… Es ist z. Z. eine absolut zwiespältige, geradezu unehrliche Situation: Ich stehe unter dem Eindruck
* ihrer Lügnerei vom Freitag und Montag
* daß sie sicherlich ohne mich zu Wulfs Geburtstag zu gehen beabsichtigt
* vorher ihrer extremistischen Reaktion am 1.1. abends im Zusammenhang mit der Mauer
* ihrem Abkehrverhalten danach (vorige Woche).
So bin ich in meiner Beziehung zu ihr erschüttert. Die Zweifel sind da, ob uns wirklich genug verbindet. Welche gemeinsamen Ziele? Innere Kühle? (Bloß, wenn sie dann schlicht sagt:”Na, dann müssen wir uns eben trennen.” dann ist mir gar nicht mehr kühl.) …
Ich glaube, daß sie ihre Heimlichkeiten gleichsam als eine Sicherheitszone braucht, einen Bereich ihrer Intimität, den keiner kontrolliert, in den keiner eindringen darf. (Die Vertraulichkeiten mit Wulf könnte ich als solche Sicherheitszone aus Selbstzweck verstehen.) Ich muß diese Zone ihrer Heimlichkeit akzeptieren. Darauf kann ich nur meinerseits mit derselben Zone reagieren. Ich kann unmöglich in dieser Situation weiter so völlig offen bleiben. Das heißt, wir dulden Zonen der Sprachlosigkeit, der Fremdheit zwischen uns. Wenn solche “Zonen dominieren”, also Sprachlosigkeit herrscht, brauchen wir nicht beieinander zu sein. Das sind dann verlorene Zeiten.
Also sollten wir nur aufeinander zugehen, wenn wir wirklich etwas voneinander wollen. (Ich kann nicht ausschließen, daß der eigentliche Kern, der uns unvereinbar macht, eine politische Haltung bei ihr ist, die Feindseligkeit zum realen Sozialismus mit einschließt.)
Immer wieder derselbe Widerspruch: Ich kann nicht, will nicht glauben, daß ihre Heimlichtuerei einen ernsten Grund hat. Und zugleich die Befürchtung, daß das Wunschdenken ist. Denken: Wer so konsequent verheimlicht, der muß einen Grund haben.
Soll ich mich, ob Grund für Heimlichkeit oder nicht, zu mir bekennen und sagen: Ich ertrage diese Art nicht - also trennen.
Oder kann ich sagen: Ich toleriere jede Heimlichkeit, da ich glaube, daß sie sie zu nichts Schlechtem benutzt.
Kann ich uneingeschränkt an sie glauben? Ohne jeden Vorbehalt? Nein.
Wenn sie aber nun gerade diesen Glauben braucht? Wie auch immer: Diese Quadratur des Kreises geht nicht.
So handeln: Prinzip: Im Bestreben, ihr jedes Recht auf Heimlichkeit zuzugestehen zugleich bei mir bleiben.
* Heute Abend wie o. angedeutet sprechen. Das Problem des Verheimliches artikulieren.
* Ihr offen und entschieden und ganz konsequent das Recht auf jede Art von Heimlichkeit zugestehen (dies sagen und tun!)
* Entsprechende Handlungen von ihr werden mich schmerzen (bzw. befremden). In solchen Situationen mein Befremden, meinen Schmerz ihr gegenüber aussprechen, ausdrücklich aber mit meiner erklärten Bereitschaft, sie gewähren zu lassen.
* Den Schmerz nicht durch Zuwendung zu ihr, durch Kampf um sie aus der Welt schaffen wollen, sondern durch Abwendung von ihr und Besinnung auf das Eigene überwinden.
Das ist der Weg des konfliktarmen (an äußerlichen Konflikten armen) Auseinanderlebens.
…
Übrigens wird vermutlich die “BR” nicht mehr ausgeliefert.
# Ich habe keineAhnung, wie dieses deprimierende Beziehungs-Hin und Her auf einen außenstehende Leser wirkt. Mich berührt es noch heute sehr ernst. Und zwar gar nicht wie eins der üblichen, lange zurückliegenden Beziehungsprobleme. Heute wird mir viel klarer, wie damals kolossale gesellschaftliche Prozesse in unseren Alltag hineinwirkten. Ich sehe uns als zappelnde Figürchen in einem Bergrutsch. #