Archive for the ‘Theater’ Category

12. Oktober 1989 - Reaktionen auf die PB-Erklärung

Sonntag, Oktober 18th, 2009

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Ich schrieb gestern: “Das leitet die Wende ein.” Nach dem aufmerksamen Lesen des Textes # den ich hier nicht vollständig wiedergebe # möchte ich einschränken: Das kann der Beginn der Wende werden.Es bleibt noch offen, ob alles in Kosmetik stecken bleibt oder wirklich zur Wende führt. Ich fühle mich aufgerufen, mit aller Kraft in meine Richtung zu drängen und Roderich # Chiffre für meinen Stasi-Führungsoffizier #, den ich gestern traf, bittet interessanterweise um eine entsprechende Ausarbeitung von mir.

Chef N. übrigens reagiert auf diese Situation # gemeint ist die Erklärung des Politbüros # mit einem hoffnungsvollen: “Na, dann wollen wir mal abwarten, was das angekündigte Plenum bringen wird.” Das ist typisch und ganz schwach.

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Gestern mit Großmutter Hebig in der “Zauberflöte” der Komischen Oper. Ich bin wieder von Mozart begeistert. Auch sie reagiert mit Erleichterung auf die Politbüroerklärung. Sie meint, daß wir einsehen müßten, daß man nicht mehr um den Frieden kämpfen muß !!! (Ich bin schokiert.)

 

13. September - Agitatorenanleitung

Freitag, Oktober 16th, 2009

Agitatorenanleitung MSAB, im neuen, besseren Stil; alle Genossen rufen danach, die eigenen, inneren Ursachen der Auswanderungswelle aufzudecken und distanzieren sich von unserer Inrformationspolitik.


Pekingoper Nr. 6 im Friedrichstadtpalast.

09. Juni 1989 – Urlaub - “Figaro”

Montag, Juni 22nd, 2009

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Gestern “Figaros Hochzeit” - in einer mecklenburgisch-derben Aufführung (”ohne Finessen” - wie C. geschmäcklerisch meint) im Wismarer Theater. Mir hat es gut gefallen. Mozart holzschnittartig inszenieren - würde das gehen? Mozart durch Barlach gebrochen?

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Unser erstes Glas Joghurt (0,75l) erfolgreich produziert. Heute vormittag Dauerregen. Ich koche Frühlingssuppe. Gleich lesen wir.

Doch noch Rad- und Fußwanderung. Entdeckung: Kirche bei Blowatz (Der Schlüssel steckt.) Boddenbad beim Ferienheim Damekow, Spaziergang bei Fährdorf.

Trifonow:”Das Ende des Winters”.

 

08. Juni 1989 – Urlaub - Nikolaikirche Wismar

Montag, Juni 22nd, 2009

Orgelmusik in der Nikolaikirche, wir waren vorher schutzlos durch den Regen gelaufen. Wir froren, haben uns aber nicht erkältet. In der Nikolaikirche - ausgehängt politisch -soziale -ideologische Stellungnahmen. Schlimme Fernsehnachrichten (Fergana, Kreutz)

schlechtes Wetter, Einkaufsvormittag in Wismar, dem schönen Städtel. Joghurtbereiter gekauft.

Heute Abend ins Theater.

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07. - 10. Januar 1989 - Theater, Film, Kunst

Freitag, Januar 16th, 2009

Mit C. am Freitag in “Lenins Tod”.

Film “Mein Freund Lapschin” im Babylon.

Ausstellungszentrum am Fernsehturm.

“Tabu”, Film von Murnau.

Slawomir Mrozek, “Fuchsquartett”, großartige Aufführung in der Kammer. C. ist begeistert. Wir sind guter Stimmung zueinander.

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Wir lesen abends noch “BR” 1/89 (die sie vom ungarischen Kulturzentrum erhielt) und polemisieren dazu.

# “Budapester Rundschau”, deutschsprachige Monatsschrift aus Ungarn, mit heftiger antistalinistischer Parteinahme  (wichtige historische Artikel!) und für Demokratisierung des Realsozialismus - letztlich für Anschluß an den Westen. #

Vorm Einschlafen will ich zärtlich werden, was sie so konsequent abweist, daß ich mich abwende.

05. Januar 1989 - “Philotas”

Freitag, Januar 16th, 2009


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gestern “Philotas”, Lessing, gut.

Weiter auseinandergesetzt mit C. - keine gute Zeit.

Zahnärztin

 

04. Januar 1989 - Angst in unserer Partnerschaft

Donnerstag, Januar 15th, 2009

…  Ich bin enttäuscht von C.

Ich muß ihr meine Meinung klar machen, ohne dabei Vorwürfe zu erheben.

Angst und Schwäche sind starke Komponenten, Hauptkomponenten ihrer Person. Das ist mir vielleicht jetzt erst richtig bewußt geworden. Ich möchte hier viel Rücksicht nehmen, viel verstehen - aber natürlich gibt es dafür Grenzen.

Ich werde ihr die Feststellung nicht ersparen, daß sie sich von uns weg bewegt hat, seit der Auseinandersetzung von Sonntag, nicht auf den Partner zu, wie ich es versucht habe.

18.20 Uhr: Von der Kreisschule Marxismus-Leninismus kommend bin ich seit anderthalb Stunden in weitem Bogen hierher gelaufen, habe berührt Haus der jungen Talente, Fernsehturm, ungarisches und polnisches Kulturzentrum, französisches Kulturzentrum, Becherclub und etliche Cafes - immer in der Hoffnung (aber dies natürlich absurd) auf C. in Begleitung zu stoßen. Dabei natürlich viel Zeit zum Nachdenken (und immer Belastung im Magen). Ergebnisse bis hierher: Momentan scheint mir C.s ganze Lebensstrategie ganz entscheidend auf Angst und der “Rettung” vor der Angst gegründet und zwar Letzteres durch

a.) Verdrängung und

b.) Sicherung von Alternativen (fast um jeden Preis).

In beiden Fällen Vermeiden des Durchlebens existentieller Angst.

Auf diesen Grundpunkt gestellt, scheint mir fast alles folgerichtig erklärbar.

Als wir uns kennenlernten, fragte ich sie beim ersten Konflikt, ob sie einen Anderen liebe. Das verneinte sie. Mit der heutigen Lebenserfahrung würde ich darüber hinaus zu ergründen suchen, ob sie sich ein vollkommenes Lieben (in Liebe aufgehen) für sich überhaupt vorstellen könne.

Zur Angst C.s in unserer Beziehung:

Gibt es eine Entwicklung, Vertiefung, Festigung unserer Beziehung? Ich möchte “ja” sagen. Mein Gefühl sagt das deutlich. Praktische Beweise sind wesentlich dünner gesät.

Ihre Worte letzten Sonntag, daß sie, wenn ich so spreche, Angst vor mir habe, haben dies zum ersten Mal so deutlich verbalisiert. - Ist das ein Vertrautheitsbeweis? War es nur ein spontaner Leidensausbruch?

Unsere ernste Auseinandersetzung hatte große Schärfe, auch Einsicht und führte so relativ schnell, noch am selben Abend uns in Richtung Versöhnung. War das für sie zu schnell? Hat sie selbst ihrem Wunsch nach Zueinander zu schnell nachgegeben, so daß sie die Abwendung der letzten beiden Tage machen mußte?

Liegen noch tiefere Angstpotentiale/Sachkonflikte zwischen uns? Ich glaube ja.

Es geht um die Frage der Gewalt, gar des Terrors, für den Sozialismus. Kann sie dem von ihrer tiefsten Lebenswurzel aus nicht zustimmen?

Wenn es so ist, haben wir dann überhaupt eine Chance?

# Heute, mit dem Wissen, wie sich alles weiterentwickelt hat, finde ich es immer noch bedrückend aber auch verblüffend, was da so fundamental in unser Leben hineinwirkte und von uns nicht begriffen oder “bewältigt” werden konnte. #

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# Ein  interessantes Thema in der Zeitung und Theaterkarten. Niemals vorher oder nachher besuchte ich soviel Kulturveranstaltungen aller Art. #

25. Mai 1982 - Womacka-Ausstellung

Donnerstag, November 22nd, 2007



[…] Zum ersten Mal, so lang ich denken kann, sehe ich Spargel in manchen Schaufenstern, zum Kilopreis von 13,- bis 16,-M.

Erscheinung-Wesen-tieferes Wesen: Auf den ersten Blick erscheint Marita charmant, freundlich, von überströmender Herzlichkeit geradezu. Wesentlich ist ihr zwanghaftes, auf Sieg gerichtetes, Verhalten. Noch tiefer liegt ihre Einsamkeit, ihre Sehnsucht nach Geborgenheit, nach dem Geben und Nehmen tiefer Liebe.

Diese drei Ebenen sind in einem ziemlichen Spannungsverhältnis. Es herrscht aber die zweite Ebene (zumindest im Verhalten gegenüber Männern).

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L. träumte von zwei Kindern, die aneinandergekettet waren, an einer Haltestelle lagen und schliefen.

Die Womacka-Ausstellung verschlägt mir Naivling wieder mal die Sprache. - Zum Kotzen! # Vergl. meine Bemerkung vom Vortag. # b820525-2.jpg

Doch ist das ja nur die eine Seite. Die andere fast noch schlimmere ist seine offizielle Wertschätzung (von wem ausgehend?). Was kann man dazu sagen, ohne nur zu Schimpfen und seinen Widerwillen auszudrücken? „Gußeiserne Sensibilität“? Hohn ausdrücken! Die Vorbilder, die überall durchkommen (Picasso, Leger (?), Sitte, Modigliani, wer noch?) erspart es, diese Originale zu sehen, „Sternstunde realistischer Malerei“, bunt, bunt, bunt ist die Welt (Er kennt auch drohendes Schwarz, aber weiß, wohin es gehört.). Manche Bilder werden gleich doppelt gehängt. (Erika Steinführer - der Beifall ist gewiß, der Thematik wegen.) Bewegt sich erfolgreich auf allen Kunstmärkten (Sammlung Ludwig Aachen). Berliner Stadtlandschaften; ein Mann in allen Sätteln gerecht; kleine, ausgesucht gerahmte Kostbarkeiten (unter Glas). Tripticha - links Müll, Mitte Kampf, rechts ideale Perspektive (doch bei E. Steinführer nicht - also der geniale Neuerer). Kinder in Blumen - wer kann danach noch ruhig schlafen? Ein Mann, der sich nicht festlegen läßt > Chile-Grafiken - Köpfe im Netzwerk der Strahlen, der Diktator aber in gekrümmten Linien. Sittlichkeit - am Strand, Akte mit Höschen; frühe Zeichnungen beweisen: Am Anfang war auch hier Talent.

# Meine Abneigung gegen Womacka war nicht nur in dessen schlichter/schlechter Malerei begründet. Sie resultierte auch daraus, daß er eine der offiziellen Ikonen der Kunstpolitik war UND, daß er ein beträchtliches Maß von Popularität erreicht hatte, die ich immer als Volkstümlichkeit für den sozialistischen Spießer empfand. Wie ich bei Wikipedia las, habe er nach 1990 vermehrt „sozialkritische und politisch motivierte“ Werke geschaffen. Seine schöne DDR-Malerei finde ich auch heute noch sterbenslangweilig. Seine Werke nach 1990 möchte ich mal sehen. #

Im BE „Turandot“, b820525-1.jpg

danach habe ich das Gefühl, daß Brecht hier große Möglichkeiten verschenkt hat. Der Grundgedanke - der Abend dieser Art Vernunft - ist sehr bedeutend; aber im Ganzen, wie im Detail, reißt die „Realisierung“ dich nicht vom Stuhl. Vielleicht zu spät oder zu früh geschrieben dies Stück? Und außerdem des eigenen Könnens zu sehr bewußt?

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21. Mai 1982 - sexsüchtig

Dienstag, November 20th, 2007



[…] Gestern, beim Versuch, die „grandiose Schwarze“ wieder zu finden, stehe ich eine Weile am Bahnhof Baumschulenweg. Es wird eine richtige Schau üppiger Busen, meist reifer Frauen, nur mein Traum ist nicht dabei.

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Abends, im Berliner Ensemble, habe ich (leider durch die Arbeitskollegen gehemmt) nachhaltigen Blickkontakt mit einer schwarzen Schönheit in der Seitenloge, reife Frau, die ein wenig an Quevedo erinnert, aber ohne deren Herbheit und Adel.

Nach dem Theater sitzen wir im „Adria“. Das ist z. B. solch ein Schuppen, wo Kontaktweiber herumlaufen.

Auf dem Heimweg gable ich eine angetrunkene, mindestens 55-Jährige auf (extrem kurzer Rock, fester Busen), aber schließlich weist sie mich doch ab.

Es ist der Zustand der Haltlosigkeit erreicht.

[…]

Die Analyse meines Tagebuchs wird mir zum Bedürfnis. In der nächsten Woche werde ich das tun. Das Übergewicht des Sexuellen, das sich hier wiederspiegelt, zeigt, wie sehr ich gefangen, unfrei bin. Es wird Zeit, daß ich zur Tat komme. Das Onanieren hatte gestern und vorgestern wieder stärker zwanghaften Charakter.

L. ging heute gegen 21 Uhr weg, „schwofen“. Nun ja, das Unglück wird wachsen. (Wichtig ist aber auch, zu Schlafen, wieder zu Kraft zu kommen. Ich zerstöre mich selbst.) In Ermanglung von Taten, ist der Umgang mit Aktphotos zur Manie geworden.

Und was das ganze Leben ausmacht, beginne ich zu vergessen.

Das Leben ohne Liebe entmenscht mich. Ich glaubte, daß ich nicht lieben solle, daß ich es nicht will. Doch fürchte ich, daß ich es gegenwärtig gar nicht kann. - Vom Schicksal verurteilt!

[…]

Der Theaterbesuch hat mich empfinden lassen, wie entfernt von der Welt des Geistes und der menschlichen Ideale (Werte) ich inzwischen bin.

[…]

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# Das Bild aus der Zeitschrift „Fotografie“ habe ich ohne Unterschrift herausgeschnitten. Ich glaube, es zeigt, wie in Frankreich nach der Befreiung vom Faschismus eine „Deutschenhure“ geschmäht wird. #

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20. Mai 1982 - Arbeitsgepflogenheiten

Montag, November 19th, 2007



[…]

G. # mein Chef, dessen Arbeit ich seit Wochen mit übernommen habe, weil er krank ist # besucht uns, läßt sich informieren. Auf Drängen Renates # meine für Buchhaltung und Soziales zuständige Kollegin # ringt er sich dazu durch, mir sein Geld vom ersten Tag seiner Krankheit an (18.3.) zu zahlen.

# Gemäß einer gesetzlichen Regelung bestand erst nach einer längeren Zeit der Krankenvertretung (erst nach vier oder sechs Wochen?) ein Anspruch auf eine erhöhte Vergütung. Die erhöhte Vergütung konnte maximal das Einkommen des Vertretenen erreichen. #

Er fragt, ob ich „auf Freiersfüßen“ gehe, fragt, wie es mit meinen „Fluchtabsichten“ stehe

# gemeint ist meine Absicht, die Arbeitsstelle zu wechseln (Kaderdirektor); „eigentlich“ verfolge ich diese Absicht, die meiner eigenen planmäßigen Kaderentwicklung dienen soll, in Übereinstimmung mit ihm. #

und daß ich doch andernfalls „Verdienter Aktivist“ werden könnte.

# Ein Lockangebot. Von dieser rel. begehrten Auszeichnung war nie die Rede, wie überhaupt mein Chef seine Mitarbeiter mit Auszeichnungen und Prämierungen kurz hielt, solange er selbst nicht in deren Genuß gekommen war. Dies Thema jetzt anzuschneiden, hing eindeutig mit meinen Wechselabsichten zusammen. #

Renate meint, das sollte ich noch mitnehmen. # und dann trotzdem gehen # Aber das bringe ich nicht fertig.

[…] Abends Theaterbesuch (mit dem Lehrgang) „Blaue Pferde auf rotem Gras“.

[…] Straßenbekanntschaften - Es ist nicht gesagt, daß die Frauen, die ich meist vergeblich anspreche, nie oder mit mir nie zu einem Abenteuer bereit wären. Nur in diesem Moment sind sie darauf nicht vorbereitet. Marita, wie Reri, wie Karo sind durchaus manchmal abenteuerlustig. Dann muß ich auf sie stoßen. Das ist halt üblicherweise beim Tanz, wenn sie sich aufgerafft haben und sich vergnügen wollen, weil sie es zu Hause nicht mehr aushalten. Bei anderer Gelegenheit geraten Kontakte meist in eine ernsthaftere Ebene. […]

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Reri sagte sehr deutlich, daß die Weiber den Mann weich machen wollen, und zugleich enttäuscht sind, wenn er weich wird, daß sie ihn also nicht weich haben wollen.

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[…]