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5.45 aufstehen
6.10 Straßenbahn zur Arbeit (Denken an Roderich)
7.00 Lektüre, Zeitung, Eule
7.30 Diskussion mit Roderich
# Mit dem Phantasienamen “Roderich” bezeichnete ich meine Kontakte zu meinem Führungsoffizier der Staatssicherheit. Abgesehen von den letzten ein, zwei Jahren der DDR hielt ich mich diszipliniert an die Regeln der Konspiration und fertigte mir keine Notizen meiner IM-Tätigkeit an. Nur den Zeitauwand hielt ich im Protokollbuch fest. #
8.50 Büroarbeit
9.30 Protokoll
10.30 Wege zum HdM, Beratungen
12.00 Mittagessen
12.40 Lehrgangsplanung, Telefonate, Büroarbeit
14.40 Protokoll
15.30 Straßenbahn nach Hause (Sw GB 1/82 in der Bahn)
# “Sw GB” ist meine Abkürzung für die Zeitschrift “Sowjetwissenschaft Gesellschaftswissenschaftliche Beiträge”, eine deutschsprachige Fachzeitschrift, in der monatlich eine Auswahl interessanter Veröffentlichungen aus den sowjetischen Gesellschaftswissenschaften erschien. #
16.10 Kaffeepause, im Rundfunk “Rock für den Frieden”
17.30 mit dem Rad in den Garten, etwas Obstbaumpflege, schön, wie alle neugepflanzten Obstgehölze treiben, selbst die trockene Stachelbeere, das ist geradezu spannende! An der Baumbank gebaut.
19.50 nach Hause
20.00 Fernsehen (Westen)
20.20 Abendessen, abwaschen
21.10 Protokoll
22.10 Fernsehen (überall gestöbert)
22.30 im Bett

L. hat bei den “100 Grafiken” einen 2.Preis bekommen.
Ein Rias-Kommentar beschäftigt sich mit der Korruption von Funktionären im Sozialismus. Dieses Geschwür ist tatsächlich überall zu finden. Würde ich konsequent meiner politischen Moral entsprechend handeln, würde ich z. B. einen Teil unseres Benzin-Kontingents zurückgeben und Günthers Mißbrauch offen aussprechen.
Wenn unsere Beziehung zum Staat z. T. Züge von Entfremdung enthält (Vergleich. Behandlung meines Wohnungsantrags), obwohl das doch seinem Wesen widerspricht, so auch deshalb, weil wir uns selbst dem Staat entfremden mit unserem individualistischen Egoismus. Der Staat schenkte uns Vertrauen, aber wir beuten ihn auch aus, wenns unbemerkt geschehen kann, sind gerne mal “Staatskassenplünderer” (Lenin).
Das ist so menschlich - und unversehens ist es polnisch .
Ich sollte Günther nicht vor irgendeine Tatsache stellen, sondern ihn einfach mal nach seinem Parteigewissen fragen.
Stefan besuchte uns und war neugierig auf mein (unser) Leben. Es hat ihn auch beeindruckt.
# Stefan, Christof, Clemens sind meine Söhne aus der Ehe, die 1975 geschieden wurde. #
Die Armeezeit hat ihn reifen lassen. (Vor dem Studium erst zu arbeiten, ist eine solches Zeichen von Reife.) Vor allem ist er offen und sucht Orientierung (von klaren, festen Grundpositionen aus). Er hatte sich bewußt auch für die Partei entschieden.
L. meinte danach, daß meine Frau eines sympathischen Sohn erzogen hätte.
Er erzählte interessant von seinem Grenzdienst, auch von seinen Vorstellungen des Lehrerberufs.
Interessant unser kurzes Gespräch, als ich ihn zur S-Bahn begleitete. Vorwürfe wegen meines Verhaltens damals zu Marlies Glöß. (”Das hast Du keine gute Figur gemacht.”) und wegen angeblicher Kleinlichkeit bei den Unterhaltszahlungen.
Das erste mußte ich eindeutig und selbstkritisch zugeben und tue es auch. Beim zweiten erkläre ich den Sachverhalt und weise Vorwürfe zurück. Er betont, dass er nicht gekommen sei, um irgend etwas “aufzufrischen”, sondern “aus reiner Neugier”. Ich verstehe das. Auch mir geht es so, daß ich keine übliche Vater-Sohn-Beziehung empfinden kann. Doch ich finde es nicht gut, auf immer in irgendwelchen Schützengräben zu hocken, in die man geraten ist. In diesem vorsichtigen Gespräch ist viel Ungesagtes, Unsagbares. Wir müssen das Sprechen erst wieder lernen.
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Zum Schluß sagt er, daß nach diesem Besuch seiner “Neugier” nicht gestillt sein und daß Christof ähnlich denke.
Ich gebe ihm einen Fahrkarte der S-Bahn - und dann noch eine Rückfahrkarte.
Eine weite Landschaft der Hoffnung glänzt mir auf - die mich auch in die Verantwortung nimmt (Meine pornografischen Interessen kann ich diesem jungen Mann nicht so leicht begreiflich machen.)
Neue böse Härten für die Mutter, wenn nun die Kinder sich ablösen müssen! Ich bedauere sie, doch ihr ist nicht zu helfen.
Menschen, denen nicht zu helfen ist! (Jens Str., Christel, Klaus-Dieter K)

Es scheint diese Folgekette zu geben:
Zu spät aufstehen, Zeitnot > Appetitlosigkeit, dem Magen daher leichte Kost anbieten (calorien- und kohlehydratreich)> daher um 9 Uhr bereits wieder kräftiger Hunger> der Magen ist mittags bereits an voluminöse Nahrung gewöhnt und will wieder reichlich gefüllt sein> Übergewicht.
Möglicherweise fängt alles mit morgendlicher Zeitnot und einem zu leichten Frühstück an. Den Tag gefaßt und in aller Ruhe beginnen, das kann man nur, wenn man sich ganz und gar zu seinem Tag bekennt, ganz in ihm aufgeht.
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Das Begrüßungslächeln vieler Menschen (Franz Fischer, letztens Barbara Bondzio) - oft nicht mehr als eine Grimasse.
