Archive for the ‘meine Arbeit’ Category

14. März 1990 – das grüne Gartenbuch

Mittwoch, Februar 1st, 2012

Zum ersten Mal ein grünes Gartenbuch vom S. Fischer Verlag für 8,- gekauft. # mit unserer Mark bezahlt #

C. kam spät von der Vorstandssitzung. Dort stehen die Zeichen ernsthaft auf Personalabbau.

Ganztägiger Vortrag von Cieslarczyk, war ganz gut.

# Wenn ich mich recht erinnere, ging es um Management, und der Referent war einer der von Dr. W. Bevorzugten. Vergl. hier. #

Teilnehmerin ist auch eine schöne Frau, Henriette Latus.

Kerstin Kluge kommt abends vorbei – Mieterbund.

 

12. März 1990 – Brief an Kurt Riemer

Sonntag, Januar 22nd, 2012

# “Freiheit braucht Raum” # 

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Am Wochenende war eine Flut von Westzeitungen im Angebot. Beim Einkaufen in der Ackerhalle sehe ich den Leistenhändler, dort, wo ich die runden Spiegel gekauft hatte, der an seiner Ladentür steht und  - ledergeschürzt – die Bildzeitung verkauft. Sie gehen weg, wie warme Semmeln, die Leute stürzen sich darauf wie auf ein endlos lang entbehrtes Labsal. Am Freitag hatte sie als Werbeexemplar im Haus der Statistik gelegen.

 # Das “Haus der Statistik“, Sitz der DDR-Zentralverwaltung für Statistik war ein am Alex gelegener Bürokomplex. „Bild“ war nun also bei den zentralen Staatsorganen der DDR präsent. Ich nahm ein Exemplar mi, um das Gesamtkunstwerk „Bild“ im Tagebuch zu  dokumentieren. #

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Die Beispiele der letzten Seiten zeigen, dass die Dämme gegen den ideologischen Dreck endgültig gebrochen sind.

Beiliegende Seite brachte der Sonntag ins Haus. Die Hilflosigkeit bedeutender Schriftsteller ist ein erstaunliches Phänomen.

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Meine geistigen Prozesse unterscheiden sich in wesentlichen Punkten von denen dieser Leute:

-                      ich hatte nie ein euphorisches Verhältnis zum 4.11., habe vielmehr dieses Ereignis und noch mehr den 9.11. mit gemischten Gefühlen erlebt.

-                      Ich bin mir jederzeit der „Errungenschaften“ der DDR-Wirklichkeit bewusst. Wenn ich jetzt erlebe, dass sie physisch bedroht sind und teilweise schon zerstört werden, so heißt das keineswegs, dass sie in mir moralisch zerstört werden.

-                      Und wenn jetzt BRD-Imperialismus uns übernimmt, dies zumindest sehr entschieden betreibt, so ist das zwar ein physisches Faktum; also anerkenne ich diese Gewalt, aber sie hat auf mich kaum eine Überzeugungswirkung. Die „Gebrechen“ dieses Marktsystems sind offensichtlich.

Nötig, hierüber mal gründlicher zu schreiben. Schriftsteller – Leute, die, koste es was es wolle, ständig Ideen aus sich ‚rauspressen müssen - das kommt mir oft ziemlich krampfig vor. 

# Brief an Kurt Riemer. Einiges zum Hintergrund:

Kurt war für mich eine außerordentlich wichtige, orientierende Persönlichkeit. Zum Programm der Halbjahreslehrgänge unserer ZF (für das ich verantwortlich war)  gehörte immer ein Besuch der Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen. Natürlich organisierte ich dazu eine kompetente Führung, und für diese wurde seit Ende der siebziger Jahre Kurt Riemer gewonnen. So lernten wir uns kennen. Kurt war etwa Jahrgang 1915 und Widerstandskämpfer von 1933 an. Er gehörte zur  Berliner Gruppe Robert Uhrig. Er war viele Jahre in Haft, darunter auch mehrere Jahre im KZ Sachsenhausen, an der Seite Matthias Thesens. Als die illegale Lagerleitung in Sachsenhausen im Oktober 1944 aufflog (und in der Folge auch Matthias Thesen ermordet wurde) verdankte Kurt Riemer der Standhaftigkeit Thesens, daß er überlebte. Kurt war bis zuletzt im KZ Sachsenhausen und nahm auch am Todesmarsch teil.

Kurt war für unsere Gruppe von Nachwuchsführungskräften auch deshalb besonders geeignet weil er in der DDR wichtige Funktionen in der Partei und als staatlicher Leiter ausgeübt hatte, er kannte sich also auch auf diesen Ebenen aus. Aus diesen Funktionen war er zur Zeit unserer Zusammenarbeit ausgeschieden und Rentner. Dies vordergründig wegen seiner angeschlagenen Gesundheit, wohl aber auch wegen einer Maßregelung (von der mir aber nichts Näheres bekannt ist).         

Von Kurt erfuhr ich viel von der, sozusagen, „Innenseite“ des Widerstandskampfes. Er mystifizierte nicht. In gewisser Weise sei es 1933 sehr einfach gewesen, meinte er. Man mußte sich einfach treu bleiben Punkt. Mein Brief drückt wohl deutlich aus, daß ich dem alten Genossen versichern wollte, daß ich unter den Bedingungen des Tages treu zu bleiben gedachte.

Wenig später hat er mir geantwortet. Dann noch einige weitere Ergänzungen.# 

„Lieber Kurt!                                                                                                                                                                                                     12.3.90

Ich möchte mich mal wieder kurz melden. Dir geht es hoffentlich gesundheitlich gut und überhaupt nicht schlecht. Aus dem beigelegten Papier # Es geht um mein persönliches Wahlflugblatt # siehst Du, wie bei mir die Arbeit, die Parteiarbeit, weitergeht. Eigentlich sollte es ein Flugblatt werden. Jeder in unserer Parteigruppe hatte sich vorgenommen, einen Entwurf zu machen.) Aber dann waren genügend gute gedruckte Flugblätter gekommen. Und ich habe mehr einen knappen Brieftext geschrieben, der hoffentlich eine gewisse Wirkung durch die persönliche Bekenntnisform gewinnt. Dies Papier habe ich 90x vervielfältigt und gebe, schicke es an alle, mit denen ich durch die WBA-Arbeit bekannt geworden bin. Eine Einwohnerversammlung zur Wahl hatte der WBA kürzlich auch veranstaltet. Wir hatten fünf konkrete Fragen an die wichtigsten Parteien/Vereinigungen gerichtet und sie um Sprecher gebeten. Ca. 60 Einwohner kamen aber nur wenige Parteien waren vertreten. Es war dennoch eine lebhafte Diskussion und PDS konnte dabei weine gute Rolle spielen. Solche Parteien, wie SPD oder CDU/DSU/DA waren nicht vertreten. Ich will aber nicht in’s lange Erzählen kommen, wollte Dir (Euch) nur ein kleines Lebenszeichen und einen Gruß schicken. Das Leben ist ja nicht dazu da, um sich unterkriegen zu lassen. So geht es mir ganz gut – auch im Garten habe ich schon wieder gewerkelt und sogar übernachtet.

Sei herzlich gegrüßt

Und ebenso Deine Frau

…“

 

09. März 1990 – mein persönliches Wahlflugblatt

Donnerstag, Januar 12th, 2012

Erfolgreicher Abschluß Dreitageskurs.

Nachher Infostand PDS?

Ich habe mein Flugblatt neu geschrieben und vervielfältigt. Ich werde es in der nächsten Woche allen mir im Wohngebiet bekannten zustellen. # Hab es 90x verteilt #

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08. März 1990 – Weiterführung Dreitageskurs

Donnerstag, Januar 12th, 2012

Weiterführung Dreitageskurs mit viel Lauferei und einigen Aufregungen, aber erfolgreich.

Frauentagstreff bei M. Fußweh!

 

07. März 1990 – Durchführung Dreitagesweiterbildung gegen alle Widerstände

Donnerstag, Januar 12th, 2012

Vorlesung von Prof. Dr. H-J- Beyer beim Dreitageskurs. Hat er gut gemacht. Einer der Haltung zeigt.

Mich regt das alles offensichtlich ziemlich auf. Ich merke es an starken Schmerzen im linken Fuß, dem lädierten. Die Schmerzen sind so stark, daß ich nicht zur Frauentagsfeier der Volkssolidarität gehe. 

06. März 1990 – Wahlkampf, mein persönliches Flugblatt

Donnerstag, Januar 12th, 2012

Rennerei! Heute nach dem Steuerbescheid f. d. Gewerbegenehmigung. Nach der Sicherung der nächsten Vorträge.

War bei Stoffer/Post. Es ist wirklich nicht erhebend. Da komme ich als Arbeitsloser besser hin.

Starke Schmerzen im linken Fuß. Niedergeschlagene Stimmung.

Mein persönliches Flugblatt ist bei Sch. aus dem Briefkasten geklaut worden, so daß es zur abendlichen Wahlveranstaltung des WBA nicht ausgeteilt werden konnte. # Ich fühlte mich gedrängt, zur bevorstehenden Wahl mein persönliches Credo abzugeben. # Diese Veranstaltung war von etwa 50 Leuten besucht. 5 Parteien/Bewegungen waren anwesend. Es war ein Erfolg.

 

05. März 1990 – hin und her gerissen

Donnerstag, Januar 12th, 2012

Vielfältige und etwas hektische Aktivitäten zur Weiterführung der ZF.

Und zur Erringung von Gewerberäumern.

Und zur Durchführung des PDS-Wahlkampfes.

Heute mit Stoffer, - Deutsche Post, PZV verabredet.

War bei Heinrich, DGB, kurze freundliche Begegnung. 3 Disketten im KaDeWe gekauft.

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01. März 1990 – Hektik

Donnerstag, Januar 12th, 2012

Hetzjagd durch die Zeit.

Dokfilm über Berlin 45-49, mittelmäßig.

Frühs bei H. S. wegen Gewerbe und Raum.

Jagd nach einem polizeilichen Führungszeugnis.

Paß abgeholt.

Ganztagsvortrag von Prof. Dr. Graichen kommt an.

27. Februar 1990 – Arbeitsturbulenzen

Donnerstag, Januar 12th, 2012

Heute Abend das öffentliche PDS-Gespräch, das ich leiten will.

Anrufe und Anmeldungen aus den Fachabteilungen aber Dr. W. blockt ab (bei der Bezahlung). Zugleich ruft mich Th. an mit der Frage, ob Graichen noch mehrfach vor einem noch größeren Kreis sprechen könnte… Ich deute ihm meine Aussteigeabsicht vage an. Er redet beruhigend auf mich ein. Bin wieder hergerissen….

Rufe soeben Noeske an wegen des Raumes in der Anklamer Str. und sage ihm mein persönliches Motiv. # (Buchhandel aufmachen) # Er hat dafür sofort Verständnis und ist bereit, mich zu unterstützen. Das wäre die! Lösung!

26. Februar 1990 – „Bildet Banden, tötet Nazis“

Donnerstag, Januar 12th, 2012

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„Bildet Banden, tötet Nazis.“ Diese Losung groß an die Wand geschmiert, gestern in der Schönhauser Allee. Früher auch schon mal „Nazis an die Wand“ am U-Bahnhof Dimitroffstr. gelesen. # Eine neue Art Losungen, tauchten auf, wie aus dem Nichts. Wo kamen sie her? #

Soeben habe ich bei Frau Beringer, PZV, eindeutig zugesagt. Nun soll ich zum Abtltr. Stoffer. Jetzt gilt es, meinen Abgang hier systematisch duchzuführen… Jetzt aber erstmal Gysis Referat vom Parteitag lesen.

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“Kinderarbeit”  (Türkei)

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