Archive for the ‘meine Arbeit’ Category

24.Januar 1990 – Besuch beim DGB Westberlin

Mittwoch, Dezember 7th, 2011

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Ab Mittag nach WB zum DGB-Landesverband. Dort lerne ich Herrn Rainer Heinrich kennen. Ich frage nach den Mitbestimmungsrechten der Gewerkschaften in der Marktwirtschaft, und er überrascht mich mit der Mitteilung, daß sie keine Mitbestimmung haben. Dafür hätten wir in unserem Arbeitsgesetzbuch viel bessere Voraussetzungen, die bloß nicht zum Tragen gekommen seien. Wir seien, statt eine sozialistische Marktwirtschaft aufzubauen, auf dem besten Weg, die kapitalistische Marktwirtschaft zu übernehmen. Wir seien konzeptionslos, die BRD habe schon seit 60er Jahren eine detaillierte Konzeption für diesen Weg (an der übrigens auch der DGB mitgearbeitet habe). Wir einigen uns schnell darauf, dass er bei uns im Lehrgang dazu spricht. Er beansprucht keinerlei Honorar.

Es ist eine Schande, dass wir auch solche Beziehungen in der Vergangenheit nicht gepflegt haben. Wir durften es nicht aber es ist mir auch gar nicht in den Sinn gekommen.

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Danach bummel ich noch längere Zeit in der Stadt herum. Da keine Schlange davor ist, momentan, „besteige“ ich auch erstmals den Beate Uhse Laden am Bahnhof Zoo und ergötze mich lange an den dort zugänglichen pornographischen Magazinen und Büchern. Besuch im Sexkino um die Ecke, wo ich mir eine Stunde lang wechselnde Geschlechtsakt anschaue, zeitweilig angeregt, später abschweifend ernüchtert.

 Zu Hause ist C. Wir besuchen abends noch „Hundeherz“ in der Volksbühne.

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Auf die heutige Versammlung zum Bürgerkomitee Arkonaplatz bezogen sagte sie, ich könne ihr ja erzählen, was dort war. Ich lehnen das brüsk ab. Wenn es sie interessiere, könne sie selber hingehen, sage ich. Informationsübermittler zu spielen, habe ich keine Lust. Sie erzählt noch paar Einzelheiten aus dem Gespräch mit Rolf L. – weinerliche Tatsachenbeschreibung, wie das Leben immer schlechter wird.  

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22. Januar 1990 – Die große Niederlage. Wie ist ein Neuanfang möglich?

Montag, Dezember 5th, 2011

# Nachstehender Artikel von Prof. Werner Gilde, Direktor des ZIS “Zentralinstitut für Schweißtechnik”, Halle. Prof Gilde war eine ingeniertechnische und darüber hinaus intellektuelle Autorität in der DDR. Sogar Wikipedia kennt ihn heute! #

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Gestern mit F. und C. in dem schönen Film „Die unendliche Geschichte“

Heute 5 Stunden „Runder Tisch“ während der Arbeit gehört.

Ich entwerfe ein Flugblatt für meine WPO, für die PDS, gegen die SED.

Mit C. im Dokfilm „Unsere Kinder“. Vorher im „Alten Schönhauser“ Tischgespräch mitgehört von einem, der am Montagssturm auf das Stasigebäude dabei war. Er habe dort nur Ruhe und Ordnung gesehen, keine Ausschreitungen, „vielleicht ist da mal ein Schränkchen aus dem Fenster geflogen“. Mit C. hinterher Streit darüber. Ich sage: „Wenn erst einer aufgehängt wird, dann werden auch tausende im Land bezeugen, dass dort, wo sie waren, völlige Ruhe herrschte.“ Dazu erbitterte Polemik zwischen uns. Ablehnung dieser Denkweise durch C.

 Ernst bewegt hat mich an diesem Tag nebenstehende Kohl-Erklärung: 900122-2.jpg

Das heißt Einverleibung der DDR in ein NATO-Bundesdeutschland! So der Klartext, der nicht ins öffentliche Bewusstsein - wenn es so etwas überhaupt gibt - dringt. Der deutschnationale Alleingang wird für ernstzunehmende BRD-Kräfte eine reale Möglichkeit! Die Perestroika hat eine ganze Zeitetappe innerer tiefgreifender Spannungen und Umbrüche vor sich. Die Sowjetunion wird so geschwächt werden, dass ihre Rolle als Weltmacht in Frage steht. Das kalkuliert das deutsche Großkapital kühl ein. 

# in Wirklichkeit war die Perestroika bereits tot bzw. sie war selbst der Untergangsprozeß der SU. Wie ich doch Grundzusammenhänge nicht gesehen habe! #

 

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Berghofers Austritt ist ein ernster und niederträchtiger Schlag gegen die SED. Der PDS mangelnde Erneuerung vorzuwerfen und zugleich dagegen „sozialdemokratische Programmatik“ zu unterstützen, ist ein Widerspruch in sich. Die Programmatik der PDS ist ja gerade ihre Stärke. Von ihr braucht man sich nicht abzugrenzen. Für ihre Realisierung hätten diese Exgenossen ja verantwortlich in der Zentrale wirken sollen, statt sich nach Dresden zu verkriechen.

Am Wochenende Statut und Programm der SPD aufmerksam gelesen. Jedem wird alles versprochen! Keine Präzision! Besonders wird jede Klarheit in der Frage des Eigentums vermieden. Man sei für „gemeinwirtschaftliches Eigentum“ – kein Mensch kann damit eine klare Vorstellung verbinden - behaupte ich. Ebenso zur Souveränität der DDR. Und völlig ernüchternd im Statut: die Unabhängigkeit der oberen Parteiorgane von der Parteibasis! Da lassen die alten erfahrenen Parteistrategen der SPD „keine Luft“ ran.

SPD - eine Partei, die die Reform dogmatisiert.

Kommunisten – eine Partei, die die Revolution dogmatisiert.

Gebraucht wird eine Partei, die immer das Nötige machen kann, - einmal die Reform, dann die Revolution, dann wieder die Reform… Eine solche, wirklich sozialistische Partei gibt es nicht.

So war das Wochenende von schweren Gedanken erfüllt. Und es scheint, dass wir zwar einen Ministerpräsidenten haben, der sich bravourös schlägt, aber keinen Parteiführer, der der Härte dieses politischen Kampfes gewachsen ist.

Ich entschließe mich, ein PDS-Flugblatt für unsere WPO zu entwerfen (angeregt durch ein Flugblatt in der Mensa).

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 Ich denke: Man kann sich nicht aus einer Partei verabschieden, ohne für sie wirklich gekämpft zu haben. (Viel gehen jetzt noch schnell klammheimlich, Nasdala z. B. wittert nach allen Seiten, wann denn nun sein günstigster Absprungtermin ist.) 900122-4.jpg

Und einige haben die Illusion, nun flugs eine neue KPD zu gründen. Solche Narren! Als ob man dadurch die Vergangenheit loswerden kann. Keiner nimmt uns ab, all unsere Irrwege wirklich bis zum tiefsten Grund aufzuarbeiten. Das haben wir noch nicht geleistet. Danach wird – so bin ich überzeugt – ein Neuanfang möglich.

 # Der Übergang zu sozialdemokratische Positionen ist der Versuch derer, die dazu nicht fähig sind, gründlich  zu sein. #

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18. Januar 1990 - Trauer, “Ich kenne des Menschen nicht.”

Donnerstag, Dezember 1st, 2011

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Bei F.s Geburtstag viele Diskussionen. Eva Vent, im „kindlichen Wahn“ würdigt sie „den Kapitalismus“ und spricht davon, wie tyrannisiert sie war, 40 Jahre.

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Die Grenze, jenseits der man streikt wird immer niedriger, das Gleiche passiert mit der Grenze zur Gewaltanwendung.

# Wahnhafte Züge des Handelns der Menschen? Ist dieser Wahn nicht immer latent vorhanden? (Vergl. Art des Gedenkens an den 17. Juni heute im Juni 2003) #

Ich verspüre viel Trauer ob des übermächtigen Rasens der Unvernunft. Der subjektive Zustand unterscheidet sich nicht sehr von dem vor einem halben Jahr. Es ist ein übermächtiger Gesellschaftsprozeß, der seinen Weg nimmt. Vor der jetzigen Zeit hatte ich den Glauben, mit der Grundrichtung dieses Prozesses doch übereinzustimmen. Mit der erwarteten Richtung (Kapitalisierung) des gegenwärtigen Prozesses stimme ich nicht überein. Die Illusion der Heimat wird gegen die klare Heimatlosigkeit getauscht. Sozialismus, der schon greifbar schien, wird wieder zur Utopie entrücken. 

Nasdala klärt mich gerade auf, daß er beabsichtigt, um seine Abberufung zu bitten. Er will wieder im ASMW anfangen. Mich will er vorschlagen zu berufen/hier als Leiter zu arbeiten. Ich würde das – so denke ich  - machen. Ich denke, wenn sie mich diesmal nicht für würdig erachten, diese Funktion auszuüben, dann gehe ich von hier weg.  

Heute Abend WBA. Ich möchte meine neuen Konzeptgedanken vorlegen. Telefonat mit Holger Wetuschat.

# H. W.  war einer meiner Mit-WBA-Vorsitzenden. Bei ihm war es der WBA 10, der die Häuser im Grenzbereich umfasste. Wir hatten  kein enges aber, so dachte ich, ein ganz gutes Verhältnis. Zwei, drei Jahre später trafen wir uns wieder. Er war in irgendeiner offiziösen Funktion, hatte, glaub ich, mit der Konversion von Militärflächen zu tun. Jedenfalls mußte ich verwundert feststellen, daß er mich nicht mehr kannte. Wie manche Menschen von einem Tag zum anderen ihre Orientierungen änderten - das war eine der frappierendsten Erfahrungen dieser Zeit. # 

# Zu der letzten Erläuterung ausnahmsweise auch mal im opablog. 

13. Januar 1990 - Ein Versuch der Besinnung im Handgemenge – Vorschläge lokale Selbtverwaltung

Montag, November 28th, 2011

# Ich greife zur Orientierung beim Lesen noch einmal auf die kommentierende Bemerkung zurück, die ich bereits zum 8.12 1989 gepostet habe:

Die letzten Wochen des Jahres 1989 und die ersten des Jahres 1990 waren voller politischer (und auch menschlicher) Dramatik. Für mich persönlich war es die Zeit, in der mir klar wurde, daß die DDR untergehen würde. Mein Tagebuch zeugt von intensiver Informationsaufnahme. Es enthält besonders viele Zeitungsausschnitte (die ich hier nur in Auswahl posten konnte) und andere Dokumente. Eigene Notizen sind dagegen fast immer kurz und bruchstückhaft. Es war einfach nicht die Zeit für lange Betrachtungen. Die Ereignisse ermöglichten blitzartige, klare Einsichten. Aber auch verzerrte Wahrnehmungen und extreme Wertungen passierten mit mehrfach. Am 13. und 14. Januar fand ich erstmals ein wenig Zeit zur Reflexion was sich in einem längeren Text niederschlägt. #

Gestern Abschiedsbegegnung mit Dieter Papsch. Er hat einen Brief an Gysi geschrieben (Anlage dazu von Dr. Exner). Wider die Kadermafia des ZK. Papsch sympathisiert mit der Plattform Michael Brie. Er geht jetzt zum KAB # „Kraftwerksanlagenbau“#  -Beimlerstr.

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Mit C. „Juvenilmeer“ # Platonow # weiter gelesen.

Nach WB, Ausstellung der Russin Werefkin (Jawlenski) im Haus am Waldsee (Empfehlung von L.) Es war nichts Besonderes. Danach sind wir um den Schlachtensee spaziert.

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Flugblatt des NF hier im Wohngebiet, Leerstandswohnungen betreffend. Ich bin unheimlich ärgerlich auf mich – da haben sie uns mit unseren eigenen Waffen mich auf meinem ureigensten Gebiet geschlagen. – (Daraus muß gelernt werden!) 

„ND“ meldete am 11.1.90 den Zusammenschluß von Bürgerinitiativen zur Stadterneuerung. Das berührt sich direkt mit meinen Vorstellungen vom Bürgerrat. Auf diesen – jetzt in Bewegung kommenden Zug – werden wir WBA 12 (und wenn er mitmacht der WBA14) aufspringen zur Frage: Endgültige Gestaltung des Wohngebietes Arkonaplatz. Eine große Einwohnerversammlung vorbereiten.

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 Und das gehört noch zur Informationsflut des Tages:

-                      die Neugründung der SPD aus der SDP

-                      die Gründung einer Deutschen Gesellschaft (für die Helga Schubert erklärt, dass sie nicht noch einmal ein Sozialismusexperiment erleben möchte)

-                      die offene Situation nach Gorbatschows Besuch in Litauen.

-                      der beginnende Krieg zwischen Armenien und Aserbaidshan. Der Zerfall (zumindest der bisherigen) Sowjetunion wird Realität.

-                      unser Spaziergang durch das Nobelwohngebiet Zehlendorf (Haß und zunehmendes Gefühl d Ohnmacht gegenüber dieser Ausbeuterwelt)

-                      die Erfahrung der „Baugrube“

-                      die bundesdeutschen Politiker und Industrieherren, die sich in unserem Fernsehen wie die Herren aufführen, die sich mit gerade noch geduldeten Statthaltern abgeben.

 

Meine Urlaubswünsche: 2.- 4.5. – 3 Tage, 28.4. – 6.5. – Rügen, 15.8. -7.9. – 18 Tg. Bulgarien, 27. u 28.12.  – 2 Tg Skaby

 

Wo hat unsere Niederlage angefangen?

Vielleicht mit dem Einsatz von Gewalt gegen persönliche Arbeit (vgl. „Baugrube“)?

Mit der Abkehr von Lenins „festen Stegen der materiellen Interessiertheit“ (Okt. 21) und der Ersetzung durch Stalins Marsch der Gewalt?

 

Für mich ist dies eine durchaus schwere, persönlich tiefgreifend krisenhafte Situation.

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Auf der ganz allgemeinen Ebene meiner Ideale wird es anscheinend Verschiebungen geben (ich möchte ja im Sinne Tucholskis sehr radikal prüfen). Es geht um die Bedeutung dieses Gefühls „der Freiheit im Blut“ # Siehe Artikel Weltbühne 2/90 #.

Es geht um die „Souveränität des Individuums“ als dem Grundwert.

Ist es nicht erst dieser Ansatz, der es dem Marxismus erlaubt, auch eine vollgültige Theorie des Überbaus zu entwickeln? Es kann doch kein Zufall sein, daß es der Marxismus zu einer solchen Theorie nicht gebracht hat.

Nach der Anerkennung der Souveränität des Individuums (die aber absolut notwendig ist) folgt dann gleich die Krux:

Souveränität des ausbeutenden Individuums versus

Souveränität des ausgebeuteten Individuums. 

Ich spreche nur von einer Verschiebung des Ideals, denn angenähert an diesen Standpunkt bin ich schon lange.

Die großen Veränderungen, keine Verschiebungen, sondern wahrhaft einen Zusammenbruch, gibt es hinsichtlich der REALITÄT meiner Ideale. 

Der Glaube, wir würden uns auf dem Weg der Verwirklichung dieser Ideale befinden, d.h. wir hätten bestimmte Grundwerte (Enteignung des Privateigentums an den Pm als Grundlage der Gesellschaft) unumkehrbar gesichert, dieser Glaube ist im Begriff völlig zusammenzubrechen. Zumindest die reale Möglichkeit, dass wir alles Erreichte, die doch wichtigen Grundlagen des Sozialismus verlieren (nämlich die Entmachtung des Privateigentums), diese reale Möglichkeit muß ich anerkennen.

Für mich persönlich kann das bedeuten, mich in der Position eines deutschen Kommunisten der 20er Jahre wieder zu finden. 

Da ist es schade, dass ich schon 50 Jahre alt bin. Meine 20, 25 besten Jahre sind verschlissen. Ich glaube, weder die geistige Frische noch die physische und nervliche Kraft für einen großen Aufbruch zu haben. Da ist Müdigkeit. Da fehlt der Tatenmut, einfach frei ins Ungewisse zu handeln. Jetzt sich an den Anfang eines Handlungsbogens stellen, der erst jenseits meines 80. Jahres wieder den Boden berühren würde? Nein, das wäre töricht.

Nein, ich kann nur – ohne jede Illusion über meine realen Wirkungsmöglichkeiten – das mir Mögliche beitragen:

-                      indem ich für eine wahre Erneuerung meiner Partei eintrete

-                      indem ich versuche, meine Stimme in meiner Partei hörbar zu machen (im Rahmen der Plattform 3. Weg)

-                      indem ich in neuer, viel kühnerer Weise versuche Bürgerinteressen zu kennen, zu formulieren, zu organisieren.

 

Es geht um den Bürgerrat „Arkonaplatz“ und um eine Konzeption zur Selbstverwaltung des Wohngebietes Arkonaplatz.

Was gehört dazu?

-                      Abriß des Holzteils der Baubaracke

-                      Umwandlung des massiven Teils der Baubaracke in ein Wohngebietszentrum mit guter Speisegaststätte

-                      gärtnerisch-kulturelle Ausgestaltung des Platzes (Pergola, Sitz- und Spielmöglichkeiten, Konzerte)

-                      Eröffnung von Läden in unmittelbarer Nähe des Arkonaplatzes

-                      Fortführung der Buslinie bis zum Grenzübergang Eberswalder Str.

-                      großzügiger Ausbau einer verkehrsberuhigten Zone vom A. bis zur Mauer bei gleichzeitiger Entwicklung eines Gestaltungskonzepts für das Grenzgelände/Mauerstreifen. (Diese Gestaltung sollte Park- und Kinderspielzonen vorrangig berücksichtigen daneben aber auch Raum für kommunale Dienste, Handwerker, Gewerbe schaffen.

-                      Erarbeitung eines entsprechenden Gesamtkonzepts Arkonaplatz als Bestandteil eines Projektes „Stadterneuerung“.

-                      Konstituierung eines (ehrenamtlichen) Bürgerrates „Arkonaplatz“, (der in sich wesentliche Teile der Wahlkreise 3 und 4 vertritt) und ein Mitspracherecht bei der bei der Planung und Durchführung des o.g. Konzepts hat (und überhaupt bei allen kommunalpolitischen Fragen im allgemeinen und das eigenen Gebiet betreffend)

-                      Sicherung der materiellen und finanziellen Bedingungen des Bürgerrates, hauptamtlich ist der Sekretär des Bürgerrates (der bisherige staatliche Beauftragte)

-                      Fixierung der Stellung und Kompetenz gewählter (im wesentlichen auf Wahlkreisebene) Bürgerräte in einer neuen Kommunalverfassung („Legislative zum Anfassen“). (Die gewählten Mitglieder der Bürgerräte sind zugleich Abgeordnete der Stadtbezirksversammlung (Personenwahl) und beanspruchen 50% der Mandate. Die andere Hälfte der Mandate wird von den Parteien nach der Verhältniswahl belegt.

-                      Die Bürgerräte entscheiden selbständig über den lokalen Haushalt und setzen lokale materielle und finanzielle Kapazitäten selbständig ein. Sie verfügen (u.a.) auch über eigene lokale Einnahmequellen.

-                      Vergesellschaftung (Vergenossenschaftlichung) der KWV in Korrespondenz mit der Entwicklung eines Hof- und Hausmeistersystems.

 

12. Januar 1990 - Einheitsfront zur Entmachtung der SED-PDS

Sonntag, November 27th, 2011

Es hat sich gebildet die Einheitsfront für eine Entmachtung der SED-PDS. Vielleicht aber geht es in Wirklichkeit schon um Zerschlagung. Warnstreiks der Arbeiter häufen sich. Wir werden untergehen, aber doch wenigstens mit fliegenden Fahnen. Mit dem Eintreten von Arbeitern in die öffentliche Politik bekommen Chauvinismus und die Gesänge der Fußballstadien Raum. Die Massen sind – wie stets? – im kindlichen Wahn. Und Verantwortungsbewusste, die für die Erneuerung dieses Landes bereit sind, mit ALLEN Gutwilligen zusammenzuarbeiten gibt es nur in der Führung meiner Partei, in keiner anderen politischen Führung. Die beste Chance der Erneuerung wird also verspielt werden. Sie wird der Entmachtung der SED-PDS untergeordnet werden. Die Erneuerung danach wird zwar nicht unmöglich aber unvergleichlich schwerer sein. Ihr Scheitern wird eine reale Gefahr. Auch das Scheitern Gorbatschows wird zur realen Gefahr!

Nasdala, aus Crostau zurück, bringt eine erste Arbeitsrichtung. Mir scheint, man sieht nur noch Markt.

Die WPO-Versammlung am 10. im Wohngebiet, Teilnehmer 40, zeigte unser doch vorhandenes Potential. Die Diskussion und Beschlußfassung läuft positiv.

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05. Januar 1990 - “Sicherheit des Arbeitsplatzes?”

Sonntag, November 27th, 2011

Nach Crostau zur Perspektivendiskussion fahre ich nun nicht mit. Nasdala war bei Lehmann/Winter, bringt von dort die Orientierung, daß man die Weiterbildung nicht zu reduzieren gedenke. 

04. Januar 1990 - Parteiaustritte, Wohnparteiorganisation formiert sich

Sonntag, November 27th, 2011

Gestern WPO-Versammlung der alten WPO.

Mein alter Bekannter Kannewurf, WPO-Sekretär, ist aus der Partei ausgetreten – wegen “seiner Enttäuschung durch die Honecker-Clique”. Den WPO-Sekretär hatte er unter der Bedingung übernommen, eine Wohnung zu bekommen und mit einem neuen Wartburg beliefert zu werden. Die Wohnung, so weiß ich, hat er nicht bekommen. Übrigens war er früher Armeeoffizier.

Die WPO ist – mit beträchtlichem Zeitaufwand für Verständigungsdiskussionen untereinander – auf dem Formierungswege.

Über A. – Döring – Frau Zimmermann erfährt man, Gerhard Zimmermann habe in einem Abschiedsbrief gewünscht, nicht in derselben Erde wie „diese Verbrecher“ (der damaligen Partei- und Staatsführung) bestattet zu werden.

 # Plötzlich erfuhr man so etwas. Gerhard Zimmermann, früher Minister für Schwermaschinen- und Anlagenbau, mir persönlich gut bekannt. #

Weltbühne 1790:

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 Mit F. in der Modellbahnausstellung und im Tierpark. Das große Elefantenhaus (und die badenden Elefanten )! kino mit ihm: “Die Olsenbande fliegt über die Planke”

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22. Dezember 1989 - Menschenänderung

Donnerstag, November 24th, 2011

# Artikel v.  A. Brie gegen die Wiedervereinigung. Wie sich Menschen verändern können, darüber, muß ich aus diesem Anlaß mal im opablog nachdenken. #

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Unsere, meine Schuld besteht darin, auf die Kontrolle der Macht verzichtet zu haben. Diese Pflicht haben wir missachtet und uns freiwillig mit diesem Zustand abgefunden. Das bisherige Machtsystem war demokratiefeindlich. 

Der Verbrecher Ceauchescu wurde gestürzt.

Am Brandenburger Tor, das heute geöffnet wird, deutsche Nationalfarben. Auf dem Rückweg treffe ich R.s Mann und habe zur Weiterbildung (ZF) gleich einen Wortwechsel mit ihm. 

# Der Mann meiner langjährigen Kollegin R. Wir waren durchaus einander freundlich gesinnte Bekannte gewesen. Man half sich gelegentlich. Man war auch mal  in derselben Zeit in demselben Urlaubsheim. Jetzt überraschte er mich mit einer triumphierenden Bemerkung, daß es nun mit unserer Art der Weiterbildung an der ZF (meiner Arbeitsstelle), der marxistisch-leninistischen zu Ende sei. Ein kleines Beispiel dafür, wie in dieser Zeit Normalitäten, Gewißheiten (ob berechtigte oder nicht) von einer Minute zur anderen zusammenbrachen. #  

 

Dies halte ich hier fest als die letzte Zuckung des Pfaffenschlager-Sekretariats (das aber eine appetitliche Sekretärin hatte).

 # Es geht um das Kreissekretariat der NF („Nationalen Front“), auch das ein trauriges Kapitel des endlosen Themas „formale, inhaltsleere sozialistische, zudem noch piefige Demokratie“. #

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20. Dezember 1989 - Kohl in Dresden

Dienstag, November 22nd, 2011

Frenetische „Deutschland! Deutschland!“ –Rufe in Dresden gestern und „Rote raus“ Rote raus“. (Die Gegendemonstration in Berlin existiert für die Tagesthemen nicht, auch nicht für die heutige CDU-„Neue Zeit“.)

Kohl begrüßt gestern die Dresdner an der Frauenkirche und zollt der „friedlichen Revolution“ in der DDR Bewunderung!!

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Am Zionskirchplatz gestern erblickte ich das erste Flugblatt der SED-PDS von der Basis. Es findet sich die GO # SED-Grundorganisation # des Wohngebiets.

Streit mit C. über Rechtmäßigkeit der Modrow-Regierung.

Gestern Bescherung bei F. und L. (Stabilbaukasten für F.)

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 # Der folgende Zeitungsbericht schildert den Arbeitseinsatz im Schlachthof Berlin, an dem auch ich beteiligt war, wie hier mehrfach berichtet. #

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08. Dezember 1989 - Kultur in Westberlin

Dienstag, Dezember 8th, 2009

 # Die letzten Wochen des Jahres 1989 und die ersten des Jahres 1990 waren voller politischer Dramatik. Für mich persönlich war es die Zeit, in der mir klar wurde, daß die DDR untergehen würde. Mein Tagebuch zeugt von intensiver Informationsaufnahme. Es enthält besonders viele Zeitungsausschnitte und andere Dokumente. Eigene Notizen sind dagegen fast immer kurz und bruchstückhaft. Es war einfach nicht die Zeit für lange Betrachtungen. Die Ereignisse ermöglichten blitzartige, klare Einsichten. Aber auch verzerrte Wahrnehmungen und extreme Wertungen passierten mir mehrfach. Erst am 13. und 14. Januar fand ich erstmals ein wenig Zeit zur Reflexion und versuchte das auch zu formulieren. #


In meiner Aktivitätsstatistik neue Kategorie 5.60 einführen: “Besuch von West-Kulturveranstalungen”?

Letzter Arbeitstag im Broiler-Lager.

Nachmittags nach WB. Sehr schöner Egon Schiele-Kalender für C. Und Sexfilm „Emanuelle 5“ - hat mich kurzzeitig animiert aber dann gelangweilt.

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Abends lange Fernsehen vom außerordentlichen SED-Parteitag.

Spätes Schlafen.