[…] 7 Zimmerkumpel
Behandlungen: Lakenbad, Wickel, Perl, Periost;
[…] Lesen: Hebbel, Tagebücher 1 Und 2 S. 158-167; „horizont“, Wochenpost
[…] Hören: (Kopfhörer): Schubert, Haydn
[…] Wir kamen auf Grenzen zu sprechen, in denen man sich einrichtet. Der Käfig, in dem man sich fängt. So etwas gibt es ganz besonders (in naiver, unbezweifelter Weise) auch bei jungen Menschen. Was in unserem Leben erzieht zu diesem „Grenzenbewußtsein“? Die Rolle der Massen, die Industrie? Das (zumindest für das individuelle Empfinden) pattartige der Situation im Klassenkampf.
„Babsy“, die Fasterin, die in Rostock im „shop“ arbeitet. # gemeint ist ein Valuta-Laden „Intershop“ # Die gesichtslose, moderne, „perfekte“ Frau, ihrer „Stellung“ bewußt. (!)
Eine Fasterfrau, „Gabi“, hat von einer CSSR-Reise mit Familie ein Erinnerungsbuch angelegt. Im Juni 1968 haben sie in 19 Tagen 2600 km mit ihrem Wartburg-Kombi zurückgelegt. Armselig, was da übrig geblieben ist: Ein detailliertes Festhalten der mit welchen Verkehrsmitteln zurückgelegten Strecken, ziemlich viel über speisen und Getränke, einige Preis- und Kaufkraftvergleiche, wenige politische Einsprengsel (Ost- und Westtouristen wandern gemeinsam, Slowaken auch gegen Sozialismus und Kommunismus, Manövertruppen, Partisanendenkmäler), nette Wirtsleute; dazu Etiketten von Flaschen und Schachteln aller Art, Fahrscheine, getrocknete Pflanzen – Müll! Das ist – nur bezogen auf das für mich Fremden sichtbare Ergebnis – hart gesagt aber nicht zu hart. (Aber es wurde aufgeschrieben! - Mal die eigenen Reiseaufzeichnungen nach längerer Zeit erneut kritisch lesen!)
Gestern im „Thema“: Rainer Kunze und andere Ex-DDR-Autoren treten aus dem von Bernt Engelmann geführten westdeutschen Schriftstellerverband aus. Ich sage verknappt: Sie wollen eine harte CDU/CSU-Politik. Sie leitet ein Maßstab: Haß auf die DDR, auf dies Herrschaftssystem. (Auch in mir sammelt sich ohnmächtiger Haß – Was fang ich mit ihm an, um nie mich dahin zu versteigen?)
# Hier ( http://opablog.twoday.net/stories/4855912/) hab ich aus heutiger Sicht zu dieser und ähnlichen Erfahrungen etwas gesagt. #
Wie schon gesagt, als ich Bernd Wagner schrieb kam ich zu der Formulierung von der Gefahr des Erstickens. Dies Gefühl ist – wie ich weiter schrieb – unauflöslich verbunden mit dem Genuß dieses „Ungeheuers Leben“. „Das geht schon ins Monströse“. Mir ist bewußt, daß ich gefährlich, sozusagen ohne Netz lebe. Dadurch bleibe ich jung und all den Eingeschachtelten gegenüber so stark, überlegen, unabhängig. Weiß ich tief genug, daß es nach jedem Niederschlag einen Aufschwung gibt? (Und immer ist gerade dieser letzte der schönste.) Ich weiß es aber es hilft nicht viel. Nicht gefeit bin ich vor dem Augenblick, in dem ich alle Waffen nieder sinken lasse.
Entwicklungsphasen der Fastergruppe (die recht spontan abliefen):
In den ersten Stunden – jeder markiert seine „Erstposition“ (tosendes Gerede, jeder redet mit).
In den ersten Tagen – ausgedehntes Erzählen Einiger. Es wird die vorläufig stabile Position eingenommen; individuelle Differenzierung, Beziehungen entstehen, sehr aktive Phase. Das vorläufige Gesicht der Gruppe bildet sich.
In den ersten 10 Tagen – der Alltag kehrt ein. Zufälliges tritt zurück, erste Konfliktsituationen, zu denen sich die Einzelnen differenzierter verhalten, erste Auseinandersetzungen und teilweise Umbewertungen bzw. tiefere Bewertungen der Partner.
In dieser dritten Phase werden die Möglichkeiten mit der Gruppe zu arbeiten und negative Momente zurück zu drängen größer.
Das Problem der Evi könnte sein oder werden eine gewisse Nüchternheit, Phantasielosigkeit (Man kann damit anfangen aber darf dabei nicht bleiben.) Phantasiemangel, weil die Kindheit nicht glänzte?