Archive for März, 2009

11. März 1989 – im Garten

Sonntag, März 29th, 2009


In Sch. Die beiden bedrohlich in die Telegrafenleitung hineinwachsenden Pappeln gefällt. Komposthaufen wieder mal verlegt. Haselnuß ausgelichtet, Pfähle für Zaunausbesserung vorbereitet.

 

In der S-Bahn auf der Rückfahrt bedauernswerter Invalide.

Übrigens gestern abend erstmals wieder Dauerlauf nach langer Zeit, 10 Runden im Cantian – 30 min + Hin- und Rücklauf sind das etwa 7km.

10. März 1989 – noch einmal: Kandidatenaufstellung zur Kommunalwahl

Sonntag, März 29th, 2009


Dennoch hatte die gestrige Diskussion interessante Momente:

Ein Junge (Student) fragte, ob ein Richter arbeitslos würde, wenn er nicht gewählt würde.

Wichtiger: Herr Bauer # einer der HGL-Vorsitzenden (Hausgemeinschaftsleitung) meines WBA # warf das Problem der Öffentlichkeit der Wahlveranstaltungen auf und der Rolle, die die öffentlichem Medien eigentlich spielen müßten.

Die Frage wird von vielen der anwesenden Aktiven nicht verstanden.

09. März 1989 – Kandidatenaufstellung zur Kommunalwahl im Mai 89

Sonntag, März 29th, 2009


Festlegung der Kandidaten im Wahlkreis.

Doch eigentlich sind sie - von den Mandatsträgern - schon festgelegt. Es stimmt diese "Öffentlichkeit" im Wahlkreis in einer scheindemokratischen (bewußt auf demokratischen Schein ausgerichteten) Prozedur den schon festgelegten Kandidaten noch einmal zu.

Es ist nicht möglich bei den meisten Kandidaten begründet Vertrauen in ihre künftige Arbeit zu haben - man kennt sie nicht. Es fällt auf: Viele der Kandidaten kommen aus Institutionen.

07. März 1989 – ein Brief zum Geburtstag

Sonntag, März 29th, 2009

Lieber C. 7.3.89

Zum Geburtstag möchte ich Dir ja gern mal wieder schreiben, da ich aber nicht weiß, ob Deine Cottbuser Adresse noch gültig ist, schreibe ich sicherheitshalber nach Hause, “zu Muttern”….

Von mir gibts manche Neuigkeit mittlerer Bedeutsamkeit zu berichten. So habe ich seit gut einem halben Jahr eine neue Wohnung bekommen, hoch über dem Arkonaplatz im 6. Stock. Dort gefällt es mir sehr gut. Es war sozusagen meine Wunschwohnung (2 Zimmer, hell, geräumig). Ich bin ja in diesem Wohngebiet seit etlichen Jahren als WBA-Vorsitzender verwurzelt, falls Du Dir unter dieser Funktion etwas vorstellen kannst. Die Wohnung habe ich bezogen mit dem Gefühl, daraus vielleicht nie wieder auszuziehen – das war ein wenig eigentümlich.

Meine Arbeitsstelle hat sich nicht verändert. Allerdings ist mein Leiter in Rente gegangen, und ich habe seit einem Vierteljahr den Auftrag, mein eigener Leiter und Mitarbeiter zu sein. So kann das nicht lange gehen. Aber eine notwendige Entscheidung wird verzögert. Diese zwiespältige Situation ist unangenehm, aber sie belastet mich nicht ernsthaft. Ehrgeiz ist für mich seit langem kein Motiv mehr, und ob ich nun Leiter oder Mitarbeiter bin – in beiden Richtungen kann ich sinnvoll arbeiten. Nur eben nicht in beiden zugleich. In den letzten 1 1/2 Jahren hab’ ich Einiges getan, um mit einem Personalcomputer arbeiten zu können – eine interessante und befriedigende Sache.

Natürlich besteht nicht das ganze Leben aus Arbeit, keineswegs. Seit einem Jahr (übrigens fast auf den Tag genau) bin ich mit meiner Gefährtin C. zusammen. Sie ist sehr intelligent, empfindsam und eigenwillig (ich weiß nicht, was am meisten), und wir haben in dieser Zeit oftmals miteinander gerauft. Mit dem Ergebnis, daß wir uns immer besser, einfach großartig verstehen. Sie hat in dieser Zeit eine schwere Krankheit durchgemacht, und wir hoffen mit aller Kraft, daß sie endgültig überstanden ist.

Mit F., den ich Euch einmal als Baby angeschleppt habe, der natürlich bei seiner Mutter lebt, bin ich oft zusammen. Wir verstehen uns prima. Oft sind wir auch alle drei (also mit C.) am Wochenende zusammen in der Laube, in Sch. Das kleine Grundstück dort ist (und bleibt) ganz schön wild. Spaß macht es mir aber, Obstbäume, Beerensträucher, Weinreben zu pflanzen und zu betreuen.

Nun habe ich schon 2 1/2 Seiten Briefbericht gegeben und noch kein Wort zur “Boletik” gesagt. Daraus ist nicht zu schließen, daß ich mich davon zurückgezogen hätte (dagegen spricht ja auch die WBA-Funktion). Nein, das nimmt großen Raum ein. Ich habe u.a. die sowjetische “Neue Zeit” abonniert, C. die “Budapester Rundschau”, und oft diskutieren wir heftig Artikel, die wir dort gelesen haben. In der Partei und bei vielen anderen Gelegenheiten mache ich oft das Maul auf gegen die vielen unakzeptablen Erscheinungen, die sich in diesem unseren Land breitmachen.

Ich vermute, daß Du die Verhältnisse als nicht weniger mühselig erlebst. (Freilich ist es nur Vermutung.) Man braucht einen langen Atem aber ich verliere nicht den Optimismus, daß auch bei uns, was sich an Spätstalinismus fortschleppt, niedergerungen wird. (Das sei gesagt, auch wenn es möglicherweise Mutter verärgert, wenn sie davon erfährt.)

So leb ich arbeitend, oft gespannt, nicht unfroh, oftmals sehr froh, älter werdend, kaum krank, von meinen drei Ältesten leider fast gänzlich abgekoppelt und denke an Dich und Euch, nicht zuletzt anläßlich Deines Geburtstags, ganz herzlich.

Vati.

04./05. März 1989 – Rückblick 1951

Freitag, März 13th, 2009

Der 44. Lehrgang ist gut angelaufen, die erste PC-Abend-Veranstaltung bei ZF.

Nach Skaby raus. Lange geschlafen – der Streß der Woche. Schnittarbeiten am Skaby-Weinstock, Fenterputzen.

Abends versucht mit C. “Die Kommissarin” # bedeutender sowjetischer Film #, ist aber ausverkauft. Zurück: Gelesen in “Budapester Rundschau” und Polemik dazu.

Halsschmerzen.

Gutes, bestes Verhältnis zwischen uns, schon seit langem.

dokumentiert: “Sonntag” 10/89

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# Ein Auszug aus der Wochenzeitung des Kulturbundes (einst auf Initiative von Johannes R. Becher gegründet). Diese kulturpolitische Zeitung hat nach dem Untergang der DDR als “Freitag” überlebt. Kürzlich in den Besitz von Herrn Augstein jr. übergegangen, ist sie gerade in Verwandlung begriffen.

Der hier reproduzierte Auszug bringt einige historische Fakten von 1951, der Zeit der Formalismusdiskussion in der DDR, also der – sage ich verkürzt -stalinistischen Phase der Kulturpolitik der SED. Ich erinnere mich, daß mich damals bei ruhigem Lesen verwundert hatte, welch bedeutende künstlerische Leistungen in dieser Zeit, 1951, vollbracht wurden. Um welchen Preis?

Die Oper von Brecht/Dessau “Die Verurteilung des Lukullus” ist ein grandioses Werk. Wolfgang Staudtes Film “Der Untertan” ist, ebenso wie Heinrich Manns Roman, einfach wunderbar. Ich bekenne es den Heutigen, den Nachgeborenen – solche Werke tief in sich aufgenommen zu haben, das gehört maßgeblich zu meiner DDR-Identität.

Das erwähnte “Hochhaus an der Weberwiese” war ein populärer Neubau im Hinterland der Stalinallee. Noch im Ohr ist mir ein flotter Schlager: “Was ist den an der Weberwiese los, dort steht ein Haus ganz riesengroß…” Eines Nachts, Ende der 60-er Jahre, habe ich im Schatten des Hochhauses an der Weberwiese (ich bin geschwätzig) zum ersten Mal meine Frau betrogen. #

 

28. Februar 1989 – die (schweigenden) Stimmen der Gesellschaft

Mittwoch, März 11th, 2009

Lehrgangsplan für den 44. Lehrgang (ab morgen) fertiggemacht.

Bericht in APO-Leitung, abends HGL-Beratung. Überall streitbare (und dabei doch vorsichtige) Stellungnahmen von mir.

# Hier ist mein damaliges Tagebuch leider nicht konkret. Was habe ich wie vorsichtig vertreten? Es war einerseits die Gorbatschow-Zeit des immer rücksichtsloseren Fragens und der weiterführenden, provozierenden Antworten und andererseits die Zeit der immer rigideren Disziplinierungsmaßnahmen der SED-Führung. Kritisches Auftreten kostete keinesfalls “Kopf und Kragen” aber die sozusagen “Strichlisten der negativen Auffälligkeit” wurden weiterhin geführt. Ich glaube nicht aus heutiger Sicht umzudeuten, wenn ich sage, daß mich damals der mangelnde Mut vieler kritisch Eingestellter empörte, öffentlich Partei zu nehmen. #

C. erzählt von der Vorstandstagung des VFF. # “Verband der Film- und Fernsehschaffenden”, ihre Arbeitsstelle # Das klägliche oder undemokratische Wirken solcher Strukturen.

Wir redeten auch wieder über unsere bedeutenden, einst behinderten oder gar verfemten, heute (oftmals weltweit) anerkannten und seit kurzem gekauften Künstler. Leute, die ihre persönlichen Probleme gelöst und sich damit vom einfachen Leben gelöst haben und nicht mehr die Stimme der Gesellschaft sind.  Auch so funktioniert Entmündigung (Heiner Müller, Ruth Berghaus, Jurek Becker, Wolfgang Kohlhaase, Volker Braun (mit Einschränkung), von den ständig westreisenden Bonzen der Künstlerverbände zu schweigen.)

# Auch über diese Eintragung läßt sich heute trefflich reflektieren (unabhängig davon, ob ich die genannten Künstler gerecht eingeschätzt habe oder nicht). Das Problem der anerkannten Stimmen der Gesellschaft und zugleich das Problem einer Gesellschaft, die besonderer Stimmen bedarf, weil sie sich nicht unmittelbar selbst ausdrücken kann. Heute, “im Westen” mit seiner Schein-Pressefreiheit kommt noch das Problem einer Gesellschaft hinzu, die nicht zum Ausdruck findet, weil sie in Stimmengetöse erstickt wird.

Hier übrigens ein aktuelles Posting zum Thema. 

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27. Februar 1989 – “Anders oder vom Aufenthalt in der Fremde” Brigitte Burmeisters Roman

Mittwoch, März 11th, 2009

Der 43. Lehrgang ist inzwischen abgeschlossen. Übermorgen beginnt der 44. Die Zeit seit dem Wasunger Kurzurlub war angefüllt mit dem Kampf gegen die Grippe (Cs und meine eigene), dem Kampf mit dem von mir nicht gut genug geführten Lehrgang, der Hilfe für Cs. neue Arbeitsaufgabe (den Kontenplan machen), vielen Sorgen und Auseinandersetzungen, Belastungen zur Politik. Große, uneingeschränkte Harmonie zwischen C. und mir in dieser Zeit.

Wir lesen viel Politisches ("NZ" 7/89, voriger Woche ist nicht ausgeliefert worden) und "Anders oder vom Aufenthalt in der Fremde" - ein hervorragendes Buch.

# Bis heute ist für mich Brigitte Burmeisters 1987 im Verlag der Nation, Berlin, erschienener "kleiner Roman" das beste Buch über "die Stasi". Heute habe ich mir vorgenommen, ihn unbedingt noch einmal zu lesen. Im Zusammenhang mit diesem Posting, habe ich Brigitte Burmeisters schöne Website entdeckt. Auf ihr macht sie den Roman "Anders oder vom Aufenthalt in der Fremde" online verfügbar! #

Cs. Schwellung am Hals hat uns sehr beunruhigt. - Ein durch die gewesene Grippe geschwollener Lymphknoten oder? Sie war deshalb am Freitag bei Dr. Jakob. Beobachten, Warten, Hoffen.

Vorgestern in Schmachte. # mein außerhalb Berlins gelegenes Gartengrundstück. Heute lebe ich hier. # Alle Obstbäume und -sträucher geschnitten. Schön war's dort.

C. (und S., # ihre Mutter #) waren den ganzen Tag mit Westberliner Verwandten zusammen.

 

21. Februar 1989 – angespannt

Mittwoch, März 11th, 2009


angespannte Tage (Gesundheit), Auseinandersetzungen um die Kollektivarbeit. Ich komme kaum dazu, die Statistik auf dem Laufenden zu halten, vom Protokoll ganz zu schweigen. Lehrgangsarbeit, WBA, APO. Grippe von C. und mir, Schwellung an ihrem Hals (operationsbedingt?). Bestes Verhältnis von uns beiden. Heute Abend WBA zum Wohngebietsfest.

13. Februar 1989 – Quartierwerbung Pfingsttreffen

Dienstag, März 10th, 2009


H. Sauerbrey erzählte eben, er habe im Wahlkreis III 140 Quartiere (von 750). In Mitte habe man 33% in Berlin 38% erreicht.

 

Die FDJ-Leitungen hätten Sorge, daß sie die Anzahl der FDJ-ler zusammenkriegen, die nach Berlin sollen.

# Ein Gefühl, daß es überall nur noch mit Krampf geht, entwickelte sich. Mir scheint, es läutete den Anfang des Endes der DDR ein. Die Partei SED, ihre Führung, war in keinen Augenblick zu einer klugen Gegenraktion in der Lage. Was empfand ich damals? Bin gespannt, was das Tagebuch noch ans Licht fördert.#

Lehrgang zurück von der Kollektivarbeit.

10. Februar 1989 – Nagorny Karabach

Dienstag, März 10th, 2009


Gestern Rückfahrt von Wasungen, Fernsehertransport, Bücherkäufe in Meiningen,

viel gelesen, viel geistige Arbeit. Nichts spiegelt sich hier.

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# Solche Informationen hatte es bisher noch nie gegeben. #