08. Mai 1982 - Individualität - Moralität - Asozialität (?)
Samstag, November 10th, 2007
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Im Individuum liegt letztlich keine Wahrheit. Was liegt in ihm? - Rohmaterial, Rohstoff. Was sagen Philosophie, Ökonomie zur Bedeutung des Rohstoffs (Arbeitsgegenstand)?
Ich höre im Rundfunk “Rock für den Frieden”, bin ergriffen, möchte vereint sein in dieser Schar.
Wohin führt es mich, wenn ich rücksichtslos meiner Individualität nachgehe (und das habe ich vor, im sexuellen Bereich)? Es führt mich zu etwas, was landläufig mit Pornografie zu bezeichnen wäre. (?) Aktstudien, die meinen Wünschen entsprächen, würden Geilheit ausdrücken und steigern. Die Praxis mußte es zeigen. Mit der entsprechenden Partnerin würde ich in einen Furor der Schamlosigkeit verfallen. Schamlosigkeit, Geilheit als Selbstzweck - nicht als Moment glühender Leidenschaft.
(Doch vielleicht könnte mich solche Partnerin restlos fesseln.
Was brauche ich von der Frau? Erst heute, mit 41 Jahren, tappe ich mich langsam an die Antwort heran. (Habe Frauen bisher immer nach der Illusion erwählt, die ich von mir hatte.) Brauche wahrscheinlich eine Frau, die (u. a.) eine große natürliche Vulgarität hat. Daher die süße Schärfe bei Hegrü, weil wir uns in unserer Vulgarität treffen. (Als sie vor dem Rundfunk hockte und ich von hinten an sie herantrat, ihre Brüste packte und mein hartes Glied an ihre Schultern und ihren Nacken preßte, sie gleichsam besteigend, während sie ihren Kopf in den Nacken legte…, alles bekleidet!)
Auch K. O. hätte ich, wäre ich schon damals mir meines innersten Wunsches bewusst gewesen, sofort, schon in der ersten Minute vorgenommen. Nicht erst nach einem Imbiß. (Sie war darauf eingestellt.)
Was wird mir die Befriedigung dieser Wünsche geben? Ist es die Befriedigung meiner Asozialität? Ich will Verantwortung in der Gesellschaft tragen (und zwar aus aktuellen Gründen mehr als bisher), doch wie ist das mit obiger Befriedigung zu vereinbaren?
Ich werde zum Kader-Direktor “ja” sagen.
L.:”Na, dann Gute Nacht. Das ist doch ein Kackposten, wo Du Dich totläufst und nichts zuwege bringst.”
Der Hauptgrund ist: Ich traue es mir zu, wenn ich mich voll fordere, und das will ich. Der zweite Hauptgrund ist politisch-moralisch: Ich will meine ganze Kraft der Republik in dieser Zeit geben (meine doch nun wirklich gebildete und angereicherte Individualität ganz in diese Waagschale werfen), gerade, weil so viele “kostbare Individualitäten” sich in Freiräume zurückzuziehen versuchen. Im Grunde ist das eine Prinzipentscheidung gegen L.s Lebensweise, ein Fehdehandschuh.[…]
Ich will Lehrgeld zahlen aber ich bin überzeugt, daß ich es schaffen werde.

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Strittmatter (Erwin): “Der Sinn meines Lebens besteht darin, hinter den Sinn meines Lebens zu kommen.”
Frauen wollen Männer besitzen - K. O., Hepa, Marita - ein Greuel!
Das Zwangsverhalten vieler Menschen! Zwanghaftes im eigenen Verhalten. Das wird mir jetzt krass bewusst, da ich vom Goethe-Abend von “Karls Enkel” komme.
# Ich bin verwundert, daß ich im Web (nach zugegeben oberflächlicher Recherche) über dieses wunderbare Liedertheater fast nichts finde. Auch Wikipedia kennt es nicht. Da müßte jemand sich wirklich mal die Zeit nehmen, festzuhalten, was nicht vergessen werden darf. Ich sage nur: Letztes aus der Da Da eR. Hier aber ist doch ein lesenswerter Beitrag von Lutz Kirchenwitz #
“Dahin! Dahin!” ist sein Titel. (Daß das auch hinweisend “Da hin!” verstanden werden kann, hab ich in meiner Phantasielosigkeit nicht gespürt, erst im Programmverlauf mitgekriegt) Goethe, der immer, so alt er auch wurde, fähig war, für Schönheit und Liebe zu entflammen.
Das ist es, was ich Gefahr laufe zu verlieren - das Edle in mir soweit zurücknehmen, daß es nicht mehr zu Tage treten kann. Oder muß ich meinen Rohstoff ganz nackt zu Tage fördern, um überhaupt erst das Mögliche aus ihm machen zu können? (Derartige Fragen sind nicht bloß rhetorisch, dennoch sind sie nicht frei gestellt. Trotz dieser Fragen muß ich mich - nach meiner individuellen Logik - jetzt so verhalten.)
Ein Geist ist auch so schön, wie er fähig ist, sich bezaubern zu lassen. Daher war Goethe “Olympier”, daher ist L. schön. Ich bin mehr ein “Wagner”, ich überzeuge mich erst davon, daß der Zauber sich meiner bemächtigen darf. (Doch bin ich nicht, Gott sei Dank, ganz und gar “Wagner”. Ich habe einen Funken, der mich auch das Andere ahnen läßt (und bin zugleich immer dem Dumpfen verbunden). (Ich fühle mich wohl in feuchter, dumpfer Wärme, im Russisch-Römischen Bad.)
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