Archive for Dezember, 2007

09. Juni 1982 – Purrmann

Sonntag, Dezember 23rd, 2007


 

[…] Der zweite Blick auf Purrmann. Natürlich stimmt, was alle Leute sagen: Farbschönheit! Komposition! Einheit des Kunstwerks! Jedoch: Gesteigert bis zur Aggressivität des Schönen, Penetranz des Schönen, das gewaltsam überall herausgekitzelte Schöne, gewalttätige Schönheit. Das Schöne, das sich auf sich selbst gründet, sich selbst genug ist, kippt hin zum nicht menschlichen. Hesse, Rilke, Nietzsche. Irgendwann am Ende steht (wenn nicht bloße Dekorativität) die Bestialität des Schönen, die schöne Bestie. (Gewiß, davon ist P. weit weg – jedoch provoziert er solche Gedanken.)

 

Frühmorgens steigt eine gedrungene Frau, noch keine 40, in die Straßenbahn. Mit riesiger Brust, feistem Arsch, zwei, drei dicken Fettwülsten um den Bauch. Aber mit dem sichersten und zufriedensten Gesicht der Welt. Es sagt: „Na und? … So wie mein Alter mich fickt, weiß ich, daß ich nicht 1 Pfund zu viel habe.“

 

Schöne Frauen mit zärtlichen Brüsten. Frauen in phantasievollen Kleidern (nicht selten, wenn auch nicht oft), und einige andere, die aufgezäumt sind, wie Zirkuspferde.

 

Diew Kadergespräche für den 31. Lehrgang sind interessant. Vielfalt des Lebens! Es läuft nichts, wenn es in ein Schema gepreßt ist. Wir werden verschieden reagieren. Ich werde einen Brief an die Generale entwerfen.

08. Juni 1982 – F. Bacon über Garten

Samstag, Dezember 22nd, 2007


 

 

[…]

Bacon Essays S. 191: „Gott der Allmächtige pflanzte zuerst einen Garten.“ (Moses II Seite acht) „… und in der Tat ist dies die reinste aller menschlichen Freuden.: es ist die größte Erfrischung für den Geist des Menschen, ohne welchem alle Gebäude und Paläste nur rohe Machwerke sind; und man wird stets finden, dass die Menschen mit dem Fortschritt der Jahrhunderte zur Bildung und Verfeinerung zuvor prachtvolle Bauten aufführen, ehe sie schöne Gärten anlegen als ob der Gartenbau eine höhere Entwicklungsstufe wäre.“

Ein Garten, der in jedem Monat höchste Schönheit entfaltet. Man kann sich tatsächlich einen „ewigen Frühling“ verschaffen (Vergil, Gedicht vom Landbau), wenn man sich nach dem richtet, was der Boden jeweils bringt…“

Interessant ist die Arbeit mit den Kaderakten. Mit nicht zu überbietender Ignoranz werden alle Genossen entgegen der Weisung des Ministers delegiert. Und die Verantwortlichen der Kaderabteilungen lassen sich das ohne ein Zucken bieten. Es ist eine unglaubliche Schlamperei. Erstes Gespräch mit einem der Neuen. Er ist F- und E-Ingenieur und hat schon 1625,-M. Natürlich ist der an einer Arbeit im MSAB, überhaupt an echter Leitungstätigkeit (wenn sie über den Gruppenleiter hinausgeht) nicht im geringsten interessiert. In Leitungstätigkeit freilich könnte er noch reinschlittern, aber für das MSAB besteht keine Chance.

Neuer Krieg Israels. Es klappt wieder anscheinend alles.

Reagan reißt in London das Maul auf, speziell gegen die Mauer in Berlin, für einen („friedlichen“) Kreuzzug gegen den Bolschewismus, für ein Fernsehduell (!!!) mit Breshnew. Er ist doch wirklich ein Superarsch. Bilder: R. zu Pferde, in Westminster, er platzte schier, der Frosch.

Und doch bleibt für die Menschen nur das maßgebend, was sie eingedroschen kriegen, zumindest, was sie im Bauch, im Schwanz usw. verspüren.

Das Gegeneinanderleben gegen L. ist belastend, dies besonders heute zu spüren, wo sie eine Art Zeichenfete im Garten machen; ihr verkniffener Mund, aus dem jede Wärme getilgt ist (ich zu ihr genauso). Nicht nur, dass nun wohl schon seit Monaten Sex überhaupt nicht mehr stattfindet. Darüber hinaus gibt es keine emotionale Gelöstheit, kein zu Hause mehr. Der Mensch braucht aber Momente mit einem anderen Menschen, in denen er ganz ohne rationale Steuerung sich geben kann. Vielleicht kann mancher dies in die Arbeit, in ein Werk packen, das sich vielleicht sogar aus dieser ungestillten Sehnsucht speist. Meine Lösung ist das letztlich nicht. (Auch um den Preis, dass mir letztlich F. entzogen wird, denn das wird die letzte Rache sein.) F. ist ganz besonders erfreut und lieb zu mir, als ahnte er, dass ein Ende mit dem Papa kommen wird.

Frühmorgens, auf Arbeit, R. kommt gerade zur Tür herein, erzählt sie gleich einen Sextraum, den sie mit mir hatte. Es ging Vieles durcheinander. A. schwirrte herum. Neger schwirrten herum, dann wieder in meinem Bürozimmer. Ich massiere ihr von hinten die Brüste, und wir sind darüber hinaus (besser: darunter hinaus) im schönsten Vollzuge als in der Wand eine Luke aufgeht und die Küchenhilfe der “Mutter“ hereinschaut, was uns aber nicht stört, fortzubumsen. Ja, nicht nur mir ist heiß.

# „Mutter“ war die Betreiberin der Imbissstube in unserem Bürogebäudet. #

 

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Nebenstehender Akt übrigens gefällt mir nicht so sehr. Natürlich ist er ganz schön aggressiv. Aber die betonte Handsprache ist mir zu geziert. Das Drumherum zeigt mir, in welch eigentlich „schwüler„ Atmosphäre auch fotografiert werden kann. Man muß (und kann) sich wirklich alles erlauben (wenn man bedenkt, dass dies ohne weiteres veröffentlicht wird.) Ich muß mich hüten, dass mein Aktinteresse nicht eine neue Art von Ersatzbefriedigung wird.

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07. Juni 1982 -„Vererbung“ erworbenen Verhaltens

Samstag, Dezember 22nd, 2007



[…]

Beim Zurückblättern: Jeden Tag gehe es angeblich besser. Doch zur Arbeit schleiche ich noch genau so, wie vor 6 Tagen. Brummschädliger Kopf >> Tablettenwirkung.

Ob man sich, nachdem man akzeptiert hat, krank zu sein anders auf seine Schmerzen einstellt, sie wichtiger nimmt? Weiß tatsächlich nicht, ob meine Schmerzen der Anfangszeit ebenso oder kleiner oder größer waren als jetzt.

Eins aber deutet doch auf Besserung: Ich sehe wieder eine Menge erotisch reizender Frauen.

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[…] In einer Berliner Zeitung las ich Forschungsergebnisse über den Zusammenhang zwischen psychosozialer Umwelt, Hormonkonzentration, Gehirnentwicklung und späterem Sozialverhalten. Der Bericht scheint mir seriös zu sein (BZ vom 8./9. 5. 82). Er ist so ungemein wichtig, weil er die Vererbung (zumindest auf die folgende Generation) erworbenen Verhaltens bestätigt und damit die starre Vererbungsvorstellung ausschließlich über Gene außer Kraft setzt. Ich habe immer geglaubt, dass bestimmte Verhaltensweisen vererbt werden können, also körperlich-organisch fixiert werden.

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[…]

Wann reizt eine nackte Frau, und wann nicht? Das Nackte darf nicht Selbstverständlichkeit sein. Dann reizt es ebenso sehr, wie eine Nasenspitze oder ein Handrücken. Es muß eine Beziehung zu einer intimen Berührung behalten. (Dann kann selbst der Handrücken reizen, wenn er mich an die Haut der Lenden erinnert.) Das Nackte sollte nicht einfach öffentlich sein. Es sollte eine Bevorzugung ausdrücken.Dabei ist nicht der Grad der tatsächlichen Nacktheit maßgebend, sondern das Maß der für mich (für meine Wünsche) erlaubten Entblößung, d.i. aber eine psychologische Größe. Mein Lustgewinn resultiert nicht so sehr aus der Fläche entblößter Haut, als viel mehr aus einer ganzen Kombination sinnlicher und rationaler Faktoren (Bedeutungen von Sinneseindrücken). Dabei spielt das Eindringen ins gehütete Geheimnis, also Erringen dieser elementaren Freiheit, eine wichtige Rolle.

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Ein Foto, bei dem mir der nette Ausdruck des Gesichts gefällt, doch dafür brauchte es kein Akt zu sein. Nicht schlecht die Bescheidenheit, Unaufwendigkeit dieses Akts. Die Bilder an der Wand vermitteln eine Werkstattatmosphäre. Sie regen an, selbst zu probieren, deuten an, was alles sexy sein kann (und sei es der gut entblößte Bauchnabel).

Heute war ein Tag, an dem Hinkebein viele schöne Frauen gesehen hat. Wichtig dabei eine mit roter Bluse und weitem Rock, die in der U-Bahn eine Fingerberührung herbeiführte. Sie hatte etwas anziehend Gewöhnliches. Sie als Aktmodell hätte ich nur in einer Arsch- und Hüftpose „adäquat“ packen können.

Vor dem Garten eine große, festfleischige Schönheit.

 

Goli erzählt vom Disziplinarverfahren gegen Volker Dümke, der Bagger, für den NSW-Export gedacht aber dort nicht absetzbar, auf eigene Faust im Inland verteilte.

# Goli und Volker Dümke – Mitarbeiter im MSAB. NSW – NichtSozialistisches Wirtschaftsgebiet = Handel in konvertierbarer Währung #

Die Sichtung der Delegierungen für den 31. Lehrgang erbringt ein erstaunliches Bild: Eine verblüffende Ignoranz der staatlichen Weisung (die bereits wiederholt wurde). Das ist ein hoher Grad von Autoritätsverlust des Staates. Liberalismus. Freitag will ich in dieser Sache nach Halle zu KPV fahren.

 

# KPV- Kombinat Pumpen und Verdichter. Zu Kombinaten vergl Anmerkung vom 3.6.1982

Zum Thema Autoritätsverlust: Jetzt, da ich längerfristig meinen Chef vertrete, werde ich erstmals direkter mit solchen Momenten der sozialistischen Leitung konfrontiert. Dem über weite Strecken administativen, also nicht ökonomischen Charakter der Leitung entsprach ihre partielle Ohnmacht. Gegenüber der elementaren Gewalt ökonomischer Prozesse wurden im Alltag ständig die Grenzen der beanspruchten Macht der zentralen staatlichen Leitung aufgedeckt, was in der Praxis oftmals Korrektueren erzwang. #

 

Ich dackele vom Garten nach Hause zurück, in die Wärme – die aber nur die physische Wärme des Duschbades ist. Wird es denn nie mehr menschliche Wärme geben? Ich will mich deshalb nicht in eine andere Frau verlieben, weil es das endgültige, unwiderrufliche Nichtlieben L.s wäre. Davor schrecke ich im Innersten zurück.

 

Mein beschissener körperlicher Zustand rührt zweifellos her von der verdammten Spritze, die in den Nerv ging. Jedoch die Entzündung ist im wesentlichen jetzt aus dem Körper raus. Es ist nur noch das Bein knieabwärts, das wehtut. Die anderen Funktionen haben sich wieder normalisiert.

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PC-Ausfall

Samstag, Dezember 15th, 2007


Ganz plötzlich hat mein Windows und dann sogar der ganze PC seinen Geist aufgegeben.
Dabei habe ich selbst kräftig Hand angelegt.
Eigentlich wollte ich nur das Spracherkennungsprogramm „Dragon Naturally Speaking“ installieren, um damit dieses Blog viel rationeller betreiben zu können. Der „Dragoner“ hat aber einen enormen Speicherbedarf und zwang mich deshalb zu etwas, vor dem ich schon lange zurückgeschreckt bin, nämlich die Partitionierung meiner Festplatte zu ändern. Damit fing eine Kette von Fehlern und Ausfällen an.
Mein „Helfer in höchster Not“ war gerade auf Lehrgang und hat jetzt sowieso vorweihnachtlich knappe Zeit.
Noch kann ich nicht sagen, wann ich wieder stabil online bin.

06. Juni 1982 - Krankheitslamento und Rias in der Nacht und Womacka

Dienstag, Dezember 11th, 2007



1.30 Uhr, vor Schmerzen wach

2 Uhr Rheuma-Bad

5.30 Uhr, rumhängen, Rheuma-Bad

7.30 Uhr, Rheuma-Bad (Ich mache es der Schmerzen wegen, aber irgendwie macht es mich auch fertig.) großes Brandloch in meiner Bettdecke.

8.00 Uhr, aufstehen, im Moment des Eintauchens im Bad fühl ich mich wirklich befreit, doch jetzt diese Apathie.

10.00 Uhr, […], Bettzeug gewechselt (ganz schöner schaden. Da konnte auch mehr passieren.) Wäsche. Auf alles und jedes hab ich eine Wut im Bauch.

12.00 Uhr, in den Garten, rumhängen,

16.30 Uhr zurück, […]

19.30 Uhr, Rotlicht, Einreiben, […]

0.00 Uhr, Rheuma-Bad, Rotlicht, Massage

Ich esse einen Brotkanten, trinke einen Wasserkakao, knipse das Radio an:

Eine Werbung für das „Haus der Jungen Talente“ (Schöbel, Jazz). Danach Auszug aus einem Roman von Dieter „Oie“ (?) „Das Leben des Konstantin Ketzer“. (Wie er zum Spittelmarkt will, nach dem Gerücht, die „rolling stones“ würden auf dem Springer-Hochhaus spielen. Suchen, Finden, Verlieren - DDR konkret. Denn es ist Rias. - 2.00 Uhr. Der Klassenkampf geht weiter!

Die Grenze irgendwie (nicht unbedingt Grenzdurchbruch) überwinden - ein entscheidendes Stigma der DDR-Jugend.

Jetzt, 2 Uhr kommt die Rias-Hörer-Tip-Parade! Hier kommen Antworten und Ablenkungen, kurz Dienste für die, die aus welchen Gründen auch immer, schlaflos sind. All das nie bemerkt, höchstens mal geahnt, als ich bei der 1-Tags-Bekanntschaft in der Buchholzer Straße schlief (am Morgen gutes männliches Gefühl, hernach Fahrt nach Chorin, Zusammentreffen mit Semmelmann. Das ist alles sehr lange her.) Die Schlagerparade langweilt mich etwas, obwohl die Schlager ausgewählt sind („Dschingis Chan“, „Wir sitzen alle in einem Boot“) Aber das Programm ist für Leute gemacht, die wach, ruhelos sind (nicht für Leute, die den Tag arbeiten und nachts schlafen). Auch hier: „o Wirklichkeit, du Donnerwort.“

Die Straße ist momentan leer. 27°. Ich versuche es nochmal mit Schlafen.

Ich möchte irgend etwas mit meinem Körper machen, das ihn abstellt, funktionieren läßt. Aber das gibt es nicht. Ich stehe wieder auf zum Baden. Wenn ich taumelig gegen irgend etwas renne, ist stets eine auffahrende Wut in mir.

Eine ungewöhnliche Nacht, meinetwegen eine schlimme Nacht für mich, aber wichtiger: Wann denke ich schon mal an die Ruhelosen?

Wortwechsel mit Arne Zimmermann über Womacka, dessen (Arnes) Borniertheit mich reizt. Womacka kennt nicht den, der mal eine Nacht schlaflos lag, der „sein Brot mit Tränen aß“, für den 1000 Schritte zu gehen ein unlösbares Problem ist. Das sind nicht Wenige. Womacka ist für die Satten, Zufriedenen, deren größtes Problem darin besteht, ihre 5 oder 10 kg Übergewicht abzunehmen.

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Ich bin im ekelhaftesten Zustand, dem einer „Jammerapathie“. Die Nacht war scheußlich. Die Schmerzen sind kräftig. Ins Bett hab ich mit Rotlicht ein großes Loch gebrannt. Werde jetzt essen, Musik hören, um wieder ins Geschirr zurück zu kommen.

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Klebe jetzt hier was hin, weil das auch mal wieder sein muß. Meine Sinne sind völlig unbeteiligt.

[…]

Alles in allem tut das Ruhen gut. […] Gewiß geht es heute besser als Freitag. Der Schmerz ist nur noch im Unterschenkel, Taubheit geht zurück. Aber Intensität des Schmerzes ist nicht verringert.

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Irgendwer sagte:“Sprache, die für uns dichtet und denkt.“ Das ist weiterzutreiben. In den letzten Tagen empfand ich: „Fahrrad, des für mich fährt und lenkt.“Überhaupt, die Dinge, auch wenn sie vom Menschen nicht besonders geschickt gebraucht werden, neigen dazu, sich ihrer Funktion entsprechend zu verhalten. […] Lese gerade von Ziergerüsten und Pergolen. Warum nicht den so notwendigen radikalen Rückschnitt der Pflaumen an unserem Sitzplatz vornehmen und die entstehende Kahlheit durch ein pergolenartiges Gerüst, also eine entsprechende Bepflanzung zwischen Pflaume und Hauswand überbrücken.[…]

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Kein Bildchen, was mich aufregt. Aber den Gedanken des Verhüllens und Enthüllens aufgreifen, nur viel radikaler, schärfer.

 

 

05. Juni 1982 - Schmerzen

Sonntag, Dezember 9th, 2007


 

5.30 Uhr aufgewacht. Meine Rechnung von gestern ist z. T. aufgegangen. Aber noch sind Arsch- und Wadenschmerzen und auch Zäpfchenwirkung groß. Jetzt Zähne putzen, Rotlicht, Bad ist vorbereitet, weiter abruhen.

10.00 Uhr, ich steh auf. Zwischendurch war Bad und Schlaf. Die Zäpfchenwirkung (Trunkenheit) ist doch stark. Ab sofort nur noch 1 Zäpfchen, 1 Tablette. Fühlbare Besserung, von Schmerzfreiheit kann aber noch keine Rede sein.

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30° im Schatten, heute in den Garten. […]

20.20 Uhr; die Ischiasschmerzen lassen alles in allem erheblich nach. Aber große Schwäche, Tapsigkeit, weiter Schmerzen. Nach Bad, Wäsche, werde ich weiter Briefe schreiben. […]

Im Garten habe ich u.a. Tomaten betuttelt. Es war schön, obwohl mit mir nichts los. Die Kirsche „Morellenfeuer“ hat einen schönen, starken Ast verlosen. L. weiß nicht, welcher Idiot das war.

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# Aus einem Brief an Freundin M. #

[…] Bei geöffnetem Fenster sitze ich hier. Es ist abends 1/2 10, und das Thermometer zeigt 32°. Neben mir gut gekühlter Tomatensaft (jetzt auch ein Schwapps auf diesem Brief) und aus dem Radio Bach. So bin ich guter Hoffnung. Ja, guter Hoffnung, denn seit Wochen habe ich mit lästigen Kreuzschmerzen zu tun und seit etwa 10 Tagen mit einem ordentlich entzündeten Ischiasnerv. Heute ist der erste Tag, an dem die Schmerzen zurückgegangen sind. […]

Die letzten Tage habe ich mich immer mit doppelter Portion „voltaren“ und vierfacher Zäpfchendosis „oramon“ beholfen und nachts doch nur zweistundenweise geschlafen. Das ging wirklich nicht mehr lange so weiter. Krank machen konnte ich nicht, weil ich gerade den Chef vertrete, der sich ein Bein gebrochen hat, ja ich mußte sogar paar Tage auf Dienstreise nach Magdeburg. Hab’ ich geplagtes Wesen Dir nun genug vorgejammert? […]

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1.00 Uhr, schon der 6.6. Wieder bin ich vor Schmerzen hellwach. Pustekuchen! Wie ein Besoffener, mit Augenschlitzen torkle ich durch die Wohnung, stelle die Dusche an, bereite ein Bad vor. Entweder bringt mir ein Bad die entscheidende Linderung. Oder ich werde so munter, schreibe, daß die Schmerzen vom Verstand ins Korsett genommen werden. (Dieser Zustand ist jetzt fast erreicht.) Oder ich esse - mit demselben Ergebnis.

Komisch: „Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer.“ - Daß das auch biologisch stimmt! Ich werde willenlos herumgewirbelt, bewege mich ruckartig und heftig und viel, also gerade unvernünftig. Irgendetwas Physisches, in meinem Zustand also Schmerzhaftes, regiert mich.

Ich war mir immer nicht im Klaren, ob die Schmerzen nachts so viel größer sind. Aber nein, jetzt, wo sie wieder unter Kontrolle gekommen sind, merk ich, daß es in der Intensität kaum einen Unterschied zum Tag gibt. Die Nacht, der Schlaf, ist das Leben des unmittelbar Physischen. Da, wo die Physis leidet, bist Du dem nachts völlig ausgeliefert. Natürlich kannst Du Dich völlig munter machen, es so beherrschen, wie ich jetzt, aber was ist da gewonnen? Du brauchst ja die Regeneration der Physis in ihrer Uneingeschränktheit, verschiebst es also nur. Gegenüber spielt jetzt übrigens ein Radio.

Ich möchte ruhig schlafen!

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04. Juni 1982 - Nach der Exkursion

Freitag, Dezember 7th, 2007

[…]

20.30 Uhr. Nach dem Tag, anstrengendem Rheuma-Bad, 1 Std. Schlaf fühle ich mich jetzt ganz zerschlagen. Aber jetzt beschäftige ich mich, denn jetzt zu schlafen wäre Garantie für eine unerträgliche Nacht, und die fürchte ich sowieso.

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Schmerzen, Anstrengungen, Hitze, Medikamente haben mich in einen kollapsähnlichen Zustand versetzt. In den letzten 10 Minuten sind mir mindestens 1 Dutzend Gegenstände aus der Hand gefallen, darunter eine volle Tasse Kaffee. Mein Phlegma reicht aus, nichts an die Wand zu schmeißen. Ich sehe verschwommen, und die Augen brennen. Doch jetzt höre ich Musik und schreibe, denn ich muß wieder Fuß fassen. Jetzt zu schlafen wäre Wahnsinn. Das Telefon strafe ich wutentbrannt mit Nichtachtung.

Seit einer Woche haben wir Temperaturen von 30°, jetzt zeigt das Thermometer 34°! Und ich konnte noch nicht einmal ins Wasser.

Orchestersuite Nr. 2 von Bach, die immer wieder geeignet ist, einen Menschen wieder aus mir zu machen.

Rothensee: Habe noch nie eine so gewaltige, so technisierte Gießerei gesehen. Da ist die Kraft der Arbeiterklasse materielle Gewalt geworden. (Auch in WD # Westdeutschland # gäbe es eine solche Gießerei nicht.) Die Redensarten mancher Künstler, L.s, („Dann sollen sie es doch nicht machen.“) können einem da nur ein müdes Lächeln entlocken.

Wirklichkeit einer solchen Industrieanlage,

Wirklichkeit einer Aktstudie (meiner Intension) oder Wirklichkeit eines Orgasmus mit HeGrü!

Wirklichkeit der Orchestersuite Nr. 2 von Bach!

Oh Wirklichkeit, Du Donnerwort!!

Und weiter: Wirklichkeit einer Rhönwiese im Mai, Wirklichkeit der neu gepflanzten Stachelbeere, die wir Blatt um Blatt durchbringen werden.

Ich bleibe weiter der ganzen Wirklichkeit verschrieben, zugetan, offen; auch um den Preis, daß ich es auf keinem Gebiet zu einer großen Leistung bringe. […]

Jetzt geht es auf 22 Uhr. Das Thermometer zeigt weiter 28 oder 29°. Doch mir geht es besser. (Bin wieder im Geschirr des Geistes. Dieses Geschirr ist nachts, im Schlaf, abgelegt. Darum herrscht dann der Schmerz so unumschränkt. Heute will ich ihn überlisten: Ich bleibe lange auf, schreibe noch Briefe, wenn ich dann sehr müde bin noch ein Rheuma-Bad, 2 Zäpfchen und dann wird wohl der Schlaf herrschen.)

Die Platte bringt gerade aus der 3 Orchestersuite ein Stück… - Ich denke an den toten Helmut.

# Helmut war der erste Mensch, der mir vor Jahren Bach nahegebracht hatte. #

Er bleibt einer der Menschen, dessen Tod für mich immer etwas Unwirkliches, nicht ganz Ernstzunehmendes hat. Irgendwie bleibt er gegenwärtig als das Leben selbst. Seinen Freund Hans Dy werd’ ich mal besuchen.

Eindrücke in Rothensee:

Politische Losungen, mit Kreide an die Wand gemalt: „Laß das Atom zu friedlichen Zwecken!“

„Gegen NATO-Raketen“

In einer anderen Abteilung kriege ich (zum ersten Mal in meinem Exkursionsleben?) Dreck in den Rücken geschmissen.

Ein flott und sinnvoll arbeitender Roboter! […]

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# Aus einem Brief an U., Witwe des erwähnten Helmut. #

„… Ich schreibe, höre dabei Bach, und auf einmal ist mir (das geschieht nicht zum ersten Mal) der tote Helmut ganz und gar gegenwärtig. Ich empfinde wieder, wie von der ersten Stunde an, daß dieser Tod etwas Unwirkliches, nicht ganz Ernstzunehmendes hat. Nach so langer Zeit schreibe ich das natürlich nicht als billigen Trost (zudem sinnlosen), als Versicherung. („Er lebt in uns fort.“) Nein, es ist einfach eine erstaunliche und höchst freudige Feststellung: Beweglichkeit dieses Kerls, einschließlich gewisser Moralitäten und Amoralitäten, sind einfach nicht totzukriegen. Da ist er wie das Leben selbst. („Tod, wo ist Dein Stachel, Hölle, wo ist Dein Sieg?“)

All das soll nicht billige Verklärung sein. Zum Schluß hätte er wohl gern all das hingegeben, wenn er noch hätte einen Monat leben dürfen. Er hat von solcher Wirkung nichts, ja, keiner wußte, keiner weiß, ob er solche Wirkung auslöst.

Nein, ich will den Toten ihre Ruhe lassen, will nicht so tun, als könnt ich die Tragik versüßen. Doch es ist eine Tatsache, daß doch etwas von dem Schönstmöglichen eingetreten ist - sich ein bißchen in seiner Pflicht zu fühlen, ein Winziges für sein Hoffen zu tun.

Eine Tatsache ist es: Wenn eine Karriere für mich völlig reizlos ist, und wenn ich manchmal die Kraft habe, etwas nur aus Gewissen zu tun, selbst für Nachteile ( - und das ist ja eine ziemliche Freiheit, die man sich da schafft - ), so ist es ebenso wohl Leben, wie Sterben von Helmut, das mit dabei wirklich nachdrücklich hilft.

Leicht wäre es mir jetzt, gewisse gemeinsame Erlebnisse, Szenen heraufzubeschwören, die sehr erfüllt waren, die in mir bis an Ende meiner Tage leben werden, ganz Alltägliches, warum nur? Wahrscheinlich sind es oft solche Winzigkeiten, wie die Sandkörnchen am FKK-Strand von Rosenort, die zu den Sternstunden eines Lebens gehören und irgendwann auf unerforschlichen Wegen in’s Bewußtsein treten…“

# Aus einem Brief an die Eltern von L. #

„Wenn ich Euch schreibe, möchte ich mich auch ablenken. Mein Ischias/Nervenentzündung macht mir doch ziemlich zu schaffen, da ich den letzten Tage auch tatsächlich nicht die Zeit hatte, […] ihn mit Ruhe und Wärme zu kurieren. So fresse ich z. Z. ´Tabletten, doppelte Portion und nachts Zäpfchen, vierfach, und komme dann in den letzten Nächten doch immer nur zweistundenweise zum Schlafen. Jetzt am Wochenende schone ich mich aber und hoffe nun endlich über den Berg zu kommen. […]

Gerade höre ich von draußen ein klatschendes Geräusch, während vom Plattenspieler die Matthäuspassion erklingt. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite geht ein junge Frau, die sich das Gesicht hält und schluchzt. Auf unserer Seite steht ein angetrunkener Kerl. Er ruft rau:“Komm her!“ Sie antwortet etwas und geht weiter. Er nochmal: „Komm her!“ Dann sucht er irgend etwas, wie eine Scheibe, sucht aber noch weiter. Dann pißt er umständlich mit starkem Strahl an den Baum vor unserer Haustür. Dann geht er umständlich schwankend ihr nach. Viele Fenster sind geöffnet. Aus meinem klingt kulturvoll Bach, wie gesagt, aus den anderen verschiedene Fernseh-Krimis - Berliner Szene! […]

Mein herzliches Dankeschön für das Hemd und die Socken im West-Paket! Alles paßt wie angegossen, steht mir und kann ich gut gebrauchen, wenn ich zu L.s Verdruß z. B. festlich in’s Theater gehe. […]

Im übrigen bin ich gespannt, wie es im Garten weiter gegangen ist (Dienstag war ich zum letzten mal da.) Bei dieser Wärme, und L. hat sicher viel gegossen! (Das ist bei uns ja das A und O.) Es ist ungeheuer, welche Produktivität aus jedem Winkel hervorbricht. Am meisten ans Herz gewachsen ist mir aber ein scheinbar völlig verdorrtes Stachelbeerhochstämmchen, das ich trotzdem nach Ostern und ohne rechte Hoffnung pflanzte. Es hat ganz zögernd Knospen schwellen lassen, schließlich einige Blätter getrieben, so daß es erstmal zum Überleben reicht. Jetzt scheint gar ein neuer Trieb hervorbrechen zu wollen. (Ich hatte extrem kurz geschnitten.) Damit wäre es ja über den Berg für die Zukunft! Alles übrige aber steht kraftvoll, auch z. B. „Jonathan“ und „Ostheimer Weichsel“ (die auch geblüht, aber nichts angesetzt hatte). Naja, Garten ist ein unerschöpfliches aber für Euch nicht gerade neuartiges Thema.

Ich war jetzt zwei Tage zu Besuch in der Stahlgießerei Magdeburg-Rothensee. Das waren imposante Eindrücke (und auch einfach gute Eindrücke) in dieser wohl größten Stahlgießerei Europas. Wenn man solche Produktionsstätten sieht und was die „hinten rausschmeißen“ begreift man gegenständlich, warum unsere Wirtschaft/Staat trotz der vielen Lücken einfach nicht totzukriegen ist. Riesige Hallen, in denen die Technik und wenige Menschen arbeiten. Leicht war es nicht, 40° die Sonne + 8 Elektroschmelzöfen.

Und erst die Schicksale, die an solchem Betrieb hängen, einige kenne ich zufällig näher: Der Betrieb produziert seit 10 Jahren. Vor 15 oder 17 Jahren war Grundsteinlegung. Erinnerungsfoto: Der Minister - ist inzwischen mit Herzinfarkt Rentner, der damalige Generaldirektor, zwischendurch Herzinfarkt, abgelöst, wieder eingesetzt, heute Invalidenrentner mit freier Arbeitszeit, sozusagen z.b.V. beim Betriebsdirektor. Ich kannte ihn noch unmittelbar als „General“, heute führte es unseren Lehrgang, vermittelte Erfahrungen, auch welche, die man nirgends lesen kann.

Schade, all das kein Gegenstand für Künstler! Weil 95% von ihnen (oder 99%?) von diesem menschlichen Leben so viel verstehen, wie der Esel vom Integral. Aber was hilft das Klagen. Materielle und künstlerische Produktion gehen weiter ihre getrennten Wege, und irgendwann haben beide eine Reife, die eine Art Verschmelzung ermöglicht (in fernen Zeiten, die dann das Ende mancher Borniertheit bringen).

Ich grüße Euch alle herzlich.“

 

03. Juni 1982 - Besuch in der Stahlgießerei Magdeburg-Rothensee

Mittwoch, Dezember 5th, 2007

[…]

# Besuche (Exkursionen) in Betriebe unseres Industriebereichs waren eine beliebte Veranstaltungsform in unseren Lehrgängen. Sie dienten - nach einem Diktum von Willi Stoph: „Erfahrungsaustausch ist die billigste Investition.“ - dem Kennenlernen der verschiedensten positiven Beispiele betrieblicher Leitungstätigkeit. #

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1 Uhr 40, Die Anstrengungen der Exkursion lassen die Nachtschmerzen unerträglich werden. Wir wohnen im SKL-Wohnheim Klewitzstr.

# SKL - Schwermaschinenbaukombinat „Karl Liebknecht“, bedeutender Dieselmotorenbauer der DDR, besonders Schiffsdiesel. #

Weil ich nicht schlafen kann, schwätze ich mit dem Nachtpförtner. Er war 15 Jahre lang in der Gießerei, dann Unfall, Sehnen der linken Hand durchtrennt. 35x fürchterliche Massage (sinnlos). Nun fühlt er sich gut in seinem Posten. Im Wohnheim sind Kubaner und Vietnamesen untergebracht. Mit letzteren keine Probleme. Die Kubaner schlafen mittlerweile fast alle außerhalb.

In der Stahlgießerei betreut uns das „Faktotum“ z. b. V. (Invalidenrentner) Winckelmann. 1967, bei der KA des ersten Lehrgangs der ZF, war er GD der VVB Armaturen. Wie die Zeiten eilen!

# Die Halbjahreslehrgänge meiner Dienststelle „Zentralstelle für die Heranbildung von Führungskadern“ (ZF) fanden seit 1967 statt. Als krönender Abschluß galt immer die Kollektivarbeit (KA). Für diese Arbeit wurde den Lehrgangsteilnehmern vier bis sechs Wochen Zeit eingeräumt. Sie wurden meist in zwei Gruppen zu je 4 bis 5 Teilnehmer eingeteilt und untersuchten ein relevantes Thema der Leitungstätigkeit in zwei oder mehr Betrieben. Themenstellung und fachliche Anleitung und schließlich Verteidigung der fertigen Studie(n) wurde meist mit einer Fachabteilung des MSAB („Ministeriums für Schwermaschinen- und Anlagenbau“) vereinbart, während die Planung, Organisation, empirischen Untersuchungen und Erarbeitung des Abschlußberichts selbständig vom Lehrgang durchzuführen waren. „GD“ war die gebräuchliche Abkürzung für den Generaldirektor eines Kombinats oder, in früherer Zeit, einer VVB („Vereinigung Volkseigener Betriebe“). Kombinate bzw. VVB wurden gelegentlich als „sozialistische Konzerne“ bezeichnet. Sie waren von sehr unterschiedlicher Größe. Im Schwermaschinen- und Anlagenbau umfaßten sie oft 15 bis 20 einzelne Betriebe mit insgesamt mehreren zehntausend Beschäftigten. Die Stahlgießerei Rothensee Magdeburg gehörte zum Armaturenkombinat MAW („Magdeburger Armaturenwerke“). #

[…]

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Rothensee macht mit 2700 Arbeitskräften 36.000 Tonnen, bald 50.000 Tonnen Stahlguß. Welche Schicksale doch ein solcher Riese hat und welche Schicksale auch daran hängen, welche er fordert.

Auf einem Bild von der Grundsteinlegung Rothensee ist Zimmi und Winckelmann.

#“ Zimmi“ = Minister für Schwermaschinen- und Anlagenbau Gerhard Zimmermann und Winckelmann. Beide inzwischen mit Herzinfarkt außer Gefecht. #

Nachmittags muß Winckelmann zur DSF, # „Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft“ # wo er 2. Vorsitzender im Bezirk ist, 1. Vorsitzender ist…. Hoberg! # ein weiterer ehemaliger GD eines Kombinats #

 

 

02. Juni 1982 - krank

Dienstag, Dezember 4th, 2007

[…]

Der „höllische Schmerz“ läßt mich mehrmals in der Nacht munter werden. (Dann helfe ich mir mit Rotlicht weiter.) Dementsprechend unausgeschlafen fühle ich mich am Morgen und entschließe mich (mit Schrecken an die Exkursion morgen denkend) auf Theater abends zu verzichten und den Tag, so weit wie möglich, meiner Gesundheit zu leben.

Hepa bedauert mich. (Sie wollte gerade vorschlagen, wir sollten lieber Baden fahren.) Ich glaube es klingt mitfühlend. Aufgeschoben! Wir werden schon nochmal zusammenkommen. […]

Am Tag immer wieder Bettruhe, Rotlicht, Selbstmassage, Tabletten, Zäpfchen.

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01. Juni 1982 - eine Grafik

Montag, Dezember 3rd, 2007



saumäßig geschlafen, mit vielen Schmerzen und Aufwachen […] abends Bestrahlung […]

L. beschäftigt das Thema eines Raubvogels, der sich in einen Leichnam krallt; überhaupt Bedrohung auch in anderer Form (spielendes Kind, ahnungslos, wird von einer wolfsartigen Bestie belauert), Schmerz, Bedrohung, Niederlage, Ausgeliefertsein.

# Später hat sie mir das o.g. Bild, eine große Schwarz-/Weiß-Lithografie, geschenkt. Eine Abbildung davon wird hier noch eingefügt. #

Mich beschäftigt auch mein Schmerz, wahrscheinlich ist Ischias sein Name. Ich möchte nur ruhen und mich wärmen.

Mit Kurt viel erzählt: Ehrenburg-Memoiren, Besuchsplanungen, meine Arbeitsziele (Kaderdirektor), ihre Walzstahleinsparungen in seinem Betrieb und daß davon die Bezirksleitung und Kreisleitung der Partei nichts weiß!

# Mein Freund Kurt war damals Planungsleiter in einem großen Maschinenbaubetrieb. Die Memoiren von Ilja Ehrenburg “Menschen - Jahre - Leben” (die in der DDR mit großer Verzögerung erschienen) spielten eine enorme Rolle dabei, schrittweise einen realistischeren Blick auf die Sowjetunion zu gewinnen. #

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