Archive for the ‘Männer und Frauen’ Category

22. Mai 1989 – Gartenwochenende

Montag, Juni 15th, 2009


herrliches Wetter, fleißig gesenst, Dach ausgebessert, Waschtisch gebaut, Baumpflege.

Lampenkauf in der Prenzlauer Allee: Die vollbusige Verkäuferin, tiefausgeschnitten, aufreizend, geile Phantasien. Beim Bezahlen schaut sie mir fest in die Augen und - gibt falsch heraus.

11. Mai 1989 – in der Kassenschlange

Samstag, Juni 13th, 2009

Vorgestern noch lange APO-Leitungssitzung. Danach Aussprache mit D., zunächst angespannt; klärend.

Hans S. erzählte mir, daß im WB 11 etwa 50 Ggenstimmen waren.

Lesen: Christa Wolf,”Sommerstück”

Einkauf in der Ackerhalle. Vor mir in der Kassenschlange eine junge Frau mit prächtig gewölbtem Hintern. Als sie mein Interesse bemerkt, posiert sie ein wenig. Es erregt mich tatsächlich; schnell und schwach (verglichen mit früheren Erlebnissen dieser Art). Ich glaube, sie hätte sich ansprechen lassen. Sie wirkte wie eine, die -noch jung - ihre ersten großen Enttäuschungen hinter sich hat und den Schutz des reifen Mannes zu schätzen weiß.

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12. April 1989 - zwei Filme von Krzysztof Kieslowski

Sonntag, Juni 7th, 2009

Mit C. im Fischrestaurant, dann spazieren und noch in der Eisbar.

Schließlich 3 1/2 Stunden Film bei den Polen. 890412p1010040.jpg

Der erste Film ist recht gut: Zum Problem der alltäglichen Gewalt, des brutalen Verbrechens und der Menschlichkeit des Verbrechers. (Erinnert an den sowjetischen Dokfilm über den Doppelmörder.)

Der zweite Film war mehr ein Salonstück: Der Zusammenprall des Liebenden mit der Nichtliebenden - es war aber dieser Ansatz nicht groß genug bewältigt. Sexuell animierend die Szene, als sie - nackt unter ihrem Kittel - mit gespreizten Beinen vor ihm auf den Füßen hockt. Er streichelt schüchtern ihre Knie und Schenkel und wandert furchtsam, zögerndmit seinen Händen zur Mitte. Sie sagt, daß sie da drinnen feucht sei. Der suggestive Moment: Ihr die Hand auf die geöffnete feuchte Votze zu legen. Oder sie in dieser Haltung vorsichtig auf den Rücken legen und mit der Zunge eindringen. Für ihn - 19-jährig- der unübersteigbare Punkt.

 

07. März 1989 - ein Brief zum Geburtstag

Sonntag, März 29th, 2009

Lieber C. 7.3.89

Zum Geburtstag möchte ich Dir ja gern mal wieder schreiben, da ich aber nicht weiß, ob Deine Cottbuser Adresse noch gültig ist, schreibe ich sicherheitshalber nach Hause, “zu Muttern”….

Von mir gibts manche Neuigkeit mittlerer Bedeutsamkeit zu berichten. So habe ich seit gut einem halben Jahr eine neue Wohnung bekommen, hoch über dem Arkonaplatz im 6. Stock. Dort gefällt es mir sehr gut. Es war sozusagen meine Wunschwohnung (2 Zimmer, hell, geräumig). Ich bin ja in diesem Wohngebiet seit etlichen Jahren als WBA-Vorsitzender verwurzelt, falls Du Dir unter dieser Funktion etwas vorstellen kannst. Die Wohnung habe ich bezogen mit dem Gefühl, daraus vielleicht nie wieder auszuziehen - das war ein wenig eigentümlich.

Meine Arbeitsstelle hat sich nicht verändert. Allerdings ist mein Leiter in Rente gegangen, und ich habe seit einem Vierteljahr den Auftrag, mein eigener Leiter und Mitarbeiter zu sein. So kann das nicht lange gehen. Aber eine notwendige Entscheidung wird verzögert. Diese zwiespältige Situation ist unangenehm, aber sie belastet mich nicht ernsthaft. Ehrgeiz ist für mich seit langem kein Motiv mehr, und ob ich nun Leiter oder Mitarbeiter bin - in beiden Richtungen kann ich sinnvoll arbeiten. Nur eben nicht in beiden zugleich. In den letzten 1 1/2 Jahren hab’ ich Einiges getan, um mit einem Personalcomputer arbeiten zu können - eine interessante und befriedigende Sache.

Natürlich besteht nicht das ganze Leben aus Arbeit, keineswegs. Seit einem Jahr (übrigens fast auf den Tag genau) bin ich mit meiner Gefährtin C. zusammen. Sie ist sehr intelligent, empfindsam und eigenwillig (ich weiß nicht, was am meisten), und wir haben in dieser Zeit oftmals miteinander gerauft. Mit dem Ergebnis, daß wir uns immer besser, einfach großartig verstehen. Sie hat in dieser Zeit eine schwere Krankheit durchgemacht, und wir hoffen mit aller Kraft, daß sie endgültig überstanden ist.

Mit F., den ich Euch einmal als Baby angeschleppt habe, der natürlich bei seiner Mutter lebt, bin ich oft zusammen. Wir verstehen uns prima. Oft sind wir auch alle drei (also mit C.) am Wochenende zusammen in der Laube, in Sch. Das kleine Grundstück dort ist (und bleibt) ganz schön wild. Spaß macht es mir aber, Obstbäume, Beerensträucher, Weinreben zu pflanzen und zu betreuen.

Nun habe ich schon 2 1/2 Seiten Briefbericht gegeben und noch kein Wort zur “Boletik” gesagt. Daraus ist nicht zu schließen, daß ich mich davon zurückgezogen hätte (dagegen spricht ja auch die WBA-Funktion). Nein, das nimmt großen Raum ein. Ich habe u.a. die sowjetische “Neue Zeit” abonniert, C. die “Budapester Rundschau”, und oft diskutieren wir heftig Artikel, die wir dort gelesen haben. In der Partei und bei vielen anderen Gelegenheiten mache ich oft das Maul auf gegen die vielen unakzeptablen Erscheinungen, die sich in diesem unseren Land breitmachen.

Ich vermute, daß Du die Verhältnisse als nicht weniger mühselig erlebst. (Freilich ist es nur Vermutung.) Man braucht einen langen Atem aber ich verliere nicht den Optimismus, daß auch bei uns, was sich an Spätstalinismus fortschleppt, niedergerungen wird. (Das sei gesagt, auch wenn es möglicherweise Mutter verärgert, wenn sie davon erfährt.)

So leb ich arbeitend, oft gespannt, nicht unfroh, oftmals sehr froh, älter werdend, kaum krank, von meinen drei Ältesten leider fast gänzlich abgekoppelt und denke an Dich und Euch, nicht zuletzt anläßlich Deines Geburtstags, ganz herzlich.

Vati.

07. Februar 1989 - Karneval in Wasungen

Dienstag, März 10th, 2009

In “Gesellschaftswissenschaften” 4/88 u.a. guter Artikel von Abalkin (über die historischen Erfahrungen der sozialistischen Wirtschaft) und Jonin über “Die Reue”

# Der Film “Die Reue” des georgischen Regisseurs Tengis Abuladse war damals eine der schärfsten und zugleich künstlerisch bedeutsamsten Abrechnungen mit dem Stalinismus. Natürlich wurde er in der DDR nicht gezeigt. Etwas später wurde er im Westfernsehen gebracht. Man sagte, daß Schewardnadse als georgischer Parteichef den Film ermöglicht habe. Ergo baute ich auf Sch. und war lange nicht fähig, seine Deutschlandpolitik zu verstehen. Ein “schönes” Beispiel, wie Informationsmangel mich manchmal zu einer erstaunlichen Klein-Fritzchen-Sicht führte. #

Fernsehberichte, gefahrvolle Situation in Afghanistan im Moment des Abzugs der sowjetischen Truppen.

 Gestern Rosenmontag mit Heide im “Thüringer Hof”, “Wasunger Tor”, “Ratskeller”, “Bären”, “Erholung”, “Paradies”, wieder “Bären”, dann ging ich endlich. Zu Hause lese ich noch 2 Stunden “Magazin”. Eine erotische Spannung stellt sich aber nicht (mehr) ein.

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Blick auf W.s Rosemarie, das Weibchen. Als ich nachmittags zu ihnen reinkomme, um den Fernseher zu holen, schlafen sie, tief in Kissen vergraben. Das Weibchen, schlaftrunken ermuntert sich und deckt ihr ganzes Bein bis zur Hüfte auf. (Sie hat ein schwarzes Strumpfhösel an.)

 

27. Januar 1989 - Jean Paul

Donnerstag, Februar 19th, 2009

Eine Karte, die ich nicht abschickte.

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Abends im DT- Pantomimentheater. “Himmelhölle. Ein Lebensreigen”. Nicht schlecht.

Gefunden: (speziell für mich)

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In der “NZ” 3/89 ein Grundsatzartikel von Pumpjanski. Ausgezeichnet!

Den neuen Entwurf des Kampfprogramms der GO habe ich noch nicht. Ich trage mich mit dem Gedanken, dazu “aufmüpfig” Stellung zu nehmen.

Auf meine Eingabe gibt es eine halbpositive Antwort.

24. Januar 1989 - Abrüstungsmaßnahmen der DDR

Montag, Februar 16th, 2009

Gestern # eingeladen als Gast in meiner Funktion als WBA-Vorsitzender # bei der Jahreshauptversammlung der LDPD… 

C. erzählt, daß ihr Kollege P. sie vor ihrem neuen Chef gewarnt habe (was sie beeindruckt).

Abends lesen wir “NZ”. C. trifft sich heute Abend mit L.

Ich sage, daß ich zu dem polnischen Film gehe.

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Danach werde ich 20 Uhr zur Komischen Oper gehen, wo im Foyer “junge Musiker spielen”.

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Vorher gehe ich zum Computerzirkel im Jugendklub Wilhelm Pieck Str., so daß dieser Abend gut ausgestaltet ist.

DDR reduziert einseitig ihre Rüstung.

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C. sagt, sie freue sich über diese Abrüstungsmaßnahmen, aber… Im selben Atemzug prangert sie an, daß sich “das System” deshalb noch lange nicht ändere. Die Systemkontroverse hindert sie sehr, reale Schritte gebührend zu werten.

Sie liebt das Groteske, das Absurde, das Zerstörte. Das ist nicht nur Rhetorik. Sie lebt auch so. Mit der Beziehung zu L. pflegt sie gerade die Ruine einer Beziehung. Sie tut etwas dazu, daß die Ruine erhalten bleibe. W. und sein Verhalten haben ähnliche Tendenz. Solche Menschen (und sie gehört teilweise dazu) haben keine Inhalt, wenn sie kein unlösbares Problem haben. Sie müssen Aussichtslosigkeit erleben, um sinnvoll dazustehen. Kultivierung des Absurden: L. C. und ich sitzen zusammen im Kino (z. B. an einem Tisch im Becher-Club oder nicht an einem Tisch im Becher-Club).

# Heute bin ich verblüfft, wie gut sich dieses beobachtetete menschliche, psychologische Problem mit der Stellung der Individuen in der beginnenden Endkrise der DDR erklären läßt. Damals war ich natürlich weit von solcher Deutung entfernt. Kein Jahr später war es an mir, mit der Aussichtslosigkeit zu leben. Im Persönlichen entpuppt sich (oftmals aber schwer erkennbar) das Soziale. #

# Brief an den Leiter eines beliebten Grafikabonnements #

” Sehr geehrter Herr Rentsch!         24.1.89

Ich bedanke mich für Ihr “Mahnschreiben” vom 7.1.89. Tatsächlich habe ich nicht die Absicht, aus der Plauener Grafikgemeinschaft auszuscheiden. Nach weniger eiliger Durchsicht des Heftes zur Auswahl 20 bestelle ich hiermit von

- Christ Jahr, “Angler”, (Nr. 21)

- Thea Kovar, “Sich ankleidende Frau”, (Nr. 25)

- Max Uhlig, “Männerkopf”, (nr. 62).

Ich hab’ mir auch Besserung gelobt und will nun endlich die beiden bei mir verbliebenen Transportrollen zurückschicken.

Mit freundlichem Gruß”

21. Januar 1989 - Wandern und “Neue Zeit”

Donnerstag, Februar 12th, 2009

Netter Freitagabend, nachdem C. - nicht besonders begeistert - vom BE pünktlich gekommen war. Ich hatte mir die Zeit vertrieben mit Lesen von Casanova und anderen.

Wir lesen in der “NZ”.

# NZ - “Neue Zeit”, “nowoe wremia” die in vielen Sprachen, auch der deutschen, erscheinende Wochenzeitschrift der Sowjetunion für Politik, Wirtschaft, Kultur, Ideologie, Geschichte. An ein theoretisch interessiertes Publikum gerichtet. Seit Beginn von Gorbatschows Glasnostj brachte die Zeitschrift auch regelmäßig aufklärende Artikel zu historischen Ereignissen, die für uns oftmals Offenbarungen waren. So lasen wir in dieser Nummer einen Bricht über die Repressalien Stalins, denen fast die gesamte polnische Parteiführung im Moskauer Exil zum Opfer fiel. An den öffentlichen Kiosken war die “Neue Zeit” - früher ein Ladenhüter - längst nicht mehr zu bekommen. Ich hatte sie abonniert. Das zeitweilige Verbot des “Sputnik” in der DDR hat viel Staub aufgewirbelt. Daß die weniger modern aufgemachte und weniger populäre “Neue Zeit” mehrere Wochen nicht ausgeliefert wurde, wurde kaum bekannt. #

Am Samstagfrüh liebten wir uns. “Viel Spiel, wenig Leidenschaft”, sagte ich.

Nach ausgiebigem Frühstück fuhren wir kurzentschlossen los zu einer Wanderung Strausberg-Tiefensee durch den Gamengrund.

# Der Gamengrund bei Berlin, eine eiszeitlich geprägte Rinne mit einer Seenkette, ein wunderbares Wandergebiet. Ich kannte die Strecke noch aus meiner Zeit des sportlichen Wanderns. Frühlingswanderung durch den Gamengrund, 75 km, war ein Klassiker, veranstaltet von der Wandersparte der BSG Rotation Berlin, Wanderleiter Dieter Schaknies. Ebenso bekannt die alljährlichen Zweitageswanderungen “Rund um Berlin” über 100 km. Lang, lang ist’s her.#

(Das war C.s Idee, zur “Entschuldigung”, weil sie Skaby “geschmissen” hatte.)

In der leeren S-Bahn, nahe Strausberg, weint C. nach der Lektüre des Artikels (NZ 2/89) über den Untergang der polnischen Parteiführung.

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Die Wanderung war sehr schön, 25 km in 5 Stunden, am Schluß verlaufen, guter innerer Kontakt zwischen uns… Spät zu Hause, gemeinsames Bad, erschöpft eingeschlafen.

20. Januar 1989 - Mozart

Mittwoch, Februar 11th, 2009

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 C. geht heute Abend mit Wulf und Werner in “Germania”.

# Heute, 12.2.2009, wird in der Zeitung über den Dokumentarfilm “Material. Deutschland 1988-2008″ von Thomas Heise berichtet. Ein Film, der mich enorm interessiert. Darin spielt auch diese Inszenierung von “Germania” eine Rolle:

“1988 inszeniert Fritz Marquardt Heiner Müllers »Germania Tod in Berlin« am BE. Das Stück ist da 18 Jahre verboten, durfte weder gespielt noch gedruckt werden. Ein Jahr vor dem Mauerfall verstand Klaus Höpcke nicht mehr, daß er es einmal mit auf den Index gesetzt hatte. Wer die Geschichte von 1989 erzählen will, muß spätestens 1988 beginnen. »Material« zeigt die Quälerei, die Ernsthaftigkeit der Probenarbeit.”#

Für mich habe Werner keine Karte mehr bekommen. Das ist zwar schade, auch weil sie damit unser Skaby-Wochenende platzen läßt. Ich habe aber keine Probleme damit, weil ich die Begründung glaube und kein absichtliches Ausschließen vermute. Daß Wulf freilich dieses Motiv haben könnte, ist dennoch nicht auszuschließen.

Wir waren gestern im Schauspielhaus (trafen G., Krebsverdacht bei K.). Ich sagte C., daß in Mozarts Musik immer vorhanden sind (verbunden, widerstreitend, immer recht hart und unvermittelt gegeneinander gesetzt) zarte, spielende (unschuldige) Kindlichkeit und Gewalt, erhabene oder/und erschreckende Macht. Und ich sagte ihr, daß das genau auch ihr Persönlichkeitserleben, ihre Persönlichkeitstruktur sei. (Sie fand das treffend.)

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Wie doch der sexuelle Reiz einer Frau allein durch etwas mehr Fleischlichkeit zunimmt.

 

11. Januar 1989 - Beziehungszwiespalt, Beziehungsqual

Donnerstag, Januar 22nd, 2009

Es ist z. Z. eine absolut zwiespältige, geradezu unehrliche Situation: Ich stehe unter dem Eindruck

* ihrer Lügnerei vom Freitag und Montag

* daß sie sicherlich ohne mich zu Wulfs Geburtstag zu gehen beabsichtigt

* vorher ihrer extremistischen Reaktion am 1.1. abends im Zusammenhang mit der Mauer

* ihrem Abkehrverhalten danach (vorige Woche).

So bin ich in meiner Beziehung zu ihr erschüttert. Die Zweifel sind da, ob uns wirklich genug verbindet. Welche gemeinsamen Ziele? Innere Kühle? (Bloß, wenn sie dann schlicht sagt:”Na, dann müssen wir uns eben trennen.” dann ist mir gar nicht mehr kühl.) …

Ich glaube, daß sie ihre Heimlichkeiten gleichsam als eine Sicherheitszone braucht, einen Bereich ihrer Intimität, den keiner kontrolliert, in den keiner eindringen darf. (Die Vertraulichkeiten mit Wulf könnte ich als solche Sicherheitszone aus Selbstzweck verstehen.) Ich muß diese Zone ihrer Heimlichkeit akzeptieren. Darauf kann ich nur meinerseits mit derselben Zone reagieren. Ich kann unmöglich in dieser Situation weiter so völlig offen bleiben. Das heißt, wir dulden Zonen der Sprachlosigkeit, der Fremdheit zwischen uns. Wenn solche “Zonen dominieren”, also Sprachlosigkeit herrscht, brauchen wir nicht beieinander zu sein. Das sind dann verlorene Zeiten.

Also sollten wir nur aufeinander zugehen, wenn wir wirklich etwas voneinander wollen. (Ich kann nicht ausschließen, daß der eigentliche Kern, der uns unvereinbar macht, eine politische Haltung bei ihr ist, die Feindseligkeit zum realen Sozialismus mit einschließt.)

Immer wieder derselbe Widerspruch: Ich kann nicht, will nicht glauben, daß ihre Heimlichtuerei einen ernsten Grund hat. Und zugleich die Befürchtung, daß das Wunschdenken ist. Denken: Wer so konsequent verheimlicht, der muß einen Grund haben.

Soll ich mich, ob Grund für Heimlichkeit oder nicht, zu mir bekennen und sagen: Ich ertrage diese Art nicht - also trennen.

Oder kann ich sagen: Ich toleriere jede Heimlichkeit, da ich glaube, daß sie sie zu nichts Schlechtem benutzt.

Kann ich uneingeschränkt an sie glauben? Ohne jeden Vorbehalt? Nein.

Wenn sie aber nun gerade diesen Glauben braucht? Wie auch immer: Diese Quadratur des Kreises geht nicht.

So handeln: Prinzip: Im Bestreben, ihr jedes Recht auf Heimlichkeit zuzugestehen zugleich bei mir bleiben.

* Heute Abend wie o. angedeutet sprechen. Das Problem des Verheimliches artikulieren.

* Ihr offen und entschieden und ganz konsequent das Recht auf jede Art von Heimlichkeit zugestehen (dies sagen und tun!)

* Entsprechende Handlungen von ihr werden mich schmerzen (bzw. befremden). In solchen Situationen mein Befremden, meinen Schmerz ihr gegenüber aussprechen, ausdrücklich aber mit meiner erklärten Bereitschaft, sie gewähren zu lassen.

* Den Schmerz nicht durch Zuwendung zu ihr, durch Kampf um sie aus der Welt schaffen wollen, sondern durch Abwendung von ihr und Besinnung auf das Eigene überwinden.

Das ist der Weg des konfliktarmen (an äußerlichen Konflikten armen) Auseinanderlebens.

Übrigens wird vermutlich die “BR” nicht mehr ausgeliefert.

# Ich habe keineAhnung, wie dieses deprimierende Beziehungs-Hin und Her auf einen außenstehende Leser wirkt. Mich berührt es noch heute sehr ernst. Und zwar gar nicht wie eins der üblichen, lange zurückliegenden Beziehungsprobleme. Heute wird mir viel klarer, wie damals kolossale gesellschaftliche Prozesse in unseren Alltag hineinwirkten. Ich sehe uns als zappelnde Figürchen in einem Bergrutsch. #