Archive for Januar, 2008

30. Juni 1982 - LDPD

Montag, Januar 21st, 2008


[…]
Tullis Freundin, die Mitglied der LDPD ist, erzählt von ihrer Arbeit: Von 35 Mitgliedern kommen vier zur Versammlung. Sie nutzen die LDPD als Helfer beim Beschaffen von Gewerbeerlaubnis und Gewerberäumen. Soli # Solidaritätsspende # zahlt man mit Jammern -,50 DM. Jeder will nur etwas herausschlagen. Sie wirkt als Frau, die weiß, was sie will.
[…]
Der Ischias macht mir schwer zu schaffen. Besonders auch der fehlende Schlaf nagt an der Kraft. Es funktioniert der Appetit und das - rein platonische - erotische Interesse. (Sehe mit Vergnügen schöne Frauen aber jeder Gedanke an sexueller Aktivität schreckt mich. In diesem Zusammenhang ist auch das Interesse für Aktfotos in den Hintegrund gedrängt.)

Eberhard Grohs, MSAB, ist ein komischer Typ, der sich jetzt fest im Sattel fühlt. Er trifft mich einmal humpelnd und übersieht mich geflissentlich. Er trifft mich ebenso ein zweites Mal, hat mich schon wieder übersehen. Überlegt sichs dann, dreht sich um und sagt:” Wie ist uns das? ” oder noch blöder.
Heidi will von mir was über den Sinn des Lebens wissen, für ihre Tochter. Sie sagt, ich sei Idealist und: “Du hast was Gemeines”! (welch letzter Satz schlagartig mein Interesse für sie weckt).

28. Juni 1982 - Moczarski “Gespräche mit dem Henker”. Die Mauern von Chikago.

Sonntag, Januar 20th, 2008

820628-8.jpg820628-9.jpg

[…]
Hauptetappen meines Lebens lassen sich durch Frauen markieren:
Christel (16 bis 35 Jahre), eine Zeit des Pflichtbewusstseins, der Ernsthaftigkeit in der Anwendung des Gelernten, der strengen Familienorientierung, beginnender Zweifel und Einsichten.
L. (36 bis 42 Jahre), Traum meines Lebens.
Interregnum (42 bis 50/55) Kennenlernen, Studieren der Besonderheiten, Nischen, Abwege. Entdecken ausgefallener Lust, Schwäche zu großer Bindung, intensivste Arbeit, die mich auch verändert.
Abendliebe (50/55 bis Schluss) schöne begrenzte Liebe, sich Bescheiden mit dem Möglichen, das zum Wirklichen wird. Abschied vom unendlichen Glück, Frieden im bescheidenen Glück.

Beim Psychologen-Treff spreche ich mit Inge über Angelika. Nach dem was ich schildere (Badeszene), meinte sie, dass es doch ziemlich ernst sei und sie in ärztliche Behandlung müsse. Man solle solche Leute straff, energisch, ernsthaft, aber nicht kränkend anfassen.

herman-van-veen-820628-1.jpg

herman-van-veen-2.jpg

[…]
Im Westfernsehen zum ersten Mal eine Hitler Wochenschau ganz gesehen. 30 Minuten das Gloria der deutschen Heere, danach schwätzen 1, 2 Engländer über die damaligen Kämpfe um Tobruk (1, 2 Russen über die Kämpfe um Sewastopol lassen sie nicht auftreten), wegen der Objektivität! Seit Jahren sind diese Sendungen alltäglich. Seit Jahren also ungebrochene Tradition zur deutschen faschistischen Wehrmacht selbstverständlich. Konsequentes Verdecken von Zusammenhängen und Ursachen, wie auch in der nachfolgenden Sendung “Hedonismus”.
Imperialistische Ideologie: das (dosierte) Darstellen von Erscheinungen kann sehr weit gehen, wenn zugleich gesichert wird, dass das Wesen unerkannt bleibt!
Das Verdecken von Zusammenhängen und Ursachen ist auch bei Fassbinder typisch, für den wieder Gedenksendung. Mit ihm ist Ihnen wirklich ein ideologisches Zugpferd ausgefallen.

820628-3.jpg

Immer wieder fällt auf bei Leuten, die nicht aus L.s Umgebung kommen, sondern meiner die Unsinnlichkeit, Blindheit beziehungsweise allenfalls schematisierte Sinnlichkeit (zuletzt beim Psychologen-Treff, z. B. Nichtbeachtung der Blumen).

Zu “Gespräche mit dem Henker” von K. Moczarski: Frau Käthe Stroop kommt aus der Kulturintelligenz. Wahrscheinlich auch eine Bestätigung dafür, wie die ästhetische ohne entsprechende politisch - ethische Bildung zum Schlimmsten passt.
“Ein Leiter ist auch dafür verantwortlich, was die von ihm Geleiteten tun.” Die Tiefe dieses Leninsche Satzes ist mir jetzt nach der “Stroop-Lektüre” erst richtig aufgegangen. Bei der Darstellung durch Mocz. stehen Momente der Führungstätigkeit im Vordergrund. Das bedingt eine gewisse Abstraktheit und drängt die wirklichen Folgen der Handlungen der Befehlenden (und erst von Schreibtischtätern!) in den Hintergrund, macht sie unwirklich. Um das Handeln solcher Leute auch emotional richtig zu werten, müssen neben dem Wesen ihrer Führungs- und Leitungstätigkeit auch immer typische Erscheinungen, Einzelheiten dessen dargestellt werden. Typische Erscheinungen, denn nicht für alle Erscheinungen ist der Leiter verantwortlich.

Gute Stimmung beim Psychologentreff. Heidi freut sich über ein kleines Kompliment, dass ich ihr mache. Sie scheint und wirkt so herb. Und das täuscht. Wie ein Schwamm saugt sie Lob, Dank, Aufmerksamkeit auf. Sie will gewärmt werden.
[…]

820628-4.jpg820628-6.jpg

820628-5.jpg

820628-7.jpg

820628-10.jpg

27. Juni 1982 - Schmerzen

Samstag, Januar 19th, 2008


[…]
Das ist die schlimmste Nacht. Es ist 4:30 Uhr. Ich habe vielleicht zweimal 40 Minuten geschlafen, trotz zwei Zäpfchen. Das Bein brennt lokal wie Feuer.

820627.jpg
[…]
Die verfluchten Schmerzen sind in neuer Schärfe zurückgekehrt. Gestern Nacht nahm ich ein Zäpfchen. Heute nehme ich nochmal 3x 2 Voltaren, sozusagen, um ihnen die Spitze zu nehmen. Etwas anders liegen die Schmerzen übrigens, so, dass jetzt das Sitzen kaum möglich ist. (Das Sitzbad in der Dusche war kaum durchzuhalten.)
0:30 Uhr: die Schmerzen sind widerwärtig. Sie sind ja nicht so, dass ich brüllen müsste aber ständig zermürbend anwesend. Ich will schlafen und bin putzmunter und kann nicht stehen, gehen, sitzen, liegen.

26. Juni 1982 - Planwirtschaft

Samstag, Januar 19th, 2008

[…]

8206261.jpg

[…]

24. Juni 1982 - Sorgen um Angelika

Samstag, Januar 19th, 2008



[…]
Angelika gestern spät abends lud ich zu Gespräch, zu Flasche Wein ein, damit sie nicht 23:30 Uhr noch in die Nacht irrt. (Sie suchte ewig ihren Skizzenblock, wollte L. und Christine vom Zeichnen abholen.) Sie lässt sich auf kein Gespräch ein, ist von großem Misstrauen erfüllt, geht schließlich. Ich kann nicht einschlafen.[…]

0:30 Uhr rammelt L. laut die Wohnungstür zu, die Angelika angelehnt hatte. Werde davon wieder ganz munter, kriege mit, dass Angelika nicht mit zurückgekommen ist. Informiere L., dass sie sich um Georg kümmern muss. L. sagt, das Angelika sie wohl nicht angetroffen habe, da sie noch Bier trinken waren. Ich sage L., dass Angelika “verrückt ist”, dass sie “verwirrt ist”. Sie sagt, dass sie (L. und Christine) darüber auch gesprochen hätten. Wieder Wachzeit, dann höre ich Angelika kommen. (Ich hatte alle Türen aufgeschlossen.) Sie tappst auch in mein Zimmer, fragt mich, warum ich unten schlafe, lässt alle Lichter brennen.
Früh vor 6:00 Uhr geht sie mit dem weinenden Kind, dem sie seine Flasche gegeben hat, aus dem Haus, “zu Ursel”. Lege L. einen Zettel mit dieser Information hin. Auf dem Weg zur Arbeit treffe ich Angelika unschlüssig, bzw. zurückkommend. Sie wolle noch die zum Trocknen aufgehängten Sachen von Georg mitnehmen.
Abends hatten wir uns noch kurz über Georgs Geburtstag unterhalten. Sie versichert, dass er zu früh gekommen sei. Sie haben das alles schriftlich. Sie habe für so was alles Bescheinigungen.
- offensichtlich eine geistige Verwirrung im Zusammenhang mit der Niederkunft - zum Kotzen diese Weiber,
Angelika die das Kindabenteuer haben muss,
Christine in ihrer christlichen, egoistischen Hartherzigkeit,
L., die an Erdbeeren, Zeichnen, an sonstnochwas denkt, aber nicht mitkriegt, dass sie es mit einer Kranken, teilweise Unzurechnungsfähigen zu tun haben. (Schließlich sind sie schon einen Tag unter halbe Nacht mit ihr zusammen gewesen.)
Erinnerung an “die Marianne” in Wümbach steigt auf.
Geo ist ein sympathisches, munteres Baby. Unerträglich, welch brüchigem Schutz diese schutzlosen Kinder ausgeliefert sind. Hier liegt schon ein ganzes Schicksal vorgezeichnet.

Die christliche Christine - was ist denn christlich an ihrem Verhalten? Sie lebte sehr subjektiv, sehr egoistisch, hält sich aus allem heraus. Dafür liefert die Kirche ihr Erbauung und nimmt ihr das Denken ab.

Jetzt werde ich langsam kribbelig wegen der Ministerbestätigung für unsere Kollektivarbeit…..
Es hat den Tag “gekribbelt”, und nun, kurz vor Feierabend ist endlich, endlich die bestätigte Aufgabenstellung da (bestätigt ohne jede Rückfrage oder Bemerkung). Jetzt können unsere Gruppen mit vollem Recht losmarschieren, und jetzt müssen sie auch Tritt fassen. Aber noch einmal werde ich nicht so “auf Rand genäht “eine Aufgabenstellung erarbeiten. Sinnvolle Reserven müssen sein.

Die “Morgenpuppe” - eine schöne, sehr wohl geformte Frau um die 40 Jahre. Sie kommt mir oft auf dem Wege zur Straßenbahn entgegen, geht meist auf der anderen Straßenseite, blickt sich um, kurz, das ist aber nicht kontaktsuchend, sondern nur “Bewunderung heischend”. Heute fällt mir auf, als wir auf gleicher Höhe sind, dass ihre herrlichen Formen dabei sind, üppige Formen zu werden (und eines Tages vielleicht ausladenden Formen).
Die Bewunderung ihrer sexuellen Reize (und das Spiel mit ihnen) muss im Verhältnis zu einer solchen Frau doch einfach eine überragende Bedeutung bekommen.
War heute Mittag kurz im Café im Handelszentrum. Viele hübsche junge Frauen sitzen da und blicken interessiert. Immer wieder frappierend, welchen Eindruck doch moderne, schicke Kleidung macht, wie man ganz anders angesehen wird!

Sicher, in der Aktfotografie darf man alles zeigen. Aber es geht wohl darum, dass immer irgend eine (innere) Position der Frau zum Ausdruck kommt, eine Position - da stimme ich Burkhardt bei - die menschlich noch würdig ist.
Eine Darstellung völligen, willenlosen Ausgeliefertseins liegt wohl nahe am Pornographischen (und zwar gleichgültig, ob dabei “alles” sehen ist oder nicht). Auch das Sichausliefern wäre darstellbar, zum Beispiel wenn es Ausdruck leidenschaftlicher Hingabe ist. Oder auch Ausliefern der intimsten Körperteile an die Kamera aus einer Neugierde heraus, aus dem Spiel mit diesem Mysterium, aus dem Wagen und so weiter. In solcher Stellung wird vielleicht der Blick der Frau die Schranke vor dem Pornographischen sein. Anders dieselbe Stellung, wenn ihr Sinn darin besteht, der Frau Profit zu bringen aus ihrem Verkauf - das ist wohl wieder anrüchig. (Obwohl wahrscheinlich das Motiv sich zu verkaufen oft gekoppelt ist mit dem Stolz auf den eigenen schönen Körper.)

Schon immer liebte Angelika das Spiel mit dem Paradoxen. Nun sind die Paradoxien dabei, sie beherrschen zu wollen. Etwa sehr Egenartiges haben solche Menschen, die zum Teil in der normalen und zum Teil in einer “verrückten” Welt leben.
Individuen, die aus dem Realen flüchten, nicht die Kraft haben, sich darin zu halten, die dafür keine Antriebe haben. Woher kommen die Antriebe?

820624-1.jpg

820624-2.jpg

23. Juni 1982 - Angelika - verwirrt

Mittwoch, Januar 16th, 2008


[…]
Eins ist sicher, die Trübsal meiner einsamen Abendessen wird mich, sobald ich besser krauchen kann, nachdrücklich aus dem Haus treiben.
Etliche Annoncen suchen Urlaubsbegleiter. Ob in früheren Zeiten die Menschen auch solche Angst vor der Einsamkeit hatten?
Angelika irrt in Wohnung und Treppenhaus herum. Alles findet sie “mysteriös”. Sie wollte wohl mit L. und Christine zum Zeichnen, und das hat nicht geklappt. Warum??
Steht mit Kind (Georg) im Treppenhaus, wollte ihn mitnehmen, hat keinen Schlüssel. Hat keine Schüssel, um ihn zu waschen (an die Dusche denkt sie nicht), badet ihn dann (halbe Minute), ohne ihm sein Jäckchen auszuziehen.
Ich deute meine Situationen mit L. an, dass sich mein Verhalten nichts gegen sie, Angelika, richte (mein Sichzurückziehen). Erkläre, warum ich ihr nicht helfen kann beim Renovieren, dass ich Ischias habe, aber nicht krankmachen könne.”Wenn du keinen Krankenschein hast, kann es ja nicht so schlimm sein.” (Herrlich diese Reaktion aus dem Munde einer anarchistischen Verächterin alles Bürokratischen!)
Abends mitzuessen, lehnt sie erst ab, F. bietet ihr 3-, 4- mal Quarkspeise ein, sie überhört es. Schließlich willigt sie ein, zu essen, “wenn mir keine Verpflichtung daraus erwächst”.
Eben unterbrach sie mich beim Schreiben und behauptete, ich habe Ihre “Alete - Flasche” weggenommen - die sich schließlich in ihrem Beutel fand.
Die Frau hat eindeutig einen Schock.

22. Juni 1982 - Aktmodelle

Mittwoch, Januar 16th, 2008



[…]
An Gerlinde Wirschals Beispiel ist zu sehen, was Werbung macht. Die beiden freigebig verteilten Visitenkarten regen an, “haken sich fest “, lassen den Betrachter etliche Möglichkeiten des Weiterspinnens. So macht sie sich präsent.
[…]
Aus unerfindlichem Grunde fällt mir mitten in der Arbeit die Erzählung von Andrej Platonow über die Heimkehr des Soldaten ein, diese erschütternde, meisterhafte Erzählung. Sie möchte ich wiederlesen. Oder sogar L. vorlesen?
[…]

madchenakt-820622-2.jpg

Mädchenakt mit Blume

Der Begriff “Fotomodell” ist sehr treffend. Unwillkürlich hat für mich das Wissen um das Verhalten dieser Frauen einen Modellcharakter eingenommen. Jede Frau betrachte ich jetzt als solches Modell, nicht bedenkend, daß vielleicht 90% nachdrücklich ablehnen würden. (Oder würden 90% im richtigen Moment, vom richtigen Mann gefragt, sich fotografieren lassen?)

820622-1.jpg
Diese Aufnahme zählt zu den sehr gelungenen, wurde auch von den Magazin - Lesern so bewertet.

21. Juni 1982 - immer noch, immer wieder - Trennung

Mittwoch, Januar 16th, 2008



[…]
Zu den Beziehungen zwischen Fotograf und Modell drückt sich der sittsame Burkhardt # Vergleiche: # zurückhaltend aus. Aus der Versicherung, dass sie keineswegs immer eine erotische Beziehung haben müssen (sinngemäß) schließe ich eher, dass es recht häufig ist, vielleicht sogar die Regel, dass sie miteinander schlafen. (Zumindest bei etwas ausgedehnterer Zusammenarbeit.) Aber ich bin wirklich gespannt auf die eigenen Empfindungen in diesem Studienprozess. Wenn man gelöst ist, kann man wohl nicht anders als auch begehrlich ein. […]
L. erzählt, dass Burgholder, wie nun erwiesen sei, ihren Ausweis geklaut hatte. Ich bin wenig interessiert, was sie auch feststellt, beziehungsweise mir vorwirft. Ich hätte ja noch nie Interesse für ihre Dinge gehabt. Vorwürfe, Angriffe zu machen, das ist ihre Art, sich nähern zu wollen. Ich verstehe es, doch all das haben wir hinter uns. Es kommt nichts dabei heraus, wenn ich einlenke. Sie kann nicht bitten, wie sie sagt. Ich kann bitten aber wofür?
Ob mein forciertes Akt - Interesse nicht eine Art Betäubung ist? (An die Stelle des verlorenen Interesses setze ich etwas anderes, was mich wirklich (was ist wirklich?) zumindest aber stark fesselt.)
Das Trennen der Küchen (Ich kaufte dafür die ersten Utensilien.) trennt mehr als ich vermutete.
Abends sitze ich allein im Garten und beginne auch hier, Abschied zu nehmen - Abschied, abscheiden, mein Inneres scheidet sich ab von dem, was mir bisher das Herz erfreute. Die mit Liebe und Hoffnung gesetzten und gepflegten Bäumchen entlasse ich ins Fremdsein. Sie werden Gehölze wie andere auch, wir trennen uns. - Dieser Prozess ist noch nicht vollzogen. Aber zum ersten Mal sein Anfang konkret gedacht, erlebt.
(Ich erinnere mich meiner nächtlichen Flucht im August vorigen Jahres in den Garten. […]
Das war damals auch noch nicht soweit, es war “nur” der konkrete Anfang dieses Prozesses beziehungsweise seiner dramatischen Phase.) Schlimmstenfalls endet dieser Prozess mit der Entfremdung von F. Doch vielleicht ist das nicht unausweichlich. Gebs Gott! […]
Dass man doch in solchen verworrenen Situationen die Zuspitzung als eine Erleichterung empfinden kann (Flucht nach vorn). Das eindeutig Negative ist leichter zu ertragen als endloser Zweifel, enttäuschtes Hoffen. Nun, das Hoffen ist lange aufgegeben. […]

20. Juni 1982 – Fotomodell Gerlinde Wirschal

Montag, Januar 14th, 2008


[…] Was zeigt der Brief von Gerlinde Wirschal?

1. Sie ist Profi, mit Steuernummer und Briefkopf.

2. Sie hat postwendend geantwortet, ist also ein Terminen interessiert.

3. Die beiden beigelegten Aktfotos (Visitenkarten) drücken ebenfalls ihr Interesse aus.

4. Den Preis eines Besuches in Hainichen kann ich mir ausrechnen. Er liegt hoch, bei etwa acht Stunden Studien an zwei Tagen mindestens 400 M, alles in allem.

5. Für diesen Aufwand möchte ich eine gewisse Wahrscheinlichkeit haben, dass ich sie vögeln kann (Eine Sicherheit kann es da sicher nicht geben, denn natürlich sucht sich solch Modell seine Partner aus.) Diese letzte Frage muss sich mehr klären, bevor ich eine Reise ernsthaft ins Auge fasse. Was spricht für ihre “sexuelle Aufgeschlossenheit”?

Erstens die Formulierung im Text, dass Aufnahmen “uneingeschränkt in allen Genres” möglich sind, zweitens die Art der Visitenkarten, die keine betont künstlerische Orientierung erkennen lassen. Drittens das sie Übernachtungsquartier stellt. Viertens eine gewisse Derbheit in Figur und Gesicht, vielleicht sogar Vulgarität.Und fünftens besonders die Auswahl der Visitenkarten; eine Aufnahme mit reicher Schambehaarung, eine mit entfernter Schambehaarung. Das ist doch wohl ein eindeutiger Hinweis auf die Variations- und Experimentierbereitschaft in diesem relativ intimen Bereich.

Sie ist übrigens kein Typ, der mich fasziniert. Die Brüste und ihre Warzen sind zwar köstlich, der Arsch aber etwas plump (nach dem Foto zu urteilen) und das Fleisch etwas zu locker. Ich werde die Sache langsam weitertreiben. […]

 

19. Juni 1982 – Aktmodelle

Montag, Januar 14th, 2008


[…] mit Dieter Stiegemann nach Schmachtenhagen, […]

820619.jpg

Der Tag war lang und schön. Kabelgraben geschafft, mit den Nachbarn gesprochen. Bei Rolf Geburtstag gefeiert. Fühle mich auch körperlich wieder besser. Spätabends ein frivol-kriminalistischer Film, der auch ganz nette Szenen hat.

Am Bahnhof Prenzlauer Allee sehe ich ein junges Ding (keine 18) in Begleitung, mit frechem, bereits schön durchgeformten Körper, hübschem Gesicht, die vor meinen Augen sofort als Aktmodell posiert - ein junges Weibsstück, das mit Bewusstsein und Freude ihre geschlechtlichen Vorzüge aufreizend zur Schau stellt. (Das ist jetzt nicht bloß ohnmächtige Fantasie, sondern ich weiß jetzt, dass es das gibt!) […]

Interessant, dass ich mich durch die Aktfotos und die Beschäftigung mit ihnen weniger subjektiv gefesselt fühle als durch meine früheren, nur in meinem Kopf kreisenden sexuellen Fantasien.

Heute Brief von Gerlinde Wirschal.

820620.jpg