02. Februar 1982
Samstag, Juni 2nd, 2007
5.15 Wecken, Heizen, 6.10 Straßenbahn, 7.00 Arbeit, 11/2 Std. Zeitung (ND, „horizont“), 1/2 Std. Informationslesen „heureka“, Bln 1981, von Mehlhorn/Mehlhorn.
Zum Tagebuch/Protokollieren:
Die in der vorliegenden Weise nicht zu bändigende Fülle bringt mich auf folgende Unterteilung dieser Aufzeichnungen in verschiedene Kategorien:
Zeitverläufe; Geldaufwendungen; körperliche Betätigungen; Erleben; Denken; Schlüsse/Ziele/Aufgaben. Ist das ein möglicher Weg?
Solche Fragen: Warum etwas getan? Welche Goldkörner gefunden? Mit wem Kontakt gehabt? Was war wichtig?
21/2 Std. Helm gelesen (Vergl 1.2.82), 1 Std. Lehrgangsgespräch, 1 Std. Exkursionsvorbereitung für 30. Lehrgang. 1 Std. Protokollband II der “Kritischen Psychologie” gesichtet, für mich zu allgemein.
4. Versuch Nähmaschine, 1. Versuch Kokosläufer
Bei Straßenbahnrückfahrt „Eulenspiegel“ Silvesternummer gelesen, langweilig. (Er ist nicht immer so ideenlos.) 17-20 Uhr Abendbeschäftigung, (Franz waschen, essen, nichts Ernsthaftes, Austausch mit L.)
Ich bin in einer diffusen Stimmung. Ich habe heute Sinnvolles gemacht, und doch grollt im Untergrund das Unbefriedigtsein. Ich bin beruhigt und ungeduldig zugleich in meinem Käfig.
Das Sinnvolle war z. B. das Studieren der Psychotherapie-Artikel
- sinnvoll für mein Kreativitätstraining,
- sinnvoll für meinen Trainerlehrgang,
Ich bereite mich auf einen Ausbildungslehrgang zum Verhaltenstrainer vor. Verhaltenstraining (z. B. Kreativitätstraining oder „Kommunikationstraining zur Problemlösung in konflikthaltigen Partnersituationen“ war etwas ganz Besonderes, geradezu Exotisches in der DDR. Ich war stolz, daß ich solche Trainingswochen zum Bestandteil unserer Lehrgänge gemacht hatte. Auf Dauer war uns die Verpflichtung auswärtiger Trainer zu aufwendig. Auf Grund meiner Vorbildung/Teilausbildung in Psychologie ergab sich der Anspruch, daß ich solch Training selbst durchführte. Dem standen strenge Regelungen der „Gesellschaft für Psychologie“ der DDR entgegen, die nur diplomierten Psychologen eine Weiterbildung zum Verhaltenstrainer ermöglichten. Es gelang mir eine Ausnahmegenehmigung zu erwirken, allerdings mit der Auflage, neben der eigentlichen Verhaltentrainerausbildung eine Reihe psychologischer Fächer zu belegen und mit Prüfung abzuschließen.
- sinnvoll für die Post-Interpretation meines Verhaltens zu M.
- sinnvoll für mein Verhalten zu Kollegen K-D. K.
- sinnvoll für meine Allgemeinbildung und -befähigung.
Aber die Möglichkeiten meine Fähigkeiten wirklich anzuwenden, sind mir extrem beschnitten.
Die Arbeit verlangt nur einen Bruchteil. Die Arbeit zu wechseln ist noch immer nicht möglich. Die Arbeit im Ausland ist in weiter Ferne. In die Öffentlichkeit zu wirken ist erschwert oder unmöglich (wobei mich am, meisten aufbringt, daß ich das nicht selbst bestimmen kann, daß Andere das für mich entscheiden).
All das schafft eine psychisch labile Situation. In sie hineinverflochten sind sexuelle Komponenten, die selbst auch erstaunlich gegenläufig sind.
Da ist das Bewußtsein und auch die jüngste Erfahrung der sexuellen Freiheit. Immer offener bekenne ich mich zu meinen sexuellen Wünschen (in Gedanken und in der Tat). Ich genieße das Bewußtsein, viele verschiedene Frauen „bumsen“ zu können und die Freiheit es nicht zu wollen. Zugleich ist das Sexverhältnis zu L. bedauerlich rational, ohne alle Selbstverständlichkeit, eigentlich krückenhaft oder voller Anstrengung. Zugleich wünsche ich mir jetzt sofort sexuelle Lust, die ich nicht bekommen kann.
Dennoch scheint mir dies mehr eine Seitenlinie des Lebensproblems. Es selbst besteht im Sinken der politischen Ideale, in einem Abbröckeln meiner politisch-ideologischen Position. Hervorgerufen wird das durch eine Fülle gesellschaftlicher Entwicklungen.
Ich kann das nicht nur als mein subjektives Problem akzeptieren.
Was werde ich morgen tun?
1. Den Artikel von Alberg/Schmidt über Kreativitätstraining studieren.
2. Danach im Buch zur Aus- und Weiterbildung sozialistischer Leiter lesen.
Beides mit dem Ziel, Gedanken für die erneuerte Gestaltung des 30. Lehrgangs zu sammeln.
3. sollte ich möglichst mit einer Beurteilung anfangen.
Jetzt 21 Uhr gehe ich duschen und schlafen.