Archive for the ‘Stasi’ Category

22. Januar 1990 – Die große Niederlage. Wie ist ein Neuanfang möglich?

Montag, Dezember 5th, 2011

# Nachstehender Artikel von Prof. Werner Gilde, Direktor des ZIS “Zentralinstitut für Schweißtechnik”, Halle. Prof Gilde war eine ingeniertechnische und darüber hinaus intellektuelle Autorität in der DDR. Sogar Wikipedia kennt ihn heute! #

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Gestern mit F. und C. in dem schönen Film „Die unendliche Geschichte“

Heute 5 Stunden „Runder Tisch“ während der Arbeit gehört.

Ich entwerfe ein Flugblatt für meine WPO, für die PDS, gegen die SED.

Mit C. im Dokfilm „Unsere Kinder“. Vorher im „Alten Schönhauser“ Tischgespräch mitgehört von einem, der am Montagssturm auf das Stasigebäude dabei war. Er habe dort nur Ruhe und Ordnung gesehen, keine Ausschreitungen, „vielleicht ist da mal ein Schränkchen aus dem Fenster geflogen“. Mit C. hinterher Streit darüber. Ich sage: „Wenn erst einer aufgehängt wird, dann werden auch tausende im Land bezeugen, dass dort, wo sie waren, völlige Ruhe herrschte.“ Dazu erbitterte Polemik zwischen uns. Ablehnung dieser Denkweise durch C.

 Ernst bewegt hat mich an diesem Tag nebenstehende Kohl-Erklärung: 900122-2.jpg

Das heißt Einverleibung der DDR in ein NATO-Bundesdeutschland! So der Klartext, der nicht ins öffentliche Bewusstsein - wenn es so etwas überhaupt gibt - dringt. Der deutschnationale Alleingang wird für ernstzunehmende BRD-Kräfte eine reale Möglichkeit! Die Perestroika hat eine ganze Zeitetappe innerer tiefgreifender Spannungen und Umbrüche vor sich. Die Sowjetunion wird so geschwächt werden, dass ihre Rolle als Weltmacht in Frage steht. Das kalkuliert das deutsche Großkapital kühl ein. 

# in Wirklichkeit war die Perestroika bereits tot bzw. sie war selbst der Untergangsprozeß der SU. Wie ich doch Grundzusammenhänge nicht gesehen habe! #

 

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Berghofers Austritt ist ein ernster und niederträchtiger Schlag gegen die SED. Der PDS mangelnde Erneuerung vorzuwerfen und zugleich dagegen „sozialdemokratische Programmatik“ zu unterstützen, ist ein Widerspruch in sich. Die Programmatik der PDS ist ja gerade ihre Stärke. Von ihr braucht man sich nicht abzugrenzen. Für ihre Realisierung hätten diese Exgenossen ja verantwortlich in der Zentrale wirken sollen, statt sich nach Dresden zu verkriechen.

Am Wochenende Statut und Programm der SPD aufmerksam gelesen. Jedem wird alles versprochen! Keine Präzision! Besonders wird jede Klarheit in der Frage des Eigentums vermieden. Man sei für „gemeinwirtschaftliches Eigentum“ – kein Mensch kann damit eine klare Vorstellung verbinden - behaupte ich. Ebenso zur Souveränität der DDR. Und völlig ernüchternd im Statut: die Unabhängigkeit der oberen Parteiorgane von der Parteibasis! Da lassen die alten erfahrenen Parteistrategen der SPD „keine Luft“ ran.

SPD - eine Partei, die die Reform dogmatisiert.

Kommunisten – eine Partei, die die Revolution dogmatisiert.

Gebraucht wird eine Partei, die immer das Nötige machen kann, - einmal die Reform, dann die Revolution, dann wieder die Reform… Eine solche, wirklich sozialistische Partei gibt es nicht.

So war das Wochenende von schweren Gedanken erfüllt. Und es scheint, dass wir zwar einen Ministerpräsidenten haben, der sich bravourös schlägt, aber keinen Parteiführer, der der Härte dieses politischen Kampfes gewachsen ist.

Ich entschließe mich, ein PDS-Flugblatt für unsere WPO zu entwerfen (angeregt durch ein Flugblatt in der Mensa).

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 Ich denke: Man kann sich nicht aus einer Partei verabschieden, ohne für sie wirklich gekämpft zu haben. (Viel gehen jetzt noch schnell klammheimlich, Nasdala z. B. wittert nach allen Seiten, wann denn nun sein günstigster Absprungtermin ist.) 900122-4.jpg

Und einige haben die Illusion, nun flugs eine neue KPD zu gründen. Solche Narren! Als ob man dadurch die Vergangenheit loswerden kann. Keiner nimmt uns ab, all unsere Irrwege wirklich bis zum tiefsten Grund aufzuarbeiten. Das haben wir noch nicht geleistet. Danach wird – so bin ich überzeugt – ein Neuanfang möglich.

 # Der Übergang zu sozialdemokratische Positionen ist der Versuch derer, die dazu nicht fähig sind, gründlich  zu sein. #

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15. Januar 1990 – Tag des „Sturms auf die Stasizentrale“

Mittwoch, November 30th, 2011

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Soeben, in der Frühstückspause gehört, daß Modrow eine Stunde Zeit für den Runden Tisch hatte, seine Erklärung gehört.

Das ist ein Schritt, der uns weiterbringt!

Ich bin mit der Planungsarbeit für die nächste künftige zeit unserer Einrichtung beschäftigt.

Übrigens bei der gestrigen LL-Demo in Friedrichsfelde fiel uns eine Gruppe junger, sehr kurz geschorener Uniformierter mit den roten Barreten der Luftlandetruppen auf.

Übrigens beeindruckt von dem Artikel in Sonntag 2/90 “Mach das Brett auf”  (mein Zeitungsarchiv)

Abends überrascht von den Fernsehnachrichten der Ausschreitungen am Gebäude der Stasi in der Normannenstr. Fernsehdiskussion dazu, aus der mir noch einmal klar, wie gefährlich eng verknüpft Gewalt gegen Sachen mit der Gewalt gegen Personen ist. Danach sehr scharfe Auseinandersetzung mit C. zu diesen Vorgängen. Sie sagte, sie habe ursprünglich auch dorthin gehen wollen. Ich sagte (habe dabei im Auge, dass sie nicht zur LL-Demo gegangen war), sie müsse sich überlegen, wofür sie auf die Straße gehe.

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10. Januar 1990 - Der Untergang und Versuche etwas dagegen zu tun

Sonntag, November 27th, 2011

Gestern „Out of Rosenheim“ mit C. Schöne Einfälle in diesem Film – die gute Idee nicht durchgestanden. Auf dem Rückweg treffen wir Schillack vom WBA, der (leicht angetrunken?) mitteilt, dass seine Ortsparteiorganisation (LDPD) sich jetzt voll auf die Entmachtung der SED-PDS konzentrieren werde. C. spricht mit ihm. Ich bin von dem Blödmann momentan zu verletzt als dass ich klug reagieren könnte.

Gysi sagte heute im ND, dass unser Wahlkampf allein von Sachkunde und Kompetenz getragen sein dürfte. „Andere versuchen, uns nicht im Wahlkampf zu schlagen, sondern uns zu vernichten:“ 

In einem Fernsehgespräch letzten Sonntag überlegte ein Kirchenvertreter (Leich oder Lotz?), dass die Schmierereien am Treptower Ehrenmal auch von der Stasi angestellt sein könnten. Am Montag im Porträt per Telefon darauf angesprochen, distanzierte sich Krusche nicht von dieser Vermutung! Dies gut merken zum Thema Seriosität solcher Kirchenvertreter. (Wobei ich mir wohl bewusst bin, dass auch solche Handlungsweise von Stasikräften nicht unmöglich ist. Aber von da bis zur Äußerung eines solchen konkreten und konkret völlig unbegründeten Verdachts in der Öffentlichkeit sollte eigentlich ein politisch weiter Weg sein.)

Ist das eigentliche Verbrechen der Honecker und Co. nicht Hochverrat?

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Goldmünzen – welchen Abgrund solche Details offenbaren! 

Heute Abend ist WPO – vorbereitende Versammlung. Auf in den Kampf für eine neue SED-PDS!

„Juvenilmeer„ von Platonow. 

Hab mich bei der Plattform „3. Weg“ angemeldet.

Erste Gedanken, allererste, zur Installierung (Wahl) eines Bürgerrates auf Wahlkreisebene (die Gemeindevertretung in der Stadt).

15. Dezember 1989 - Eppelmann jetzt offen antisozialistisch

Dienstag, November 22nd, 2011

Gestern WBA-Sitzung.

Das „Neue Forum“ hat uns versetzt.

Kerstin brachte die Nachricht mit, daß der Kaufhallenaushang seit gestern angebracht worden sei. Wir sprachen über Sorgen der Gegenwart. Sie erzählte, daß in ihrem Heimatkreis das Amt für Staatssicherheit faktisch gestürmt worden sei. Mit Rufen, wie: „Hängt sie auf, die Schweine!“ Die das taten seien ganz negative Elemente gewesen. Ich fragte sie, wie sie die SED gegenwärtig sehe, und sie sagte: “Wenn jetzt Wahlen wären, würde ich SED wählen.“

Gestern im Fernsehen Eppelmann, der sich noch zu Weihnachten den Sturz der Regierung Modrow wünscht, und ein anderer Vertreter des „DA“, der nun ihre Forderung des Sozialismus außer Kraft setzt – mir scheint hier kommt der Pferdefuß des Demagogen und Konjunkturpolitikers deutlich zum Vorschein.

Der Wahlkampf hat begonnen und hier sehe ich Ansatzpunkte, um in die Offensive zu gehen. Das können wir aber nur, wenn die innere Reinigung der Partei schnell weitergeht

# Der folgende Zeitungsausschnitt aus der Zeitung der DDR-CDU “Neue Zeit” berichtet von der Untersuchung der Poizeiübergriffe vom 7./8. Oktober #

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 # Im folgenden dokumentiere ich einen in diesen Tagen erschienenen “Aufruf der 89″. Sein genaues Erscheinungsdatum weiß ich nicht. Die unterzeichnenden Persönlichkeiten setzen sich für die Erhaltung und Weiterentwicklung der sozialistischen Gesellschaft DDR ein, mit besonderer Betonung einer beispielhaften deutschen Friedenpolitik. #

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10.November 1989 - rasende Zeit

Montag, November 9th, 2009

Renates Mann, Siegfried, spazierte vergangene Nacht zwischen 0 Uhr und 2 Uhr in Westberlin herum. Fremde prosteten einander mit Sekt und Wein zu.

891110-1.jpg Gestern gute WBA-Sitzung zur Versorgungssituation.

C. und ich hörten gestern gegen 22 Uhr vom Westfernsehen von den neuen Reiseregelungen Das Westfernsehen berichtete da, daß die ersten DDR-Bürger schon kämen Ein Übergang (Welcher?) wurde gezeigt, wo noch keiner durchgekommen war; der Reporter vor Ort sagte aber, daß sie telefonisch wüßten, daß Bornholmer Straße schon DDR-Bürger durchgelassen worden seien.

Die Mauer wird geöffnet.

Ich bin erschreckt vom Anblick derer, die am Brandenburger Tor auf der Mauer sitzen.

Beratung mit HoDö über freiwillige Arbeit.

Abends Kundgebung im Lustgarten.

Anruf von Roderich - wie ich’s fände.

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04.November 1989 - Berliner Großdemo

Mittwoch, November 4th, 2009

n Mylau ausgiebiges Gespräch mit Schlesinger.

Intensives Lesen auf der Rückfahrt, so z. B. Heinrichs und Krause zur Wirtschaftsreform.

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Zug hat 45′ Verspätung, auf der Hinfahrt 35′.

C. will, da ich nun heute auch zur Demo gehe, ihre Absprachen verändern, die sie mit W. und W. getroffen habe. # (Hintergrund: W., ehemaliger Leistungssportler, hatte den Wunsch, ein Fitnesscenter zu eröffnen, und C., die ihre Arbeitstelle wechseln wollte, äußerte die Absicht, dort anzufangen. Das ganze Vorhaben schmeckte mir gar nicht, nicht zuletzt aus Eifersucht.) # Ich sage aber, daß sie das nicht brauche: “Wir gehen sowieso aus verschiedenen Motiven zur Demo.” Als mein Hauptmotiv gebe ich Neugier an. So gehen wir also heute tasächlich getrennt zur Demo, was mir lieber ist. Morgen gehe ich zu den Gesprächen der offenen Tür. C. nicht.

Interesse an Sex.

Meine Thesen sind nun nach der gestrigen Erklärung von Krenz fast überholt, zumindest weitgehend eingeholt.

# Zu den folgenden Bildern: Ich habe damals nicht fotografiert, sah aber wenige Tage später bei einem Fotografen viele Bilder angeboten und habe im Bewußtsein des denkwürdigen Ereignisses eine ganze Anzahl gekauft. Hier eine Auswahl: #

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25. Oktober 1989 - “Demonstration in der Berliner Innenstadt”

Samstag, Oktober 24th, 2009

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Die gestrige KA-Tagung # Kreisausschuß der Nationealen Front # zeigte, daß sie nun fast alle das neue Vokabular perfekt “drauf” haben; der senile Kurt Goldberg noch nicht einmal das. Ich lasse mich in eine Polemik mit Naumann, 1. Stellvertreter des Bürgermeisters, ein und stelle den Antrag, daß der Kreisausschuß eine Position zur Qualifizierung des Wahlrechts gemeinsam mit WBA-Vorsitzenden erarbeiten soll. Beifall gibt es, der Antrag wird aber gar nicht aufgegriffen (vom Präsidium).

Als wir aus dem Berliner Verlag treten, treffen wir genau auf eine friedliche Demo. Sie fordern direkte Wahl des Staatsoberhaupts, sind gegen die “Dreieinigkeit”, skandieren “Pressefreiheit”. (Vom Verlagsgebäude wird ihnen zugewinkt.) “Schließt euch an!” “Mielke in das Altersheim!” “Schnitzler in die Muppetshow!”

90% der Leute sind zwischen 18 und 35, auch Familien, auch Fahrräder. Es war ein guter, machtvoller, faszinierender Anblick. Die Zahl war groß, aber begrenzt. (Der Westen spricht von 5-10 T.) 

Roderich # Vergleiche meine kurze Erläuterung hier. # meint, ich solle meine Thesen in’s ZK geben. Denke, daß ich das mache, werde aber Aktualisierungen, Verbesserungen, Präzisierungen einarbeiten.

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14. Oktober 1989 - Gilbert Furian

Montag, Oktober 19th, 2009

# Gilbert ist der Ex-Mann meiner Partnerin C. Er hatte eine Studie über Punks in der DDR erabeitet, wofür er (bzw. für ihre Veröffentlichung im Westen) mehrere Monate ins Gefängnis kam. Er war aktiv in der kirchlichen Opposition bzw. Bürgerrechtsbewegung/Neues Forum. Nach dem Untergang der DDR beschäftigte sich G. F. mit der Analyse der Arbeit der Staatssicherheit., veröffentlichte dazu Studien und Bücher. Unser damaliges Verhältnis war - wie man sich leicht vorstellen kann - in mehrfacher Hinsicht von erheblicher Distanz, keineswegs jedoch von Feindseligkeit geprägt. Kürzlich ist er mir im Fernsehen wiederbegegnet - als Rahmenfigur beim Besuch der Frau Bundeskanzlerin in der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen. Trotz dieses hohen Anlasses war er immer noch in altbekannter Manier sympathisch-nachlässig gekleidet. #

 Gestern Abend Besuch von Gilbert (mit Katharina und Wilhelm). G. und K. berichten von Gestapomethoden der Staatssicherheit, sogar Vergewaltigungen habe es gegeben.

Fahrt ins Wochende nach Skaby.

# Update: Übrigens vertrat Gilbert immer den Standpunk, daß er die DDR nicht gegen die westdeutsche Republik eintauschen wollte, sondern, daß er eine bessere DDR wollte. Das war glaubwürdig. #

13. Oktober 1989 - Dialog hin - Polizeiübergriffe her

Montag, Oktober 19th, 2009

ND und BZ von heute.

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Hab’ heute mal Zeitungen genauer gelesen, um ein konkretes Bild von der neuen Dialogbereitschaft zu erhalten. Solange die alten Knacker den Ton angeben (Siehe Folgebeispiele), ist nichts zu hoffen. Der ganze Fortschritt erschöpft sich bisher darin: Es darf etwas geredet werden.

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Das Folgende aus der “Jungen Welt”, das finde ich schon charakteristischer, dreifach charakteristisch. Charakteristisch ist es für Aurich (diese Art Meldung vom 11.10.)

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# Aurich war der 1. Sekretär des Zentralrats der FDJ #. Der Druck der Künstler ist freilich so stark, daß die Klarstellung vom 13.11. veröffentlicht werden mußte.

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Das ist charakteristisch für unsere gegenwärtige Situation (und nicht für Aurich). Und weiter charakteristisch ist, daß die erwähnte Resolution der Unterhaltungskünstler (die ich in den Räumen des VBK # Verband Bildender Künstler # in der Liebknechtsstr. gelesen habe. Dort lagen auch Resolutionen des VBK, des Berliner Schriftstellerverbandes u.v.m.) nach wie vor nicht veröffentlicht wird. 3x charakteristisch.

Der Schluß kann nur lauten, soviel basisdemokratischen Druck wie möglich zu machen.

Diese Zahl ist festzuhalten: Der Westen berichtete, daß um den 7.10. herum, 3000 Westbesuchern der Zugang verwehrt wurde. Mir scheint, das wären 3000 zu viel gewesen, R. dagegen fand es kleinlich, diese nicht reinzulassen. Diese und ebenso Großmutters gestrige Bemerkung über den Friedenskampf legen mir nahe, sich bewußt zu bleiben, daß in der übergreifenden Einhelligkeit unserer Kritik durchaus sehr unterschiedliche Positionen verborgen bleiben (Das ist auch an C.s Position zu sehen.)

Nasdala, eben vom Parteigespräch zurück, möchte mit mir über mein künftiges Parteigespräch reden, mir helfen mich einzustellen (mich warnen). Er erwähnt Franzens Bemerkung, daß ich gestern in der APO-Leitungssitzung von Systemveränderung = Veränderung des Sozialismus (seine Überwindung?) gesprochen hätte. Natürlich soll man sich präzise ausdrücken, Mißverständnisse vermeiden. Doch hier ging es nicht um ein Mißverständnis.

 

War eben bei Jürgen Nitschke, er macht wahrscheinlich bei der Leitung der Ortsgruppe der Volkssolidarität mit. # Herrn Nitschke hatte ich im Rahmen meiner Wohngebietsaktivität (WBA) kennengelernt. Wir hatten Vertrauen zueinander gefaßt. # Er erzählt voller Empörung vom Einsatz unserer “SS” (”Staatssicherheit”) in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch # 10. zum 11. Oktober # im Umkreis der Gethsemanekirche (übrigens in Polizeiuniform). Kollegen von ihm, die im Abstand von 100, 150m von der Absperrung sich aufhielten (”Gaffer” sage ich), wurden von Rollkommandos einkassiert und mußten in der Feuerwache Weißensee (Der Keller des SEZ # Sport- und Erholungszentrums # war überfüllt.) 14 Stunden mit erhobenen Händen, Gesicht zur Wand, Beine auseinander, stehen; Frauen 9 Std.; bei der geringsten Bewegung wurden sie zusammengeschlagen. (Nitschke: “Ich hab’ gesehen, wie sie aussahen.”) Sie wurden erkennungsdienstlich behandelt. Eine Kollegin sei bloß mit ihrem Hund über den Alex gegangen, wurde einkassiert, die Nacht über in der Keibelstr. festgesetzt.Als sie einmal austreten wollte, antwortete man ihr: “Wenn Du Deine eigene Pisse säufst, dann kannst Du gehen.” Nitschke: “Ich kenne die Kollegin, die würde solche Worte nie gebrauchen.” N. meint, daß die Politbüroerklärung nichts löst.

Im Rias soeben ein Interview mit dem Stellvertreter des Ministers für Kultur Dietmar Keller (der sich in Wolfenbüttel aufhielt). Er ist für ein Gespräch mit allen, auch Anhängern des “Neuen Forum”.

 

Gedanken

0. Sofort Zeichen setzen! Ursachen (Verantwortliche) benennen.

1. Notwendig ist eine tiefgreifende Erneuerung, qualitative Höherentwicklung des Sozialismus, eine Reform aller Seiten des sozialistischen Systems, vorrangig der politischen und ökonomischen. Dieser Prozeß muß von der Partei geführt werden, also müssen die Parteiführer die Fähigkeit zur Durchführung solcher Reformen haben. Maßgebliche Führer der Partei haben sich seit mindestens 4 Jahren dazu als unfähig erwiesen (angefangen beim Generalsekretär) und müssen abtreten. Wenn die Partei nicht sofort einen neuen anerkannten Führer zur Verfügung hat, sollte sie bis zum Parteitag von einem kollektiven Führer (3-5 Genossen) geleitet werden, und der Parteitag soll - nach entsprechender Vorbereitung - demokratisch einen neuen Führer wählen.

2. Der Prozeß der tiefgreifenden Erneuerung unserer Gesellschaft kann nicht ohne politische und soziale Auseinandersetzungen verlaufen. Wer jedes Risiko von Erschütterungen vermeiden will, verzichtet auf die Erneuerung und setzt damit den Sozialismus selbst aufs Spiel. Ziel der Partei muß es sein, die unvermeidbaren scharfen Auseinandersetzungen bzw. Erschütterungen so gering wie möglich zu halten, bzw. rechtzeitig Lösungen zu finden, so daß (unter unseren Bedingungen) Menschenopfer vermieden werden. Notwendig ist ein gut intakter Polizie- und Sicherheitsapparat, der gegen Kriminalität und gegen äußere Eingriffe (und nur gegen diese) einzusetzen ist. Das muß öffentlich und parlamentarisch kontrolliert werden. Gesetzesverletzungen durch Polizei- und Sicherheitskräfte sind öffentlich gerichtlich zu ahnden.

07. Juli 1989 - unerwartet Stasi

Dienstag, Juli 7th, 2009

Gestern Geburtstagsgeschenke für C. und Katja in “Skarabäus” gekauft. Bullenhitze (37°C).

Heute APO-Leitungssitzung mit sinnvollem Vorschlag von mir.

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# Wegen der Lesbarkeit schreibe ich den Text auf der abgebildeten Tagebuchseite ab. #

Dies war im Marx-Engels-Auditorium der HUB. Danach:

Wir waren dort einige 100 “Agitatoren” # Ich erinnere mich nicht mehr, unter welcher Maßgabe ich zur Teilnahme an dieser Veranstaltung veranlaßt wurde. # - kurzerhand bis Samstagvormittag zu Mitwirkenden der Staatssicherheit erklärt und wurden eingewiesen in unseren Einsatz zur Verhinderung einer Provokation, betitelt “Zwei Monate danach” am Alex. Die vorgesehene Demonstration wurde tatsächlich verhindert. Ich war dabei. Der äußere Vorgang war nicht besonders dramatisch. Aber innerlich zu verarbeiten gibt es genug. Vermutlich waren das die letzten Tropfen für mein Faß, das nun überläuft. Die nächste Zeit wird es zeigen.

# Wir - hunderte Leute aus Berliner Institutionen - waren also nichtsahnend zu einer etwas merkwürdigen, weil festlich-kulturellen Agitatorenzusammenkunft versammelt worden. Dort wurden wir, wie im Text beschrieben, völlig unvorbereitet und unerwartet zu zeitweiligen Mitarbeitern der Staatssicherheit erklärt/vergattert. Viele waren damit nicht einverstanden, Etliche erklärten sich nicht bereit, so mit sich verfahren zu lassen und verließen den Raum. Ich war in einem besonderen Zwiespalt: Die handstreichartige Verpflichtung durch das MfS ärgerte mich zwar, aber als IM der Staatssicherheit, der ich seit langem war, hatte ich natürlich grundsätzlich mit dieser jetzt erfolgten “Inpflichtnahme” kein Problem. Jedoch ging es darum, eine demonstrative Mahnveranstaltung von Oppositionellen aus Anlaß der vor 2 Monaten durchgeführten Kommunalwahl zu zerstreuen, zu unterbinden. Dazu konnte ich mit meinen Erkenntnissen über die Wahl nicht bereit sein. Ich beteiligte mich trotzdem an dieser Aktion; in der Erwartung und Absicht, dort tatsächlich mit Oppositionellen zu einem Austausch über die Wahl zu kommen. (Ich hatte möglicherweise die hunderte freien Diskussionsgruppen auf dem Alex zu Zeiten der Weltfestspiele oder der Deutschlandtreffen im Hinterkopf.) Die Veranstaltung am Alex lief dann ganz anders ab. Es standen hunderte “Agitatoren” herum. Ich bekam EINE Oppositonelle/Bürgerbewegte zu Gesicht, die mit Baby auf dem Arm durch die Menge hastete, und das war’s.

Was blieb, war nicht nur das Gefühl benutzt worden zu sein, sondern auch die Erfahrung, daß man von den Mächtigen in Situationen, potentiell Handlungsweisen, verstrickt werden konnte, zu denen man keinesfalls bereit war.#