzeptionslos, die BRD habe schon seit 60er Jahren eine detaillierte Konzeption für diesen Weg (an der übrigens auch der DGB mitgearbeitet habe). Wir einigen uns schnell darauf, dass er bei uns im Lehrgang dazu spricht. Er beansprucht keinerlei Honorar.

Es ist eine Schande, dass wir auch solche Beziehungen in der Vergangenheit nicht gepflegt haben. Wir durften es nicht aber es ist mir auch gar nicht in den Sinn gekommen.

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Danach bummel ich noch längere Zeit in der Stadt herum. Da keine Schlange davor ist, momentan, „besteige“ ich auch erstmals den Beate Uhse Laden am Bahnhof Zoo und ergötze mich lange an den dort zugänglichen pornographischen Magazinen und Büchern. Besuch im Sexkino um die Ecke, wo ich mir eine Stunde lang wechselnde Geschlechtsakt anschaue, zeitweilig angeregt, später abschweifend ernüchtert.

 Zu Hause ist C. Wir besuchen abends noch „Hundeherz“ in der Volksbühne.

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Auf die heutige Versammlung zum Bürgerkomitee Arkonaplatz bezogen sagte sie, ich könne ihr ja erzählen, was dort war. Ich lehnen das brüsk ab. Wenn es sie interessiere, könne sie selber hingehen, sage ich. Informationsübermittler zu spielen, habe ich keine Lust. Sie erzählt noch paar Einzelheiten aus dem Gespräch mit Rolf L. – weinerliche Tatsachenbeschreibung, wie das Leben immer schlechter wird.  

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13. Januar 1990 - Ein Versuch der Besinnung im Handgemenge – Vorschläge lokale Selbtverwaltung

Montag, November 28th, 2011

# Ich greife zur Orientierung beim Lesen noch einmal auf die kommentierende Bemerkung zurück, die ich bereits zum 8.12 1989 gepostet habe:

Die letzten Wochen des Jahres 1989 und die ersten des Jahres 1990 waren voller politischer (und auch menschlicher) Dramatik. Für mich persönlich war es die Zeit, in der mir klar wurde, daß die DDR untergehen würde. Mein Tagebuch zeugt von intensiver Informationsaufnahme. Es enthält besonders viele Zeitungsausschnitte (die ich hier nur in Auswahl posten konnte) und andere Dokumente. Eigene Notizen sind dagegen fast immer kurz und bruchstückhaft. Es war einfach nicht die Zeit für lange Betrachtungen. Die Ereignisse ermöglichten blitzartige, klare Einsichten. Aber auch verzerrte Wahrnehmungen und extreme Wertungen passierten mit mehrfach. Am 13. und 14. Januar fand ich erstmals ein wenig Zeit zur Reflexion was sich in einem längeren Text niederschlägt. #

Gestern Abschiedsbegegnung mit Dieter Papsch. Er hat einen Brief an Gysi geschrieben (Anlage dazu von Dr. Exner). Wider die Kadermafia des ZK. Papsch sympathisiert mit der Plattform Michael Brie. Er geht jetzt zum KAB # „Kraftwerksanlagenbau“#  -Beimlerstr.

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Mit C. „Juvenilmeer“ # Platonow # weiter gelesen.

Nach WB, Ausstellung der Russin Werefkin (Jawlenski) im Haus am Waldsee (Empfehlung von L.) Es war nichts Besonderes. Danach sind wir um den Schlachtensee spaziert.

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Flugblatt des NF hier im Wohngebiet, Leerstandswohnungen betreffend. Ich bin unheimlich ärgerlich auf mich – da haben sie uns mit unseren eigenen Waffen mich auf meinem ureigensten Gebiet geschlagen. – (Daraus muß gelernt werden!) 

„ND“ meldete am 11.1.90 den Zusammenschluß von Bürgerinitiativen zur Stadterneuerung. Das berührt sich direkt mit meinen Vorstellungen vom Bürgerrat. Auf diesen – jetzt in Bewegung kommenden Zug – werden wir WBA 12 (und wenn er mitmacht der WBA14) aufspringen zur Frage: Endgültige Gestaltung des Wohngebietes Arkonaplatz. Eine große Einwohnerversammlung vorbereiten.

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 Und das gehört noch zur Informationsflut des Tages:

-                      die Neugründung der SPD aus der SDP

-                      die Gründung einer Deutschen Gesellschaft (für die Helga Schubert erklärt, dass sie nicht noch einmal ein Sozialismusexperiment erleben möchte)

-                      die offene Situation nach Gorbatschows Besuch in Litauen.

-                      der beginnende Krieg zwischen Armenien und Aserbaidshan. Der Zerfall (zumindest der bisherigen) Sowjetunion wird Realität.

-                      unser Spaziergang durch das Nobelwohngebiet Zehlendorf (Haß und zunehmendes Gefühl d Ohnmacht gegenüber dieser Ausbeuterwelt)

-                      die Erfahrung der „Baugrube“

-                      die bundesdeutschen Politiker und Industrieherren, die sich in unserem Fernsehen wie die Herren aufführen, die sich mit gerade noch geduldeten Statthaltern abgeben.

 

Meine Urlaubswünsche: 2.- 4.5. – 3 Tage, 28.4. – 6.5. – Rügen, 15.8. -7.9. – 18 Tg. Bulgarien, 27. u 28.12.  – 2 Tg Skaby

 

Wo hat unsere Niederlage angefangen?

Vielleicht mit dem Einsatz von Gewalt gegen persönliche Arbeit (vgl. „Baugrube“)?

Mit der Abkehr von Lenins „festen Stegen der materiellen Interessiertheit“ (Okt. 21) und der Ersetzung durch Stalins Marsch der Gewalt?

 

Für mich ist dies eine durchaus schwere, persönlich tiefgreifend krisenhafte Situation.

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Auf der ganz allgemeinen Ebene meiner Ideale wird es anscheinend Verschiebungen geben (ich möchte ja im Sinne Tucholskis sehr radikal prüfen). Es geht um die Bedeutung dieses Gefühls „der Freiheit im Blut“ # Siehe Artikel Weltbühne 2/90 #.

Es geht um die „Souveränität des Individuums“ als dem Grundwert.

Ist es nicht erst dieser Ansatz, der es dem Marxismus erlaubt, auch eine vollgültige Theorie des Überbaus zu entwickeln? Es kann doch kein Zufall sein, daß es der Marxismus zu einer solchen Theorie nicht gebracht hat.

Nach der Anerkennung der Souveränität des Individuums (die aber absolut notwendig ist) folgt dann gleich die Krux:

Souveränität des ausbeutenden Individuums versus

Souveränität des ausgebeuteten Individuums. 

Ich spreche nur von einer Verschiebung des Ideals, denn angenähert an diesen Standpunkt bin ich schon lange.

Die großen Veränderungen, keine Verschiebungen, sondern wahrhaft einen Zusammenbruch, gibt es hinsichtlich der REALITÄT meiner Ideale. 

Der Glaube, wir würden uns auf dem Weg der Verwirklichung dieser Ideale befinden, d.h. wir hätten bestimmte Grundwerte (Enteignung des Privateigentums an den Pm als Grundlage der Gesellschaft) unumkehrbar gesichert, dieser Glaube ist im Begriff völlig zusammenzubrechen. Zumindest die reale Möglichkeit, dass wir alles Erreichte, die doch wichtigen Grundlagen des Sozialismus verlieren (nämlich die Entmachtung des Privateigentums), diese reale Möglichkeit muß ich anerkennen.

Für mich persönlich kann das bedeuten, mich in der Position eines deutschen Kommunisten der 20er Jahre wieder zu finden. 

Da ist es schade, dass ich schon 50 Jahre alt bin. Meine 20, 25 besten Jahre sind verschlissen. Ich glaube, weder die geistige Frische noch die physische und nervliche Kraft für einen großen Aufbruch zu haben. Da ist Müdigkeit. Da fehlt der Tatenmut, einfach frei ins Ungewisse zu handeln. Jetzt sich an den Anfang eines Handlungsbogens stellen, der erst jenseits meines 80. Jahres wieder den Boden berühren würde? Nein, das wäre töricht.

Nein, ich kann nur – ohne jede Illusion über meine realen Wirkungsmöglichkeiten – das mir Mögliche beitragen:

-                      indem ich für eine wahre Erneuerung meiner Partei eintrete

-                      indem ich versuche, meine Stimme in meiner Partei hörbar zu machen (im Rahmen der Plattform 3. Weg)

-                      indem ich in neuer, viel kühnerer Weise versuche Bürgerinteressen zu kennen, zu formulieren, zu organisieren.

 

Es geht um den Bürgerrat „Arkonaplatz“ und um eine Konzeption zur Selbstverwaltung des Wohngebietes Arkonaplatz.

Was gehört dazu?

-                      Abriß des Holzteils der Baubaracke

-                      Umwandlung des massiven Teils der Baubaracke in ein Wohngebietszentrum mit guter Speisegaststätte

-                      gärtnerisch-kulturelle Ausgestaltung des Platzes (Pergola, Sitz- und Spielmöglichkeiten, Konzerte)

-                      Eröffnung von Läden in unmittelbarer Nähe des Arkonaplatzes

-                      Fortführung der Buslinie bis zum Grenzübergang Eberswalder Str.

-                      großzügiger Ausbau einer verkehrsberuhigten Zone vom A. bis zur Mauer bei gleichzeitiger Entwicklung eines Gestaltungskonzepts für das Grenzgelände/Mauerstreifen. (Diese Gestaltung sollte Park- und Kinderspielzonen vorrangig berücksichtigen daneben aber auch Raum für kommunale Dienste, Handwerker, Gewerbe schaffen.

-                      Erarbeitung eines entsprechenden Gesamtkonzepts Arkonaplatz als Bestandteil eines Projektes „Stadterneuerung“.

-                      Konstituierung eines (ehrenamtlichen) Bürgerrates „Arkonaplatz“, (der in sich wesentliche Teile der Wahlkreise 3 und 4 vertritt) und ein Mitspracherecht bei der bei der Planung und Durchführung des o.g. Konzepts hat (und überhaupt bei allen kommunalpolitischen Fragen im allgemeinen und das eigenen Gebiet betreffend)

-                      Sicherung der materiellen und finanziellen Bedingungen des Bürgerrates, hauptamtlich ist der Sekretär des Bürgerrates (der bisherige staatliche Beauftragte)

-                      Fixierung der Stellung und Kompetenz gewählter (im wesentlichen auf Wahlkreisebene) Bürgerräte in einer neuen Kommunalverfassung („Legislative zum Anfassen“). (Die gewählten Mitglieder der Bürgerräte sind zugleich Abgeordnete der Stadtbezirksversammlung (Personenwahl) und beanspruchen 50% der Mandate. Die andere Hälfte der Mandate wird von den Parteien nach der Verhältniswahl belegt.

-                      Die Bürgerräte entscheiden selbständig über den lokalen Haushalt und setzen lokale materielle und finanzielle Kapazitäten selbständig ein. Sie verfügen (u.a.) auch über eigene lokale Einnahmequellen.

-                      Vergesellschaftung (Vergenossenschaftlichung) der KWV in Korrespondenz mit der Entwicklung eines Hof- und Hausmeistersystems.

 

10. Januar 1990 - Der Untergang und Versuche etwas dagegen zu tun

Sonntag, November 27th, 2011

Gestern „Out of Rosenheim“ mit C. Schöne Einfälle in diesem Film – die gute Idee nicht durchgestanden. Auf dem Rückweg treffen wir Schillack vom WBA, der (leicht angetrunken?) mitteilt, dass seine Ortsparteiorganisation (LDPD) sich jetzt voll auf die Entmachtung der SED-PDS konzentrieren werde. C. spricht mit ihm. Ich bin von dem Blödmann momentan zu verletzt als dass ich klug reagieren könnte.

Gysi sagte heute im ND, dass unser Wahlkampf allein von Sachkunde und Kompetenz getragen sein dürfte. „Andere versuchen, uns nicht im Wahlkampf zu schlagen, sondern uns zu vernichten:“ 

In einem Fernsehgespräch letzten Sonntag überlegte ein Kirchenvertreter (Leich oder Lotz?), dass die Schmierereien am Treptower Ehrenmal auch von der Stasi angestellt sein könnten. Am Montag im Porträt per Telefon darauf angesprochen, distanzierte sich Krusche nicht von dieser Vermutung! Dies gut merken zum Thema Seriosität solcher Kirchenvertreter. (Wobei ich mir wohl bewusst bin, dass auch solche Handlungsweise von Stasikräften nicht unmöglich ist. Aber von da bis zur Äußerung eines solchen konkreten und konkret völlig unbegründeten Verdachts in der Öffentlichkeit sollte eigentlich ein politisch weiter Weg sein.)

Ist das eigentliche Verbrechen der Honecker und Co. nicht Hochverrat?

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Goldmünzen – welchen Abgrund solche Details offenbaren! 

Heute Abend ist WPO – vorbereitende Versammlung. Auf in den Kampf für eine neue SED-PDS!

„Juvenilmeer„ von Platonow. 

Hab mich bei der Plattform „3. Weg“ angemeldet.

Erste Gedanken, allererste, zur Installierung (Wahl) eines Bürgerrates auf Wahlkreisebene (die Gemeindevertretung in der Stadt).

08. Januar 1990 - Dynamik der Ereignisse

Sonntag, November 27th, 2011

Ausgiebiges Lesen „ND“, Vorstandstagung der Partei,

Kohlenkarten für WB12; Vorbereitung 10.1.,  Handel und Versorgung-Brinkmeier ist aus der Partei ausgetreten. Im Fernsehen Gespräch mit Krusche. Montagsdemo in Leipzig: deutschnational (Arbeiter).900108-1w.jpg

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01. Januar 1990 - Anschlag sowjetisches Ehrenmal

Sonntag, November 27th, 2011

Sonntag 53/89 W. Kil u.a. „Der Fall Ralf Oswald“, Platonow: „Baugrube“

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31. Dezember 1989 - Zeitungskehraus

Sonntag, November 27th, 2011

Zeitungskehraus.

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 # Daß die Türken slawische Namen annehmen mußten, hatte ich vor Jahren in Bulgarien hautnah erlebt. Ich fand es nicht nur empörend, weil sowas mit Leninscher Nationalitätenpolitik völlig unvereinbar war, sondern auch, weil ich die Namen meiner türkischen Freunde besonders schön fand. Nun mußte sich plötzlich Ismet „Ignaz“ nennen. #

 

Mit C.s Verwandten aus Westberlin zu Silvester in Skaby.

 

26. Dezember 1989 - Programmerklärung “Neues Forum”

Freitag, November 25th, 2011

Entwurf Programmerklärung und Statut des NF # „Neues Forum“ # , von Gilbert; mit C., Gilbert und Klaus Freymuth besprochen; eine linke, der SED-PDS nahe stehende Organisation.

# Gilbert Furian, vergl. mein Posting vom 14. Oktober 1989.  Er ist heute eine “Person der Zeitgeschichte” und “Zeitzeuge” im Umfeld der Stasi-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen. Klaus Freymuth, ebenfalls ein Aktivist des NF. Er war Videokünstler und -unternehmer in der DDR, im Konflikt mit der Staatsmacht. Man kann Näheres dazu im Internet finden, jedoch ist mir selbst Näheres nicht bekannt. Er starb wenige Monate später durch einen Fahrradunfall. Meine hier zum Ausdruck kommende Meinung zum NF hatte keinen Bestand. Wo bin ich später ausführlich auf die “Bürgerbewegten” zurück gekommen?  #

Ich sollte eigentlich meine tägliche wichtigste Lektüre notieren, z. B. in den letzten Tagen:

„Neue Zeit“ Nr. 50 und 51/89,

Biermann, (taz“ 12.3.88 zu Vogel und dem DDR-Häftlingsverkauf),

Tschechow, „Krankenzimmer Nr.6“,

C. Fr. v. Weizsäcker, „Wege in der Gefahr“,

Programmerklärung NF,

A. Patonow, „Die Baugrube“,

Medienpapier des NF.

Ich denke, dass Zeitungen finanziert werden sollten – in angemessenen  Anteilen (vielleicht 50:25:25) – durch die Käufer: den Staat : die Werbung.

 

19.November 1989 - Zäsuren

Freitag, November 20th, 2009

Wofür muß ich mich schämen?

- jahrelang gutes Geld eingesteckt zu haben, ohne dafür ausreichend zu leisten

- die Familienbande nach Coburg skrupellos gekappt zu haben

- in meiner parteikritischen Position nicht radikal genug gewesen zu sein

- die ganze Macht der Wünsche des Volks nicht gekannt zu haben

- zuwenig “Ich” gewesen, zuviel geglaubt.( Auch jetzt muß ich mich immer vor zu schnellem Glauben hüten, so z. B., wenn die neue Qualität unserer Presse behauptet wird.)

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Wenn ich sonnabends arbeiten gehe, # die freiwillige Arbeit, vergl. Eintrag vom 15.11. # so auch aus Reue.

Der Marxismus hat das Problem der Gewalt und der Dialektik von Gewalt/Gewaltlosigkeit nicht tief genug erfaßt. 

Meine Position ist eine der Identifikation mit meiner Partei. C.s Position konzentriert sich auf Reflexion. Ich weiß bei allen Wirrnissen ziemlich sicher, woran ich glaube (und wußte es immer). C. glaubt an fast nichts (Sie glaubt an Schmerz und an Schrecken.)

Aus dieser Position handle ich (WBA, jetzt die freiwillige Arbeit). Sie handelt höchstens mir zuliebe (WBA) bzw. gar nicht. (Vergleiche das mit den Handlungsbedürfnissen von Frau Lathan, Frau Kluge.) (Oder sie muß das freie Handeln auch erst lernen? Ihr Vorschlag mit der Kaufhallenöffentlichkeit ist originär. Er bringt ein Teilstück in diesen kleinen demokratischen Prozeß, das unbedingt nötig war, auf das aber kein anderer gekommen war. Danach wollte sie wieder beobachten. “Ich bin gespannt…” Ich:”Kiwitz # der Kaufhallenleiter # wird erst etwas ‘raushängen, wenn ich die zusammenfassende Information geliefert habe. An mir liegt es.” Das hat sie dann auch begriffen und mir beim Fertigstellen dieser Information geholfen.)

(So führt die etwas genauere Betrachtung dieser Vorgänge zu dem Schluß, daß sie doch handelte und lernfähig war.)

Sie ist theoretisch weniger nachdrücklich auf eine Weiterentwicklung des Sozialismus orientiert. Meine Hinweise z. B. auf Jakowlew # Lektüre # greift sie nicht auf. Mehr interessiert sie die Weiterentwicklung der Demokratie schlechthin. Möglicherweise habe ich noch Illusionen über die Qualität der SED.

Die Divergenzen mit C. würden an sich ein freundschaftliches Verhältnis nicht ausschließen. Vielleicht schließen sie aber die Lebensgemeinschaft aus. Liebesbeziehung lebt auch von unmittelbarer emotionaler Gewißheit des Anderen, richtiger gesagt - Geborgenheit.

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So geht dies Buch mit einer Zäsur zu Ende. Zäsur auch in der Arbeit, da ich ab Montag # d.i. morgen # Broiler ausfahre. Als nächstes gilt es, den Entwurf eines ZF-Konzepts auf den Tisch zu legen.

# Damit, am 19.11.1989, endet der Band 34 meiner Tagebücher, der mit dem 11.7.1989 begonnen hatte. Es folgt ab morgen die Abschrift meiner Eintragungen des Bandes 35, beginnend mit dem 20.11.1989. Einige Überlegungen aus heutiger Sicht zu den Ereignissen des Bandes 34 habe ich in meinem opablog gepostet.

Zum Abschluß des Bandes 34 dokumentiere ich die ersten beiden Umschlagseiten von Heft 46/89 der Zeitschrift “Neue Zeit”, Moskau.#

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26. Oktober 1989 - “Kinder am Elbufer”

Dienstag, November 3rd, 2009

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# Mehrfach von mir erwähnt, die Moskauer “Neue Zeit”, eine Vorreiterin der Perestroika. Hier ein aktuelles Titelblatt und eine Karikatur #

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Gestern R.s bei uns. Wir diskutieren über alles, auch meine 12 Thesen. Mich verwundert ein wenig, daß es kaum gravierende Hinweise gibt. Die Diskussionen erlauben mir aber, die Thesen zu präzisieren. (Eigentlich nur z. T. die Diskussionen, mehr ist es das eigene, davon nur z. T. abhängige Nachdenken.) Mich beeindrucken R.s Schilderungen von seinem Erleben von Racket in Leningrad.

Gestern noch A. Jakowlew über die französische Revolution gelesen. Dieser Mann beeindruckt mich stark.

“Fotografie” 9/89, Bilder von 1989 und 1945. # ich finde, daß sie sich in ihrer tristen Stimmung gleichen.#

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Abraham Pisarek (1901-1983), Kinder am Elbufer, Meißen 1945

In der gestrigen Diskussion schöner Versprecher von C. Sie redet bezogen auf führende Funktionäre von der “Kraft ihrer Sabbersuppe”.

Habe ganz schön geackert bei der Überarbeitung meiner 12 Thesen (Jetzt sind es 10.) Nun damit fertig!

 

08. Oktober 1989 – Gethsemanekirche

Sonntag, Oktober 18th, 2009


C. und ich gehen abends von ihrer Wohnung # Erich Weinert Str.# nach Hause # zum Arkonaplatz. # Wir kommen dabei in der Nähe der Gethsemanekirche vorbei.

# Wir sehen eine Menge Polizeimannschaftswagen, denken uns aber nichts weiter dabei..#

Abends lesen wir Sowjetliteratur. Später Sondersendung im Westfernsehen. Polemik zwischen uns, Sekt (mit zwei verschiedenen Toasten), Erotik, jedoch kein Sex.

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