[…] von R. Gehaltsstreifen, Vertretung des Chefs seit 18.3.82, + 2327,-M, […]
in Schmachte graben für E-Leitung, […]
17. Juni – einst ein brisanter Tag - - -
etymologisch:”Bastard” - der auf dem Sattel gezeugte! (”horizont” 25/82)
Aus einem alten Magazin entnahm ich diese interessanten Informationen.

Interessant diese Rhythmik. Sie zeigt, dass hier Arbeit stattfindet; die Ströme sind natürlich nur eine Erscheinung. Welche Arbeit hier geleistet wird, was da rhytmisch korrespondiert, das ist natürlich noch sehr unklar. Zu denken ist aber, dass noch viel mehr als die beiden hier aufgedeckten Rhytmen sich überlagern und zu verschiedener Zeit verschieden überlagern.
Welche Rhytmik der Geschlechtsorgane? Das ist kein einfaches Triebanschwellen, etwa nach dem Schema:
1. - Befriedigung, Triebruhe,
2. - abstraktes erotisches Interesse,
3. - konkretes sexuelles Interesse.
Es gibt auch das Zurückspringen von der dritten Stufe auf die zweite. Ganz abgesehen davon, dass es zwischen Befriedigung und Triebruhe (Stufe 1) auch deutliche Unterschiede gibt. Die Befriedigung ist eigentlich nur eine kurze Ruhe, Erschöpfung eines gerade abgearbeiteten, im Ganzen aber höchst aktiven Organs (in dem recht bald auch wieder das Blut wärmt, bald vibriert, selbst wenn nicht wieder ein starker sexueller Motoren arbeitet), während Triebruhe langdauernd Untätigkeit ist, wie ein Winterschlaf, fast wie ein Absterben.
Eine interessante Formulierung für eine andere Seite dieser Antriebsproblematik fand ich im “Filmspiegel”:

Während man dieser Mosambiqueanischen Tänzerinn kaum Antriebsprobleme zutraut.

Da ich den Brief an Karl-Heinz L. ohne Durchschlag geschrieben habe, hier eine verknappte Wiedergabe:
# Karl-Heinz L war ein früherer Lehrgangsteilnehmer, der eine enge Bindung an unsere Dienststelle bewahrt hatte. Da er als Exportkaufmann viel im Ausland tätig war, pflegten wir unsere Verbindung durch mehr oder weniger humorvolle oder auch anzügliche Briefe. #
Lieber Karl-Heinz!
Als viel beschäftigter Chef “auf allen Strecken” möchte ich mich auch am “Nord-Süd Dialog” beteiligen.
Du wirst sicher denken: “viel beschäftigt “- der soll erst mal Arbeit kennenlernen. Dazu muss ich erklären, dass die meiste Beschäftigung mir zur Zeit meine “kernige Gesundheit” macht. Seit nun schon vielen Wochen schleppe ich einen steifen Rücken herum, und als ich mich endlich entschlossen habe, zum Arzt zu gehen und mir eine Spritze verpassen ließ, bekam ich postwendend einen Nervenentzündung/Ischias im ganzen linken Bein, die mich nun wirklich ernsthaft ärgert. Seit einigen Tagen scheint nun endlich, wenn auch langsam, eine wirkliche Besserung einzutreten. Jedenfalls habe ich die Schlussfolgerung gezogen, bei solchen Leiden künftig nicht auf Selbstheilung zu warten, sondern frühzeitig und massiv die - geringen - Mittel des ärztlichen Handwerks zu nutzen.
Im übrigen habe ich mich in letzter Zeit darauf konzentriert, den kommenden Lehrgang besser vorzubereiten, viele Gespräche zu führen (fahre deshalb morgen auch nach Halle), denn schließlich brauchen wir im Ministerium Strategen, die den NSW-Export zu ungeahnten Höhen führen und nicht Globetrotter, die den gewalttätigen Eingriffen des Klassenfeindes in die unberührte Natur von Cabora Bassa zujubeln.
Du siehst, es gibt schon Einiges, womit man sich die Zeit vertreiben kann. Daß damit ein Nachlassen der Wachsamkeit verbunden ist, kann gut sein, daß freilich diese Entwicklung schon im fernen Maputo die Klapperschlangen rasseln lässt, ist höchst beunruhigend. Daher werde ich Deine Hinweise aus dem letzten Brief sehr ernst nehmen und danke Dir dafür. Die Frage bleibt aber:”wie”? Da ich im ganzen vier Söhne habe, weiß ich zwar mit einem Sack voll Flöhe umzugehen, wie man aber einen Kugelblitz zusammen mit einem […] Junigewitter unter Kontrolle hält, dazu müsstest du mir vielleicht noch ein paar heiße Tipps vermitteln. Vielleicht gibt dazu die ins Auge gefasste Feier Gelegenheit.
Deutlicher möchte ich mich nicht ausdrücken, denn zu bedenken ist, dass meine Post an Dich zweifellos mehrere Kontrollen im Vorzimmer durchläuft, und wenn es auch Tatsache ist, daß das Interesse der Kolleginnen für alle so ernsthaften Fragen der Arbeit mit den Lehrgängen konsequent unter einem unteren Grenzpunkt verharrt, ist es doch nicht auszuschließen, dass die Eine oder die Andere zwischen zwei Telefonaten (Manche Telefonanrufe kommen bei uns an, trotz unzuverlässiger Technik.) stutzig wird, wenn dieser Brief nicht meine in letzter Zeit typisch griesgrämige Laune zum Ausdruck bringt.
Damit aber genug von unseren mehr oder weniger kleinen und alltäglichen Sorgen beim Kampf im entwickelten Sozialismus. Deine Erlebnisschilderungen sind immer sehr interessant für uns alle, und nicht nur R. möchte manchmal so richtig mitgehen. Das allerdings der Karate-Hit:”Über 1000 Brücken musst du gehen” sich auch in Maputo durchgesetzt hat, hat mich doch überrascht. Vielleicht kannst du den Jungs noch paar andere exotische Tipps geben, zum Beispiel:
“Komm, oh komm, du kleine Schnalle,
greifen wir uns ‘ne Koralle.”
Oder etwas gehobener als Walzerlied:
“Lass uns im Ozean schäumen,
wieg uns in südlichen Träumen… “
Aber vergiss nicht, Dich anständig an den Tantiemen beteiligen zu lassen, sonst musst du weiterhin Jahr für Jahr zwischen Mexiko und Mosambik pendeln.
Nun aber genug, sonst muss ich noch Überstunden machen. Also weiter:
“Meistre Brücken,
ohne Krücken,
sollst durch Briefe uns entzücken (alle)
und ab Juli sogar drücken (nicht alle)!”
In der Mittagspause wackle ich mal zur” Galerie unter den Linden” und sehe - einer Womacka - Ausstellung. Es bleibt einem nichts erspart. Vor manchen der Aquarelle fuhr es direkt aus mir heraus:”So ein Blödian”. Der öffentlich anerkannte W. bezeichnet einen Tiefpunkt, den die Malerei in der Öffentlichkeit erreichen kann, bzw. Tiefpunkt des Bewusstseins der Öffentlichkeit (bzw. Herrschender) von Malerei.
Die Frauen # A. und R., Sekretärin und Haushaltssachbearbeiterin # loben mich wegen meiner Briefe (der Brief an Karl-Heinz ist der Anlass). Wir “hecheln” Vieles durch. Sie sind, wie immer und wie immer nicht ohne Grund, empört über Privilegien, die es in unserer Gesellschaft für die herrschenden Funktionäre gibt. Anlass für manches gibt hier immer wieder auch Günthers Verhalten.
Mich beeindruckte L.s Erzählen von Lenins Leben im ihm fremden und von ihm unberührten Schloss in Gorki. Und dagegen das, was mir Jörg Heiko Bruns von den Festen mancher Kreisfunktionäre im Schloss Molsdorf erzählte.
R. erzählt, dass die neuen Kartoffeln zwar unverändert 4,05 M kosten, das in einem von ihr ausgewogenen Beutel aber nur acht Pfund waren (gegenüber 10 Pfund früher).