Archive for November, 2007

28. Mai 1982- Ein Blick weit zurück - sportlich

Freitag, November 30th, 2007


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# So sieht Band 3 meines Tagebuchs aus, mit dem ich nun beginne.

 

Als ich das Buch aufschlage, erlebe ich eine Überraschung. Der erste Eintrag ist von 1970. Auf den ersten 15 Seiten habe ich Notizen von meinen Waldläufen und anderen Ausdaueraktivitäten der Jahre 1970 bis 1976 festgehalten. Auch eine Anzahl Urkunden und Teilnahmebestätigungen sind beigelegt. Erst danach geht es mit dem Protokoll vom 28. Mai 1982 weiter.

 

 

 

 

Nun also ein Exkurs in eine Zeit, in der ich noch nicht systematisch Tagebuch führte.

Als ich 30 Jahre alt geworden war, hatte ich das Gefühl, ich müsse etwas gegen das Einrosten tun; dies umso mehr, als befreundete Nachbarn begeisterte Sportler waren. Eine schöne Waldstrecke in der Nähe unserer Wohnung war bald gefunden (und vermessen - eine Runde war 1280 m lang) und das regelmäßige Laufen, gemeinsam oder einsam, begann. Hier meine Ergebnisliste von 1970:

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Mein bester Freund lebte in Stralsund. Er begeisterter Ausdauerschwimmer. Ich begeisterter Ausdauerschwimmer. Was lag näher, als gemeinsam am jährlichen Sundschwimmen, der Durchquerung des Strelasund von Altefähr auf Rügen nach Stralsund-Badeanstalt, teilzunehmen? In den Anfangsjahren lag der Termin oft so früh, daß es manchmal lausig kalt war. War das Wasser kälter als 15°C, hätte das Schwimmen ausfallen müssen. Undenkbar bei dieser populären, über Monate vorbereiteten, Veranstaltung. Am Tag des Schwimmens war das Wasser IMMER mindestens 15,5 °C, manchmal auf wundersame Weise, wenn es am Vortag noch zwei Grad kälter gewesen war. Teilnehmerzahl war auf 300 begrenzt, aber es wurde keiner abgewiesen, der kurzfristig angereist war. Helden waren natürlich immer die ältesten TeilnehmerInnen (über 80-Jährige) und ein Teilnehmer ohne Arme, der Jahr für Jahr die Strecke bewältigte. Bei Google findet man viel Aktuelles über das Sundschwimmen.

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Eine Zeitlang nahm ich an Leistungswanderungen teil. Von einer der schönsten Wanderungen stammt diese Urkunde:

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Ich lernte das Völkchen der Sportwanderer kennen. Man wetzte mit 5 bis 6 km/h durch die Landschaft „Rund um Berlin“. Bei meiner letzten Wanderung - es ging über hundert Kilometer von Strausberg nach Wandlitz - kam mir das Ganze plötzlich albern vor, und ich hörte mittendrin auf. Die körperliche Anstrengung für den Zeitaufwand eines ganzen Tages war mir zu gering, und der Gewinn an Landschafts-/Kultureindrücken bei knapp 6km/h über Stock und Stein (also mit dem Blick zu Boden) gleich Null.

Soweit ein Rückblick. Mit dem nächsten Posting geht es wieder mit dem Mai 1982 weiter. #

 

27. Mai 1982 - Akt fotografieren

Donnerstag, November 29th, 2007

[…]

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# Eine der beliebten ironisch-erotischen Pinselzeichnungen von Kurt Klamann. #

Heute, 14 Uhr könnte ich mich mit Blanka Stazke treffen. Ich werd’ es sein lassen. Als ich sie Dienstagabend traf, war sie angetrunken und besonders kontaktfreudig. Sie ist Witwe, später noch geschieden, keine Kinder, hat in Buch eine 1-R-Wohnung, Neubau. Die Wohnung ist ihr stolz, mit einem lebensgroßen Bild von Elvis. „Früher war ich vermögend.“ Ein slawischer Typ, Brüste, Hintern sind akzeptabel aber der Bauch ist unförmig. Mund ist schön, erinnert etwas an Hegrü. Im Bett sicher hingebungsvoll und geschickt. Taxierte mich auch gleich („bei so vielen Kindern haben Sie sicher wenig Geld“). Sie sei Hausfrau, nicht berufstätig. Was macht sie? (Diese Frage ist eigentlich die aufreizendste.) Sie ließ sich küssen, bremste dann aber kräftig. Ein Schmusweibchen, das mit Zärtlichkeit gerne genommen werden möchte.

[…]

Wenn ich mal Akt photografiere, hat das zum geringeren Teil den Sinn, Schönes an der Frau zu entdecken. Es soll mir noch mehr helfen, zu begreifen, welche Art Erotik bzw. Sex ich brauche.

Weitere Überlegungen zu möglichen Aktmotiven:

Gewagtes versuchen, z. B. mehr oder weniger gespreizte Schenkel ins Bild bringen, das Geschlechtsteil soll sichtbar (jedoch nicht aufdringlich) sein. Ein Maßstab ist dabei der Akt von Seite 37.

Auch die nebenstehende (eigentlich liegende) Pose ist ungemein reizvoll.

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Wie wäre sie abzuwandeln?

 

 

 

Auch in dieser Richtung scheint Vieles möglich.

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Durch Kleidung enthüllen. (Gewiß liegt die Gefahr der Spekulation nahe, Beispiel: kurze Pelzjacke, Stiefel, entblößter Schoß.) Doch was ist noch vertretbar? Der Ruf straffer Brustspitzen durch die Kleidung! Die „satte“ Wölbung des Schamhügels, das Schamhaar unter Grobgestricktem kaum verborgen?

Ein weites Feld des Gewagten wären Akte mit reifen oder gar überreifen Fotomodellen. (Wie sie kriegen?) Wahrscheinlich muß hier ein deutliches Bekenntnis zu Erfahrung und Sinnenlust ausgedrückt werden. Und der Ausschnitt wird besonders wichtig (um partielle Verbildungen wegzunehmen).

Sehr steigerungsfähig scheinen mir Motive nach Art des Aktes von Seite 9. Eine mehr oder weniger scheue, betroffene, schamhafte Frau, die nackt ist aber ihren Schoß verhüllen wollte. […]

 

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Vielleicht stand dieses Foto Pate bei meiner Vorstellung vom Spiel mit dem Hemd. […]

 

Die Einladungen zum „Psychologen-Treffen“ am 25.6. sind heute raus.

 

 

# Aus der Einladung zum Treffen der Teilnehmer des Verhaltenstrainerlehrgangs in Herlasgrün ..## #

 

„In Erwägung , daß die Zeiten eilen,

kann die Reflexion nicht herlasgrün verweilen.

In Erwägung, daß es eine Hauptstadt gibt,

rufen wir zum Pankow-Treff all jene, die’s beliebt.

In Erwägung des Problemes Sommerzeit

sind wir freitags (25.6.82) ab 18.00 Uhr bereit.

In Erwägung unveregeßner Zwiebel-Phantasien

ist’s ein Gartenfest, nicht ohne Knoblauchgrün.

Unbezweifelt wohlerwogne Gastlichkeit

stellt für Auswärtige Quartier bereit.

In Erwägung von sehr unerwünschten Vorbereitungsnöten

wird um eine schnelle Rückantwort gebeten….“

[…]

Fliegender Wechsel ins neue Buch.

 

# Damit endet der 2. Band meines Tagebuchs. #

 

 

26. Mai 1982 - Aktmodell

Dienstag, November 27th, 2007



[…] Ausstellungsbesuche: G. Thieme und M. Schwimmer („Palast der Republik“), Hans Purrmann

[…]

Heute soll es wieder ein warmer Tag werden: An solchen Tagen bringen mich die Brüste mancher Frauen schier um den Verstand. Heute früh eine sehr junge Frau, blond, an der Straßenbahn (leider mit ihrem Macker). Unter einem dünnen weißen Hemd waren ihre wundervollen Brüste und deren Warzen schöner zu sehen und modelliert, als wären sie nackt gewesen. So etwas würde ich auch gern als Fotomodell studieren.

Und damit bin ich beim Thema des Tages. „Sie“ hat geschrieben (Vergl. 30.4. und 1.5.), Bettina, halbkonspirativ!

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Was ist auf diesem Gebiet eigentlich verboten und was nicht? Sicher ist Pornografie verboten. Das will ich auch nicht. Import westlicher Aktphotos sicher auch, die will ich auch nicht. Für mehr als gelegentliche Modellstudien brauchte sie sicher eine Steuer-Nr. aber für gelegentlich? So werde ich mich weiter einlassen auf diesen Pfad. Wie etwa könnte eine Antwort aussehen? […]

Vom Band Aktfotografie bin ich angeregt.

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Die Ausstellung Max Schwimmer wirkt danach wie eine Bestätigung (Man darf alles, wenn man es kann.) Danach sehe ich H. Purrmann und bin sofort von dieser Qualität überzeugt. Zu dieser Ausstellung muß ich noch einmal wieder, wenn ich mich darauf konzentrieren kann. Jetzt schwirrt mir zu viel Aktfotografie, auch in Hinblick auf meinen Antwortbrief im Kopf herum.

Punkte des Antwortbriefs:

- meine Einstellung auf sie, Vorbereiten, Einsehen, räumliche Bedingungen

- ihr Typ, ihre Grundhaltung

- Anwesenheit Dritter

- Halbackt, Details, Milieu.

Eigentlich brauche ich eine Phase, in der ich sie erst „beschnuppere“, eine Beziehung gewinne. […]

Antwort etwa so:

Liebe Frau Bettina!

Vielen Dank für Ihre Zeilen. Ich habe mich darüber gefreut, auch darüber, daß Sie bereits einige Erfahrungen als Aktmodell haben. Ich bin an einer Zusammenarbeit zu den von Ihnen genannten Bedingungen interessiert, und wir sollten einen ersten Versuch machen. Allerdings halte ich die unmittelbare Anwesenheit eines Dritten für störend, habe aber selbstverständlich nichts dagegen, wenn Ihr Mann während der Studien jederzeit für Sie erreichbar ist.

Weitere Vorstellungen zu äußern fällt mir schwer, da ich gar keinen bildlichen Eindruck von Ihnen habe und Ihren Typ, Ihre körperlichen Vorzüge, Ihr Temperament usw. nicht kenne. Vielleicht können Sie mir einige Aufnahmen von sich oder von anderen Frauen ihres Typs schicken, die mir die Einstellung erleichtern?

Als eine erste Möglichkeit erscheinen mir Studien in Ihrem Wohnmilieu ohne zu großen technischen Aufwand (Kleinbildkamera, Tageslicht).

Ich hoffe, daß meine Vorstellungen nicht unbescheiden sind und sehe Ihrer Antwort entgegen.

Mit freundlichem Gruß

 

 

 

25. Mai 1982 - Womacka-Ausstellung

Donnerstag, November 22nd, 2007



[…] Zum ersten Mal, so lang ich denken kann, sehe ich Spargel in manchen Schaufenstern, zum Kilopreis von 13,- bis 16,-M.

Erscheinung-Wesen-tieferes Wesen: Auf den ersten Blick erscheint Marita charmant, freundlich, von überströmender Herzlichkeit geradezu. Wesentlich ist ihr zwanghaftes, auf Sieg gerichtetes, Verhalten. Noch tiefer liegt ihre Einsamkeit, ihre Sehnsucht nach Geborgenheit, nach dem Geben und Nehmen tiefer Liebe.

Diese drei Ebenen sind in einem ziemlichen Spannungsverhältnis. Es herrscht aber die zweite Ebene (zumindest im Verhalten gegenüber Männern).

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L. träumte von zwei Kindern, die aneinandergekettet waren, an einer Haltestelle lagen und schliefen.

Die Womacka-Ausstellung verschlägt mir Naivling wieder mal die Sprache. - Zum Kotzen! # Vergl. meine Bemerkung vom Vortag. # b820525-2.jpg

Doch ist das ja nur die eine Seite. Die andere fast noch schlimmere ist seine offizielle Wertschätzung (von wem ausgehend?). Was kann man dazu sagen, ohne nur zu Schimpfen und seinen Widerwillen auszudrücken? „Gußeiserne Sensibilität“? Hohn ausdrücken! Die Vorbilder, die überall durchkommen (Picasso, Leger (?), Sitte, Modigliani, wer noch?) erspart es, diese Originale zu sehen, „Sternstunde realistischer Malerei“, bunt, bunt, bunt ist die Welt (Er kennt auch drohendes Schwarz, aber weiß, wohin es gehört.). Manche Bilder werden gleich doppelt gehängt. (Erika Steinführer - der Beifall ist gewiß, der Thematik wegen.) Bewegt sich erfolgreich auf allen Kunstmärkten (Sammlung Ludwig Aachen). Berliner Stadtlandschaften; ein Mann in allen Sätteln gerecht; kleine, ausgesucht gerahmte Kostbarkeiten (unter Glas). Tripticha - links Müll, Mitte Kampf, rechts ideale Perspektive (doch bei E. Steinführer nicht - also der geniale Neuerer). Kinder in Blumen - wer kann danach noch ruhig schlafen? Ein Mann, der sich nicht festlegen läßt > Chile-Grafiken - Köpfe im Netzwerk der Strahlen, der Diktator aber in gekrümmten Linien. Sittlichkeit - am Strand, Akte mit Höschen; frühe Zeichnungen beweisen: Am Anfang war auch hier Talent.

# Meine Abneigung gegen Womacka war nicht nur in dessen schlichter/schlechter Malerei begründet. Sie resultierte auch daraus, daß er eine der offiziellen Ikonen der Kunstpolitik war UND, daß er ein beträchtliches Maß von Popularität erreicht hatte, die ich immer als Volkstümlichkeit für den sozialistischen Spießer empfand. Wie ich bei Wikipedia las, habe er nach 1990 vermehrt „sozialkritische und politisch motivierte“ Werke geschaffen. Seine schöne DDR-Malerei finde ich auch heute noch sterbenslangweilig. Seine Werke nach 1990 möchte ich mal sehen. #

Im BE „Turandot“, b820525-1.jpg

danach habe ich das Gefühl, daß Brecht hier große Möglichkeiten verschenkt hat. Der Grundgedanke - der Abend dieser Art Vernunft - ist sehr bedeutend; aber im Ganzen, wie im Detail, reißt die „Realisierung“ dich nicht vom Stuhl. Vielleicht zu spät oder zu früh geschrieben dies Stück? Und außerdem des eigenen Könnens zu sehr bewußt?

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24. Mai 1982 - Kaderarbeit im Realsozialismus

Mittwoch, November 21st, 2007


eklige Kreuzschmerzen,

die Vorbeugeuntersuchung ergibt Blutdruck 145/90. Ich kriege Reizstrom.

[…]

Gestern sogar im Fernsehen, in der „Aktuellen“, großer Bericht von der Eröffnung der Ausstellung Womacka!!

# Meine Abneigung gegen die platte Kunst Womackas war von jeher enorm. Womacka, zugleich Mitglied des ZK der SED, malte starkfarbige, einfach zu rezipierende Bilder, voller süßer sozialistischer Harmonie und bestellter Parteilichkeit. Sein „Paar am Strand“ oder „Peter im Tierpark“ schmückte jeden Kindergarten. Bekannt noch heute ist die „Bauchbinde“ am Haus des Lehrers am Alex in Berlin, auch der Springbrunnen auf dem Alex, „Nuttenbrosche“ genannt. L., die in Weißensee studiert hatte, während Womacka dort Rektor war, teilte die Heftigkeit meiner Abneigung nicht. Künstlerisch konnte sie natürlich nichts anfangen mit ihm, schätzte aber seine persönliche Einfachheit und Natürlichkeit. Während des Faschings ließ sie es sich nicht nehmen, einen Kuß auf seine Glatze zu drücken. #

Im „BE“ das Lenin-Stück: Die Szene des „Abtretens der Komsomolzen“ hat mich erschüttert. War so Lenin? Sicher eine mögliche Lesart… (der lernende und fast schon hilflos werdende Lenin). Das große Kunstwerk über Lenin, das totale Kunstwerk über ihn haben wir nicht, ja überhaupt haben wir erstaunlich wenig Tieferes über ihn.

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Jugendschönheit!

Ein Körper, der auch schon für sich genommen zu ahnen ist, doch noch die Einheit von Körper und Mensch (Person).

# Zum Folgenden vergleiche auch hier. #

 

 

 

Der „politische Kampf“, bescheidener: Die politische Arbeit der Genossen im MSAB; bestimmter Genossen. Ich denke an die Auseinandersetzung Horst L./Gerhard Kleeblatt, ich denke an Golis Erzählen über seine Arbeit.

 

Hier habe ich tatsächlich das Gefühl, daß politische Ideale im Spiel sind. Diese politischen Ideale bestimmen die Handlungen mit, obwohl es zweifellos kein Handeln allein aus moralischen Werten heraus ist; es ist ein Handeln, das sich voll ins Übliche eintaktet aber doch noch eine andere Quelle hat.

Mit Goli wäre mir Zusammenarbeit möglich, wie sie zwischen Sch./G. nie denkbar ist. Zusammenarbeit des Prozesses, nicht des Prestiges wegen. Laßt die Jungen Verantwortung tragen!

Beschlüsse durchsetzen, indem Verletzer zur Verantwortung gezogen werden. Aber wie? Was passiert, wenn dazu die Kraft nicht reicht? Wenn der Minister Kaderdirektoren oder Generaldirektoren wegen Kaderfragen nicht zur Verantwortung zieht oder wenn diese sich nichts daraus machen, weil sie es sich aussuchen können, für die Nichterfüllung welcher Beschlüsse sie sich prügeln lassen?

Die Leiter, der Leitungsapparat - der goldene Fonds, der gehegt werden muß (gerade , weil er auch unerhört belastet werden muß).

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23. Mai 1982 - Gartenträume

Dienstag, November 20th, 2007



[…] gestern in Schmaha,

# L. und ich hatten zunächst über keinen Garten verfügt. Seit langen hatten wir einen Antrag auf ein Gartengrundstück in der Gemeinde Schmachtenhagen bei Oranienburg laufen. Durch einen Riesenzufall erwarb L. ein großes Gartengrundstück in Pankow, unweit ihrer Wohnung. Der Antrag in Schmachtenhagen schien mehr oder weniger aussichtslos, wir ließen ihn weiterlaufen. Genau zu dem Zeitpunkt unserer Trennung wurde uns plötzlich ein verwildertes Grundstück in Schm. angeboten, ein Glücksfall, den wir natürlich ergriffen. So ergab sich für mich zwar die allmähliche Trennung von dem Garten in Pankow, zugleich aber die Übernahme des Grundstücks in Schm. #

in Schm. alle Nachbarn am Werkeln, Heimfahrt bei Regen, will zwischendurch nach Hohen Neuendorf, D. und Frauke Gerhard besuchen. Der Regen und der Mißmut zwingen mich zur Umkehr. Ich bin widerwärtig depressiv in dieser Zeit, und die Schm.-Erinnerungen haben das nicht verbessert.

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[…] im Garten fleißig, Kürbissamen gelegt, Melone und Broccoli gepflanzt, Kartoffeln nachgelegt bzw. gepflanzt, Tomaten gepflegt, (drei Mistfuhren), Wein angebunden, etwas gemäht. […]

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Es ist wunderbar zu beobachten, wie glücklich F. lebt, wie aktiv und intensiv er „Seins“ macht. Wenn er über Mittag im Garten bleibt (dort schläft), dann ist er abends ganz erschöpft aber zufrieden, dann ist er lieb und läßt sich leicht lenken. Wahrscheinlich ist er (psychisch) befriedigt von den vielen Eindrücken und zugleich ermüdet (physisch) von den vielen Anstrengungen. Das ist offensichtlich ein guter Zustand.

Schön, seine Begeisterung, als er - zusammen mit Lies - auf Entdeckung (Mistholen beim Nachbarn) mitkommen durfte. Schön, wie er oft mitdenkt und mitarbeitet (z. B., wie er seinen Topf auf dem Kompost entleert); das Vorbild der Eltern führt ihn zur Achtung vor der Arbeit.

Der Garten ist ein Segen, für alle, aber dreimal für Kinder.

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Dagegen das Bemühen vieler Leute, in Schmaha wieder sichtbar, die Natur sofort zurechtzustutzen, gefühllos in Schemata einzuordnen, zu verkrüppeln.

Ich werde es anders machen. Ja, ich habe Lust gekriegt, mir dort ein bescheidenes Refugium zu schaffen, keinen Garten, sondern einen Stützpunkt, für

- das Ausschweifen in die Natur (auch mit Boot)

- das Sichzurückziehen

- vielleicht auch mal ein Liebesnest

- sich ein Ziel zu setzen. (Das habe ich wohl zur Zeit besonders nötig.)

So würde es geldlich aussehen: Eine winzige Laube (10m2): 2000,-M; Wasser (Brunnen): 1000,-M; Strom: 1000,-M. Wenn ich will, habe ich das sehr bald zusammen. Die Laube bietet Platz für 2+1 Personen, (Doppelstockbett + Campingliege, ein Zelt dazu erlaubt auch einer ganzen Familie, dort zu leben), Glasdach nach Süden mit Wein (Pergola), die die Wohnfläche etwa verdoppelt. Auf dem Grundstück: geschickt (und wenig) korrigierter Wildwuchs (Laube vom Weg nicht sichtbar, nach hinten freier Blick), Fischtümpel.

Heute hab ich nun (von 11/2 Std. Mittagsruhe abgesehen) den ganzen Tag gerackert und war froh dabei. Wie ich mich doch dazu zwingen muß, am Motorrad etwas zu machen, obwohl das doch auch nur wenige Handgriffe sind. Es ist keineswegs Bequemlichkeit, Faulheit - nein, die Interessenlage.

 

Mein Rücken schmerzt mir so, daß ich es manchmal kaum aushalten kann. In dieser Woche (morgen schon?) geht’s bestimmt zum Arzt.

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L. erzählte mir, F. habe, als sie ihn heute früh zu mir herunter brachte auf jeder Treppenstufe skandiert: „Lieber Papa, lieber Papa“.

Heute Abend natürlich wieder seine Frage: „Ein Liedchen….?“ Ich singe. (Wie immer kommt eine Art Resümee des Tages dabei heraus; wenn ich den ganzen Tag mit ihm zusammen war, fällt mir das natürlich leichter.) So wird das Liedchen heute lang und auch interessanter, da jede Strophe aus einer Frage- und einer Antwortzeile besteht. Er bedankt sich mit den Worten: „Ein großes Liedchen.“ […]

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Wie einen doch „das Schicksal“ beutelt! Wahrscheinlich verstehe ich meine Situation halbwegs klar. Doch es kann keine Rede sein, sie schnell zu ändern. Den Kelch muß ich leeren, „die Straße muß ich gehen“, # Winterreise # ohne zu wissen, was meiner harrt; ja, selbst, wenn ich es wüßte, ich müßte es trotzdem tun.

 

Im Fernsehen „Ein langes Wochenende“ von J. A. Bardem. Trotz Fernsehformat bin ich beeindruckt. Im Rahmen seiner etwas simplen Struktur starke Szenen: Juan in Badehose sieht der Beerdigung zu, Juan und der angstvolle Stierkämpfer, Juan im Kreis der „Blumenkinder“, Juan der „Don Quichote“, Juan und der „Erfinder“ im Rhönrad.

„Mensch, hab doch endlich mit Dir selbst Erbarmen.“

 

Warum fühlt sich der Mensch so einsam, wo doch landauf, landab (wie solche Kunstwerke zeigen) dieselben Sorgen leben? (Das Problem liegt in der Schwierigkeit, eine Konstellation zu finden, wo sich dieselben Sorgen aufheben.)

Frauen, die L. im Ernst übertreffen, kann ich kaum finden. Morgen früh versuche ich die „Morgenpuppe“ anzureden!

Gute Nacht!

 

21. Mai 1982 - sexsüchtig

Dienstag, November 20th, 2007



[…] Gestern, beim Versuch, die „grandiose Schwarze“ wieder zu finden, stehe ich eine Weile am Bahnhof Baumschulenweg. Es wird eine richtige Schau üppiger Busen, meist reifer Frauen, nur mein Traum ist nicht dabei.

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Abends, im Berliner Ensemble, habe ich (leider durch die Arbeitskollegen gehemmt) nachhaltigen Blickkontakt mit einer schwarzen Schönheit in der Seitenloge, reife Frau, die ein wenig an Quevedo erinnert, aber ohne deren Herbheit und Adel.

Nach dem Theater sitzen wir im „Adria“. Das ist z. B. solch ein Schuppen, wo Kontaktweiber herumlaufen.

Auf dem Heimweg gable ich eine angetrunkene, mindestens 55-Jährige auf (extrem kurzer Rock, fester Busen), aber schließlich weist sie mich doch ab.

Es ist der Zustand der Haltlosigkeit erreicht.

[…]

Die Analyse meines Tagebuchs wird mir zum Bedürfnis. In der nächsten Woche werde ich das tun. Das Übergewicht des Sexuellen, das sich hier wiederspiegelt, zeigt, wie sehr ich gefangen, unfrei bin. Es wird Zeit, daß ich zur Tat komme. Das Onanieren hatte gestern und vorgestern wieder stärker zwanghaften Charakter.

L. ging heute gegen 21 Uhr weg, „schwofen“. Nun ja, das Unglück wird wachsen. (Wichtig ist aber auch, zu Schlafen, wieder zu Kraft zu kommen. Ich zerstöre mich selbst.) In Ermanglung von Taten, ist der Umgang mit Aktphotos zur Manie geworden.

Und was das ganze Leben ausmacht, beginne ich zu vergessen.

Das Leben ohne Liebe entmenscht mich. Ich glaubte, daß ich nicht lieben solle, daß ich es nicht will. Doch fürchte ich, daß ich es gegenwärtig gar nicht kann. - Vom Schicksal verurteilt!

[…]

Der Theaterbesuch hat mich empfinden lassen, wie entfernt von der Welt des Geistes und der menschlichen Ideale (Werte) ich inzwischen bin.

[…]

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# Das Bild aus der Zeitschrift „Fotografie“ habe ich ohne Unterschrift herausgeschnitten. Ich glaube, es zeigt, wie in Frankreich nach der Befreiung vom Faschismus eine „Deutschenhure“ geschmäht wird. #

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20. Mai 1982 - Arbeitsgepflogenheiten

Montag, November 19th, 2007



[…]

G. # mein Chef, dessen Arbeit ich seit Wochen mit übernommen habe, weil er krank ist # besucht uns, läßt sich informieren. Auf Drängen Renates # meine für Buchhaltung und Soziales zuständige Kollegin # ringt er sich dazu durch, mir sein Geld vom ersten Tag seiner Krankheit an (18.3.) zu zahlen.

# Gemäß einer gesetzlichen Regelung bestand erst nach einer längeren Zeit der Krankenvertretung (erst nach vier oder sechs Wochen?) ein Anspruch auf eine erhöhte Vergütung. Die erhöhte Vergütung konnte maximal das Einkommen des Vertretenen erreichen. #

Er fragt, ob ich „auf Freiersfüßen“ gehe, fragt, wie es mit meinen „Fluchtabsichten“ stehe

# gemeint ist meine Absicht, die Arbeitsstelle zu wechseln (Kaderdirektor); „eigentlich“ verfolge ich diese Absicht, die meiner eigenen planmäßigen Kaderentwicklung dienen soll, in Übereinstimmung mit ihm. #

und daß ich doch andernfalls „Verdienter Aktivist“ werden könnte.

# Ein Lockangebot. Von dieser rel. begehrten Auszeichnung war nie die Rede, wie überhaupt mein Chef seine Mitarbeiter mit Auszeichnungen und Prämierungen kurz hielt, solange er selbst nicht in deren Genuß gekommen war. Dies Thema jetzt anzuschneiden, hing eindeutig mit meinen Wechselabsichten zusammen. #

Renate meint, das sollte ich noch mitnehmen. # und dann trotzdem gehen # Aber das bringe ich nicht fertig.

[…] Abends Theaterbesuch (mit dem Lehrgang) „Blaue Pferde auf rotem Gras“.

[…] Straßenbekanntschaften - Es ist nicht gesagt, daß die Frauen, die ich meist vergeblich anspreche, nie oder mit mir nie zu einem Abenteuer bereit wären. Nur in diesem Moment sind sie darauf nicht vorbereitet. Marita, wie Reri, wie Karo sind durchaus manchmal abenteuerlustig. Dann muß ich auf sie stoßen. Das ist halt üblicherweise beim Tanz, wenn sie sich aufgerafft haben und sich vergnügen wollen, weil sie es zu Hause nicht mehr aushalten. Bei anderer Gelegenheit geraten Kontakte meist in eine ernsthaftere Ebene. […]

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Reri sagte sehr deutlich, daß die Weiber den Mann weich machen wollen, und zugleich enttäuscht sind, wenn er weich wird, daß sie ihn also nicht weich haben wollen.

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[…]

 

19. Mai 1982 - Garten

Montag, November 19th, 2007



[…]

Nach Wärme und Regen ist der Garten, den ich nur zwei Tage nicht gesehen habe, ein Erlebnis. Die Quitte treibt wundervolle Blüten. Alle neu gepflanzten Bäumchen und Sträucher (bis auf die Stachelbeere) haben nun ihre Blätter voll entfaltet. Die Tomaten haben die Pflanzung prächtig überstanden. […]

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Margot schreibt ein Kärtchen von ihrem Besuch der Heidecksburg Rudolstadt. […]

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18. Mai 1982 - selbst

Samstag, November 17th, 2007



[…]

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Besuch bei Reri. Sie empfing mich mit weitem Kleid, BH umgetan, „freundschaftlich“. Und es wurde ein langes, kameradschaftliches Gespräch, in dem sie viel von sich erzählte und ich einiges von mir. Immer sind „Mann und Frau“ in solchen Gesprächen das Thema. […] Mit wahrer Besessenheit werden solche Probleme erörtert, als ob es nichts anderes gebe. Doch es kommt auch ‘ne Menge Interessantes zur Sprache.

In der Diskussion mit Hugo P. und Helmut Sch. im MSAB # Ministerium für Schwermaschinen- und Anlagenbau # bekomme ich einen Eindruck davon, wie viel Wind da auch gemacht wird, statt präziser Arbeit (wie sie z. B. Werner F. und Martin L. vormachen).

Kral redet ohne einmal Luft zu holen 4 Stunden auf mich ein. Sein Blick ist wahrhaftig flehend, als er mich bittet, wiederzukommen. (Ich bin einige Male am Rande meiner Beherrschung. Frisch war ich ja auch nicht gerade, als ich dort ankam.)

Nachdem ich gehe, empfinde ich eine seltsame Tatbereitschaft, eine Bereitschaft, ohne Zögern Kontakt zu irgendjemand aufzunehmen. Aus dem Grüblerleben herausgerissen, von den Leuten skrupellos belegt (Hugo P, Kral), fühle ich mich angeregt, andere ebenso ungehemmt zu belegen.

Auf der Heimfahrt spreche ich eine Frau an, die sich irgendwie anbietend verhält, es ist eine Russin, sympathisch und hoffnungslos. Zum Schluß blicke ich ziemlich haltlos jeder weiblichen Figur hinterher (Es ist schon 23 Uhr.), ein Rest von Vernunft geleitet mich schließlich recht und schlecht nach Hause, unbefriedigt, ruhelos, dann fressend.

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Obwohl doch von äußeren Bindungen weitgehend ungehemmt, sind meine Beziehungen zu Frauen nach wie vor völlig unbefriedigend für mich, ja kaum vorhanden. Die vulgäre sexuelle Befriedigung, die ich wohl brauche, bzw. die skrupellose gelingt mir nicht (von Hegrü abgesehen). Es wird immer gleich eine menschliche Beziehung draus (Reri, Hepa) bzw. etwas ganz Verqueres, wie bei Marita. […]