Archive for the ‘Pornografie’ Category

18. September 1982 – in unseren Betrieben: Der Mensch zählt nichts

Donnerstag, März 27th, 2008

[…]  die täglichen Behandlungen, Lakenbad, Wickel, Schuheinlage basteln, Wechsel von Schmerzen und gutem Gefühl im Bein. Abends: Das Schmerzkarussell dreht sich wieder.

[…] Lesen: Dante, “Göttliche Komödie” „Das Paradies – 5. Gesang,

[…] 7 Zimmerkumpel anwesend, abends mit vier Kumpelinen aus dem Nebenzimmer;

[…] Hören: (Kopfhörer): „Rusalka“ von Dvorak, weiterer Dvorak, Debussy

 Schwester Karin, 25. J. Im Dienst, davon 10 Jahre Poliklinik, hat sich „mit dem Beruf ausgesöhnt“. Kann sich nun keinen anderen Beruf vorstellen.

[…] Mein gestriger Besuch im Garten, wo Vieles verwahrlost wirkt. Empfinde das schon, wie ein Fremder. Meine eigenen Bäume sind mir fremd geworden. Die Himbeerhecke ist hin. Bohemiens sind keine Gärtner. Es geschieht, daß das Bohemeleben auch Poesie produziert, doch es selbst ist noch lange nicht, nicht aus sich selbst, Poesie.

Die plastischen Entwürfe Fränzes (Kinder-Reliefs). Es ist etwas - „Pornografisches“ dabei und zugleich eine Wahrheit. (Es ist wohl Pornografie überhaupt eine Art von Wahrheit.) Wieviel höher die Bilder L.s von F.

 

Die schier „göttliche“ Poesie eines Dante, Homer, Goethe, Hölderlin, Gorki! Daran gemessen ist unsere tägliche Kunst auch allen Mängeln der Zeit unterworfen, gerade auch und je mehr sie sich anders gebärdet. (Wenn sie’s offen zugäbe, wäre ja nichts weiter dabei.)

Anneliese und Renate erzählten, daß Kaderleiter Schulze abgelöst wurde. Vielleicht erblindet er. Die Entscheidung wurde solange aufgeschoben, bis der Mensch kaputt war. Schrieb Kurt in seinem Brief, daß in den Betrieben nur noch technisch-ökonomische Probleme zählen, Fragen der Kultur überhaupt nicht, so kann man noch krasser sagen, daß allzu oft der Mensch gar nichts zählt. Die Arbeitsagonie des Heinz Schulz vor unser aller Augen (nur ich hab mal gewarnt), ist ein beredtes Beispiel. Eine spezielle (politisch-parteiliche) Verantwortung dafür trägt G.

Labilität des Erlebens der Kranken, ihrer Stimmungslage. […]  Die Leidenschaften der Faster nach 14 Tagen Fasten. Fastenkoller! Manche wollen alles haben, ohne viel zu tun. Sie wollen alles fressen, ohne dick zu werden, und schließlich soll sie der Arzt noch dünn machen ohne eigenes Zutun. Das geht mir zeitweilig auf die Nerven. Mancher – und Mancher ohne es zu wollen – lebt zu sehr auf Kosten anderer.

04. September – 10. September 1982 - fünfte Woche Krankenhaus

Sonntag, März 2nd, 2008

# Die Eintragungen der Woche fasse ich angesichts des Krankenhauseinerleis wieder zusammen. #

Die täglichen Behandlungen, Lakenbad, Wickel; ferner, Bindegewebsmassage, Schlammpackungen; Reizstrom, Gymnastik, Duschbad mit Haarwäsche, peinlich: Während ich im Lakenbad liege, wächst beim kurzen Gespräch mit der jungen, sympathischen Bademeisterin, unversehens mein Glied empor.

[…]

Lesen: Zeitungen und Zeitschriften - ND, BZ, BZA, Kleingarten, Wochenpost, Eule, Weltbühne, Magazin, Sportecho, Sport und Technik,

Illustrierte: NBI, “für dich”, Freie Welt,

Gorki, “Klim Samgin”, G. d. Bruyn, „Leben des J.P.F. Richter“, Dante, “Göttliche Komödie” I, Tendrjakow, “Nofretete”, Strittmatter, “Geschichten aller Ardt”,

[…]

Reden mit den Mitpatienten: Armeestories, Essen, Arbeit auf dem Bau, Ficken, Manfred spielt ein Pornotonband aus dem Westen vor. Rolf erzählt begeistert von einem Bergurlaub, Probleme der Arbeit, Japan, Witzkassette, Skat spielen,

[…]

Viel Lektüre, “bedeutende Empfindungen”. Was bewirkt das alles in mir? Fülle ich einen Topf, der dann keine andere Bestimmung hat, als einstmals in die Grube gesenkt zu werden? So Vieles bewegt mich beim Lesen. Was bau’ ich daraus? “Das Werk” doch wohl kaum, wenn ich betrachte, wie wenig dies Protokoll der Gedankenbewegung folgt, wieviel verlorengeht. Bau ich mich selbst zum bewußteren Menschen? Zweifelhaft.

Ich bin unfähig, das zu beschreiben, was ich hier mit den Zimmerkumpeln erlebe. Soviel deftiges, spontanes “Volksleben”. Es ist wie eien Neuauflage meiner Armeezeit.

 

Die fessenlde Lektzüre des Jean Paul-Buches von de Bruyn beendet: Anschaulich gemacht wird der Kulturstand vor 200 Jahren. Wie schwer hatte es der Dorfschulmeister. Welch geistige Armut (letzte Hexenverbrennung, Gespensterfurcht, auch die größten Geister in Deutschland gelangten nicht bis zum Materialismus. Die Schwere des Lebens der Studenten (J. P.s Freund Hermann, der Hunger aber auch die sexuelle Not, der Wahnsinn) Die Knechtschaft der Frau – der Lebensweg der Charlotte von Kalb als Beispiel. Das “Schlummern” der Volksmassen, die dünne Schicht Geisitigkeit, das Elend der Soldaten nach der Völkerschlacht.

All das wirtd anschaulich überzeugend erzählt und wirkt den unwillkürlich idyllischen Vorstellungen von der Vergangenheit entgegen und einer ungerechten, weil ahistorischen Kritik der Gebrechen unserer Zeit

Die Begeisterung de Bruyns für J. P. bringt mir diesen natürlich näher, reizt mich aber zugleich zum Widerspruch. Überspitzt: J. P., der nie Mann war, der schwärmerischer Jüngling und Opa war; demokratisch-realistische Fülle, jedoch in ungezügelter Wucherung; Schwärmerei, good will, die sich dem sozialen Kampf nicht stellt. Das sind keine Vorwürfe an Jean Paul. Seine persönlichen Grenzen sind oft exakt die historischen Grenzen der deutschen Enhjtwicklung.

J. P. der Girondist. Der Friedenswünscher, der erst in letzter Sekunde den gerechten Krieg feiert. In den Wertungen dieser Sachverhalte ist de Bruyn recht subjektiv. Aber ein J. P. mit seinem sozialen und poetischen Sinn und wirklichen theoretischen Geist ist nicht möglich. Die Zeit gab es nicht her.

Heute nacht ein detaillierter erotischer Traum mit A. St.

Wesen meiner pornografischen Wünsche? Absolut die Freiheit von gesellschaftlichen Normen ausleben? (Aber doch in Beziehung auf ein anderes Menschenwesen.) Den anderen Menschen absolut meinen Wünschen unterwerfen (die nicht darauf zielen, ihn zu unterwerfen, immerhin aber doch darauf, ihn absolut zu meinem Mittel zu machen.) Doch bin ich bereit, im gleichen Unmaß der Schamlosigkeit sein Mittel zu sein.

 

Erstaunen über die Denkweise des “gemeinen” Mannes: Welche Selbstkritiklosigkeit! Welche spontane, ungebrochene, (gewissenlose) Denk- und Existenzweise im Käfig des eigenen Ich .

Frau Rudolph, die Physiotherapeutin, mit der sich so gut reden läßt, stellte heute fest, daß es “so erstaunlich wenig positive Menschen gibt”. Das ist auch politisch zu versatehen: Die Sucht, negative Erfahrungen zu sammeln und wie Fahnen zu schwenken.

Die Erziehung des Einzelnen in dieser Gesellschaft durch die harten Tatsachen reicht bei weitem nicht aus. Wohin führt das? Ich weiß es wirklich nicht. Die Borniertheit des Konsumdenkens! Dieses produzieren wir selbst!

Jargonsplitter: “Ablachen”, (überhaupt die ganzen Zusammensetzungen von Verbien mit Vorsilbe ab… abschminken, abruhen).  “ein Rohr verlegen”, “rumpeln”, “spitz sein”, “geht los wie’n Gewitter”, “…ist alles zu spät”, “…dann ist Pumpe” . Doch auch wieviel Humor!
Weiter das starke pornografische Interesse, in dem ich ihnen gleiche, das bei mir aber schneller befriedigt ist. […]

Man vergißt zu viel: In Gesprächen kommen wir auf einen Film zu sprechen, der heute hier gespielt wird. Ich kenne ihn schon: Ein italienisches “Lustspiel”, von einer Kindesentführung handelnd. Ich war erschrocken über dieses “Kulturangebot” bim Sozialismus.

Man muß Distanz haben (einnehmen) zu solchen Teilen unseres Überbaus im Sozialsimus. – nicht nur Distanz, Feindseligkeit ist angezeigt.

Weiter zu den Diskussionen der Zimmerkumpel: Ständiges Räsonieren darüber, was “sie” versaut haben (Doch unerwartet flicht sich bei (fast?) jedem von ihnen auch mal ein “wir” ein.) Das Schimpfen auf “sie” gleicht einer Selbstbefriedigung und –entschuldigung, jedoch hat auch jeder Tatsachen erlebt, wirklicher Mißstände. Wenn die Verantwortlichen Mißstände dulden und selbst verursachen – das untergräbt jedes Vertrauen. Und dabei kommt oftmals die Ohnmacht des Einzelnen zum Ausdruck, wirklich etwas zu verändern. Das formale, bürokratische Arbeiten ist das größte Gift für uns. Das führt bis zur Selbstzerstörung unseres Systems (VR Polen).

# Sehenden Auges in die Krise! #  

Ein Überbau, dem traditionelle Herrschaftssymbole immer wichtiger werden (die Denkmäler der Preußenzeit) und der neue Herschaftssymbole von gleicher Qualität schafft (das Denkmal Thälmannpark, Leninplatz). Nichts Neues, Befreiendes!

24. Juni 1982 - Sorgen um Angelika

Samstag, Januar 19th, 2008



[…]
Angelika gestern spät abends lud ich zu Gespräch, zu Flasche Wein ein, damit sie nicht 23:30 Uhr noch in die Nacht irrt. (Sie suchte ewig ihren Skizzenblock, wollte L. und Christine vom Zeichnen abholen.) Sie lässt sich auf kein Gespräch ein, ist von großem Misstrauen erfüllt, geht schließlich. Ich kann nicht einschlafen.[…]

0:30 Uhr rammelt L. laut die Wohnungstür zu, die Angelika angelehnt hatte. Werde davon wieder ganz munter, kriege mit, dass Angelika nicht mit zurückgekommen ist. Informiere L., dass sie sich um Georg kümmern muss. L. sagt, das Angelika sie wohl nicht angetroffen habe, da sie noch Bier trinken waren. Ich sage L., dass Angelika “verrückt ist”, dass sie “verwirrt ist”. Sie sagt, dass sie (L. und Christine) darüber auch gesprochen hätten. Wieder Wachzeit, dann höre ich Angelika kommen. (Ich hatte alle Türen aufgeschlossen.) Sie tappst auch in mein Zimmer, fragt mich, warum ich unten schlafe, lässt alle Lichter brennen.
Früh vor 6:00 Uhr geht sie mit dem weinenden Kind, dem sie seine Flasche gegeben hat, aus dem Haus, “zu Ursel”. Lege L. einen Zettel mit dieser Information hin. Auf dem Weg zur Arbeit treffe ich Angelika unschlüssig, bzw. zurückkommend. Sie wolle noch die zum Trocknen aufgehängten Sachen von Georg mitnehmen.
Abends hatten wir uns noch kurz über Georgs Geburtstag unterhalten. Sie versichert, dass er zu früh gekommen sei. Sie haben das alles schriftlich. Sie habe für so was alles Bescheinigungen.
- offensichtlich eine geistige Verwirrung im Zusammenhang mit der Niederkunft - zum Kotzen diese Weiber,
Angelika die das Kindabenteuer haben muss,
Christine in ihrer christlichen, egoistischen Hartherzigkeit,
L., die an Erdbeeren, Zeichnen, an sonstnochwas denkt, aber nicht mitkriegt, dass sie es mit einer Kranken, teilweise Unzurechnungsfähigen zu tun haben. (Schließlich sind sie schon einen Tag unter halbe Nacht mit ihr zusammen gewesen.)
Erinnerung an “die Marianne” in Wümbach steigt auf.
Geo ist ein sympathisches, munteres Baby. Unerträglich, welch brüchigem Schutz diese schutzlosen Kinder ausgeliefert sind. Hier liegt schon ein ganzes Schicksal vorgezeichnet.

Die christliche Christine - was ist denn christlich an ihrem Verhalten? Sie lebte sehr subjektiv, sehr egoistisch, hält sich aus allem heraus. Dafür liefert die Kirche ihr Erbauung und nimmt ihr das Denken ab.

Jetzt werde ich langsam kribbelig wegen der Ministerbestätigung für unsere Kollektivarbeit…..
Es hat den Tag “gekribbelt”, und nun, kurz vor Feierabend ist endlich, endlich die bestätigte Aufgabenstellung da (bestätigt ohne jede Rückfrage oder Bemerkung). Jetzt können unsere Gruppen mit vollem Recht losmarschieren, und jetzt müssen sie auch Tritt fassen. Aber noch einmal werde ich nicht so “auf Rand genäht “eine Aufgabenstellung erarbeiten. Sinnvolle Reserven müssen sein.

Die “Morgenpuppe” - eine schöne, sehr wohl geformte Frau um die 40 Jahre. Sie kommt mir oft auf dem Wege zur Straßenbahn entgegen, geht meist auf der anderen Straßenseite, blickt sich um, kurz, das ist aber nicht kontaktsuchend, sondern nur “Bewunderung heischend”. Heute fällt mir auf, als wir auf gleicher Höhe sind, dass ihre herrlichen Formen dabei sind, üppige Formen zu werden (und eines Tages vielleicht ausladenden Formen).
Die Bewunderung ihrer sexuellen Reize (und das Spiel mit ihnen) muss im Verhältnis zu einer solchen Frau doch einfach eine überragende Bedeutung bekommen.
War heute Mittag kurz im Café im Handelszentrum. Viele hübsche junge Frauen sitzen da und blicken interessiert. Immer wieder frappierend, welchen Eindruck doch moderne, schicke Kleidung macht, wie man ganz anders angesehen wird!

Sicher, in der Aktfotografie darf man alles zeigen. Aber es geht wohl darum, dass immer irgend eine (innere) Position der Frau zum Ausdruck kommt, eine Position - da stimme ich Burkhardt bei - die menschlich noch würdig ist.
Eine Darstellung völligen, willenlosen Ausgeliefertseins liegt wohl nahe am Pornographischen (und zwar gleichgültig, ob dabei “alles” sehen ist oder nicht). Auch das Sichausliefern wäre darstellbar, zum Beispiel wenn es Ausdruck leidenschaftlicher Hingabe ist. Oder auch Ausliefern der intimsten Körperteile an die Kamera aus einer Neugierde heraus, aus dem Spiel mit diesem Mysterium, aus dem Wagen und so weiter. In solcher Stellung wird vielleicht der Blick der Frau die Schranke vor dem Pornographischen sein. Anders dieselbe Stellung, wenn ihr Sinn darin besteht, der Frau Profit zu bringen aus ihrem Verkauf - das ist wohl wieder anrüchig. (Obwohl wahrscheinlich das Motiv sich zu verkaufen oft gekoppelt ist mit dem Stolz auf den eigenen schönen Körper.)

Schon immer liebte Angelika das Spiel mit dem Paradoxen. Nun sind die Paradoxien dabei, sie beherrschen zu wollen. Etwa sehr Egenartiges haben solche Menschen, die zum Teil in der normalen und zum Teil in einer “verrückten” Welt leben.
Individuen, die aus dem Realen flüchten, nicht die Kraft haben, sich darin zu halten, die dafür keine Antriebe haben. Woher kommen die Antriebe?

820624-1.jpg

820624-2.jpg

08. Mai 1982 - Individualität - Moralität - Asozialität (?)

Samstag, November 10th, 2007



[…]
Im Individuum liegt letztlich keine Wahrheit. Was liegt in ihm? - Rohmaterial, Rohstoff. Was sagen Philosophie, Ökonomie zur Bedeutung des Rohstoffs (Arbeitsgegenstand)?
Ich höre im Rundfunk “Rock für den Frieden”, bin ergriffen, möchte vereint sein in dieser Schar.
Wohin führt es mich, wenn ich rücksichtslos meiner Individualität nachgehe (und das habe ich vor, im sexuellen Bereich)? Es führt mich zu etwas, was landläufig mit Pornografie zu bezeichnen wäre. (?) Aktstudien, die meinen Wünschen entsprächen, würden Geilheit ausdrücken und steigern. Die Praxis mußte es zeigen. Mit der entsprechenden Partnerin würde ich in einen Furor der Schamlosigkeit verfallen. Schamlosigkeit, Geilheit als Selbstzweck - nicht als Moment glühender Leidenschaft.
(Doch vielleicht könnte mich solche Partnerin restlos fesseln.

b820508-1.jpg

Was brauche ich von der Frau? Erst heute, mit 41 Jahren, tappe ich mich langsam an die Antwort heran. (Habe Frauen bisher immer nach der Illusion erwählt, die ich von mir hatte.) Brauche wahrscheinlich eine Frau, die (u. a.) eine große natürliche Vulgarität hat. Daher die süße Schärfe bei Hegrü, weil wir uns in unserer Vulgarität treffen. (Als sie vor dem Rundfunk hockte und ich von hinten an sie herantrat, ihre Brüste packte und mein hartes Glied an ihre Schultern und ihren Nacken preßte, sie gleichsam besteigend, während sie ihren Kopf in den Nacken legte…, alles bekleidet!)
Auch K. O. hätte ich, wäre ich schon damals mir meines innersten Wunsches bewusst gewesen, sofort, schon in der ersten Minute vorgenommen. Nicht erst nach einem Imbiß. (Sie war darauf eingestellt.)
Was wird mir die Befriedigung dieser Wünsche geben? Ist es die Befriedigung meiner Asozialität? Ich will Verantwortung in der Gesellschaft tragen (und zwar aus aktuellen Gründen mehr als bisher), doch wie ist das mit obiger Befriedigung zu vereinbaren?

Ich werde zum Kader-Direktor “ja” sagen.
L.:”Na, dann Gute Nacht. Das ist doch ein Kackposten, wo Du Dich totläufst und nichts zuwege bringst.”
Der Hauptgrund ist: Ich traue es mir zu, wenn ich mich voll fordere, und das will ich. Der zweite Hauptgrund ist politisch-moralisch: Ich will meine ganze Kraft der Republik in dieser Zeit geben (meine doch nun wirklich gebildete und angereicherte Individualität ganz in diese Waagschale werfen), gerade, weil so viele “kostbare Individualitäten” sich in Freiräume zurückzuziehen versuchen. Im Grunde ist das eine Prinzipentscheidung gegen L.s Lebensweise, ein Fehdehandschuh.[…]
Ich will Lehrgeld zahlen aber ich bin überzeugt, daß ich es schaffen werde.

b820507-4.jpg
[…]
Strittmatter (Erwin): “Der Sinn meines Lebens besteht darin, hinter den Sinn meines Lebens zu kommen.”

Frauen wollen Männer besitzen - K. O., Hepa, Marita - ein Greuel!
Das Zwangsverhalten vieler Menschen! Zwanghaftes im eigenen Verhalten. Das wird mir jetzt krass bewusst, da ich vom Goethe-Abend von “Karls Enkel” komme.

# Ich bin verwundert, daß ich im Web (nach zugegeben oberflächlicher Recherche) über dieses wunderbare Liedertheater fast nichts finde. Auch Wikipedia kennt es nicht. Da müßte jemand sich wirklich mal die Zeit nehmen, festzuhalten, was nicht vergessen werden darf. Ich sage nur: Letztes aus der Da Da eR. Hier aber ist doch ein lesenswerter Beitrag von Lutz Kirchenwitz #

b820508-2.jpg

“Dahin! Dahin!” ist sein Titel. (Daß das auch hinweisend “Da hin!” verstanden werden kann, hab ich in meiner Phantasielosigkeit nicht gespürt, erst im Programmverlauf mitgekriegt) Goethe, der immer, so alt er auch wurde, fähig war, für Schönheit und Liebe zu entflammen.
Das ist es, was ich Gefahr laufe zu verlieren - das Edle in mir soweit zurücknehmen, daß es nicht mehr zu Tage treten kann. Oder muß ich meinen Rohstoff ganz nackt zu Tage fördern, um überhaupt erst das Mögliche aus ihm machen zu können? (Derartige Fragen sind nicht bloß rhetorisch, dennoch sind sie nicht frei gestellt. Trotz dieser Fragen muß ich mich - nach meiner individuellen Logik - jetzt so verhalten.)

Ein Geist ist auch so schön, wie er fähig ist, sich bezaubern zu lassen. Daher war Goethe “Olympier”, daher ist L. schön. Ich bin mehr ein “Wagner”, ich überzeuge mich erst davon, daß der Zauber sich meiner bemächtigen darf. (Doch bin ich nicht, Gott sei Dank, ganz und gar “Wagner”. Ich habe einen Funken, der mich auch das Andere ahnen läßt (und bin zugleich immer dem Dumpfen verbunden). (Ich fühle mich wohl in feuchter, dumpfer Wärme, im Russisch-Römischen Bad.)
[…]

b820508-5.jpg

b820508-4.jpg

06. Mai 1982 - Pornografie

Freitag, November 9th, 2007



[…]
Ich spüre wieder das Gefühl der Erschöpfung. Möchte gerne im Protokollbuch schreiben, doch fehlt mir oft die Kraft. In dieser Situation neigen ich dazu, mich an Bildern zur ergötzen und sie hier einzukleben. Agieren auf der Bildebene als Ersatz für geistiges Durchdringen!

Wenn ich (hinsichtlich meines Aktinteresses) mit aller Konsequenz das realisierte, was mir Vergnügen macht (und ich will es tun), was kommt dann heraus? Was ist Pornografie?
“Entlarve” ich mich dann selbst als partiell asozial? Gibt es eine Abstufung von Handlungen -
a, die öffentlich sein können,
b, die in vertrauten Kreisen sein können,
c, die nur in absoluter Intimität sein dürfen?
(Gibt es etwas, was nur gedacht wird, aber nicht einmal gedacht werden darf?)
Das Gran Asozialität in jedem menschlichen (weil biologischen) Individuum!
Diese Fragestellungen haben für mich besondere Brisanz, weil ich sie alle mit dem Gefühl eines Kaderdirektors in spe schreibe.

[…]
Selbstbefriedigung vorm Einschlafen aus einer Art Unlust heraus, einer Art Mutwillen, weil ich weder Reri, wie erwartet, noch Marita ohne weiteres (willenlos) in meinen “Harem” eingliedern kann. Geht es mir darum, mich völlig willkürlich der Frauen, immer neuer Frauen, zu meinem Genuß bedienen zu können?

Voller Vergnügen lese ich in der “Griechischen Anthologie”, auch jetzt, womit ich das Protokollieren abbreche.

b820506.jpg