Archive for the ‘Sex’ Category

08. Dezember 1989 - Kultur in Westberlin

Dienstag, Dezember 8th, 2009

In meiner Aktivitätsstatistik neue Kategorie 5.60 einführen: “Besuch von West-Kulturveranstalungen”?

Letzter Arbeitstag im Broiler-Lager.

Nachmittags nach WB. Sehr schöner Egon Schiele-Kalender für C. Und Sexfilm „Emanuelle 5“ - hat mich kurzzeitig animiert aber dann gelangweilt.

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Abends lange Fernsehen vom außerordentlichen SED-Parteitag.

Spätes Schlafen.

22. November 1989 - erster Besuch in Westberlin

Sonntag, November 22nd, 2009

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Heute war die Arbeit ausgesprochen schwer. Auch A. und R. sagen, daß sie schwer arbeiten. # Auch meine Kolleginnen A. und R. leisteten irgendwo “sozialistische Hilfe”. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wo sie eingesetzt waren. #

Wegen der Schwere entschloß ich mich, nicht zum Kreisausschuß der Nationalen Front zu gehen. Vernünftige Gespräche mit den Kollegen auf Arbeit.

Hab’ übrigens gestern die Aktivitätsklasse “1.17 A5″ eingeführt, für (schwere) körperliche Arbeit. Desgleichen “1.14 Sq” - Ausdruck für sinnloses Warten. Sq - “Bedürfniskomplex” Sinnlosigkeit.

# Hier ausnahmsweise einmal ein Hinweis auf meine laufende statistische Erfassung von Zeit- und Geldaufwendungen für Aktivitäten und Bedürfnisse. Diese lief kontinuierlich neben dem Tagebuchschreiben einher. Wie früher bereits erwähnt, habe ich die Auswertung dieser Daten “auf Eis gelegt”. #

In der Kaufhalle hängt unsere WBA-Information nicht. Kiwitz # der Kaufhallenleiter # sagt, daß es bei seinen Kollegen dazu “einen Proteststurm” gegeben habe. Ich dränge. Sie wollen unsere Information zusammen mit einer Stellungnahme von ihnen aufhängen - bis zum Wochenende.

# Gestern in Westberlin:#  Einen Falt-Taschenplan von Berlin habe ich nicht bekommen – ausverkauft. Nähe Chausseestr.-Übergang falle ich unvermutet in einen Sex-Shop. Ja, das ist die kapitalistische Freiheit, die Befreiung des Einzelnen ohne Würde des Menschen. 

Wenn der Sozialismus die Freiheit des Einzelnen mit der menschlichen Würde verbinden könnte!

Mit mehr Freude sehe ich mir einige erotische Zeitschriften bzw. Herrenmagazine an. Jedoch, die Substanz dieser Freiheit bleibt ärmlich. Auf dem Rückweg in der Bernauer Str. an einem Haus:

Die Freiheit, die sie meinen, ist die der Deutschen Bank. DDR-ler lasst euch nicht kaufen.“

Tief beeindruckend - der Blick von einer Aussichtsplattform über die Mauer in den Osten. Das ist das entlarvendste Bild von uns, das wir ihnen seit Jahren geliefert haben. (Der stalinistische Sozialismus hat den Imperialismus stabilisiert.)

19.November 1989 - Zäsuren

Freitag, November 20th, 2009

Wofür muß ich mich schämen?

- jahrelang gutes Geld eingesteckt zu haben, ohne dafür ausreichend zu leisten

- die Familienbande nach Coburg skrupellos gekappt zu haben

- in meiner parteikritischen Position nicht radikal genug gewesen zu sein

- die ganze Macht der Wünsche des Volks nicht gekannt zu haben

- zuwenig “Ich” gewesen, zuviel geglaubt.( Auch jetzt muß ich mich immer vor zu schnellem Glauben hüten, so z. B., wenn die neue Qualität unserer Presse behauptet wird.)

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Wenn ich sonnabends arbeiten gehe, # die freiwillige Arbeit, vergl. Eintrag vom 15.11. # so auch aus Reue.

Der Marxismus hat das Problem der Gewalt und der Dialektik von Gewalt/Gewaltlosigkeit nicht tief genug erfaßt. 

Meine Position ist eine der Identifikation mit meiner Partei. C.s Position konzentriert sich auf Reflexion. Ich weiß bei allen Wirrnissen ziemlich sicher, woran ich glaube (und wußte es immer). C. glaubt an fast nichts (Sie glaubt an Schmerz und an Schrecken.)

Aus dieser Position handle ich (WBA, jetzt die freiwillige Arbeit). Sie handelt höchstens mir zuliebe (WBA) bzw. gar nicht. (Vergleiche das mit den Handlungsbedürfnissen von Frau Lathan, Frau Kluge.) (Oder sie muß das freie Handeln auch erst lernen? Ihr Vorschlag mit der Kaufhallenöffentlichkeit ist originär. Er bringt ein Teilstück in diesen kleinen demokratischen Prozeß, das unbedingt nötig war, auf das aber kein anderer gekommen war. Danach wollte sie wieder beobachten. “Ich bin gespannt…” Ich:”Kiwitz # der Kaufhallenleiter # wird erst etwas ‘raushängen, wenn ich die zusammenfassende Information geliefert habe. An mir liegt es.” Das hat sie dann auch begriffen und mir beim Fertigstellen dieser Information geholfen.)

(So führt die etwas genauere Betrachtung dieser Vorgänge zu dem Schluß, daß sie doch handelte und lernfähig war.)

Sie ist theoretisch weniger nachdrücklich auf eine Weiterentwicklung des Sozialismus orientiert. Meine Hinweise z. B. auf Jakowlew # Lektüre # greift sie nicht auf. Mehr interessiert sie die Weiterentwicklung der Demokratie schlechthin. Möglicherweise habe ich noch Illusionen über die Qualität der SED.

Die Divergenzen mit C. würden an sich ein freundschaftliches Verhältnis nicht ausschließen. Vielleicht schließen sie aber die Lebensgemeinschaft aus. Liebesbeziehung lebt auch von unmittelbarer emotionaler Gewißheit des Anderen, richtiger gesagt - Geborgenheit.

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So geht dies Buch mit einer Zäsur zu Ende. Zäsur auch in der Arbeit, da ich ab Montag # d.i. morgen # Broiler ausfahre. Als nächstes gilt es, den Entwurf eines ZF-Konzepts auf den Tisch zu legen.

# Damit, am 19.11.1989, endet der Band 34 meiner Tagebücher, der mit dem 11.7.1989 begonnen hatte. Es folgt ab morgen die Abschrift meiner Eintragungen des Bandes 35, beginnend mit dem 20.11.1989. Einige Überlegungen aus heutiger Sicht zu den Ereignissen des Bandes 34 habe ich in meinem opablog gepostet.

Zum Abschluß des Bandes 34 dokumentiere ich die ersten beiden Umschlagseiten von Heft 46/89 der Zeitschrift “Neue Zeit”, Moskau.#

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10. Oktober 1989 - vergessenes “ich” in turbulenter Zeit

Sonntag, Oktober 18th, 2009

Das ND hat heute zwei Seiten voller Meldungen und Stellungnahmen gegen Randalierer - aber dabei gleichzeitig auch Meinungen, die zum Dialog aufrufen, über alles, was uns stört, Dialog mit Einsichtigen (die auf die Straße gegangen waren - Anzeichen erster vorsichtiger Differenzierung).

Doch auch dieses bringt die Tageszeitung:

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Honecker gleichzeitig beriet sich mit Delegation der VR China (!) - höchstes Einvernehmen. Im übrigen empfängt er arabische Gäste.

Die soeben gekaufte “Fotografie” 10/89 enthält nicht weniger als … Honeckerfotos, eine ganze Serie zur Geschichte der Arbeiterbewegung und weitere Politbilder; erfreulicherweise auch diese starke Nackte.

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C. ist nun den zweiten Abend weg. Ich genieße es, Ruhe und Zeit zu haben. Stelle fest, daß ich des Nachsinnens über mich entwöhnt bin.

Habe frühere Protokollbände neu gesichtet, mich an Bildern nackter Frauen delektiert. Habe kein Begehren nach C. aber Lust auf Abenteuer (jedoch keinen ausreichenden Antrieb dafür). Erwarte voller Vorfreude die heutige späte Fernsehsendung “Der Pornojäger”. Meine derzeitige Beschäftigung mit dem Thema “Ficken” hat etwas von der schwächlichen Art eines alten Mannes.

Das Durchblättern der Protokollbände gibt mir doch den Eindruck, als sei da eine ganze Menge (Liebes-)Leben aufgehäuft. Ich sehe mich als einen Naiven, der sich immer mit der “Philosophie” auch noch der banalsten Liebelei beschäftigte. Das schlichte, gekonnte Lustficken war bis zuletzt nicht meine Sache. Würde ohne C. (d.h. allein) ein Techniker der Lüsternheit werden.

Bin in letzter Zeit nicht gerade gut zu C. Bin nicht herzlich, bin angestrengt. Warum?

08. Oktober 1989 – Gethsemanekirche

Sonntag, Oktober 18th, 2009


C. und ich gehen abends von ihrer Wohnung # Erich Weinert Str.# nach Hause # zum Arkonaplatz. # Wir kommen dabei in der Nähe der Gethsemanekirche vorbei.

# Wir sehen eine Menge Polizeimannschaftswagen, denken uns aber nichts weiter dabei..#

Abends lesen wir Sowjetliteratur. Später Sondersendung im Westfernsehen. Polemik zwischen uns, Sekt (mit zwei verschiedenen Toasten), Erotik, jedoch kein Sex.

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17. September 1989 – Sexfotos

Samstag, Oktober 17th, 2009

Am Freitag ein Brief von H. Gross # mein Lieferant “pikanter” Fotos #, mit diesen Angeboten:

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24. Juli 1989 – “Kohlenkutte”

Donnerstag, Oktober 15th, 2009


Abends “Kohlenkutte”. Drastische Szenen (Selbstbefiedigung). Danach und nach schwarzem Tee kann ich abends nicht einschlafen.

# Ganz interessant damals (finde ich aber erst heute) Rolf Schneider im “Spiegel” zu “Kohlenkutte”.#

polnisches Requiem” von Penderezki,

Verteidigung der Kollektivarbeit des 44. Lehrgangs, erfolgreich.

Morgen langer Tag mit Vorlesung Graichen (“Materialökonomie”).

12. April 1989 - zwei Filme von Krzysztof Kieslowski

Sonntag, Juni 7th, 2009

Mit C. im Fischrestaurant, dann spazieren und noch in der Eisbar.

Schließlich 3 1/2 Stunden Film bei den Polen. 890412p1010040.jpg

Der erste Film ist recht gut: Zum Problem der alltäglichen Gewalt, des brutalen Verbrechens und der Menschlichkeit des Verbrechers. (Erinnert an den sowjetischen Dokfilm über den Doppelmörder.)

Der zweite Film war mehr ein Salonstück: Der Zusammenprall des Liebenden mit der Nichtliebenden - es war aber dieser Ansatz nicht groß genug bewältigt. Sexuell animierend die Szene, als sie - nackt unter ihrem Kittel - mit gespreizten Beinen vor ihm auf den Füßen hockt. Er streichelt schüchtern ihre Knie und Schenkel und wandert furchtsam, zögerndmit seinen Händen zur Mitte. Sie sagt, daß sie da drinnen feucht sei. Der suggestive Moment: Ihr die Hand auf die geöffnete feuchte Votze zu legen. Oder sie in dieser Haltung vorsichtig auf den Rücken legen und mit der Zunge eindringen. Für ihn - 19-jährig- der unübersteigbare Punkt.

 

04./05. März 1989 - Rückblick 1951

Freitag, März 13th, 2009

Der 44. Lehrgang ist gut angelaufen, die erste PC-Abend-Veranstaltung bei ZF.

Nach Skaby raus. Lange geschlafen - der Streß der Woche. Schnittarbeiten am Skaby-Weinstock, Fenterputzen.

Abends versucht mit C. “Die Kommissarin” # bedeutender sowjetischer Film #, ist aber ausverkauft. Zurück: Gelesen in “Budapester Rundschau” und Polemik dazu.

Halsschmerzen.

Gutes, bestes Verhältnis zwischen uns, schon seit langem.

dokumentiert: “Sonntag” 10/89

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# Ein Auszug aus der Wochenzeitung des Kulturbundes (einst auf Initiative von Johannes R. Becher gegründet). Diese kulturpolitische Zeitung hat nach dem Untergang der DDR als “Freitag” überlebt. Kürzlich in den Besitz von Herrn Augstein jr. übergegangen, ist sie gerade in Verwandlung begriffen.

Der hier reproduzierte Auszug bringt einige historische Fakten von 1951, der Zeit der Formalismusdiskussion in der DDR, also der - sage ich verkürzt -stalinistischen Phase der Kulturpolitik der SED. Ich erinnere mich, daß mich damals bei ruhigem Lesen verwundert hatte, welch bedeutende künstlerische Leistungen in dieser Zeit, 1951, vollbracht wurden. Um welchen Preis?

Die Oper von Brecht/Dessau “Die Verurteilung des Lukullus” ist ein grandioses Werk. Wolfgang Staudtes Film “Der Untertan” ist, ebenso wie Heinrich Manns Roman, einfach wunderbar. Ich bekenne es den Heutigen, den Nachgeborenen - solche Werke tief in sich aufgenommen zu haben, das gehört maßgeblich zu meiner DDR-Identität.

Das erwähnte “Hochhaus an der Weberwiese” war ein populärer Neubau im Hinterland der Stalinallee. Noch im Ohr ist mir ein flotter Schlager: “Was ist den an der Weberwiese los, dort steht ein Haus ganz riesengroß…” Eines Nachts, Ende der 60-er Jahre, habe ich im Schatten des Hochhauses an der Weberwiese (ich bin geschwätzig) zum ersten Mal meine Frau betrogen. #

 

07. Februar 1989 - Karneval in Wasungen

Dienstag, März 10th, 2009

In “Gesellschaftswissenschaften” 4/88 u.a. guter Artikel von Abalkin (über die historischen Erfahrungen der sozialistischen Wirtschaft) und Jonin über “Die Reue”

# Der Film “Die Reue” des georgischen Regisseurs Tengis Abuladse war damals eine der schärfsten und zugleich künstlerisch bedeutsamsten Abrechnungen mit dem Stalinismus. Natürlich wurde er in der DDR nicht gezeigt. Etwas später wurde er im Westfernsehen gebracht. Man sagte, daß Schewardnadse als georgischer Parteichef den Film ermöglicht habe. Ergo baute ich auf Sch. und war lange nicht fähig, seine Deutschlandpolitik zu verstehen. Ein “schönes” Beispiel, wie Informationsmangel mich manchmal zu einer erstaunlichen Klein-Fritzchen-Sicht führte. #

Fernsehberichte, gefahrvolle Situation in Afghanistan im Moment des Abzugs der sowjetischen Truppen.

 Gestern Rosenmontag mit Heide im “Thüringer Hof”, “Wasunger Tor”, “Ratskeller”, “Bären”, “Erholung”, “Paradies”, wieder “Bären”, dann ging ich endlich. Zu Hause lese ich noch 2 Stunden “Magazin”. Eine erotische Spannung stellt sich aber nicht (mehr) ein.

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Blick auf W.s Rosemarie, das Weibchen. Als ich nachmittags zu ihnen reinkomme, um den Fernseher zu holen, schlafen sie, tief in Kissen vergraben. Das Weibchen, schlaftrunken ermuntert sich und deckt ihr ganzes Bein bis zur Hüfte auf. (Sie hat ein schwarzes Strumpfhösel an.)